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Scholary Paper (Seminar), 2004, 41 Pages
Author: M.A. Manuela Feldkamp
Subject: Law - Media, Multimedia Law, Copyright
Details
Institution/College: University of Münster (Institut für Kriminalwissenschaften)
Tags: Medienwirkungsforschung, Jugend, Kriminalität
Year: 2004
Pages: 41
Grade: 15 Punkte
Bibliography: ~ 39 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-43081-4
File size: 337 KB
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Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Kriminalwissenschaften
Abt. IV - Kriminologie
Seminar: Jugend und Kriminalität
6. Fachsemester
Was will und kann die Medienwirkungsforschung leisten?
von: Manuela Feldkamp
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Das Stimulus-Response-Modell als Basistheorie 2
2. Der Einfluss der Systemtheorie auf die Medienwirkungsforschung 5
2.1 Die Entwicklung der Systemtheorie 5
2.2 Niklas Luhmann – Die Theorie sozialer Systeme 8
2.2.1 Doppelte Kontingenz 9
2.2.2 Komplexität 9
2.2.3 Sinn und Selektivität 10
2.2.4 Erleben und Handeln 11
2.2.5 Handlung und Kommunikation 11
2.3 Die Kernaussagen der Theorie sozialer Systeme 12
3. Der Einfluss des Radikalen Konstruktivismus auf die Medien-Wirkungsforschung 13
3.1 Vorwort 13
3.2 Die Konstruktion von Wirklichkeit 15
3.3 Der Einfluss von Massenmedien auf die Konstruktion von Wirklichkeit 16
3.3.1 Massenmedien und das Problem der Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation 16
3.3.2 Das Fernsehen als Konstrukteur von Wirklichkeiten 17
4. Zwischenfazit 19
5. Erweiterte Wirkungsmodelle 20
5.1 Rezipienten-orientierte Ansätze 20
5.1.1 Die Theorie des Zweistufenflusses der Kommunikation 20
5.1.2 Der Uses-and-Gratification-Approach 21
5.2 Medien-orientierte Ansätze 22
5.2.1 Die Kultivierungshypothese 22
5.2.2 Die Knowledge-Gap-Hypothese 23
6. Fazit 24
Literaturverzeichnis 27
Einleitung
„Gewalt erzeugt Gegengewalt“ sang die Popgruppe Die Ärzte im Jahre 1996 und bezog sich dabei auf gewaltsame Konflikte zwischen Jugendlichen. Dass dieser Aussage während der vergangenen Jahre immer größere Bedeutung zugekommen ist, wird vornehmlich den Medien und ihren Angeboten angelastet. Genährt wird diese Schuldzuweisung immer dann, wenn dramatische Ereignisse einen Rückschluss vom Medienkonsum der Akteure auf deren Verhaltensweisen zulassen. 1 Im Kreuzfeuer der Kritik steht neben Computerspielen, die es dem Nutzer ermöglichen, in einer virtuellen Welt Gewaltphantasien und Aggressionen auszuleben, vornehmlich das Massenmedium Fernsehen. „Das Fernsehen hat durch die Ablichtung von realer und fiktiver Darstellung von Gewalt im Programm die Bereitschaft zu gewalttätigen Konfliktlösungen in der Gesellschaft erheblich gesteigert! Das ist eine populäre These über die Wirkungsweise des Fernsehens. […] sei es als Bericht oder Meldung über Regionen der Dritten Welt, als Schreckensbericht über das Blutbad in Ex-Jugoslawien […]. Was immer mehr zu zählen scheint, ist die vordergründige Bildsensation, arrangiert für die Atemlosigkeit der Fernsehsekunde.“ ([1]) Dem Medium Fernsehen wird hier vorgeworfen, die gesellschaftlichen Werte und Normen dahingehend zu verschieben, dass eine Desensibilisierung der Zuschauer erfolgt und sie Gewalt als eine Form der Problemlösung akzeptieren.
