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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 39 Pages
Author: Anne Grabinsky
Subject: American Studies - Culture and Applied Geography
Details
Institution/College: University of Rostock (Institut für Anglistik/Amerikanistik)
Tags: Thelma, Louise, Geschlechtergrenzen, Film, Gender, Film, Music
Year: 2004
Pages: 39
Grade: 1,3 (sehr gut)
Bibliography: ~ 46 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-43028-9
ISBN (Book): 978-3-638-65819-5
File size: 806 KB
Thelma (Geena Davis) und Louise (Susan Sarandon) begeben sich auf eine kulturell urmännlich besetzte Flucht quer durch den Südwesten der USA. Wie aber funktioniert dieser Rollentausch? Gelingt es dem Film, traditionelle Klischees aufzubrechen oder wird die Geschichte der beiden Frauen trotz veränderter Vorzeichen doch nur wieder innerhalb der Geschlechterkonvention erzählt? Anhand einer umfassenden Analyse der filmischen Mittel wird in dieser Studie die Konstruktion von Gender untersucht.
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Abstract
Ridley Scotts Thelma and Louise war im Kinosommer 1991 ein Überraschungserfolg. Das Erstlingsdrehbuch von Callie Khouri gewann einen Oscar. Gleichzeitig wurde der Film zum meistdiskutierten Streifen dieser Zeit in den USA. Die Extreme der Filmkritik reichten von dem Vorwurf, der Film sei männerfeindlich und die Frauen darin moralisch zu verurteilende Kriminelle, bis zur feministischen Kritik, die Protagonistinnen würden lediglich Männerrollen übernehmen anstatt sich eigene Lebenswege zu eröffnen. Tatsächlich revolutioniert Thelma and Louise das urmännliche Genre des Roadmovie nicht. Darum geht es auch nicht. Stattdessen zeigt der Film zwei Frauen, die wegen einer kompromisslos männlich dominierten Gesellschaft in ihrer Selbstverwirklichung scheitern.
Excerpt (computer-generated)
„Thelma & Louise“: Das Überschreiten der Geschlechtergrenzen
von: Anne Grabinsky
8. Semester
„[…] in Thelma and Louise, two women’s lives change when they leave the
utopia for élite men which is called America.”1
Inhalt
1. Einleitung: Der Film im Spiegel von Kritik und Entstehungszeit 3
1.1 Rezeption 3
1.2 Entstehungszeit 5
1.3 Ziel der Hausarbeit 6
2. Die Repräsentation von Gender in Thelma and Louise 7
2.1 Genre 7
2.2 Räumlichkeit 9
2.3 Filmmusik 15
2.4 Visualität und die Entwicklung der Protagonistinnen 18
2.4.1 Charakterisierung 18
2.4.2 Sequenzanalyse: Der Aufbruch 21
2.4.3 Maskuline Rollen feminin ausgefüllt 22
2.4.4 Das Spiegelmotiv 23
2.5 Thelma und Louise in Begegnung mit Männern 26
2.5.1 Die versuchte Vergewaltigung als Katalysator des Veränderungsprozesses 26
2.5.2 J. D. 29
2.5.3 Der Trucker 29
2.5.4 Hal Slocumbe 30
2.6 Der Selbstmord – Metapher für die Macht des Patriarchats oder Schlag ins Gesicht? 30
3. Schlussbetrachtung 33
4. Literatur- und Abbildungsverzeichnis 35
1. Einleitung: Der Film im Spiegel von Kritik und Entstehungszeit
Ridley Scotts Thelma and Louise war im Kinosommer 1991 ein Überraschungserfolg und das Erstlingsdrehbuch von Callie Khouri gewann einen Oscar. Gleichzeitig wurde der Film zum meistdiskutierten Streifen dieser Zeit in den USA. Ersteres verwundert nicht, kann sich der Zuschauer doch problemlos mit den beiden schlagfertigen, menschlichen und attraktiven Titelheldinnen identifizieren, aus deren ereignislosem Leben unerwartet ein abenteuerlicher Road Trip durch die atemberaubende Landschaft des amerikanischen Südwestens wird. Die großen Themen dieses Films sind direkt aus dem Leben gegriffen und sprechen den Durchschnittszuschauer deshalb auch an: Es geht darum, die eigenen Stärken zu entdecken, sich von Bindungen, in denen man nur gibt ohne etwas zurückzubekommen, zu lösen und um unerschütterliche Freundschaft. Die besondere Würze erhält der Film dadurch, dass hier Genres, die traditionell männlich besetzt sind, von zwei Frauen erobert werden, die sie innerhalb derer Grenzen auf ihre Art interpretieren.
