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Popliteratur und Popjournalismus

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 23 Pages
Author: Franziska Walser
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Prosa der 90er Jahre
Institution/College: LMU Munich (Institut für Deutsche Philologie)
Tags: Popliteratur, Popjournalismus, Prosa, Jahre
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 27  Entries
Language: German
Archive No.: V45939
ISBN (E-book): 978-3-638-43252-8
ISBN (Book): 978-3-638-65837-9
File size: 301 KB
Notes :
Ein Vergleich zwischen den Werken und der Arbeitsweise von Kracht, Stuckrad-Barre, Nickel etc. mit dem Pojournalismus (TEMPO, SPEX, New Journalism in den USA): Themen, Sprache, Mediale Inszenierung ...


Abstract

Popjournalismus und Popliteratur haben mehr gemeinsam als die Vorsilbe. Popjournalismus chargiert ins Literarisch-erzählerische, bis hin zum Borderline-Journalismus. Popliteratur widmet sich ursprünglich journalistischen Themen, sie ist aktuell und stark auf das eigene Erleben bezogen. Auch personell überschneiden sich die Sphären von Literatur- und Medienwelt: Wer schreiben kann, ist heutzutage meist beides, Autor und Journalist, wobei der Weg oft vom Journalisten bei den sogenannten Lifestyle-Magazinen hin zum ersten Buch führt. Gleichzeitig sind die meisten Pop-Autoren gewandte Akteure im Mediensystem. Im günstigsten Fall (für Autor und Verlag) entsteht so ein selbstreferentieller, höchst effektiver Kreislauf, bei dem Autoren über und für Medien schreiben und die Medien wiederum über diese Autoren schreiben. Die vorliegende Arbeit untersucht Werke und Arbeitsweisen von Popautoren (Christian Kracht, Benjamin Stuckrad-Barre, Eckhart Nickel) und vergleicht sie mit den Methoden und Texten des Popjournalismus (TEMPO, SPEX, New Journalism in den USA). Wichtige Punkte dabei sind Themen, Sprache und die mediale Inszenierung der Autoren. Die Verfasserin der Arbeit hat sowohl Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, als auch Kommunikationswissenschaft studiert und bewusst einen interdisziplinären Ansatz gewählt um dieses bisher kaum untersuchte Thema zu bearbeiten.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Deutsche Philologie
Hauptseminar: Prosa der 90er Jahre
7. Fachsemester

Popliteratur und Popjournalismus

von: Franziska Walser
 



Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Popliteratur  3

2.1 Inhalt  3

2.1.1 Alltag als Thema  3
2.1.2 Jugend und Provokation  5

2.2 Form 7

2.2.1 Alltagssprache  7
2.2.2 Subjektives Erzählen  8

3 Popjournalismus  8

3.1 Die Anfänge: New Journalism 9
3.2 Die Hoch-Phase: Von Spex zum Spiegel  10

4 Ungleiche Brüder - Gemeinsamkeiten und Unterschiede  12

5 Mediale Inszenierung der Popliteratur  14

5.1 Beispiel Tristesse Royale 15
5.2 Lieblingsfeinde - Popliteratur und das Feuilleton  17

6 Ende der Popliteratur, Krise des Popjournalismus??  18

Literaturverzeichnis 20

 


 

1 Einleitung

Seit September letzten Jahres ist die deutsche Zeitschriften-Landschaft um ein Produkt reicher: Im Springer-Verlag erschien zum ersten Mal „die neue literarische Zeitschrift“ Der Freund1. Das bemerkenswerte an diesem Blatt ist - neben dem Erscheinungsort Katmandu - sein Herausgeber, der Autor Christian Kracht. Das Heft erscheint vierteljährlich und gibt sich elitär: Keine Photos, keine Anzeigen und der stolze Preis von zehn Euro pro Exemplar garantieren schon im voraus, dass es ein Prestige- und Verlustobjekt für den Springer-Verlag bleiben wird. Neben Christian Kracht arbeiten weitere Autoren für das Magazin, die man dem schwer zu definierenden Kreis der Popliteraten zuordnen kann: Eckhart Nickel (Chefredakteur), Benjamin von Stuckrad- Barre und Moritz von Uslar.

Solche Grenzgänge zwischen Literatur und Journalismus sind kein Phänomen des 21.Jahrhunderts, schon früher haben Autoren für Zeitschriften geschrieben, ja sogar Zeitschriften gegründet. Ein Beispiel hierfür ist der Münchner Simplicissimus, für den sowohl Heinrich Mann, als auch sein Bruder Thomas schrieben. Auch wenn die Verbindung von Journalismus und Literatur also keine neue Erscheinung ist, so fällt doch auf, wie durchlässig die Grenze zwischen den beiden Bereichen des Schreibens mittlerweile geworden ist. Wer schreiben kann, ist heutzutage meist beides: Autor und Journalist2, wobei der Weg oft vom Journalisten bei den sogenannten Lifestyle- Magazinen3 hin zum ersten Buch führt. Gleichzeitig sind die meisten Pop-Autoren gewandte Akteure im Mediensystem. Im günstigsten Fall (für Autor und Verlag) entsteht so ein selbstreferentieller, höchst effektiver Kreislauf bei dem Autoren über und für Medien schreiben und die Medien wiederum über diese Autoren schreiben. Es gibt also ganz offensichtlich Überschneidungen und Wechselwirkungen zwischen Popliteratur und Journalismus beziehungsweise zwischen Pop-Autoren und Journalisten. Dieser Zusammenhang wurde, meines Wissens, bis jetzt noch nicht eingehend untersucht weder von kommunikationswissenschaftlicher, noch von literaturwissenschaftlicher Seite. Der Kommunikationswissenschaftler Bernd Blöbaum vermutet, dass das am eingeschränkten Blickwinkel der beiden Disziplinen liegt: „Die durch akademische Disziplingrenzen markierten Trennungen lassen den Journalismus aus der Perspektive der Germanistik offenbar ebenso randständig erscheinen wie die Literatur aus der Sichtweise der Journalistik oder Kommunikationswissenschaft als eher peripher gilt. Dabei sind die Fachgeschichten eng miteinander verknüpft.“4

