Akustische Analyse einer ataktischen Dysarthrie

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Details
Autor: Kathrin Lölfing
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)
Institution/Hochschule: Universität Bielefeld
Jahr: 2005
Seiten: 55
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 914 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-43155-2
ISBN (Buch): 978-3-638-70756-5
Akustische Analyse und Fallbeschreibung eines Patienten mit ataktischer Dysarthrie
Zusammenfassung / Abstract
Der Verlauf des Studiums der Klinischen Linguistik sieht ein Jahrespraktikum in einer neurologischen Sprachtherapeutischen Abteilung vor. Dieser vorliegende Praktikumsbericht entstand im Rahmen des Jahrespraktikums auf einer neurologischen Akutstation in einem Bielefelder Krankenhaus. In der vorliegenden Fallbeschreibung wird der Patient Herr K. vorgestellt. Der Praktikumsbericht gliedert sich wie folgt: Im ersten Teil wird eine theoretische Einführung in die zentrale Sprechstörung „Dysarthrie“ gegeben, welche Definition, Differentialdiagnose und Klassifikation beinhaltet. Es folgt eine detaillierte Beschreibung der ataktischen Dysarthrie mit den charakteristischen Symptomen Im Anschluss an den theoretischen Teil wird im zweiten Kapitel der Arbeit die Sozialanamnese von Herrn K. kurz dargestellt. Danach wird die neurologische und neurolinguistische Diagnostik, die die auditive und akustische Analyse beinhaltet, beschrieben Im weiteren Verlauf der Arbeit soll Bezug auf die Therapie genommen werden. Dieser Teil gliedert sich in Akutphase und Ambulanz, wobei ich den Schwerpunkt auf den Zeitpunkt der ambulanten Therapie gesetzt habe, die ich mit größerer Intensität und selbstständig vornahm. Zum Zeitpunkt der Akutphase befand ich mich in den Anfängen meines Praktikums und war daher noch nicht maßgebend an der Therapie beteiligt. Im fünften Kapitel wird die Abschlussdiagnostik vorgestellt. Hier soll ein Vergleich der ersten akustischen Messung während der Akutphase mit einer zweiten Messung zum Praktikumsende den Therapieverlauf und Therapieerfolge aufzeigen. Im letzten Kapitel wird schließlich eine Prognose abgegeben. Weiterhin wird kurz diskutiert, inwieweit die akustischen Messungen in der Praxis sinnvoll sind. Dem Bericht angefügt sind Sonagramme, die für einige ausgewählte Items erstellt wurden sowie einige Tabellen, die die Messwerte beider akustischer Analysen präsentieren. Zuletzt folgen einige ausgewählte Therapiematerialien.
Textauszug (computergeneriert)
Akustische Analyse einer ataktischen Dysarthrie
von: Kathrin Lölfing
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Theoretischer Teil: Dysarthrie, ataktische Dysarthrie 3
2.1 Definition, Differentialdiagnose, Klassifikation 3
2.1.1 Definition 3
2.1.2 Differentialdiagnose 3
2.1.3 Klassifikation 4
2.2 Ataktische Dysarthrie 5
2.2.1 Symptome der ataktischen Dysarthrie 6
3. Fallbeispiel: Ein Patient mit ataktischer Dysarthrie 8
3.1 Sozialanamnese 8
3.2 Neurologische Diagnose 8
3.3 Neurolinguistische Diagnostik und akustische Analyse in der Akutphase 8
3.3.1 Auditive Diagnostik 8
3.3.2 Akustische Analyse 10
4. Therapie 19
4.1 Therapie in der Akutphase 19
4.2 Therapie Ambulanz 19
4.3 Therapieziele 20
4.4 Therapiedurchführung 21
5. Abschlussdiagnostik 22
5.1 Akustische Analyse im Vergleich 22
5.2 Prognose 26
6. Fazit 27
Literaturverzeichnis 29
Tabellen und Abbildungsverzeichnis 30
Anhang (Sonagramme, Screeningergebnisse, Therapiematerial)
1. Einleitung
