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Hauptseminararbeit, 2003, 33 Seiten
Autor: Pawel Broda
Fach: Germanistik - Linguistik
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Germanistik)
Tags: Wortbildungslehre, Erben, Naumann, Vergleich, Wortbildung
Jahr: 2003
Seiten: 33
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 3 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-43444-7
Dateigröße: 414 KB
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Technische Universität Dresden
Institut für Germanistik
Sprachwissenschaft und Sprachgeschichte
Wortbildungslehre nach Erben und Naumann –
ein kontrastiver Vergleich
von: Pawel Broda
Inhaltsverzeichnis
I Einführung 3
II Wortbildung nach Naumann 4
1 Wortbildung vs. Wortschöpfung 4
2 Wortbildung- Morphologie 5
3 Wortbildung- Semantik und Syntax 10
4 Wortbildungstypen 12
III Wortbildung nach Erben 16
1 Grundfragen der Wortbildungslehre 16
2 Wortbildungslehre in synchronischer Sicht 19
3 Wortbildungslehre in diachronischer Sicht 24
IV Wortbildung am Beispiel eines Textes 26
V Zusammenfassung 31
VI Literaturangabe 32
I Einführung
Die Wortbildungslehre des Deutschen stellt ein durchaus komplexes Thema dar. Sie kommt im Zusammenhang mit verschiedenen linguistischen Gebieten vor, wird in zahlreiche Wortbildungstypen differenziert und unterliegt gewissen Restriktionen. Nach Naumann1 wird sie verstanden als „die regelhafte Synthese verschiedener Ausdrucksmittel, in den allermeisten Fällen Kombination aus einfachen Wörtern (Sommer/tag, Nach/sommer, Hoch/sommer) bzw. aus einfachen Wörtern und Wortbildungsmorphemen (glaub/haft, un/glaub/lich, Un/glaub/haft/igkeit)“. Erben 2 definiert die Wortbildung als „geregelter Aufbau lexikalischer Einheiten aus einem oder mehreren Morphemen. Geregelter Aufbau deswegen, weil er von morphologischen, syntaktischen und semantischen Einschränkungsregeln sowie von mehr oder weniger reihenhaft produktiven Baumustern bestimmt wird.“ Die Wortbildung im Deutschen kann bei verschiedenen Sprachwissenschaftlern unterschiedlich aufgefasst und nach differenzierten Gesichtspunkten dargestellt werden.
Bei Erben wird der Akzent auf den synchronischen und diachronischen Aspekt gesetzt. Naumann geht dabei ausdrücklich auf das Gebiet von Morphologie, Semantik und Syntax ein. Die Wortbildungstypen werden sowohl bei Erben als auch bei Naumann in Betracht gezogen. Bei der genaueren Analyse beider Ansätze muss man sich aber die Frage stellen: Sind ja wirklich diese Stellungnahmen so weit differenziert? Oder handelt es sich eher um eine und dieselbe Fragestellung, die durch verschiedene Prismen betrachtet wird? In der vorliegenden Auseinandersetzung handelt es sich um den Vergleich der von Erben und Naumann repräsentierten Auffassungen. Jede Herangehensweise ans Thema wird ausführlich dargestellt. Zu Vergleichzwecken wird eine Textanalyse vorgenommen. Alle angebrachten Beispiele kommen ausschließlich aus Naumanns „Einführung in die Wortbildungslehre des Deutschen“ und Erbens „Einführung in die deutsche Wortbildungslehre“.
