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Heinrich Mann, "Der Untertan": Satirische Macht und mächtige Satire - Betrachtun... close

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Heinrich Mann, "Der Untertan": Satirische Macht und mächtige Satire - Betrachtungen des Verhältnisses Diederich Heßlings zu Guste Daimchen

Scholary Paper (Seminar), 2003, 33 Pages
Author: Evelyn Lehmann
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Proseminar III: Heinrich Mann „Der Untertan“
Institution/College: University of Trier
Tags: Heinrich, Mann, Untertan, Satirische, Macht, Satire, Betrachtungen, Verhältnisses, Diederich, Heßlings, Guste, Daimchen, Proseminar, Heinrich, Mann, Untertan“
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 33
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V46374
ISBN (E-book): 978-3-638-43579-6
ISBN (Book): 978-3-638-65871-3
File size: 213 KB

Abstract

Heinrich Manns Roman Der Untertan hat seit seiner Buchveröffentlichung 1918 an gesellschaftlicher Brisanz nicht verloren, was sich an der Fülle der Sekundärliteratur ablesen läßt. Vorliegende Abhandlung bespricht einen neuen Gesichtspunkt, den des von Macht und Manipulation gezeichneten Verhältnisses zwischen Diederich Heßling und Guste Daimchen. Als wichtigstes Stilmittel fungiert die Satire, die in einer Übertragung des Privaten auf das Öffentliche auch zur Spiegelung der wilhelminischen Gesellschaft, die von einem Streben nach Macht und Geld geleitet wird und zugleich von Liebesunfähigkeit und Verlustängsten geprägt ist, dient. Die Analyse der satirischen Mittel stützt sich hierbei auf einen mikrostrukturellen Ansatz und steht im Mittelpunkt der ersten Hälfte des Textes. Im zweiten Teil werden die im Untertan herausgearbeiteten Züge der Paarbeziehung untersucht und in Verbindung mit allgemeinen gesellschaftlichen Bedingungen des Kaiserreiches gebracht. So stehen die masochistischen Vorstellungen von Machterlangung und –ausübung in direktem Zusammenhang mit sozialen Strukturen außerhalb der Institution Familie. In vorliegendem Text wird die didaktische Kraft der Satire herausgestellt, die dem Rezipienten zwar kein Lösungsmodell vorgibt, ihm aber abverlangt, im Vergleich mit dem eigenen Ideal aus dem Negativen ein Gegenbeispiel zu entwerfen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Trier
FB II – Germanistik / NDL
Proseminar III: Heinrich Mann „Der Untertan“
Sommersemester 2003

Satirische Macht und mächtige Satire – Betrachtungen des
Verhältnisses Diederich Heßlings zu Guste Daimchen

von

Evelyn Lehmann

7. Semester

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Was darf Satire? Alles. 1

2. Formen der Satire nach Petra Süßenbach 2
2.1 Parallelität im Handlungsverlauf 2
2.2 Das Einzelwort 2
2.3 Die Wortgruppe 3
2.4 Satz und Abschnitt 4
2.5 Rhetorische Figuren 4

3. Guste Daimchen und Diederich Heßling im Blickpunkt der Satire 5
3.1 Der Aspekt der Macht und seine satirische Umsetzung 5
3.2 Materialismus und Sexualität – zwei Komponenten der Macht 10
3.3 Macht und Familie 16

4. Satirische Macht und mächtige Satire 19

5. Anhang 21

6. Literaturverzeichnis 31

 

 

1. Was darf Satire? Alles.

Kurt Tucholsky
In der vorliegenden Arbeit ist das zentrale Thema die Satire anhand der Beziehung zwischen Guste Daimchen und Diederich Heßling in Heinrich Manns Roman „Der Untertan“1.

Im Rahmen dieser Arbeit kann keine Diskussion um die Definition von Satire geleistet werden. Satire wird nach Wilpert2 als eine Spott- und Strafdichtung verstanden, bei der im Falle des „Untertan“ nach Emmerich keine explizite Gegenkonzeption aufgestellt wird, sondern das Ideal vom Leser aus der Negation, ex negativo, selbst erstellt werden muß3. Der Satire geht es demnach um den Vergleich von Wirklichkeit und Ideal. Der Autor möchte mit seiner Satire Sachverhalte, die seiner Meinung nach verbesserungswürdig sind, in ihrer Schwäche aufzeigen und tut dies durch Übertreibung, Verzerrung und andere Stilmittel.

