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Scholary Paper (Seminar), 2003, 20 Pages
Author: Anne Nennstiel
Subject: Art - Overall Considerations
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin
Tags: Leonardo, Vinci, Hofkünstler, Italienische, Malerei, Jahrhunderts
Year: 2003
Pages: 20
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-43690-8
File size: 91 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Viadrina, Frankfurt(Oder)
Kulturwissenschaften
Kunstgeschichtliches Seminar
UE / PS: Italienische Malerei des 15. Jahrhunderts
War Leonardo da Vinci ein Hofkünstler?
Hausarbeit zum Referat: Martin Warnke „Hofkünstler“
eingereicht von:
Anne Nennstiel
April 2003
Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 1
2 Der ruhmreiche Tod in den Armen des Königs 2
3 Leonardo - der uneheliche Sohn 4
4 Leonardos Zeit in Florenz – Lehrzeit und geistige Einflüsse 5
5 Von Hof zu Hof 7
5.1 Emanzipationsbemühungen eines „uomo senza lettre“ 9
5.2 Die Freiheiten eines Hofkünstlers als Ausnahmepersönlichkeit 11
5.3 Das Ringen um die Gunst der Mächtigen und die Wertschätzung des Fürsten 13
6 Schlussbemerkungen 16
1 Einleitung
Diese Arbeit über Leonardo da Vinci, dem italienischen Künstler, Erfinder und Wissenschaftler des 15. Jahrhunderts, beschäftigt sich mit der Fragestellung „War Leonardo ein Hofkünstler?“. Sie basiert auf Martin Warnkes Buch „Hofkünstler“ und seiner These, dass sich das Bewusstsein von der unverwechselbaren Eigenheit des künstlerischen Genies und von der höheren Bestimmung der Künste, wie sie bis heute lebendig sind, als erstes an den Renaissancehöfen gezeigt habe. Sein Buch stellt eine Gegenthese zu folgender von ihm illustrierter historischer Beurteilung höfischer Kunstorganisation dar: Die Redner der Französischen Revolution werteten alle Errungenschaften des modernen Künstlers als die der städtischen bürgerlichen Kultur und urteilten über fünf Jahrhunderte höfischer Kunstorganisation als Zeit despotischer Unterdrückung, in welcher sich die Kunst an den Herrscher prostituiert hätte. Die Bemühungen des Fürsten um den Künstler stellen in ihren Augen nur eine Manipulation des künstlerischen Talents und eine Behinderung des Freiheitsstrebens dar. Warnke rückt dieses einseitige Bild zurecht, indem er zahlreiche geschichtliche Belege dafür anführt, dass die Tätigkeit des Künstlers an den Höfen des Quattrocento und später, zum ersten Mal als eine außergewöhnliche, geistige und förderungswürdige definiert wurde. Die Künstlerpersönlichkeit entrückte durch zahlreiche neue Privilegien und Ruhmesbekundungen mit der Zeit in eine fast fürstliche Sphäre.
Dies geschah zu einer Zeit, in der Künstler in den Städten, so auch in Florenz, der Stadt in der Leonardo da Vinci einen Großteil seines Lebens verbrachte, als einfache Handwerker galten und in Zünften organisiert waren. Dem italienischen Künstler des 15. Jahrhunderts fehlte das Bewusstsein des „schöpferischen Individuums“ und eine Künstlerwerkstatt war damals nicht mehr als ein Handelsunternehmen, welches zur Sicherung der Existenz funktionieren musste und alle Aufträge von einfachen Verzierungen, über Goldschmiede- und Tischlerarbeiten bis hin zu anspruchsvollen Gemälden, Skulpturen und architektonischen Arbeiten annahm.1 Martin Warnke verschweigt nicht die Problematik jenes Dienstverhältnisses zwischen Künstler und Auftraggeber, eine Tatsache, deren sich die Künstler bewusst gewesen wären: Als Teil der Dienerschaft waren sie auch „Teil des königlichen Körpers“, wobei das Dienstverhältnis offiziell erst nach dem Tode des Fürsten erlosch. Der Künstler musste sich immer wieder durch seine künstlerischen Tugendleistungen die Gunst seines Herren erarbeiten bzw. sichern und sich so dessen Vorstellungen anpassen. Jedoch mit wachsendem Ruhm, innerhalb und außerhalb des Hofes, konnte er sich mehr und mehr Freiheiten erlauben.
Man setzte ihm weniger bzw. keine Fristen für die Abgabe seiner Werke oder verzieh ihm Säumnisse. Seine Existenz wurde durch seinen guten Ruf gesichert. So wurden ihm gewöhnlich Wohnung und Arbeitsraum, sowie Kost und Kleidung vom Fürsten gestellt. Im besten Falle erhielt er zahlreiche Schenkungen und eine lebenslange Provision von seinem Gönner. Wenn man Warnkes Darstellungen der Privilegien, die ein Künstler am Hofe erhalten konnte, in einem Idealtyp zusammenfasst, erhält man das Bild von einem regelrechten Künstlerfürsten. Dieser Idealtyp eines Hofkünstlers bildete sich erst während des Quattrocento heraus und ist erst im 16. Jahrhundert an den Höfen zu finden. Anhand von Leonardo da Vincis Lebensweg, welcher am Hofe Franz I. im Jahre 1519 sein Ende nahm, soll untersucht werden, wie der Künstler zu solchem Ruhm gelangte und inwieweit Warnkes Beschreibungen für ihn zutreffend sind. Anhand der Lebensbeschreibung Vasaris aus dem 16. Jahrhundert und aktuellerer Sekundärliteratur, wobei ich mich hauptsächlich auf die Biografie von Serge Bramly stütze, versuche ich Leonardos Werdegang, im Hinblick auf die Frage, ob er ein Hofkünstler war, zu rekonstruieren.
2 Der ruhmreiche Tod in den Armen des Königs
Liest man Leonardo da Vincis Biografie rückwärts und beginnt mit seinem Tod am 2. Mai 1519 auf dem Herrensitz von Cloux bei Amboise in Frankreich, gewinnt man den Eindruck von einem wahrhaft idealen und ruhmreichen Hofkünstler, auf den Warnkes Beschreibungen mehr als zutreffend sind. In Franz I. schien Leonardo am Ende seines Lebens einen Gönner gefunden zu haben, dessen Gunst er sich sicher sein konnte. Denn trotz seines hohen Alters, seiner Krankheit und teilweisen Arbeitsunfähigkeit, schätzte er die Anwesenheit und Unterhaltung seines „ersten Malers und Ingenieurs und Architekten“ über alle Maßen. Cellini, der später Künstler am Hofe von Franz I. war, habe ihn zwanzig Jahre nach Leonardos Tod sagen hören, „er glaubte, daß kein anderer Mensch geboren wäre, der soviel wie Leonardo wüßte, in der Bildhauerei und Malerei wie in der Architektur, so daß er ein großer Philosoph war“2. Sein letzter Gönner hatte Leonardo um 1516 aufgrund seines Rufes an seinen Hof gebeten und ihn mit seinem Gefolge im besagten Herrensitz von Cloux zu Füßen seines Schlosses von Amboise untergebracht. Dieser Herrensitz, den Leonardo fast drei Jahre bewohnte, erfüllte alle Bedingungen eines idealen Künstlerhauses, wie es Warnke beschreibt.3
[...]
1 Vgl. Bramly, 87f.
2 Clark, 165.
3 Vgl. Warnke, 162.
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