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Alfred Schütz: Zu der Konstitution des subjektiven Sinns und der Frage, wie Fremdverstehen möglich ist

Autor: Andreas Daniel
Fach: Soziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen

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Details

Veranstaltung: Theorien der Soziologie
Institution/Hochschule: Universität Bielefeld
Tags: Alfred, Schütz, Konstitution, Sinns, Frage, Fremdverstehen, Theorien, Soziologie
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 18
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 230 KB
Archivnummer: V46153
ISBN (E-Book): 978-3-638-43405-8
Anmerkungen :
Diese Arbeit ist eine Einführung in Schütz' Handlungs- und Motivbegriff, sowie seine Ansätze zur Lösung des Problems der Intersubjektivität.

Textauszug (computergeneriert)

Alfred Schütz: Zu der Konstitution des subjektiven Sinns
und der Frage, wie Fremdverstehen möglich ist

von: Andreas Daniel

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 03

2. Hauptteil  03

2.2 Konstitution von intentionalen Objekten 03
2.2 Der Entwurf von Handlung 05
2.3 Sinngebung als eine reflexive Zuwendung 06
2.4 Motiv . 07

2.4.1 Um-zu-Motiv 08
2.4.2 Weil-Motiv  10

2.5 Das Problem der Intersubjektivität 11

2.5.1 Die Generalthese reziproker Perspektiven 12
2.5.2 Typisierung 13

3. Schlussbetrachtung 17

Literatur 18


 

1. Einleitung

Diese Hausarbeit soll einen kleinen Überblick über Alfred Schütz’ Theorie zur Konstitution des subjektiven Sinns und das damit zusammenhängende Problem der Intersubjektivität geben. Dabei beziehe ich mich primär auf Schütz’ Buch „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“. Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit werde ich mich dabei auf wesentliche Aspekte beschränken und diese mit Beispielen näher erläutern. Zunächst beschäftige ich mich mit Schütz’ Vorstellungen über die Konstitution des subjektiven Sinns. Darauf folgend bearbeite ich seine Ausführungen zum Funktionieren von Handlungen und wie ihnen ein Sinn zugeschrieben wird. Anschließend behandele ich das Problem der Intersubjektivität und Schütz’ Versuch dieses Problem zu lösen. Zum Ende meiner Arbeit werde ich kurz meine Meinung über die hier dargelegten Sachverhalte äußern.

2. Hauptteil

Wie schon einleitend erwähnt, ist ein zentraler Punkt in Schütz’ Werk die Frage nach der Konstitution des subjektiven Sinns. Ausgangspunkt ist hier der Sinnbegriff, den Max Weber in seiner Handlungstheorie eingeführt hat. In seinem Buch, „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“, kritisiert Schütz Weber dahingehend, dass er den subjektiven Sinn zwar als Grundlage jeder Theorie des Handelns voraussetzt, die Analyse, wie der subjektiv gemeinte Sinn zustande kommt, aber weitgehend außer Acht lässt und auch die Begriffe des Fremdverstehens und Selbstverstehens nicht differenziert.1 Er begründet diese Haltung Webers damit, dass sich dieser „mit wissenschaftstheoretischen Fragen nur in soweit befassen [wollte], als dies seine Beschäftigung mit konkret fachwissenschaftlichen Problemen erforderlich machte.“2 Im Zuge dieser Kritik stellt Schütz zwei Fragen auf, welche uns im Folgenden näher beschäftigen sollen: „1. Was bedeutet die Aussage, der Handelnde verbinde mit seinem Handeln einen Sinn? 2. In welcher Weise versteht das Ich fremdes Verhalten, a) überhaupt, b) nach dem subjektiv gemeinten Sinn des sich so Verhaltenden?“3 Diese Fragen sind nach Schütz „im Grunde nicht solche der Sozialwissenschaft“, sie behandeln vielmehr ihren Unterbau, „die Konstitution der Sozialwelt, die setzenden und deutenden Akten des täglichen Lebens mit Anderen“4. Zunächst beginne ich mit einem kurzen Exkurs in die Philosophie, den auch Schütz in seinem Buch, „der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“, vollzieht. Zweck dieses „Ausflugs“ in die Philosophie, ist die Aufklärung des schützschen Denkprinzips, welche seiner Theorie zugrunde liegt.

