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Der Umgang mit dem Schuldproblem in Nathaniel Hawthornes "The Scarlet Letter"

Hauptseminararbeit, 2005, 31 Seiten
Autor: Naemi Fast
Fach: Amerikanistik - Literatur

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 31
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 15  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V45318
ISBN (E-Book): 978-3-638-42740-1

Dateigröße: 331 KB


Textauszug (computergeneriert)

Johannes Gutenberg - Universität Mainz
Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Hauptseminar: Romantik - narrativ
Wintersemester 2004-05

Der Umgang mit dem Schuldproblem
in Nathaniel Hawthornes
"The Scarlet Letter"

von

Naemi Fast

1. Hauptfach: Mittlere und Neuere Geschichte (07)
2. Hauptfach: Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (07)

Abgabedatum: 29. Juli 2005

 


Inhaltsverzeichnis

I. Der biblisch- puritanische Schuldbegriff 3

1. Schuld und Sühne in der Bibel 3
a) Das Problem der Schuld 3
b) Die Lösung des Schuldproblems durch Gott 3

2. Zum puritanischen Schuldverständnis 5
a) Die Entstehung der puritanischen Bewegung 5
b) Theologie und Ethik der Puritaner 6

3. Das "private" Problem Hawthornes mit der Schuld 7

II. Die Schuld in "The Scarlet Letter" 9

1. Der Tatbestand als Schuld 9
a) Verstoße gegen Gebote Gottes und daraus resultierende gesellschaftliche Ordnungen 9
b) Schuld an einzelnen Personen 11

2. Auswirkungen der Schuld auf die einzelnen Personen 12
a) Hester Prynne 13
b) Arthur Dimmesdale 14
c) Roger Chillingworth 15

III. Mittel der Verdeutlichung der Schuld- und Sühneproblematik 17

1. Biblisch begründete Hinweise 17
a) David, Bathseba und Prophet Nathan 17
b) Der Pranger als Symbol für das Kreuz Jesu 19

2. Die Rolle des roten A 20
a) In den Augen der Gesellschaft 20
b) Für Hester 21
c) Für Dimmesdale 23
d) Für Pearl 23

Schluss 28

Benutzte Literatur 30

 

 

Einleitung

Nathaniel Hawthorne gehört zu den Begründern der spezifisch amerikanischen Literatur. Sein bekanntestes Werk, "The Scarlet Letter", zuerst erschienen am 16. März 1850 in Boston, beschäftigt sich mit einer Fülle von Einzelheiten aus einem breiten Themenspektrum, das sowohl die spezifisch amerikanische Vergangenheit als auch menschliche Probleme, unter anderem sehr aktuelle, anspricht, hinterfragt und nach Lösungen sucht. Im Zentrum von "The Scarlet Letter" steht das Problem der Schuld. Der von den beiden Haupthelden begangene Ehebruch liegt zu Beginn der Handlung bereits ein Jahr zurück und wird an sich nicht thematisiert. Es geht in der gesamten "Romance" um den Umgang der betroffenen Parteien mit dieser Tat und deren Folgen. Die Ehebrecherin, der betrogene Mann, der Liebhaber, die puritanische Gesellschaft, das Kind - ein jeder bewertet und verarbeitet sie unterschiedlich und erlebt dementsprechend unterschiedliche Folgen im Leben. Die vorliegende Arbeit soll sich mit dem Schuldproblem, dessen Verständnis und dessen Auswirkungen auf diese einzelnen Personen bzw. die Gesellschaft beschäftigen, unter Einbeziehung des Hintergrundes des Autors und einiger Thesen aus der Sekundärliteratur.

"The Scarlet Letter is an allegory of the Puritan conscience; it is also an historical novel," schreibt Douglas Grant in seiner Einleitung zu der Oxforder Ausgabe von 1965. Man geht meistens in der Sekundärliteratur davon aus, dass die Schuldproblematik in diesem Roman auf dem puritanischen Verständnis von Schuld und Sühne basiert. Diese kann man im Einzelnen nicht nachvollziehen, ohne die Grundlagen des puritanischen Glaubens zu kennen. Es ist interessant, diese mit dem Verständnis Hawthornes zu vergleichen, der sich selber nicht zu ihrem Glauben bekannte. Deshalb soll als Grundlage für die Beschäftigung mit der Schuldproblematik der auf der biblischen Lehre basierende puritanische Schuldbegriff dienen. Dieser soll der Aussage von "The Scarlet Letter" gegenübergestellt werden, die anhand einzelner betroffener Personen in der Handlung untersucht werden soll.

