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Termpaper, 2004, 15 Pages
Author: Matthias König
Subject: Politics - Methods, Research
Details
Institution/College: University of Potsdam (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Tags: Experten-Interviews, Forschung, Theoretische, Grundlagen, Durchführung, Einführung, Fallstudienforschung
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-42839-2
File size: 231 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
6. Fachsemester
Experten-Interviews in der politikwissenschaftlichen
Forschung - Theoretische Grundlagen und
praktische Durchführung
von: Matthias König
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Anwendungsgebiete und Grundcharakteristika von Experten-Interviews 4
2 Die Vorbereitung auf ein Experten-Interview 6
3 Die Durchführung eines Experten-Interviews 8
4 Die Auswertung eines Experten-Interviews 12
5 Fazit 14
Literaturverzeichnis
Einleitung
In der politikwissenschaftlichen Forschung sind Experten-Interviews ein weit verbreitetes Erhebungsverfahren im Rahmen qualitativer Forschungsprojekte. Trotz ihrer häufigen Anwendung sind sie methodisch bisher wenig bearbeitet worden und werden in den meisten Lehrbüchern über empirische Forschungstechniken - wenn überhaupt - nur am Rande erwähnt. Nur wenige Autoren haben sich dieser Form der mündlichen Datenermittlung bisher explizit gewidmet und diese methodisch reflektiert. Zu nennen sind an dieser Stelle vor allem die Aufsätze von Meuser und Nagel (1991 und 1994), Abels und Behrens (1998) sowie Schmid (1995), welche die wesentlichen textlichen Grundlagen dieses Papiers bilden. Die thematischen Schwerpunkte in diesen Aufsätzen sind unterschiedlich. Während bei den einen Fragen des Feldzugangs und Probleme des Diskursverlaufs im Vordergrund stehen (so bei Abels und Behrens, 1998), richtet sich das Augenmerk der anderen vor allem auf Strategien und Probleme der Interviewauswertung (so bei Meuser und Nagel, 1991). Anliegen des Papiers ist es, die Erkenntnisse dieser unterschiedlichen Betrachtungsweisen in einem Gesamtkonzept zu vereinen. Auf diese Weise sollen die drei Phasen eines Experten-Interviews (Vorbereitung, Durchführung und Auswertung) anschaulich gemacht werden und konkrete Empfehlungen zur Vorgehensweise gegeben werden. Zentral ist bei der Darlegung der verschiedenen Phasen die Frage nach dem maximalen Nutzen für den Forscher. Anders formuliert: Wie sollte der Forscher im jeweiligen Stadium des Forschungsprozesses vorgehen, um seine Ziele bestmöglich zu erreichen? Ausgangspunkt ist eine theoretische Schilderung des Experten-Interviews als Forschungstechnik. Es soll deutlich gemacht werden, in welchen Bereichen es eingesetzt wird, wodurch es sich auszeichnet, und worauf es abzielt (Kapitel 1).
Anschließend wird auf die Vorbereitungsphase einer Expertenbefragung eingegangen. Hier wird vor allem der Auswahl der „richtigen“ Gesprächspartner, der Leitfadenkonstruktion sowie der inhaltlichen Vorbereitung auf ein Gespräch besondere Beachtung geschenkt (Kapitel 2). Die Kernpunkte des dritten Kapitels, das sich mit der eigentlichen Gesprächssituation beschäftigt, bilden verschiedene Strategien und Taktiken der Interviewführung, insbesondre der angemessene Umgang mit Interaktionseffekten. Das vierte Kapitel widmet sich schließlich der Interviewauswertung. Die einzelnen Arbeitsschritte einer von Meuser und Nagel entwickelten Auswertungsstrategie werden in Form einer Anleitung vorgestellt.
1 Anwendungsgebiete und Grundcharakteristika von Experten-Interviews
Der Einsatz von Experteninterviews ist in den verschiedensten Forschungsfeldern verbreitet. Häufig als ergänzende Instrumente der Datenerhebung im Rahmen eines Methodenmix, aber auch als eigenständige Verfahren, kommen sie in der Policy- und Implementationsforschung, in der Eliten- und Verwendungsforschung sowie in der Industriesoziologie zum Einsatz (vgl. Meuser/Nagel 1994: 123). Insbesondre dann, wenn der Wissensstand über die Struktur eines Forschungsgegenstands so gering ist, dass die Anwendung eines standardisierten Verfahrens unmöglich ist oder keinen Sinn macht, nutzt man Experten-Interviews um quantitativ nicht messbare Hintergrundinformationen zu erhalten, die zur Klärung eines Problembereichs beitragen (vgl. Brosi u.a. zitiert in Schmid 1995: 310). Gegenstand von Experten-Interviews sind Wissensbestände im Sinne von Erfahrungsregeln, die das Funktionieren von sozialen und politischen Systemen bestimmen. Dazu zählen ungeschriebene Gesetze des Expertenhandelns, handlungsleitende Regeln jenseits von Verordnungen, Deutungsmuster und Relevanzstrukturen (vgl. Meuser/Nagel 1994: 123). Der Expertenstatus ist ein „soziales und methodisches Konstrukt“ (Deeke zitiert in Abels/Behrens 1998: 81). Wer Experte ist, hängt somit von der jeweiligen Fragestellung ab. Allgemein kann gesagt werden, dass als Experte entweder interviewt wird, wer in irgendeiner Weise Verantwortung trägt für einen Entwurf, eine Implementierung oder die Kontrolle einer Problemlösung, oder aber wer über privilegierten Zugang zu Informationen über Personengruppen oder Entscheidungsprozesse verfügt, die für die jeweilige Fragestellung relevant sind (vgl. Meuser/Nagel 1991: 443). Abels und Behrens (1998: 81) bezeichnen Experten darüber hinaus als in der Regel „gut ausgebildete und statusbewusste Personen, die es gewohnt sind, sich darzustellen, mit Fragesituationen umzugehen und komplexe Zusammenhänge darzulegen“.
Experten-Interviews stellen eine spezifische Form qualitativer Interviews dar. Eigenheiten in der Gesprächsführung und in der Gesprächsauswertung – auf die in den folgenden Kapiteln ausführlicher eingegangen wird – zeichnen dieses Verfahren aus und unterscheiden es von anderen qualitativen Befragungsmethoden (vgl. Meuser/Nagel 1997: 482). Die Spezifik des Experten-Interviews liegt in erster Linie im Zweck den das Verfahren für den Forscher hat. Es geht um Informationsgewinnung, darum, das bereits vorhandene Wissen zu vertiefen und besser interpretieren zu können. Im Gegensatz zu normalen Interviews ist nicht die Persönlichkeit des Interviewpartners von Interesse – es wird dementsprechend nicht nach individuellen Einstellungen oder dessen Biographie gefragt – sondern der organisatorische und institutionelle Zusammenhang in dem er agiert oder über den er aus anderen Gründen besonders gut informiert ist. Der Befragte wird also nicht als Person sondern als Repräsentant einer Organisation oder Institution angesprochen und soll allein als Informationslieferant fungieren (vgl. Schmid 1995: 310).
[...]
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