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Examination Thesis, 2005, 40 Pages
Author: M.A. Thomas Kuta
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Details
Tags: Schule, Elea, Betrachtung, Popper
Year: 2005
Pages: 40
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 26 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-43226-9
ISBN (Book): 978-3-638-68007-3
File size: 294 KB
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Abstract
„Wer lichtete ihnen das Dunkel, das uns die vorangegangenen Geschlechter erhellt haben?“ Den Gegenstand dieser Arbeit bildet die Darstellung der eleatischen Philosophie bzw. der Schule von Elea, deren wesentliche Mitglieder Xenophanes, Parmenides, Zenon und Melissos sind, und der damit verbundene Anfang eines kritischen Philosophieverständnisses. Nach einer historischen Hinführung der entsprechenden Epoche werden die Lehren der einzelnen Denker mit einem wissenschaftsphilosophischen Schwerpunkt geschildert, der auf den Betrachtungen Karl Raimund Poppers basiert. Dabei beschränken sich die ausführlichen Untersuchungen von Popper allerdings auf Xenophanes und Parmenides. Die Rezeption der vorsokratischen Denker ist umfangreich und wird häufig auf eine ontologische Problematik (besonders im Zusammenhang mit den Fragmenten des Parmenides) bzw. Lesart beschränkt. Daher muss an dieser Stelle gesagt werden, dass es in dieser Arbeit eben nicht um eine rein ontologische Schwerpunktsetzung geht, sondern in erster Linie um eine wissenschaftsphilosophische Einordnung der Gedanken.
Excerpt (computer-generated)
Ruhr-Uni Bochum
FB Philosophie
Wissenschaftstheorie
Examensarbeit
Die philosophische Schule von Elea
und ihre Betrachtung durch K.R. Popper
eingereicht von:
Thomas Kuta
2005
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 1
1 Historische Hinführung ... 3
2 Xenophanes ... 4
2.1 Hinführung ... 4
2.2 Kosmologische Entwürfe ... 5
2.3 Das neue Gottesbild ... 9
2.4 Die erkenntnistheoretische Betrachtung durch K.R. Popper ... 11
3 Parmenides ... 14
3.1 Das Grundverständnis der parmenideischen Lehre ... 14
3.1.1 Hinführung ... 15
3.1.2 Das Lehrgedichtes und dessen argumentative Struktur ... 15
3.1.3 Attribute des Seienden ... 17
3.2 Die Betrachtung durch K.R. Popper ... 20
3.2.1 Die beiden Kosmologien ... 20
3.2.2 Erkenntnistheoretische Aspekte ... 24
4 Zenon ... 27
4.1 Hinführung ... 27
4.2 Beweise gegen die Vielheit ... 28
4.3 Paradoxien der Bewegung ... 30
5 Melissos ... 32
Schlussbemerkung ... 35
Literaturverzeichnis ... 37
Einleitung
„Wer lichtete ihnen das Dunkel, das uns die vorangegangenen Geschlechter erhellt haben?“ 1
Den Gegenstand dieser Arbeit bildet die Darstellung der eleatischen Philosophie bzw. der Schule von Elea, deren wesentliche Mitglieder Xenophanes, Parmenides, Zenon und Melissos sind, und der damit verbundene Anfang eines kritischen Philosophieverständnisses. Nach einer historischen Hinführung der entsprechenden Epoche werden die Lehren der einzelnen Denker mit einem wissenschaftsphilosophischen Schwerpunkt geschildert, der auf den Betrachtungen Karl Raimund Poppers basiert. Dabei beschränken sich die ausführlichen Untersuchungen von Popper allerdings auf Xenophanes und Parmenides.
Die Rezeption der vorsokratischen Denker ist umfangreich und wird häufig auf eine ontologische Problematik (besonders im Zusammenhang mit den Fragmenten des Parmenides) bzw. Lesart beschränkt. Daher muss an dieser Stelle gesagt werden, dass es in dieser Arbeit eben nicht um eine rein ontologische Schwerpunktsetzung geht, sondern in erster Linie um eine wissenschaftsphilosophische Einordnung der Gedanken.
Innerhalb der Einzeldarstellungen der Philosophen sollen sowohl die Genese als auch die Entwicklung eines kritischen Denkens pointiert werden, welches bei Xenophanes beginnt, sich innerhalb der eleatischen Schule fortsetzt und schließlich bei Parmenides, Zenon und Melissos auf die Erkenntnistheorie bzw. Logik angewandt wird. Das rationale Begründen von aufgestellten Vermutungen stellt für diese Zeit ein erkenntnistheoretisches Novum dar, welches entscheidenden Einfluss auf die Rationalisierung und damit auf die Entmythisierung der tradierten Lebenswelten hat. Ein weiteres Leitmotiv dieser Arbeit ist die Entstehung eines (zunächst theologischen) Monismus´, welcher sich auf die Erkenntnislehre der eleatischen Denker überträgt und so zu einem logischen Monismus evolviert. Da von den vorsokratischen Philosophen keine originalen Schriften erhalten sind, muss sich der Rezipient in seiner Verlässlichkeit auf „[...] einerseits Zitate bei späteren antiken Philosophen und Schriftstellern und andererseits Zeugnisse oder ‚Testimonien’ [...]“2 stützen. Zitierte Fragmente der vorsokratischen Lehre in dieser Arbeit basieren auf der Darstellung und Übersetzung von Hermann Diels und dessen Schüler Walther Kranz. Indirekte Zitate bzw. Berichte über die Vorsokratiker, die Diels in seiner Darstellung nicht ins Deutsche übersetzt hat, werden in der Übersetzung von Jaap Mansfeld angegeben. Die von Popper eigens übersetzten Fragmente werden als solche kenntlich gemacht, und ihnen wird die Darstellung durch Diels komparabel an die Seite gestellt.
