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Dyskalkulie - Ursachen, Bedingungen, Erscheinungsformen und Diagnose der Rechenschwäche

Hausarbeit, 2002, 24 Seiten
Autor: Kathrin Morawietz
Fach: Mathematik - Mathematik als Schulfach

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 24
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V45675
ISBN (E-Book): 978-3-638-43033-3

Dateigröße: 227 KB


Textauszug (computergeneriert)

Dyskalkulie – Ursachen, Bedingungen, Erscheinungsformen
und Diagnose der Rechenschwäche

von: Kathrin Theysohn

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Das Angstfach Mathematik 3

2. Der Begriff der Dyskalkulie 4

3. Verschiedene Ursachen einer Dyskalkulie 5

3.1 Biologisch-organische Beeinträchtigungen 5
3.2 Psychische, emotionale und soziale Beeinträchtigungen 6
3.3 Schulische Belastungen 6
3.4 Beeinträchtigung der Raumwahrnehmung 6

4. Kritische Einwände 7

4.1 Quantitative und qualitative Eigenschaften von Fehlern 7
4.2 Gleichsetzung von Intelligenz und Leistung 7
4.3 Die Annahme einer Normalschulfähigkeit 8
4.4 Rechenschwäche vs. Teilleistungsschwäche 9

5. Erste Hinweise auf das Vorliegen einer Rechenschwäche 9

6. Diagnose von Dyskalkulie 10

7. Der Mathematikstoff der ersten Grundschuljahre 11

8. Spezifische Probleme von rechenschwachen Kindern 12

8.1 Schwierigkeiten bei Bewegungsabläufen 12
8.2 Wahrnehmungsschwierigkeiten 12
8.3 Schwierigkeiten beim Rechnen 13

8.3.1 Schwierigkeiten beim Erfassen einer Menge 13
8.3.2 Schwierigkeiten mit Kardinal- und Ordinalzahlen 13
8.3.3 Schwierigkeiten mit dem Stellenwertsystem 14
8.3.4 Schwierigkeiten bei arithmetischen Aufgaben 15
8.3.5 Schwierigkeiten bei Textaufgaben 15

9. Typische Verhaltensmerkmale von rechenschwachen Kindern 16

10. Umgang mit Anschauungsmaterial und Hilfsmitteln 17

11. Fehlerermittelung 17

12. Nachhilfeunterricht in Mathematik 18

13. Rechenförderung – Zum Aufbau einer Förderkultur 19

13.1 Lerntherapie oder Förderunterricht? 19
13.2 Zur Behandlung einer Rechenschwäche 20
13.3 Ziele einer Rechentherapie 21

14. Ausblick 21

15. Literaturverzeichnis 23


 

1. Einleitung: Das Angstfach Mathematik

Mathematik nimmt im Schulunterricht eine bedeutende Stellung ein, ist jedoch für viele Schüler ein wahres Angstfach. Viele von ihnen vertreten den Standpunkt, Mathematik könne man gar nicht verstehen, das Fach sei viel zu abstrakt, spreche nur den Verstand an und blende das Gefühl völlig aus, weshalb Jungen auch besser rechnen könnten als Mädchen. Wer in diesem systematisch aufgebauten Fach gut abschneidet, wird sogleich als Genie angesehen und man bewundert seine außerordentlichen Fähigkeiten. Was passiert jedoch, wenn der Schulerfolg ausbleibt, Kinder Schwierigkeiten im Rechnen haben, sich die schlechten Mathematiknoten häufen oder sogar eine Rechenschwäche diagnostiziert wird? Eltern und Lehrer reagieren dann meist mit der altbewährten Forderung nach mehr Übung. Viele Schüler erzielen dennoch keine besseren Erfolge im Umgang mit Zahlen. Das mag daran liegen, dass noch immer eine Lücke im Behandlungsangebot besteht, so dass eine Rechenschwäche in vielen Fällen zu eskalieren droht bzw. gravierende Folgestörungen eintreten können, insbesondere dann, wenn die rechenschwachen Kinder aufgrund der vielen Misserfolge eine Vermeidungs- bzw. Abwehrhaltung dem Rechnen gegenüber entwickeln. Falls Kinder mit Zahlen aus irgendwelchen Gründen unangenehme Gefühle verbinden, ist es durchaus vorstellbar, dass sie in der Schule keine mathematischen Informationen an sich he ranlassen. Rechengestörte Kinder können die mathematischen Anforderungen in der Schule nicht bewältigen, schneiden bei Tests und Klassenarbeiten mit schlechten Noten ab und brauchen sehr lange, um die Hausaufgaben in Mathematik zu bearbeiten, wobei in anderen Schulfächern keinerlei Schwierigkeiten auftreten müssen.