Kritiker, die in dieser Art und Weise argumentieren, gehen demnach von einer starken Wirkungskraft der Medien aus. Gegner dieses Ansatzes weisen indes immer wieder darauf hin, dass es vielmehr die gesellschaftliche Entwicklung selber ist, die diesen Wertewandel zur Folge hat. Ein Einfluss der Medien wird in diesem Zusammenhang zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, ihm kommt aber nur geringe Bedeutung zu. Ob und gegebenenfalls wie sich die verschiedenen Argumentationen begründen lassen, soll in den nachfolgenden Ausführungen zu der Entwicklung und den Erkenntnissen der Medienwirkungsforschung untersucht werden. Dazu erfolgt in Kapitel 1 zunächst ein Überblick über deren Anfänge, in dem die Gegenstände und Probleme dieses Forschungsfeldes vorgestellt werden. Da das Stimulus-Response-Modell als das erste und somit als klassisches Wirkungsmodell gilt, stellt es eine Art Grundlage für alle nachfolgenden Modelle dar und findet deshalb zu Beginn dieser Ausführungen besondere Beachtung. Widerlegt werden die Annahmen dieses Modells insbesondere durch die Systemtheorie und den daran angelehnten Radikalen Konstruktivismus. Beide Ansätzen hatte maßgeblichen Einfluss auf die Ausarbeitung und Ausdifferenzierung weiterer Wirkungsmodelle und werden deshalb unter den Kapiteln 2 und 3 vorgestellt. Daran anschließend erfolgt ein kurzes Zwischenfazit, so dass unter Kapitel 4 darauf eingegangen werden kann, wie sich die Medienwirkungsforschung unter dem Einfluss der Erkenntnisse der Systemtheorie, speziell der Theorie sozialer Systeme Luhmanns, und des Radikalen Konstruktivismus weiterentwickelt hat. Unter Kapitel 5 werden die verschiedenen Argumentationen unter dem Aspekt der Frage, was die Medienwirkungsforschung tatsächlich leisten kann und mit welchen Problemen sie sich konfrontiert sieht, analysiert.
1. Das Stimulus-Response-Modell als Basistheorie
Bereits der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.) beschäftigte sich mit der Frage, wie Kommunikation wirkt und entwickelte mit seiner Lehre der Rhetorik ein Modell, welches die Basis für ein Wirkungsmodell, das heute unter der Bezeichnung Stimulus-Response-Modell bekannt ist, darstellt. Seine Überlegungen bezogen sich, mangels Präsenz anderer Medien, ausschließlich auf die mündliche Kommunikation. Ausgearbeitet von verschiedenen Rhetorikern dieser Zeit und schließlich von Quintilian (35-38 n. Chr.) erstmalig formuliert, stellt sich Kommunikation demnach durch vier Positionen dar:
1. Kommunikator (personal)
2. Situation (locus, tempus)
3. Kanal (instrumentum)
4. Aussage (factum) (Vgl. Merten 1974: 144).
Das klassische Stimulus-Response-Modell, 1927 von Harold D. Lasswell2 im Rahmen seiner Propagandaforschung entwickelt, greift diese Positionen in Anlehnung auf das aus der Physik stammende Reiz- Reaktionsmodell weitestgehend auf. Seinen Überlegungen geht die Frage „Who says what in which channel to whom with what effect?“ voraus (vgl. Schmidt 2000: 58).
Der Kommunikator bestimmt darüber, welche Angebote er dem Rezipienten unterbreitet. Diese Entscheidung ist allerdings nicht nur ein Produkt seiner subjektiven Selektion, sondern wird daneben durch zahlreiche äußere Aspekte, wie beispielsweise der Kritik der Öffentlichkeit, getragen. Alle auf die Selektion einwirkenden Faktoren bestimmen die Aussage und somit sekundär auch die Wirkung. Der Stimulus kann sowohl eine einzelne aber auch eine Sammlung von Aussagen darstellen. So wird insbesondere das Fernsehen oftmals für seine Programmstruktur, und somit für eine Sammlung von Aussagen, kritisiert. Der Rezipient ist schließlich der Empfänger aller Stimuli. (Vgl. Maletzke 1981: 16f) Das Stimulus-Response-Modell unterstellt den Medien, dass sie ihre Botschaften auf den Rezipienten abfeuern und dieser sich, sobald er ´getroffen´ wurde, deren Wirkungen nicht mehr entziehen kann. Lasswell sah die Gesellschaft als eine große Masse, die aus vielen einzelnen aber gleichartigen Individuen besteht. Diese Individuen sind den Botschaften der Massenmedien, aufgrund der Isolation von anderen Individuen, schutzlos ausgeliefert.
[...]
1 Beispielhaft war in diesem Zusammenhang der Amok-Lauf des Erfurter Schülers Robert Steinhäuser im Jahre 2002. Steinhäuser, so wird gemutmaßt, hatte aufgrund eines Schulverweises die Nerven verloren, dreizehn Lehrer, zwei Schüler, einen Polizisten und schließlich sich selber erschossen. Einen Großteil seiner Freizeit soll er mit dem Ansehen von Gewalt verherrlichenden Filmen und der Beschäftigung mit derartigen Computerspielen verbracht haben. Diese sollen ihn auch zu seiner Tat animiert haben (vgl. [2])
2 Harold D.Lasswell (*1902; †1978): amerik. Politik- u. Kommunikationswissenschaftler
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