II Wortbildung nach Naumann
1 Wortbildung vs. Wortschöpfung
Bei Naumann werden beide Begriffe voneinander abgegrenzt: „Wortbildung- Untersuchung und Beschreibung von Verfahren und Gesetzmäßigkeiten bei der Bildung neuer komplexer Wörter auf der Basis vorhandener sprachlicher Mittel.“ (Bußmann 1983, S.:587- zitiert nach Naumann 2000, S.:2) „Wortschöpfung- im Unterschied zur Wortneubildung durch Ableitung und Zusammensetzung (…) mittels vorhandener sprachlicher Elemente beruht Wortschöpfung auf der erstmaligen Verwendung einer Lautfolge als (unmotivierter) Ausdruck für eine bestimmte Bedeutung.“ (Bußmann 1983, S.:591- zitiert nach Naumann 2000, S.:2) Nach Naumann3 spielten die Wortschöpfungen gegenüber Wortbildungen immer eine untergeordnete Rolle. Johann Christoph Adelung, einer der Sprachwissenschaftler des 19. Jahrhunderts, vertrat die Meinung, dass beide Möglichkeiten der Erweiterung des Wortschatzes in Verbindung mit der Ontogenese und der Phylogenese vorkommen. Er sagt, dass Kinder und Menschen, die „durch Cultur noch nicht verfeinert sind“4, neigen dazu, alle ihnen vorkommenden Gegenstand nach dem Ton zu nennen, mit welchem sie sich ihnen zu allerersten Mal dargestellt haben.5 Die Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts nahm folgende Stellung ein:
- Sprache entstand aus der Nachahmung von Naturlauten,
- Die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit erscheint in der Sprache
gespiegelt, unterschiedlich in verschiedenen Sprachgemeinschaften, so z.B. die Menschen auf dem Lande sind kreativer, was die Wortschöpfungen anbelangt als die Menschen in der Stadt Als erste Wortschöpfungen wurden von Adelung die Interjektionen bezeichnet, durch welche eine schon gebildete Sprache bereichert wird (z.B.: herrje -Verkürzung von Herr Jesus) und mit welchen die Sprachschöpfung überhaupt begonnen hat (unmittelbare Ausdrücke des Schmerzens, der Freude, der Überraschung etc.).
2 Wortbildung- Morphologie
2.1 Wortkonstruktive Morphemklassen
Naumann6 unterscheidet 5 Morphemklassen bzw. Morphemklassen-Kombinationen:
- Kernmorpheme und Kombinationen aus Kernmorphemen- Morpheme, die frei vorkommen und lexikalische Bedeutung haben und aus der offenen, zahlenmäßig nicht festgelegten Klasse kommen: rot, Frau, schön, Haus… und blaurot, bildschön, Haustür. Die Zahl der freien Kernmorpheme in Wörtern ist prinzipiell unbegrenzt und unterliegt lediglich der Verständlichkeit und Übersichtlichkeit. Sie ist in der gesprochenen Sprache geringer als in der geschriebenen.
- Partikelmorpheme und Partikelmorphemkombinationen- dazu rechnet man „freie Morpheme aus geschlossenen Klasse hinzu, die in der Grammatik vollständig aufgezählt und beschrieben werden“ 7 wie, z.B.: bei, auf, hinter, doch, sehr, nein, darauf, jedoch, wozu etc. Einige der Partikelmorpheme sind für Wortbildungsprozesse wichtig, z.B.: bei, auf, an, andere aber kaum, z.B.: sehr, nein.
- Kombinationen aus Kernmorphemen und Derivationsmorphemen- Morpheme, die nur gebunden auftreten, z.B.: Freiheit, Altertum, uralt, Unglück. Es gibt sehr große Kombinationsmöglichkeit, „ein oder mehrere Kernmorpheme können links- oder rechtsseitig mit bis zu drei Derivationsmorphemen auftreten“8: Wirtschaft, wirtschaftlich, Wirtschaftlichkeit. Es kommen auch einige Zweifel vor. Kann man das ant- oder tüm (Antwort, urtümlich) als Derivationsmorpheme betrachten? Wenn’ s so wäre, könnte es im Deutschen auch Kombinationen nur aus Derivationsmorphemen geben, was semantisch unzulässig ist.
[...]
1 Naumann 2000, S.:1
2 Erben 2000, S.: 9
3 Vgl. Naumann 2000, S.:2
4 Adelung 1782,I:189- zitiert nach Naumann 2000, S.: 2
5 Vgl. Naumann 2000, S.:2
6 Vgl. Naumann 2000, S.: 11
7 Ebenda
8 Ebenda, S.: 12
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