Griechische Ausdrücke und Zitate, welche nicht ausschließlich in der deutschen Übersetzung dargestellt werden sollen, werden „[...] in lateinischer Umschrift wiedergegeben. Dabei steht ô für den griechischen Buchstaben ω, ê für η, y für υ, ch für χ“3 und th für θ.
1 Historische Hinführung
Beschäftigt man sich mit den Lehren der Vorsokratiker und insofern mit der Geburt der abendländischen Philosophie, so umfasst diese Thematik einen Zeitraum, der um 600 v.Chr. mit Thales von Milet beginnt und sich bis ca. „[...] in das Jahr 380 v.Chr., dem Todesjahr des Atomisten Demokrit von Abdera [...]“4, erstreckt. Diese zeitliche Periode bietet eine Fülle kosmologischer und naturphilosophischer Entwürfe, die geographisch bereits Diogenes Laertios unterschiedlich verortete, nämlich in „[...] einen ionischen und einen italischen Traditionsstrang [...]“5, und diese inhaltlich voneinander unterschied.
Die ionische Linie beginnt mit der Naturphilosophie der Milesier, deren Denken sich wesentlich dadurch kennzeichnet, „[...] eine einheitliche Substanz auszuweisen, aus der die Welt mit ihren mannigfaltigen Phänomenen und Veränderungen hervorgegangen ist; Kandidaten für einen solchen Stoff sind in dieser frühen Phase das Wasser, das Unbegrenzte (apeiron) und die Luft.“6 Einige Vertreter dieser kosmologischen Thematisierung sind Thales und sein Schüler Anaximander, Anaximenes und Heraklit. Letzterer unterscheidet sich jedoch inhaltlich insofern von den anderen drei Denkern, als er der erste ist, der als Urgrund (archê) keine naturwissenschaftliche These abzugeben versucht, „[...] sondern nach einem symbolischen Ausdruck des Ganzen, der Welt, des Kosmos strebt“7. Alles Seiende sei einem ständigen Wandel, einer unaufhörlichen Bewegung ausgesetzt, selbst vermeintlich stabil wirkende Dinge setzten sich aus Gegensätzlichem zusammen. Die einzige beständige Konstante bilde der logos8, der das Weltgeschehen steuert.
Die italische Linie beginnt mit Pythagoras, „[...] der meist in Italien philosophierte“ 9, und setzt mit Xenophanes von Kolophon und Parmenides fort. Geht man von einer eleatischen Schule aus, so steht Xenophanes an der Spitze dieser Lehre. Die meisten Interpreten sind sich über diese Tatsache einig, da Xenophanes nicht nur Lehrer des Parmenides gewesen sein soll, sondern auch ein inhaltlicher Einfluss auf seine Nachfolger ausging. Auf den Zusammenhang zwischen dem All-Einen des Xenophanes und den Merkmalen des Seienden des Parmenides wird an anderer Stelle noch näher eingegangen. In jedem Fall aber bildet Xenophanes „[...] die geschichtliche Brücke zwischen den milesischen Denkern und den Eleaten.“10
[...]
1 Capelle: „Vorsokratiker“ a.a.O., S. 10.
2 Rapp: „Vorsokratiker“ a.a.O., S. 22; Rapp problematisiert die Authentizität von Originalzitaten und die durchaus von einander abweichenden Darstellungsintentionen der vorsokratischen Lehren durch ihre Nachfolger. Vgl. dazu Ibid., S. 22ff. Ferner sei auf die ausführliche Darstellung der Quellenproblematik bei Capelle hingewiesen: Capelle: „Vorsokratiker“ a.a.O., S. 16ff.
3 Rapp: „Vorsokratiker“ a.a.O., S. 10.
4 Ibid., S. 13
5 Ibid., S. 91.
6 Ibid., S. 13.
7 Aster: „Philosophie“ a.a.O., S. 42.
8 Vgl. Verbeke; Bühner: „Logos“ a.a.O., hier vor allem S. 492: „In der Philosophie HERAKLITS nimmt der L. eine bevorzugte Stellung ein. Der Ausdruck wird verwendet zur Bezeichnung des immanenten Prinzips im kosmischen Werden, welches Prinzip als ein inneres Feuer aufgefaßt wird. Für Heraklit gehört der Entstehungsprozeß nicht nur zum Anfangsstadium der Welt, vielmehr ist der Kosmos in jedem Augenblick im Werden begriffen. In diesem Zusammenhang bedeutet [...] der L. die Gesetzmäßigkeit der Welt, den Sinn und Grund des Weltgeschehens, die Norm und Regel welche alles bestimmt. Den L. erfassen heißt alles einsehen [1]. Die Norm aller Wirklichkeit sei in der «coincidentia oppositorum» zu finden [...].“
9 DL 1,13, S. 43.
10 Capelle: „Vorsokratiker“ a.a.O., S. 115.
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