Womit wirkt nun Satire? Diese Frage soll auf der Grundlage der Dissertation Formen der Satire in Heinrich Manns Roman „Der Untertan“. Inaugural- Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln (Köln 1972) von Petra Süßenbach erhellt werden. Einige ausgewählte Aspekte ihrer Arbeit werden auf das Verhältnis des Untertanen Diederich Heßling zu Guste Daimchen angewandt und stellen somit die satirische Wirkung einzelner von Heinrich Mann angewandter Verfahren heraus. Dabei lassen sich vier Säulen, an denen satirische Kritik geübt wird, festmachen. Zum einen ist dies das Thema der Macht, welches auf die anderen Hauptpunkte der Kritik – Sexualität, Materialismus und Familie – ausstrahlt.

Es sei im besonderen darauf hingewiesen, daß es sich bei Süßenbachs Arbeit um eine mikrostrukturelle Herangehensweise handelt. Ein maßgeblich makrostruktureller Zugang wird nicht erstrebt und würde in Verbindung mit Süßenbach den Rahmen der Arbeit sprengen.

2. Formen der Satire nach Petra Süßenbach 4

Dieses Kapitel soll die theoretische Grundlage für vorliegende Arbeit bilden. Dabei werden in der von Süßenbach vorgegebenen Reihenfolge die Formen der Satire, die hier Anwendung finden, in ihrem Sinne erläutert.

2.1 Parallelität im Handlungsverlauf

Bestimmte Schlüsselszenen finden sich als Mittel der Satire in Parallelität oder Kontrast– je nach Intention des Autors – wieder5. Aus der Parallelität ersieht man den „konstruktiven Charakter des Romans“6; sie dient oft zur Entlarvung doppelbödiger Moral und als Spiegel der Machtverhältnisse. Durch vordergründige Parallelität lassen sich z. B. Kontraste aufzeigen, indem Figuren oder Handlungen gegebenen Ansprüchen nicht entsprechen.

2.2 Das Einzelwort

Süßenbach betont, daß die satirische Romangestaltung sehr komplex und eine abschließende Aussage über die künstlerische Qualität des Romans an den „Elementarformen der Satire“ auszumachen sei7. Zu einer wesentlichen dieser Elementarformen gehört das Einzelwort. Innerhalb der Einzelwortanalyse nimmt hier das Adjektiv eine herausragende Stellung ein.

Es ist ein in alle anderen Formen eindringendes und sich mit ihnen mischendes Mittel der Satire und dient nicht nur der Kennzeichnung von Personen, sondern auch als Träger von Stimmungen.
Eine weitere satirische Form im Bereich des Einzelwortes ist das Wortspiel. Es lebt von der „Wiederaufnahme und Abwandlung eines Wortes“8 und erreicht hierbei unterschiedliche Schärfegrade.
Die letzte hier verwendete Form des Einzelwortes ist die Zweideutigkeit. Nach Süßenbach „[ist] Eindeutigkeit [...] die Grundvoraussetzung sprachlicher Verständigung“ und aufgrund des erhöhten Verständnisproblems bei Zweideutigkeiten werden diese „in der Sprache als Ausdruck des Zerfalls geistiger Ordnungen gedeutet“9.

[....]


1 Heinrich Mann: Der Untertan. 24. Aufl. Leipzig 1983. [Reclams Universal-Bibliothek, 72]. Im folgenden Verlauf der Arbeit werden Zitate aus dem Roman immer nur mit U und der entsprechenden Seitenzahl wiedergegeben.

2 Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8., verb. und erw. Aufl. Stuttgart 2001. S. 717-720.

3 Wolfgang Emmerich: Heinrich Mann: „Der Untertan“. München 1993. S. 85.

4 Petra Süßenbach: Formen der Satire in Heinrich Manns Roman „Der Untertan“. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln. Köln 1972.

5 Süßenbach, Formen der Satire, 1972, S. 85.

6 Ebd., S. 85.

7 Ebd., S. 89.

8 Ebd., S. 100.

9 Ebd., S. 107.


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