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Ist "Lesen durch Schreiben" (Jürgen Reichen) auch eine Alternative für legasthene Kinder?

Termpaper, 2004, 16 Pages
Author: Lea Schulz
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 16
Grade: 1
Bibliography: ~ 29  Entries
Language: German
Archive No.: V46073
ISBN (E-book): 978-3-638-43348-8

File size: 117 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Flensburg Flensburg, Institut für Germanistik
Seminar: Anfangsunterricht Lesen und Schreiben
2. Semester

Ist "Lesen durch Schreiben" (Jürgen Reichen) auch
eine Alternative für legasthene Kinder?

von: Lea Schulz

 


Inhaltsverzeichnis

1. „Lesen durch Schreiben“ für alle?

2. Vorstellung der Methode „Lesen durch Schreiben“ nach J. Reichen

2.1 Das Grundprinzip
2.2 Rechtschreibung
2.3. Lerntheoretische Grundlagen für schwache Schüler

3. Definition von Legasthenie

4. Kritik am Lehrgang in Hinsicht auf legasthenische Kinder

4.1 Vorteile
4.2. Nachteile

a) Kompetenz des Lehrers
b) Rechtschreibung
c) Wahrnehmung
d) Motorik
e) Sprachliche Probleme
f) Das Elternhaus

5. Perspektiven

Literaturverzeichnis

Anhang
 


 

1. „Lesen durch Schreiben“ für alle?

Der Gedanke zu dieser Ausarbeitung kam mir, als ich mich einer anderen Hausarbeit: „Förderung legasthenischer Kinder im Anfangsunterricht“ widmete. In dieser beschäftigte ich mich auch mit den Methoden des Anfangsunterrichts. Ich stieß unter anderem auf den Lehrgang „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen. Ich war selbst damals in der Grundschule nach Jürgen Reichen unterrichtet worden, habe jedoch eher negative Erfahrungen mit seinem Prinzip gemacht. Der offene Unterricht wurde von der Mehrheit der Schüler so ausgelegt, sich wenig am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen, da es schließlich alles freiwillig sei. Diese fragten sich dann auch, warum sie überhaupt in die Schule gingen, d.h. die Motivation und der Arbeitseifer fehlte. Allerdings kann ich heute nicht mehr analysieren, woran das gelegen haben könnte. Vielleicht an der Lehrkraft, vielleicht aber auch am Einfluss der Eltern, die größtenteils vehemente Gegner dieses Prinzips waren. Jedoch glaube ich, dass mir persönlich der Werkstattunterricht in meiner Weiterentwicklung sehr geholfen hat. Sowohl um selbstständiges Arbeiten zu erlernen, als auch um mich an fachlichem Wissen zu bereichern. Da es zwar viele Kritiker des Lehrgangs gibt, jedoch nur wenige, die auf die legasthenischen Kinder eingehen, nahm ich dies zum Anlass, mich mit diesem Sachverhalt zu beschäftigen. Zudem verfügte ich durch die vorhergehende Hausarbeit über „Förderung legasthenischer Schüler im Anfangsunterricht“ über ein Vorwissen von legasthenischen Fehlformen und Schwierigkeiten. Zusätzlich arbeite ich in einer Lernpraxis, in der mit Legasthenie und Dyskalkulie (die beide nach dem heutigen wissenschaftlichen Stand auf ähnlichen Ursachen beruhen) täglich gearbeitet wird. Somit war mir das Problem der Legastheniker bereits bewusst und ich hatte auch Erfahrungen mit ihnen. So entstand nun die Idee der Frage nachzugehen, ob „Lesen durch Schreiben“ auch für legasthenische Schüler sinnvoll sei. Zu betonen ist hierbei, dass es sich um die Anwendung des Lehrgangs in der Regelklasse einer Grundschule, nicht in speziellen Förderklassen, handeln soll. Heutzutage ist zu erwarten, dass sich in fast jeder 1.Klasse legasthenische Kinder oder Kinder mit anderen Teilleistungsschwächen befinden. Deswegen ist dieses Thema für jede Lehrkraft die „Lesen durch Schreiben“ verwenden möchte, relevant.