In der Tat waren Literatur und Journalismus nicht immer zwei völlig getrennte Sphären. Erst im 19.Jahrhundert entwickelten sich die beiden Bereiche aus der gemeinsamen Tradition auseinander. Die funktionale Rollenteilung in Journalist und Schriftsteller entstand und wurde seitdem immer weiter verschärft. Möglicherweise stellt das Phänomen Pop das Ende dieser Trennung dar, da sich sowohl der Journalismus der Literatur annähert (Popjournalismus) als auch die Literatur dem Journalismus (Popliteratur). Über eine Betrachtung von Entwicklung und Merkmalen der beiden Gebiete und einem anschließenden Vergleich soll gezeigt werden, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen. Als exemplarisches Beispiel für Popliteratur dient dabei das Buch „Faserland“ von Christian Kracht, das als Gründungsdokument der Popliteratur gilt5. Was die Forschungsliteratur zum Thema Popliteratur angeht, so gibt es zwar inzwischen ein Reihe von Überblickswerken6, die aber für meine Fragestellung wenig ergiebig sind. Das meiste Material der hier vorliegenden Arbeit stammt deshalb aus Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln (v.a. ZEIT und SPIEGEL), da sich hier die Debatten um Popliteratur und Popjournalismus besser verfolgen lassen. Das Feuilleton reagierte schneller und wesentlich sensibler als die Literaturwissenschaft, die sich dem Thema erst seit einigen Jahren und mit größerer Gelassenheit annimmt.7

2 Popliteratur

„Ich hab keine Ahnung, was das sein soll: Popliteratur“, sagte Christian Kracht im Interview mit der ZEIT8. Das ist natürlich eine bewusste Verweigerung des Etiketts „Popliteratur“ - ein Spiel mit Erwartungshaltungen. Auf der anderen Seite ist es wirklich nicht einfach zu definieren was das eigentlich ist: Popliteratur. Verwirrend wurde die Situation vor allem dadurch, dass dieses Label von Verlagen und kategorisierungswütigen Kritikern eine Zeit lang auf nahezu jedes neue Buch eines jungen Autors geklebt wurde. Das hat zwar den Verkaufszahlen der Neuerscheinungen genützt, aber der wissenschaftlichen Brauchbarkeit des Begriffs eher geschadet. Seit einiger Zeit gibt es deshalb Bemühungen von Literaturwissenschaftlern, eine gültige Definition von „Popliteratur“ zu entwickeln. Einige gehen dabei nach Kriterienkatalogen vor, andere versuchen, die Werke anhand in eine literarische Tradition einzuordnen9. Der folgende Versuch, wichtige Merkmale der Politeratur herauszuarbeiten, unterteilt zur sich zur besseren Übersichtlichkeit in die zwei Unterpunkte Inhalt (Was wird gesagt) und Form (Wie wird es gesagt). Diese Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und behandelt vor allem sehr deutlich ausgeprägte Merkmale der Popliteratur. Für den angestrebten Vergleich zwischen Popliteratur und Popjournalismus sollte das aber ausreichen. Wie sich zeigen wird, bedingen sich Form und Inhalt gegenseitig, so dass eine gewisse Redundanz unvermeidlich ist.

2.1 Inhalt

[...]


1 Pressemitteilung des Springer-Verlags

2 Diese Entwicklung ist auch bei traditionellen Tageszeitung wie der SZ zu beobachten, die mit Juan Moreno und Axel Hacke einige „Doppelbegabungen“ beschäftigt.

3 Als „Talentschmiede“ für Popautoren und Popjournalisten galt beispielsweise die Zeitschrift TEMPO, bei der auch Maxim Biller schrieb. Die Zeitschrift existierte nur zehn Jahre lang (1986 - 1996).

4 Blöbaum und Neuhaus: Vorwort. S.7f

5 Allerdings ist nicht das ganze Werk von Kracht als Popliteratur einzuordnen. Das Buch „1979“ unterscheidet sich inhaltlich und stilistisch stark von „Faserland“.

6 Überblicksartig z.B. Ernst, Thomas: Popliteratur. Hamburg 2001 oder Ullmaier, Johannes: Von Acid nach Adlon. Eine Reise durch die deutschsprachige Popliteratur. Mainz 2001.

7 Ein Beispiel für die „Verwissenschaftlichung“ der Popliteratur ist die „Dozentur für Poetik“ in Heidelberg, die sich im Jahr 2003 ausführlich dem Thema widmete. Geladen waren u.a. Kathrin Röggla, Alexa Henning v. Lange und Eckhart Nickel.

8 Philippi und Schmidt: „Wir tragen Größe 46“ (ZEIT)

9 Gansel sieht in der Popliteratur beispielsweise eine Fortsetzung der Tradition „Adoleszenzliteratur“.


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