Eltern und Lehrer werden solche Kinder zunächst dazu anhalten, mehr zu üben. Fehlt rechenschwachen Kindern jedoch die Lernfreude, der eigenen Antrieb und die innere Motivation, führt auch vermehrtes Üben zu keiner dauerhaften Besserung. Manche Kinder reagieren auf Misserfolge mit Wutausbrüchen und Beschimpfungen, andere resignieren und ziehen sich in sich selbst zurück. Einige Kinder zeigen sogar körperliche Stressreaktionen wie Bauch- und Kopfschmerzen oder Erbrechen, wenn eine Mathematikarbeit angekündigt wird. Übertriebener Ehrgeiz der Eltern oder der Kinder kann zudem dazu führen, dass vielfältige emotionale Folgestörungen, wie Angst, Misstrauen und Verunsicherung eintreten. Dyskalkulie- bzw. Lerntherapien können betroffenen Kindern und Eltern helfen, diesen Leidensdruck, der immer wieder zu schulischen und häuslichen Konflikten führt, zu überwinden.1

2. Der Begriff der Dyskalkulie

Dyskalkulie ist ein „sehr undifferenzierter Begriff für die Schwierigkeit Rechenaufgaben zu lösen und mathematische Begriffe zu verstehen“2. Das Phänomen der Rechenschwäche / Rechenstörung bezeichnet eine angeborene oder erworbene Störung im Rechnen bzw. im Umgang mit Zahlen, das Fehlen eines Verständnisses für die Mathematik, ihren Aufbau und ihre Operationen, die mangelnde Vorstellung von Mengen sowie fehlendes Verständnis für Zahloperationen. Kurz und bündig kann die Rechenschwäche als „akzentuiertes Rechenversagen im Schulleistungsbereich“3 bezeichnet werden, wobei eine „kumulierte und durch partielle Förderung nicht behebbare negative Lernbiographie“4 den Lernzuwachs erschwert. Das Ausmaß der Störung überschreitet das Maß des Normalen und gehört zum Bereich der so genannten Teilleistungsstörungen. Bei Teilleistungsstörungen handelt es sich um spezielle „Leistungsdefizite in begrenzten Funktionsbereichen“5, wenn man davon ausgeht, dass sich komplexe kognitive Funktionen aus Teilfunktionen zusammensetzen, deren reibungsloses Zusammenspiel eine Gesamtfunktion erst ermöglicht. Teilleistungsschwächen können z.B. den Umgang mit Zahlen und das Rechnen betreffen und zu einem chronischen Versagen in Mathematik führen, während in anderen Fächern gute bis sehr gute Leistungen erzielt werden. Die Leistung im Fach Mathematik weicht von der eigentlich möglichen Leistung des Kindes ab, d.h. dass eine durchschnittliche Intelligenz eigentlich durchschnittliche Leistungen in Mathematik erwarten lässt, bei rechenschwachen Kindern jedoch ständiges Versagen in diesem Bereich festgestellt werden kann. Rechenschwache Kinder fallen durch ganz spezifische, schwerwiegende Defizite im Fach Mathematik auf. Bei etwa einem Drittel dieser Kinder zeigen sich zusätzlich Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen oder Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung. Eine Rechenschwäche gilt dabei ebenso wie die Lese-Rechtschreib-Schwäche als eine behandlungsbedürftige Entwicklungsstörung.6

3. Verschiedene Ursachen einer Dyskalkulie

Worin die Ursachen von Dyskalkulie und ähnlichen Lernstörungen wie z.B. ADS / ADHS und LRS liegen, kann man immer noch nicht mit Sicherheit bestimmen. Liegt das Problem beim defizitären Kind oder können ungünstige Lebens- und Lernbedingungen für die Störung verantwortlich gemacht werden?

3.1 Biologisch-organische Beeinträchtigungen

Insbesondere amerikanische Hirnforscher gehen davon aus, dass die Schädigung bestimmter Hirnbereiche zu der Teilleistungsschwäche Dyskalkulie führen kann. Sie führen das Phänomen der Rechenschwäche auf eine genetische Veranlagung zurück. Angeborene Defizite, die das Seh- oder Hörvermögen, den Tast- oder Gleic hgewichtssinn beeinträchtigen, können z.B. Wahrnehmungsstörungen hervorrufen, die Verarbeitungen von Reizen oder die Orientierung erschweren und das räumliche Vorstellungsvermögen behindern. Störungen in der Informationsaufnahme bzw. - verarbeitung können dazu führen, dass bestimmte Reize, wie z.B. einzelne Ziffern oder Rechenzeichen, nicht richtig wahrgenommen werden. 7 Wissenschaftler sprechen häufig von einer „minimalen cerebralen Dysfunktion“8 und meinen damit, dass das Gehirn eines rechenschwachen Menschen geringfügig geschädigt ist. Die Annahme einer Hirnschädigung weckt jedoch den Eindruck, eine Rechenschwäche sei therapieresistent, dauerhaft und könne nicht behoben werden. Außerdem ist es meiner Meinung nach eher unwahrscheinlich, dass eine organische Hirnschädigung nur den mathematischen Bereich betrifft und nicht das Denken im Allgemeinen. Es ist mehr als fraglich, ob tatsächlich bestimmte Gene existieren, die einem so speziellen Bereich des Denkens zugeordnet werden können. Führt ein „defektes 0-Gen“9 etwa zum fehlerhaften Umgang mit der Zahl Null, während ein „beschädigtes Additionsgen“10 das Addieren erschwert?11

3.2 Psychische, emotionale und soziale Beeinträchtigungen

[...]


1 vgl. Krüll, 2000, S.9ff.

2 Preuschoff, 1997, S.164.

3 Grissemann / Weber, 1982, S.14.

4 Lorenz / Radatz, 1993, S.26.

5 Helbig / Opp / Speck-Hamdan, 1999, S.21.

6 vgl. Helbig / Opp / Speck-Hamdan, 1999, S.21f.

7 vgl. Ebhardt, 2005, S.13f.

8 Röhrig, 2001, S.140.

9 Röhrig, 2001, S.147.

10 Röhrig, 2001, S.148.

11 vgl. Röhrig, 2001, S.140ff.


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