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Hausarbeit, 2003, 36 Seiten
Autor: Katja Fleck
Fach: Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Details
Institution/Hochschule: Universität der Künste Berlin (Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation)
Tags: Auslandspraktikum, Crashkurs, Kompetenz, Interkulturelles, Kommunikationsmanagement
Jahr: 2003
Seiten: 36
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-42661-9
Dateigröße: 125 KB
Sich dem Ausland zu stellen ist eine enorme Herausforderung, der größtes Glück und ungeahnter Horror folgen kann wohl die beste Möglichkeit, seine Grenzen zu erkennen, sie zu überspringen oder auch an ihnen zu scheitern. Das heutzutage nahezu obligatorische Auslandspraktikum steht hier im Fokus. Grundlage ist einerseits die Theorie: kulturelle Unterschiede und die Prozesse während eines Auslandsaufenthalts. Andererseits nutze ich meine eigenen Erfahrungen, um die Theorie in Frage zu stellen.
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eingereicht von:
Katja Fleck
Sommersemester 2003
1 Glück oder Horror: Leben und Arbeiten im Ausland
„People’s home is not where
they live.
Nor is it where they put
down their suitcase.
It is where they love. –
Feel at home!”
Diese Worte schrieb ich auf ein kleines, eingerahmtes Bildchen, das ich meinem Londoner Praktikumsleiter David zum Abschied kurz vor Weihnachten 2001 bastelte. David war selbst kein gebürtiger Engländer. Er wurde in Indien geboren und lebte dort, bis er nach der Schule in die Vereinigten Staaten zog, um dort zu studieren. Sein Vater war Amerikaner, seine Mutter Inderin. Nach seinem Studium in Amerika ging er nach England und fing dort an, als Fernsehregisseur zu arbeiten. Momentan lebt er teils in Brüssel, teils in London oder auch in Amerika – so, wie der Job es gerade verlangt. Als ich ihn einmal fragte, wo er sich eigentlich zu Hause fühlt, antwortete er, dass sein Zuhause der Ort ist, wo er seinen Koffer abstellt. Gut. Er war und ist oft unterwegs und kennt die ganze Welt. Der Koffer ist das Einzige, das ihm bleibt. Oder doch nicht? Ich habe während meines Praktikums in der Londoner Produktionsfirma Dovewell Communications, wo ich von August bis Dezember 2001 als Operation Assistant arbeitete, oft über seine Antwort nachgedacht und darüber, was ich mir selbst antworten würde. Letztendlich, nachdem ich knapp fünf Monate in London gelebt hatte, war mir klar: Zuhause ist das, wo ich Liebe finde und geben kann. Ich bin dort zu Hause, wo es Menschen gibt, die ich kenne und die mich kennen, die mir wichtig sind und denen ich wichtig bin. Diese Menschen habe ich in London gefunden.
Sich dem Ausland zu stellen ist eine enorme Herausforderung an die eigene Persönlichkeit, der größtes Glück und ungeahnter Horror folgen kann. Es ist die wohl beste Möglichkeit, seine Grenzen zu erkennen, sie zu überspringen oder auch an ihnen zu scheitern. Dank meiner neu gefundenen Freunde und meinem Willen, auch beruflich voranzukommen, überstand ich kleine und große Krisen, die sich aufgrund der Entfernung vom vertrauten Zuhause und der absolut unbekannten Situation im Ausland nicht vermeiden ließen, und empfinde ich jetzt meinen Aufenthalt in London als großes Glück, auch wenn ich vor Ort nicht nur einmal an einen frühzeitigen Abbruch dachte …
Diese Erfahrung ist ein Schatz für mein weiteres privates, akademisches sowie berufliches Leben. Die Bereitschaft, anderen zu helfen, Misstrauen beiseite zu schieben und sich zu öffnen, war im Ausland die absolute Bedingung für ein Leben, das nicht in Einsamkeit und Zurückgezogenheit erstickt. In der Fremde, umgeben von fremden Menschen, Sprachen, Religionen, Gewohnheiten und Witzen, entdeckte ich eine neue Identität. Denn hier wurde ich zum ersten Mal gefordert, das bisher Erlernte in einen völlig anderen Kontext zu integrieren, ohne dabei alles gleich über Bord zu werfen. Nach und nach wandelte sich das „Auf-mich-allein-gestellt-sein” in einer unbekannten Kultur von der Krise zum Glück mit leichten Schwankungen. Zurück in Deutschland begriff ich die Bedeutung meiner Zeit in London. Auf keine andere Weise hätte ich die Lektion des Miteinanderlebens und - arbeitens besser lernen können.
Diese Arbeit untersucht, wie wichtig interkulturelle Kompetenz heute bei zunehmender Globalisierung und Internationalisierung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ist, was das Leben im Ausland positiv und negativ bestimmt und wie man dem fast obligatorischen Kulturschock entrinnen kann. Das heutzutage nahezu obligatorische Auslandspraktikum im Lebenslauf gilt als beste Vorbereitung für spätere berufliche Herausforderungen in einer international aus-gerichteten Gesellschaft. Daher soll diese Form der Auslandserfahrung genauer betrachtet und die Möglichkeiten, sie am effektivsten und erfolgsversprechendsten zu gestalten, herauskristallisiert werden. Grundlagen hierfür sind einerseits die theoretischen Überlegungen zu kulturellen Unterschieden und den Prozessen, denen man sich während eines längeren Auslandsaufenthalts stellen muss. Andererseits gehe ich ebenfalls auf meine eigenen Erfahrungen in der Praxis zurück, um die Theorie gegebenenfalls in Frage zu stellen. Die Begriffe der Kultur und der interkulturellen Kompetenz können hier nur am Rande geklärt werden, da sie in ihrer Komplexität und Reichweite ein eigenes Thema darstellen. Eine tiefgründigere Untersuchung würde daher die Grenze dieser Arbeit überschreiten und den eigentlichen Fokus auf das Leben im Ausland verwässern.
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