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Bedeutungsanalyse des Romans "Zvezdnij bilet" von V.P. Aksenov

Autor: Daniela Weingartz
Fach: Russistik / Slavistik

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1998
Seiten: 35
Note: 2.0
Literaturverzeichnis: ~ 7  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 359 KB
Archivnummer: V45302
ISBN (E-Book): 978-3-638-42725-8
Anmerkungen :
Viele russische Textbeispiele in kyrillischer Sprache.

Textauszug (computergeneriert)

Ruhr-Universitat Bochum
Wintersemester 1997/1998

Titel des Proseminars:

Bedeutungsanalyse des Romans "Zvezdnij bilet" von V.P. Aksenov

von

Daniela Weingartz

 

 

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung 3

1. Die Entstehung des neuen Modells der russischen Prosa der vierten Generation 5

2. Das literarische System Jeansprosa unter Berücksichtigung des Romans von Aksenov 8

3. Bedeutungsanalyse des Romans [in Downloaddatei] 11
3.1 Systemideologie 11
3.1.1 Basis-Opposition Jugendliche vs. Erwachsene 11
3.2 Systempoetik 15
3.2.1. Konfiguration 15
3.2.2 Handlung 25
3.2.3 Initiation und Initiationsreise 25
3.2.4 Erzählsituation 31

4. Zusammenfassung 34

Literaturverzeichnis

 

 

0. Einleitung

[in Downloaddatei enthalten]

1. Die Entstehung des neuen Modells der russischen Prosa der vierten Generation

Nach dem XX. Parteitag im Jahre 1956 vollzog sich in der russischen Prosa ein Wandel, der von der „Ablösung vom sozialistischen Realismus“2 geprägt war. Das bislang bestehende Programm des sozialistischen Realismus und das damit verbundene Prosamodell, das sowohl inhaltlich als auch formell der Ideologie dieses Programms entsprach, sollte den Massen Vorbilder schaffen, sie erziehen und von der Richtigkeit der Entscheidungen in der Politik überzeugen. In dieser Zeit kündigten sich in der russischen Prosa neue Strömungen an. Es folgte eine Literatur, die durch ihr kritisches Wesen gekennzeichnet war. Diese Kritik richtete sich gegen den sozialistischen Realismus, ebenso wie gegen die gesellschaftlichen und moralischen Werte, die weit über Stalins Tod bis in die Mitte der fünfziger Jahre unreflektiert aufrechterhalten wurden. Zu den ersten Schriftstellern, die „mit der öffentlichen Verurteilung Stalins und des «Personenkultes»“ begannen und somit „die direkte und polemische Auseinandersetzung um die moralischen und ästhetischen Probleme“3 auslösten, zählten Aleksandr Solzenicyn, Vladimir Dudincev, Daniil Granin, Jurij Nagibin und Aleksandr Jasin.

Die sowjetrussische Prosa der sechziger Jahre brachte neue dynamische Tendenzen zum Vorschein, die durch "eine Evolution der Erzählformen und eine Evolution des literatursprachlichen Standards in allen Ausdrucksbereichen"4 charakterisiert war. Prosaautoren wie Vasilij Suskin, insbesondere Anatolij Gladilin und Vasilij Aksenov versuchten die streng schematisierten Erzählformen des sozialistischen Realismus sowohl durch Einsatz von Kurzmonologen der Protagonisten als auch durch abwechselnden Bericht verschiedener Ich-Erzähler zu sprengen. Aksenov erreichte dies in seinem Kurzroman [in Downloaddatei - kyrillische Schrift] mittels Konfiguration zweier Figuren, deren Schicksale gelegentlich in der anderen Person reflektiert werden. Diese Erzähltechnik ermöglichte die Einsicht in unterschiedliche Wertmaßtabe, was wiederum eine Individualisierung der Moralvorstellung zur Folge hatte und letztlich mit dem totalitären Prinzip des sozialistischen Realismus vollends opponierte.5

Bis zum Jahre 1963 beschäftigte sich die sowjetische Presse nahezu ausschließlich mit „der Frage nach der Bestimmung, nach dem Weg der jungen Generation in der kommunistischen Gegenwartsgesellschaft.“6 Ein Kritiker der „Literaturzeitschrift“, Felix Kusnezow, prägte den Begriff der „vierten Generation“ - einer Generation, die er folgendermaßen definierte: „Der junge Sowjetmensch, der geboren wurde, als der Sozialismus bereits reale Tatsache war. Er entwickelte sich…geistig und moralisch im Klima neuer gesellschaftlicher Beziehungen, indem er organisch die Wärme, die Luft und das Licht der neuen sozialen Atmosphäre aufnahm.“7 Der Literaturkritiker und Verteidiger des reformistischen Lagers, Lew Annenskij, sah die Zugehörigkeit zur vierten Generation in zwei Daten verankert; zum einen im XX. Parteitag der Sowjetunion und zum anderen im Kriegsausbruch 1941: „Das Jahr 1941 hat die Nachkriegsgeneration von ihren älteren Brüdern geschieden. […] Wir haben es mit einer Generation zu tun, die in den dreißiger Jahren geboren wurde. Sie hat ihre eigene Physiognomie und ihr eigenes Schicksal.“8 Obgleich der literarische Nachwuchs dieser Zeit aufgrund seiner klaren Sprache und moralischen Vorbildlichkeit allseits Lob einholen konnte, wurden dennoch Vorwürfe von fehlender geistiger und gesellschaftlicher Reife der fiktiven Figuren laut. Diese stehen in großem Widerspruch zu dem zuoberst angeführten Zitat. Eine Begründung für diese Vorwürfe suchte man im kommunistischen System, das dem Jugendlichen von jeher zwei Leitbilder aufdiktierte: das sentimentalemotionale, das an den Idealismus des jungen Menschen appellierte neben dem doktrinär-weltanschaulichen Leitbild, das den Menschen an eine Ideologie band. Die kommunistische Autoritätserziehung galt als Ergebnis einer Anpassung beider Komponenten aneinander.

[....]


1  [in Downloaddatei]

2 Holthusen, Johannes: Russische Literatur im 20. Jahrhundert. München: Fink 1978, S.248.

3 ebd., 1978, S.248.

5 ebd., 1978, S.271-272.

6 Ssachno, Helen von: Der Aufstand der Person. Sowjetliteratur seit Stalins Tod. Berlin: Argon 1965, S.221.

7 ebd., 1965, S.222.

8 ebd., 1965, S.226.

Kommentare

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