2.1. Konstitution von intentionalen Objekten

Um die Konstitution intentionaler Objekte erläutern zu können, müssen zunächst einige Begrifflichkeiten geklärt werden. Die Phänomenologie geht davon aus, dass uns die Welt nur über unser Bewusstsein zugängig ist, mit anderen Worten, wir konstruieren die Welt über unser Bewusstsein. Die so über unser Bewusstsein konstruierten Dinge, werden als intentionale Objekte bezeichnet. Der Begriff „Intentionalität“ bezeichnet also die Objektbezogenheit des Bewusstseins (Bewusstsein von etwas). Der Begriff der durée, welchen Schütz aus der Philosophie Bergsons übernahm, bezeichnet die „reine Dauer“ in der es „kein Nebeneinander, kein Außereinander, und keine Teilbarkeit, sondern nur eine Kontinuität des Verfließens [gibt]. […] Was wir aber in der Dauer erleben, ist eben nicht ein Sein, ein Festabgegrenztes und Wohl-Unterschiedenes, sondern ein stetiger Übergang von einem Jetzt und So zu einem neuen Jetzt und So.“5 Dieser schwer zu fassende Begriff stellt also den Gegensatz zum Leben in der raum-zeitlichen begrifflichen Welt dar, welche wir über unser Bewusstsein konstituieren. Die durée ist das reine Fließen der nicht quantifizierten Zeit. Ausgehend von dem Begriff der „reinen Dauer“ oder „durée“ und dem Begriff der oben beschriebenen intentionalen Objekte, stellt Schütz die Frage: „Wie konstituieren sich nun innerhalb des Ablaufs der durée die einzelnen Erlebnisse im Hinströmen des Bewusstseinsflusses zu intentionalen Einheiten?“6

Schütz’ Antwort auf diese Frage, kann mit dem Begriff der Reflexion überschrieben werden. Die Erinnerung als reflexiver Akt „ist es welche die Erlebnisse aus dem unumkehrbaren Dauerablauf heraushebt und so die Urimpression des ‚Innewerdens’ in ‚Erinnerung’ modifiziert.“7 Husserl beschreibt diesen Vorgang mit den Begriffen Retention und Reproduktion. An die Urimpression, welche aus der Durée an das Bewusstsein tritt, schließt direkt die primäre Erinnerung oder Retention an. Diese Retention ist der Jetzt-Punkt der Wahrnehmung. In jedem Moment findet jene Jetzt-Punkt-Setzung statt, darin konstituiert sich die aktuelle Phase einer Bewegung. Man kann dieses Prinzip anhand einer Videoaufzeichnung verdeutlichen. Die Kamera repräsentiert das Bewusstsein, also die Schnittstelle zwischen „der Welt“ und „Ego“. Jede Sekunde werden 25 Bilder geschossen, jedes dieser Bilder stellt in dem Moment, in welchem es geschossen wird, den Jetzt-Punkt dar. Die Bilder werden in dem Moment der Aufnahme, aber auch schon wieder von dem folgenden weiter in die Vergangenheit gerückt. Der Ablauf wird nur durch den Bezug auf die vorangegangenen Bilder (Retentionen) deutlich. Die Retention ist aber „selbst kein Zurückblicken, das die abgelaufene Phase zum Objekt macht“8, sie dient nur dazu die abgelaufene Phase „im Griff“9 zu haben und damit dann die gegenwärtige Phase durchleben zu können. Für unser Beispiel heißt dies zunächst, dass die einzelnen Bilder nur den Ablauf der Zeit widerspiegeln, nicht aber die intentionalen Objekte konstituieren. Durch dieses „im Griff haben“ ist es aber überhaupt erst möglich den Blick auf die Phase lenken zu können, also zu reflektieren.10 Das heißt, auf unser Beispiel bezogen, die Reproduktion (Reflexion) ist quasi die Kopie der Urimpression. Diese Wiedererinnerung stellt den ursprünglichen Zeitgegenstand wieder her, mit der speziellen Eigenschaft, dass die „Vergegenwärtigung ‚schneller’ oder ‚langsamer’, deutlicher und expliziter oder verworrener, blitzschnell in einem Zuge oder in artikulierten Schritten usw.“11 vollzogen werden kann. Innerhalb dieser Wiedererinnerung konstruieren wir die intentionalen Objekte in unserem Bewusstsein. Im Bezug auf die Intentionalität der Urimpression haben natürlich die Retentionen einen weitaus höheren Grad an Evidenz, da sie ja unmittelbares Zeugnis der konkreten Wahrnehmung sind. Der Wiedererinnerung hingegen fehlt diese absolute Evidenz, da sie eben nicht „wie Retentionen originäres Bewusstsein“12sind.

2.2. Der Entwurf von Handlung

[...]


1 Vgl. Alfred Schütz, 1960 S.15f

2 Alfred Schütz, 1960 S.15

3 Alfred Schütz, 1960 S.25

4 Alfred Schütz, 1960 S.25f

5 Alfred Schütz, 1960 S.62

6 Alfred Schütz, 1960 S.63

7 Alfred Schütz, 1960 S.64

8 Alfred Schütz, 1960 S.66

9 Alfred Schütz, 1960 S.66

10 vgl. Alfred Schütz, 1960 S.64ff

11 Alfred Schütz, 1960 S.65

12 Alfred Schütz, 1960 S.65

Kommentare

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