Im Rahmen meines Studiums der Klinischen Linguistik an der Universität Bielefeld absolvierte ich von März 2004 bis Februar 2005 ein Jahrespraktikum in der Abteilung für Sprachtherapie im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld. In diesem Zeitraum sah ich mich mit nahezu sämtlichen Sprach- und Sprech- sowie Stimm- und Schluckstörungen konfrontiert, die in einer neurologischen Klinik behandelt werden. Nachdem ich in den ersten Wochen meines Praktikums überwiegend hospitiert hatte, bekam ich später die Möglichkeit, selbstständig Erfahrungen mit Patienten zu sammeln, indem ich unter Supervision die therapeutische Betreuung sowohl stationärer als auch ambulanter Patienten übernahm. In der vorliegenden Fallbeschreibung wird der Patient Herr K. vorgestellt, der zu Beginn meines Praktikums im März 2004 auf der neurologischen Station des Krankenhauses behandelt wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt führte ich unter Anleitung erste Therapieeinheiten mit dem Patienten durch. Nach genau einem Monat wurde Herr K. an die Rehabilitationsklinik am Rosenbach in Bad Oeynhausen überwiesen.
Als sich der Patient nach Beendigung seiner Anschlussheilbehandlung in der Rehaklinik Mitte September 2004 wieder in der sprachtherapeutischen Ambulanz des Evangelischen Krankenhauses meldete, wurde die Therapie von mir und einer weiteren Praktikantin unter Supervision von Ulrike Grage zweimal wöchentlich ambulant fortgesetzt. Durch die positiv scheinenden Einflussfaktoren (junges Alter, Optimismus, große Motivation und Compliance des Patienten) wurde mein Interesse an dem Patienten geweckt. Zudem sah ich es als Herausforderung an, mich näher mit dem eher seltenen Krankheitsbild der ataktischen Dysarthrie und der akustischen Analyse zu beschäftigen. Die Diagnostik der Äußerungen dysarthrischer Patienten beschränkt sich dabei in der Praxis aus zeittechnischen und alltagspraktischen Gründen meist auf die auditive Analyse. Der Praktikumsbericht gliedert sich wie folgt:
Im ersten Teil wird eine theoretische Einführung in die zentrale Sprechstörung „Dysarthrie“ gegeben, welche Definition, Differentialdiagnose und Klassifikation beinhaltet. Es folgt eine detaillierte Beschreibung der ataktischen Dysarthrie mit den charakteristischen Symptomen. Im Anschluss an den theoretischen Teil wird im zweiten Kapitel der Arbeit die Sozialanamnese von Herrn K. kurz dargestellt. Danach wird die neurologische und neurolinguistische Diagnostik, die die auditive und akustische Analyse beinhaltet, beschrieben. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll Bezug auf die Therapie genommen werden. Dieser Teil gliedert sich in Akutphase und Ambulanz, wobei ich den Schwerpunkt auf den Zeitpunkt der ambulanten Therapie gesetzt habe, die ich mit größerer Intensität und selbstständig vornahm. Zum Zeitpunkt der Akutphase befand ich mich in den Anfängen meines Praktikums und war daher noch nicht maßgebend an der Therapie beteiligt. Im fünften Kapitel wird die Abschlussdiagnostik vorgestellt. Hier soll ein Vergleich der ersten akustischen Messung während der Akutphase mit einer zweiten Messung zum Praktikumsende den Therapieverlauf und Therapieerfolge aufzeigen. Im letzten Kapitel wird schließlich eine Prognose abgegeben. Weiterhin wird kurz diskutiert, inwieweit die akustischen Messungen in der Praxis sinnvoll sind. Dem Bericht angefügt sind Sonagramme, die für einige ausgewählte Items erstellt wurden sowie einige Tabellen, die die Messwerte beider akustischer Analysen präsentieren. Zuletzt folgen einige ausgewählte Therapiematerialien.