1.1 Rezeption
Die ideologische Kontroverse, die der Film bei Erscheinen vor allem in den USA auslöste und die auch noch Jahre später in der Forschungsliteratur aktuell bleibt, erscheint dagegen gemessen am Anspruch des Films und aus der zeitlichen Distanz von 13 Jahren heraus reichlich übertrieben. Die Extreme der Filmkritik reichen von dem Vorwurf, der Film sei männerfeindlich2 und die Frauen darin moralisch zu verurteilende Kriminelle3, bis zur feministischen Kritik, die ihm vorwirft, die Protagonistinnen würden nur Männerrollen übernehmen anstatt sich eigene Wege zu eröffnen, ihre Persönlichkeit auszuleben. Letztere ist der Auffassung, Thelma and Louise würde dadurch, dass die Frauen männliche Charakterzüge und Verhaltensweisen annehmen, die geschlechtlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen negieren, was dazu führe, dass das Maskuline in der Hierarchie weiterhin höher steht als das Feminine.4 Ihr ist der Film außerdem zu unpolitisch, fliehen Thelma und Louise doch nach der Beinahe- Vergewaltigung anstatt sich ihr Recht vorbildhaft zu erkämpfen oder ihr Unrecht zumindest öffentlich zu thematisieren. Außerdem sei er zu plakativ und würde sich nicht differenziert genug auf die Gender-Debatte einlassen Diese Kritiken sind unhaltbar, da sie auf den Film nicht zutreffen. Sie zeigen jedoch, wie groß einerseits die Unsicherheit im patriarchalisch eingestellten Lager war und wie hoch andererseits die Frauenbewegung die Messlatte gehängt hatte: Wenn schon ein Beitrag zum empowerment der Frau, dann bitte auch nach den Spielregeln des Feminismus. Der erste Vorwurf übersieht die individualisierte Männerdarstellung im Film und lässt das Motiv der Frauen, weshalb sie auf dem Weg der Selbstbefreiung zur Waffe greifen, völlig unberücksichtigt. Er verurteilt Thelma und Louise, die den Truck in die Luft jagen, nicht aber die obszönen Gesten des Truckers5 und unterstellt außerdem, Thelma und Louise würden in einer Art kriminellem Wahn ziel- und kopflos wüten. Diese Art von Kritik kommt vornehmlich von Männern, welche die bestehende patriarchale Gesellschaftsordnung durch starke Frauen gefährdet sehen. 6 Offensichtlich besteht diese Befürchtung auch weiterhin. In einem willkürlich ausgewählten aktuellen Internetforum7 gibt es einige Kommentare privater Filmfans, die sich dieser Meinung anschließen und sie sogar um den Vorwurf des Sexismus unter umgekehrten Vorzeichen erweitern.8
Auf die feministische Kritik antwortet Khouri, es sei „not fair to judge [the movie] in terms of feminism“9. Sie und Regisseur Scott hätten nicht die Absicht gehabt, einen Film nach den Konventionen und Dogmen des Feminismus zu drehen, sondern einfach einen, der ganz normale Frauen dabei zeigt, wie sie sich aus ihren Abhängigkeiten von der Männerwelt heraus zu starken Persönlichkeiten entwickeln. Zwischen diesen Extremen hat der Film natürlich auch Anerkennung erfahren. Vor allem die Abrechnung mit dem Machismo, der Frauen zu Sexobjekten degradiert, und die Selbst-Bewusstwerdung der beiden Frauen im Verlauf des Films haben positive Reaktionen bei Kritikern und Zuschauern hervorgerufen. Zusammen mit zeitgenössischen Filmen wie Silence of the Lambs (1991) kann er zu einer kleinen Gruppe von Filmen gezählt werden, die genrespezifisch normalerweise von Männern dominiert werden, nun aber weibliche Rollen in den Mittelpunkt stellen. 10 So spielen diese Filme bewusst mit den Genrekonventionen.