2. Vorstellung der Methode „Lesen durch Schreiben“ nach J. Reichen

Bis in die 80er Jahre hinein stand der Anfangsunterricht unter einem fortdauernden Methodenstreit. Die Anhänger der Ganzheitsmethode verfochten ihre Theorie gegenüber den Anhängern der synthetischen Methoden. Seit den 80er Jahren setzte ein Paradigmenwechsel ein. Die notwendige Voraussetzung dafür war, dass das Fehlervermeidungsprinzip aufgegeben wurde. Kinder erlernen die Schriftsprache nur, indem sie ihren eigenen Weg unter der Verwendung von Schrift (lesen und schreiben) finden. Fehler sind dabei mit diesem Verständnis wichtige Bestandteile des Schriftspracherwerbs. Es kam zur Verbreitung verschiedener didaktischer Konzepte wie die Forderung nach Integration von Lesen und Schreiben von Wolfgang Menzel (vgl. Menzel 1990, S.39 ff.) oder auch die Beschreibung von Entwicklungsmodellen des Schriftspracherwerbs von Gudrun Spitta (Spitta 1994, S.28). „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen war ebenfalls dieser Entwicklung zuzuordnen, es nahm schnell an Popularität zu (vgl. Jooss 2003, S.1f.).

2.1 Das Grundprinzip

Der Lehrgang „Lesen durch Schreiben“ wurde von dem Schweizer Pädagogen Jürgen Reichen im Jahre 1970 entwickelt. Das „Lesenlernen durch Schreiben“ bezieht sich auf Erkenntnisse der Psycholinguistik, einem Forschungszweig, der Psychologie und Sprachwissenschaft miteinander verbindet (vgl. Jooss 2003, S.2). Der Lehrgang beruht auf dem Spracherfahrungsansatz. Der Begriff Spracherfahrungsansatz wird synonym gebraucht für „Entdeckendes Lernen“ im Bereich des Lesen- und Schreibenlernens. Das Lernen mit der Methode „Lesen durch Schreiben“ entspricht dem Bedürfnis des Kindes und seinem Entwicklungsniveau, sich die Schriftsprache anzueignen. Die Methode baut auf der Aktivität und der Freude der Kinder an Sprache auf. Reichen geht davon aus, dass Lernen ein eigenaktiver Prozess ist. Die Kinder kommen mit ersten sprachlichen Vorerfahrungen in die Schule und an diese solle der Unterricht anknüpfen (vgl. N.N. 1999, S.5). In der Regel können viele Kinder im Vorschulalter einige Wörter schreiben. Es wird an der Freude der Kinder eigene Texte produzieren zu wollen, angeknüpft, um sie über ihr Schreiben zum Lesen anzuleiten.

Reichen lehnt den Einsatz von Fibeln vehement ab und entwickelte deshalb einen Lehrgang, der didaktisch auf offenem bzw. so genanntem Werkstattunterricht basiert und lernpsychologisch auf das selbstgesteuerte Lernen der Kinder aufbaut (vgl. Metze 2004, S.11). Reichen entdeckte eine altbewährte Methode aus dem klassischen Altertum neu: „Lesen durch Schreiben, das war die Methode des Schriftspracherwerbs im klassischen Altertum. In den Schreibschulen der alten Griechen und Römer lernten die Schüler zunächst nicht Lesen, sondern ausschließlich Schreiben.“ (Reichen 1987b, S.5) Beim Schreiben geht es ihm dabei aber nicht um die motorische, sondern um die mentale Fähigkeit, die gesprochene Sprache in Schrift umzusetzen (vgl. Reichen 1987b, S.5). Das wesentliche Grundlernziel der Methode ist, dass der Schüler in der Lage ist, ein beliebiges Wort in seine Lautkette zu zerlegen und dieses dann phonetisch aufschreiben zu können. Die Kinder sollen die Lautstruktur der Sprache erkennen. Somit beschäftigt sich der Anfangsunterricht hauptsächlich damit, Laute zu erkennen, zu unterscheiden und zu zerlegen. Ein großer Teil des Lernangebots ist dieser ersten Etappe gewidmet, weil Reichen die Zerlegung eines Wortes als höchst anspruchsvolle Aufgabe betrachtet (vgl. Reichen 1987b, S.5).

[...]


Mit der männlichen Form „Schüler“ sind sowohl weibliche als auch männliche Schüler gemeint. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werde ich mich auf die männliche Form beschränken.


Comments

A. Schuster
29.02.2008 17:30:28
Sehr gute Erfahrungen
Meine Tochter hat in der Grundschule durch die Reichen-Methode innerhalb von 6 Wochen Unterricht fehlerfrei Schreiben und Lesen gelernt. Vielleicht eine Ausnahme, aber ich kann sagen, dass die Methode in unserer Klasse damals auch bei den fremdsprachigen Kindern sehr gute Ergebnisse erzielt hat. Wir haben excellente Erfahrungen damit gemacht und ich kann diese Methode nur empfehlen. Meine Tochter liest seit dem 1. Schuljahr mit viel Begeisterung und Freude. Kein Buch ist dick genug und das von Anfang an. Ich denke, es kommt auch auf die Ambitionen der Lehrer an, die Reichen-Methode zu unterrichten.
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