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Am Ende der Moral? Zu A. MacIntyre´s pessimistischer Moraldiagnose und deren Überwindungsstrategie in 'After Virtue'

Diploma Thesis, 2004, 101 Pages
Author: Stefan Dengel
Subject: Ethics

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2004
Pages: 101
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 109  Entries
Language: German
Archive No.: V45552
ISBN (E-book): 978-3-638-42937-5

File size: 335 KB
Notes :
Eine Analyse des Werks "After Virtue", deutsch: "Der Verlust der Tugend" von Alasdair MacIntyre, einem der Begründer der sog. neuen Tugendethik. Die Argumentationslinie des Werks und annähernd alle kritischen Anfragen an das Werk werden en nuce dargestellt und bewertet. Die bislang in deutscher Sprache wohl ausführlichste Abhandlung zu diesem Thema mit einer umfassenden Bibliographie.



Excerpt (computer-generated)

Diplomarbeit und Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des 1. Staatsexamens für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Theologie und Geschichte an der Albert- Ludwigs- Universität Freiburg i. Br.

Am Ende der Moral? Zu A. MacIntyre´s pessimistischer Moraldiagnose und deren Überwindungsstrategie in „After Virtue“

Vorgelegt von: Stefan Dengel
2004

 

Inhaltsverzeichnis

1. Reform oder Revolution? Eine Einführung in die Problemstellung ... 4

2. Philosophie oder Propaganda? Über Intentionen und Methoden ...  6
2.1 Der Erkenntnisweg zur Lebensaufgabe ... 7
2.2 Konzeption, Methode und Darstellungsweise ... 10

3. Die Demontage des „Projekts der Aufklärung“. Darstellung und Ursachenanalyse des jetzigen moralischen Verfallszustandes ... 15
3.1 Die emotivistische Gegenwartskultur ... 16
3.1.1 Das moralische Dilemma als Ansatzpunkt ... 16
3.1.2 Der Emotivismus als Ursachenanalyse ... 17
3.1.3 Die postmoderne Anthropologie als Fundierung ... 19
3.2 Die geschichtsphilosophische Darstellung der Aufklärung ... 20
3.2.1 Der geschichtsphilosophische Ansatz als Untersuchungsmethode ...  21
3.2.1.1 Das Untersuchungsformat ... 23
3.2.1.2 Die rationale Aufklärung ... 25
3.2.1.3 Die sensualistische Aufklärung ... 28
3.2.2.1 Die neue Rationalität als Ursache und Systemfehler ... 31
3.2.2.2 Die These in der Diskussion ... 31
3.3 Das moralische Defizit der modernen Gegenwartsgesellschaften ... 34
3.3.1 Die vorherrschenden Ethiken als Katalysatoren des Dilemmas ... 38
3.3.2 Die Gesellschaftsordnung als soziologische Grundbedingung der Ethik ... 42
3.4 „Nietzsche oder Aristoteles?“ Eine kritische Zwischenbilanz ... 47

4. Ein völlig anderer Ansatz. Die Revitalisierung der aristotelischen Tugendethik  ... 47
4.1 Die klassische Tradition der Tugendbegründung ... 48
4.2 Ein modernes Tugendkonzept ... 55
4.2.1 Die Kerndefinition der Tugenden durch den Begriff der Praxis ... 57
4.2.2 Die zweite Definitionsebene als das lebenslange Streben nach dem Guten ... 56
4.2.3 Die Rahmendefinition der Tradition ... 58
4.3 Kritische Anfragen ... 60
4.3.1 Die mangelnde Normativität der strukturellen Teleologie ... 61
4.3.2 Die Problematik der narrativen Struktur ... 63
4.3.3 Praxen, Tugenden und ihre Realitätsnähe ... 66
4.4 Eine überzeugende Alternative ...  75

5. Licht am Ende des Tunnels? Das Ende von „After virtue“ zwischen Agonie und Konstruktivismus ... 78
5.1 Eine Degenerationsgeschichte als Traditionsvergleich ... 79
5.2 Die Soziologie als Grundlagenproblem  ... 86
5.3 Ein konstruktiver Überwindungsversuch ... 91

6. Moral am Ende? Standortbestimmung und Ausblick von „After Virtue ... 91

7. Bibliographie ... 95

 