1.2 Entstehungszeit
Interessant ist, dass zeitgleich mit der Veröffentlichung des Films zwei Ereignisse die amerikanische Öffentlichkeit beschäftigten, die thematisch auch den Film bestimmen und die Gesellschaft für Genderfragen sensibilisierten. Zum einen war dies der von einem großen Medienrummel begleitete Prozess Patricia Bowman gegen William Kennedy Smith wegen Vergewaltigung, den Bowman aufgrund der aussichtslosen Beweislage verlor.11 Der von ihr geschilderte Tathergang entspricht genau der Erfahrung, die Thelma fast im Silver Bullet macht, einem so genannten date- oder aquaintance rape. Der Film war also, obwohl das Drehbuch etwas früher entstanden sein muss, von aktueller Brisanz. Replace "Thelma and Louise" with two guys, say "Frank and Bill", and you would have the most sexist movie on the planet. But since it′s two women, they get away with all the male-bashing you can take.
[...]
1 BARR, Marleen (1991), “Thelma and Louise: Driving Toward Feminist SF; Or, Yes, Women Do Dream of Not Being Electric Sheep”, Foundation: The Review of Science Fiction, Vol. 53, 83.
2 Merkin beispielsweise bemerkt “a strikingly adolescent hostility towards men” (MERKIN, D. (1991), “Are These Women Bullies?“ New York Times, 140 (21 June), sec. 4, 17.).
3 Grenier und Baber z. B. betiteln ihre Essays mit „killer bimbos“ bzw. „guerrilla feminism“ (GRENIER, R. (1991), “Killer Bimbos”, Commentary, No. 92 (September), 50-52 bzw. BABER, A. (1991), “Guerilla Feminism”, Playboy, Nr. 38 (October), 45).
4 CODY, G. A. and W. J. SWIFT (1997), “Feminism, Feminist Cinema, and Thelma and Louise: A View from Cybernetics”, The Psychoanalytic Review, Vol. 84, No. 1, 50.
5 BARR (1991), 83.
6 Nicht von ungefähr ist ein solcher Verriss beispielsweise im Männermagazin Playboy erschienen, das Frauen grundsätzlich zu Sexobjekten stilisiert und aus der Perspektive des male gaze abbildet (BABER, A. (1991), “Guerilla Feminism”, Playboy, Nr. 38 (October), 45).
7 URL: < http://www.imdb.com/title/tt0103074/usercomments > (eingesehen am 25.05.2004).
8 Merwyn Grote, St. Louis, Missouri, 12 March 2004: Overlooking for a moment Thelma and Louise′s blatant sexism: all the men are liars, cheats, rapists or morons; all the women are "Victims" with a capital "V" - even as they kill, rob and vandalize their way across the US Southwest. […] It is one of the perversions of feminism that women measure their success by the standards set by men, even when they would otherwise condescendingly criticize that behavior as being negative and/or macho. In this case, adventures that would be mocked as sexist if perpetrated by men, are embraced as being empowering when committed by women. Also, it is the added dynamics of the situations: if Thelma and Louis victimized any women, their defenders would not praise their actions because it would be a violation of the "sisterhood." It is only the targeting of male victims that earn this film its praise: Surely pure, unadulterated sexism - or is that feminism? It′s hard to tell the difference. (Anonym), Colorado, 29 December 2003:
9 Zit. nach ROHTER, Larry, (1991), ”The Third Woman of Thelma and Louise”. New York Times, No. 140 (5 June), C21.
10 TASKER, Yvonne (2002), “Action Heroines in the 1980s: The Limits of ‘Musculinity’”, Graeme TURNER (ed.), The Film Cultures Reader, London/New York: Routledge, 297.
11 Für weitere Informationen empfiehlt sich der Aufsatz “Overview of the William Kennedy Smith Rape Trial“, der im Internet unter <www.oup.com/pdf/0195123298_01.pdf > (eingesehen am 15.07.2004) zu finden ist.
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