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Termpaper, 2004, 28 Pages
Author: Isabel Chowanietz
Subject: Pedagogy - School Pedagogics
Details
Tags: Schule, Auseinandersetzung, Thema, Gesichtspunkten, Sozialpädagogik, Pädagogik, Schulsozialarbeit, Schulsozialpädagogik
Year: 2004
Pages: 28
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-42713-5
ISBN (Book): 978-3-638-65793-8
File size: 163 KB
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Abstract
Der Rohrstock gehört in der Schule mittlerweile (zum Glück) der Vergangenheit an. Doch auch heute noch gibt es "moderne" Formen der "Bestrafung", die jedoch den erzieherischen und pädagogischen Nutzen in den Vordergrund stellen und weit entfernt sind von der rein körperlichen Züchtigung vergangener Tage. So zum Beispiel das "Trainingsraum-Programm". Die in vielen Schulen an der Tagesordnung stehenden Unterrichtsstörungen durch einige wenige Schüler, haben in jüngster Zeit den Ruf nach Methoden, die den Lernalltag in der Schule stressfreiher und ruhiger gestalten sollen, verstärkt. In dieser Arbeit werde ich anfangs auf die besondere Bedeutung der Schule aus psychologischer Sicht eingehen, um einen Grundstein für das Verständnis der Strafe in diesem Zusammenhang zu legen. Nachfolgend werde ich das „Trainingsraum-Programm“ näher – wenn auch nur kurz – erläutern, um einen besseren Einblick in Sinn und Zweck des Programms, nämlich den einer modernen Disziplinarstrafe zu geben. Im Anschluss werde ich mich tiefer gehend und ausführlich mit dem Sinn und Zweck von Strafe in der Pädagogik beschäftigen und die Strafe aus pädagogischem und psychologischem Blickwinkel betrachten. Jedoch werde ich einen größeren Schwerpunkt auf die pädagogische Betrachtungsweise legen. Des Weiteren werde ich mich speziell dem Thema „Strafe in der Schule“ widmen und abschließend diskutieren, ob Strafe gemäß dem Schlagwort „Strafe muss sein!“ wirklich sein muss oder ob die Vorstellung der helfenden und unumgehbaren Sanktion in diesem Kontext nicht überholt erscheint. Zum Abschluss dieses letzten Kapitels werde ich auf diesem Hintergrund mein Praktikum und die Erfahrungen, die ich dort sammeln konnte, kritisch reflektieren und versuchen, eine eigene Position und einen eigenen Standpunkt zu diesem Thema zu finden.
Excerpt (computer-generated)
Strafe in der Schule - eine kritische Auseinandersetzung mit
dem Thema Strafe unter pädagogischen und
psychologischen Gesichtspunkten –
Strafe muss sein?
von: Isabel Chowanietz
INHALT
1. Einleitung 1
2. Die besondere Bedeutung der Schule 2
3. Das „Trainingsraum-Programm“ – ein Disziplinarprogramm in der Schule
3.1 Grundannahmen 4
3.2 Das Programm 6
4. „Strafe“ unter pädagogischen Gesichtspunkten
4.1 Was bedeutet eigentlich „Strafe“ in der Pädagogik? 8
4.2 Unterscheidung: Disziplinar- und Erziehungsstrafe 11
4.3 Die pädagogische Funktion der Disziplinarstrafe 11
4.4 Die pädagogische Funktion der Erziehungsstrafe 13
5. „Strafe“ unter psychologischen Gesichtspunkten
5.1 Definition von „Strafe“ in der Psychologie und die Legitimation ihrer Notwendigkeit 16
5.2 Erziehung und Strafe – pure Manipulation? 18
6. „Strafe“ in der Schule – Sinn und Zweck 19
7. „Strafe muss sein?“ 22
8. Literaturverzeichnis 26
1. Einleitung
Im Rahmen meines Studiums absolvierte ich mein Vordiplomspraktikum in einer Grund-, Haupt- und Realschule. In dieser Schule wurde zu der Zeit das so genannte „Trainingsraum- Programm“ initiiert, um die in den letzten Jahren vermehrt auftretenden Unterrichtsstörungen in den Griff zu bekommen. Bei diesem Programm handelt es sich um eine Art Disziplinarstrafe, die den Schülern auferlegt wird, wenn sie den Unterricht massiv stören. In Kapitel 3 werde ich darauf jedoch genauer eingehen. In Bezug auf die nachfolgende schriftliche Arbeit werde ich anfangs auf die besondere Bedeutung der Schule aus psychologischer Sicht eingehen, um einen Grundstein für das Verständnis der Strafe in diesem Zusammenhang zu legen. Nachfolgend werde ich, wie gesagt, das „Trainingsraum-Programm“ näher – wenn auch nur kurz – erläutern, um einen besseren Einblick in Sinn und Zweck des Programms, nämlich den einer modernen Disziplinarstrafe, und in meine während der Praktikumszeit tägliche Arbeitswelt zu geben. Im Anschluss werde ich mich tiefer gehend und ausführlich mit dem Sinn und Zweck von Strafe in der Pädagogik beschäftigen und die Strafe aus pädagogischem und psychologischem Blickwinkel betrachten. Jedoch werde ich einen größeren Schwerpunkt auf die pädagogische Betrachtungsweise legen. Des Weiteren werde ich mich speziell dem Thema „Strafe in der Schule“ widmen und abschließend diskutieren, ob Strafe gemäß dem Schlagwort „Strafe muss sein!“ wirklich sein muss oder ob die Vorstellung der helfenden und unumgehbaren Sanktion in diesem Kontext nicht überholt erscheint. Zum Abschluss dieses letzten Kapitels werde ich auf diesem Hintergrund mein Praktikum und die Erfahrungen, die ich dort sammeln konnte, kritisch reflektieren und versuchen, eine eigene Position und einen eigenen Standpunkt zu diesem Thema zu finden.