Da über Hawthorne allgemein und vor allem über "The Scarlet Letter" eine große unübersichtliche Menge an Sekundärliteratur erschienen ist, möchte ich mich auf einige ausgewählte Aufsätze beschränken. Ansonsten soll die Arbeit hauptsächlich aus Textuntersuchung bestehen, in enger Beziehung auf die hinter diesem Text stehende puritanische Bibelinterpretation, aus dem heraus sich ihr Schuldverständnis konzipiert.

Ich bin mir dessen bewusst, dass ich bei weitem nicht alle Aspekte dieser breiten Thematik im Rahmen einer Hauptseminararbeit ausschöpfen kann und beschränke mich daher auf einige, mir wesentlich erscheinende Punkte.

Naemi Fast

Frankenthal, Juni 2005

I. Der biblisch- puritanische Schuldbegriff

1. Schuld und Sühne in der Bibel

a) Das Problem der Schuld

Die ganze Bibel handelt im Grunde genommen von der Beziehung zwischen Gott und den Menschen, in der Gott zwar die zuerst handelnde Person ist, der Mensch aber selber Entscheidungen treffen kann. Diese Beziehung begann damit, dass Gott den Menschen schuf, weil Er ein Wesen als Gegenüber haben wollte, mit dem Er kommunizieren konnte, auf einer anderen Ebene als mit den Engeln, die „dienstbare Geister“1 sind und nur einen eingeschränkten Willen haben. Die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch war in der ersten Zeit persönlich und ungetrübt, basierte aber schon auf gewissen Bedingungen, die Gott den Menschen gestellt hatte.2 Er gab den beiden ersten Menschen, Adam und Eva, einen wunderschönen Garten mit vielen Früchten und Tieren zur freien Verfügung, mit der Einschränkung, dass sie nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen durften. Der Bruch in der uneingeschränkten Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf passierte in dem Moment, als die Menschen auf die Versuchung der Schlange hin diese Forderung Gottes übertraten und von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen aßen. Ihr schlechtes Gewissen brachte die beiden Menschen dazu, sich vor Gott zu verstecken. Auf dessen Frage, was geschehen sei, versuchten beide, die Schuld für den Ungehorsam von sich zu schieben. Damit war die erste Sünde geschehen, die im Eigentlichen darin bestand, dass die Beziehung zwischen Gott und den Menschen durch ihre eigene Schuld gebrochen war. Die Konsequenzen ihres Handelns bekamen die ersten Menschen sofort ziemlich hart zu spüren. Da Gott heilig und rein ist, kann Er nicht Gemeinschaft mit Sündigen haben und die Menschen mussten den Paradiesgarten, in dem sie Gottes Gemeinschaft genossen hatten, verlassen. Der Mensch kam in einen Zustand der Sündhaftigkeit, aus dem er sich selbst nicht befreien konnte und der ihn von Gott trennte. Seitdem ist die Sünde, also die Übertretung von Gottes Forderungen, das grundlegende Problem der Menschheit, denn niemand ist fähig, alle Gebote Gottes einzuhalten.

b) Die Lösung des Schuldproblems durch Gott

Das Problem der gebrochenen Beziehung zwischen Gott und Mensch war so unüberbrückbar groß, dass von Seiten der Schuldiggewordenen keine Chance bestand, die Beziehung zu Gott wieder herzustellen. Im Laufe der Jahrhunderte erwiesen sich sämtliche Versuche der Menschen, sich mit Gott zu versöhnen als ungenügend. Der heilige und reine Gott konnte eben nicht mit den sündigen Menschen in Kontakt treten, und sündig waren alle Menschen:

[....]


1 Brief an die Hebräer 1,14.

2 Dazu siehe Genesis 2 und 3.


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