2. Theoretischer Teil: Dysarthrie
2.1 Definition, Differentialdiagnose, Klassifikation
2.1.1 Definition
Der Terminus „Dysarthrie“ bezeichnet eine erworbene, neurogene sprechmotorische Störung, die nach einer Schädigung des zentralen Nervensystems auftritt. Daraus resultiert, dass die Kontrolle von Kraft, das Bewegungstempo und auch der Bewegungsumfang bei der Ausführung von Sprechbewegung beeinträchtigt sind. Der aus dem Griechischen stammende Begriff Dysarthrie bezieht sich auf das hauptsächliche Symptom der Krankheit. Die Vorsilbe „dys“ bedeutet „Miss-“, „arthren“ heißt übersetzt „Artikulation“. Da bei einer Dysarthrie nicht nur eine Störung der Lautbildung vorliegt, sondern meist auch die Phonation (Stimmgebung), die Sprechatmung und die Prosodie mit betroffen sind, findet sich in der Fachliteratur häufig die Bezeichnung Dysarthrophonie oder auch Dysarthropneumophonie.1 Die Hauptursachen der Dysarthrien sind traumatische und zerebrovaskulär bedingte Hirnschädigungen sowie entzündliche und degenerative Erkrankungen des zentralen Nervensystems.
2.1.2 Differentialdiagnose
Die Dysarthrie zählt neben der Sprechapraxie zu den zentralen Störungen der Sprechmotorik. Differentialdiagnostisch handelt es sich bei der Sprechapraxie im Gegensatz zur Dysarthrie nicht um eine Ausführungs-, sondern um eine Planungsstörung. D.h. es liegt keine Schwäche, Verlangsamung oder Dyskoordination der am Sprechen beteiligten Muskulatur vor. Eine Dysarthrie ist definitionsgemäß eine erworbene Schädigung. Daher sind Sprechstörungen wie Stottern oder Dyslalie, die im Verlauf der Sprachentwicklung auftreten und deren Beginn nicht in Verbindung mit einer Hirnverletzung gebracht werden können, von den Dysarthrien abzugrenzen. Ein weiterer wichtiger differentialdiagnostischer Aspekt ist, dass Dysarthrien neurologische Erkrankungen des Bewegungsapparates sind, bei denen es zu Beeinträchtigungen der Atemmuskulatur, des Kehlkopfs, der velopharyngealen Muskulatur der Zunge, der Kiefermuskulatur sowie der Lippen kommt. Somit handelt es sich im Gegensatz zu den Aphasien um ein sprechmotorisches Syndrom.2 Weiterhin gehören Sprechstörungen, die durch Schädigungen des Muskelgewebes oder anderer peripherer Strukturen auftreten nicht zu den Dysarthrien, sondern werden als Dysglossien bezeichnet. (z.B. nach Tumor-Resektion, Lippen-Kiefer- Gaumenspalte) Auch Sprechstörungen, die auf psychische Bedingungen zurückzuführen sind, zählen nicht zu den Dysarthrien (sog. Psychogene Sprechstörungen).3
2.1.3 Klassifikation
In der Fachliteratur werden die Grundformen der Dysarthrien nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt. So besteht einerseits die Möglichkeit, Dysarthrien anhand der zugrunde liegenden Bewegungsstörung der Gliedmaßen (schlaff, spastisch, rigide, hyperkinetisch, ataktisch) zu klassifizieren. Andererseits findet sich in der Literatur häufig die Einteilung nach dem Läsionsort. Hier wird zwischen bulbären, zerebellären, extrapyramidalen, suprabulbären und kortikalen Störungsformen unterschieden. Weitere Klassifikationssysteme beruhen auf einer Kombination der beiden genannten Aspekte. In der folgenden Übersicht sollen die Einteilungskriterien der Dysarthrien unter den verschiedenen Gesichtspunkten in tabellarischer Form verdeutlicht werden.
[...]
1 Poeck (2002), S.174
2 Ziegler (1998), S.2
3 Ziegler (1998), S.1
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