2. Die besondere Bedeutung der Schule
Vorab erscheint es mir wichtig zu klären, welche besondere Bedeutung der Schule im Leben eines jungen Menschen beigemessen wird. Was bedeutet die Schule an sich für die psychische Entwicklung des Kindes und des Jugendlichen? Wie ist ihr Stellenwert in der Entwicklung einzuordnen? Mit der Bewältigung der schulischen Anforderungen ebne sich der Jugendliche nicht nur den Weg zu finanzieller Eigenständigkeit und einer beruflichen Laufbahn. Die Art der Auseinandersetzungen mit den Leistungsanforderungen habe auch wesentlichen Einfluss auf das Selbstbild, also darauf, ob das Bedürfnis nach Geltung Selbstständigkeit und Erfahrung der eigenen Wirksamkeit zufrieden gestellt werden kann. Die Schule gebe die entscheidenden Rückmeldungen über die Fähigkeiten des Jugendlichen.1 Ich denke, dass diese Rückmeldungen dem Jugendlichen in gewisser Weise ein objektives Bild seiner selbst liefern. Er erfährt, wo er in der „Klassengesellschaft“ steht; ob er zu den „Guten“, den „Schlechten“ oder dem „Mittelmaß“ gezählt wird. Seine Leistungen werden honoriert (durch gute Noten) oder gerügt (durch schlechte Noten), wodurch eine ständige Auseinandersetzung mit dem eigenen Leistungsvermögen gewährleistet wird.
In diesem Zusammenhang sei besonders die Leistungsmotivation und Zielsetzung zu erwähnen.2 Schwierigkeiten und die eigene Leistungsfähigkeit müssten eingeschätzt und Lernstrategien entwickelt werden. Gut zu beobachten sei auch das Phänomen, dass mangelnder schulischer Erfolg und Fehleinschätzungen dazu führten, dass Jugendliche Selbstachtung und Zugehörigkeit außerhalb des schulischen Lernens suchen würden. In diesem Zusammenhang sei auch die individuelle Norm der Klassengemeinschaft wichtig. Ist diese leistungsfern, bestünde eine geringe Identifikation mit den schulischen Anforderungen.3 Als gutes Beispiel sehe ich hierfür, dass es als Schüler einer Schulklasse nicht nur wichtig ist, eine gewisse Leistungsstärke an den Tag zu legen – ebenso wichtig ist eine schulkritische Grundhaltung. Schulkonforme Schüler laufen eher Gefahr, weniger integriert oder gar ausgeschlossen und als „Streber“ gebrandmarkt zu werden. Aus diesem Konflikt können schwerwiegende Probleme hervorgehen.
Besonders in den Klassenstufen 6 bis 9 sei dieses Phänomen besonders ausgeprägt zu beobachten. Die Balance zwischen Beaufsichtigung und Lenkung einerseits und der Erziehung zur Selbstständigkeit andererseits einzuhalten sei in dieser Phase besonders schwierig.4 Massive häusliche Konflikte seien geradezu vorprogrammiert. Ist ein Schüler in dieser Phase gut in die Klassengemeinschaft eingebunden, so biete ihm diese Gemeinschaft Schutz. Fehle dagegen der Schutz der Gruppe, können Depressionsneigungen, Leistungsangst und somatische Belastungen steigen.5 In meinen Augen stellt die Schule im Leben eines Jugendlichen daher die erste Möglichkeit dar, sich seinen Platz in der Gesellschaft zu suchen – auch wenn es in diesem Stadium noch der Mikrokosmos der „Klassengesellschaft“ ist. Ist er der Klassenclown? Der zuverlässige Helfer? Der engagierte Anführer? Der stumme Mitläufer? Für mich ebnet sich bereits hier der Weg für das, was noch kommt. Die Suche nach der eigenen Identität, dem eigenen Selbst hat für mich den ersten Schritt in der Schule. Ob es, von diesem Standpunkt aus gesehen, sinnvoll erscheint, in der Schule Strafen (insbesondere Disziplinarstrafen) zu verhängen, sei an dieser Stelle dahingestellt. Ich stelle mir die Frage, ob diese Strafen nicht kontraproduktiv und mehr als Belastung denn als Chance für die Entwicklung des Selbst, der eigenen Persönlichkeit gesehen werden können.
3. Das „Trainingsraum-Programm“ – ein Disziplinarprogramm in der Schule
3.1 Grundannahmen
[...]
1 vgl. Reuthner, Stephan (2002): „Grundwissen Psychologie“, Cornelsen scriptor, Berlin, S. 29
2 vgl. ebd. S. 30
3 vgl. ebd. S. 30
4 vgl. ebd. S. 30
5 vgl. ebd. S. 30
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