1. Reform oder Revolution?

Eine Einführung in die Problemstellung

Mit dem angeblichen Beweis dafür, daß die westlichen Gegenwartsgesellschaften ihre Moral unwiederbringlich verloren haben, hat „After Virtue“ seinem Autor Alasdair MacIntyre 1981 schlagartig einen exponierten Platz in der angelsächsischen Moralphilosophie beschert. Seine Untersuchung ist im Kontext der neoaristotelischen Versuche zur Revitalisierung einer Tugendethik (virtue ethics) zu sehen, deren Ziel es ist, die in der Neuzeit vergessene ethische Zentralkategorie der Tugend wieder zu einem moralischen Angelpunkt zu machen. Dementsprechend steht bei diesen Entwürfen der Charakter der Handelnden im Schlaglicht des Interesses. Vor dem Hintergrund eines gesteigerten Bewusstseins hinsichtlich der Probleme ausschließlich handlungsorientierter Ethiken entwickelten sich in den letzten 25 Jahren im nordamerikanischen Raum verschiedene Tugendethikentwürfe, die im letzten Jahrzehnt auch im deutschsprachigen Raum auf ein großes Interesse stießen. „After Virtue“ kann zu den Initialwerken dieser Strömung gerechnet werden, wobei es aufgrund seiner Interdisziplinarität in einem bedeutenden Maße auch zum Aufschwung des Kommunitarismus beigetragen hat.
Allein daher ist es nicht verwunderlich, daß MacIntyre seine Analyse mit einer Kritik an der gegenwärtigen Moralität beginnt und dann die Ursachen dieses Zustandes zu analysieren versucht. Seiner Meinung nach besteht das Problem darin, dass spätestens nach Kant „der Verlust der Tugend“ die ganze Ethik in eine Orientierungskrise gestürzt hat. Zu seinem Ziel, der Begründung der Vorrangstellung der Tugend(en) in einer Ethik, gehört dementsprechend sowohl der Beweis, dass eine Normbegründung mit tugendausschließenden Theorien zwangsläufig scheitern müsse, als auch, dass mit einer Tugendethik alle ge- und verbotenen Normen schlüssig abgeleitet werden können.
In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob die Diagnose MacIntyres über den Zustand der Gegenwartsmoral zutreffend ist und ob sein Konzept zur Revitalisierung einer Tugendethik erfolgreich sein kann. Bei der Diskussion über die Möglichkeiten zur Verwirklichung und über die Konsequenzen von MacIntyres Konzeption stellt sich explizit die Frage nach dem Verhältnis zwischen tugendethischen und normenethischen Begründungsansätzen: Genügt eine tugendethische Reform der bisherigen normenethischen Ansätze oder bedarf es einer konsequenten Ablösung dieser Theorien durch eine tugendethische Revolution?
Die konzeptionelle Herausforderung besteht darin, gleichzeitig der literarischen und philosophischen Konzeption MacIntyres und der wissenschaftlich gebotenen, abstrakten Reflexionsebene gerecht zu werden. Dazu wird zunächst in einem kurzen Abriss auf die Entfaltung der Fragestellung sowie die Argumentationsstruktur und die Methodik des Werks eingegangen. Dies ist deswegen notwendig, weil sich die Gliederung dieser Untersuchung aufgrund der gebotenen Kürze und der Fülle der zu verarbeitenden Informationen an der Vorgehensweise von „After Virtue“ orientiert, während zum Verständnis der angefügten Kritik zumindest eine ungefähre Kenntnis des gesamten Werks notwendig ist. Die folgende dreischrittige Analyse ist jeweils in Darstellung, Diskussion und abschließende Bewertung der Thesen gegliedert. In der Schlussbetrachtung wird neben einer kritischen Würdigung auch ein Ausblick auf die Möglichkeiten zu geben sein, die sich aus diesem Ansatz ergeben.
Für eine objektive Beurteilung der Aussagen ist das Heranziehen der früheren und späteren Veröffentlichungen des Autors unerlässlich, denn in ihnen werden die jeweiligen Gedankengänge detailliert entfaltet, die hier aufgrund der Informationsdichte schon vorausgesetzt oder nur angesprochen wurden. Da sich aber relativ schnell sowohl die Perspektive MacIntyres als auch der Blickwinkel seiner Kritiker veränderte, ist es zur Vermeidung einer anachronistischen Interpretation geboten, die neuere Literatur bezüglich ihres Blickwinkels kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls auch auszusondern. Während es in der angelsächsischen Philosophie zahlreiche Detailstudien zu MacIntyre gibt, finden sich im deutschsprachigen Bereich meist nur mehr oder weniger gelungene Darstellungen in Rezensionen , Überblickswerken oder in Untersuchungen, die auf MacIntyres Ansatz aufbauen und ihn zur Untermauerung ihrer Forschungen anführen . Eine der vorliegenden Arbeit vergleichbar ausführliche und auf „After Virtue“ bezogene Untersuchung findet sich allerdings weder in der deutsch- noch der englischsprachigen Moralphilosophie.

[...]



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