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Kinderdelinquenz und der Umgang der Gesellschaft mit dieser Erscheinung

Anderes, 2005, 33 Seiten
Autor: Nadine Heß
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Details

Kategorie: Anderes
Jahr: 2005
Seiten: 33
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 13  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V46697
ISBN (E-Book): 978-3-638-43837-7

Dateigröße: 283 KB
Anmerkungen :
Jahreshausarbeit



Textauszug (computergeneriert)

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Seminar: Kinderdelinquenz
Semester: 6.

Kinderdelinquenz und der Umgang der
Gesellschaft mit dieser Erscheinung

von: Nadine Heß

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kinderdelinquenz und der Umgang der Gesellschaft mit dieser Erscheinung

2.1 Begriffsbestimmungen: Delinquenz vs. Kriminalität
2.2 Offiziell registrierte Delinquenz: Die Polizeiliche Kriminalstatistik
2.3 Wissenschaftliche Erkenntnisse zu delinquentem Verhalten
2.4 Theoretische Erklärungsansätze kindlicher Delinquenz

2.4.1 Sozialisationstheorien
2.4.2 Lerntheorien
2.4.3 Kontrolltheorien
2.4.4 Zur Differenzierung zwischen verfestigter und episodenhafter Delinquenz
2.4.5 Etikettierungstheorien

2.5 Kritische Betrachtung der Erklärungsansätze
2.6 Differenzierung des abweichenden Verhaltens nach Geschlecht
2.7 Veröffentlichungen von Kinderdelinquenz in den Massenmedien - Übertreibung oder Realität?
2.8 Was gibt es für Möglichkeiten delinquentem Verhalten entgegenzuwirken?

3. Zusammenfassung

3.1 Abschließende Betrachtung zur Kinderdelinquenz
3.2 Schlusswort

4. Literaturverzeichnis


 

1. Einleitung

Das öffentliche Interesse an Kindern unter 14 Jahren, die durch ihr Verhalten in Konflikte mit dem Gesetz geraten und demzufolge auch mit der Gesellschaft, hat in letzter Zeit deutlich zugenommen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass nach der ‚Polizeilichen Kriminalstatistik’ (PKS) seit den 90er Jahren verübte Taten von Kindern unter 14 Jahren gehäuft nachgewiesen wurden. Von großer Bedeutung ist es jedoch zu wissen, dass es sich bei den meisten dieser Taten um kleine Delikte handelt, die zudem nur einmalig begangen werden oder zeitlich begrenzt auftreten. Dies besagt folglich, dass delinquentes Verhalten bei Kindern keineswegs ein Anzeichen für eine ‚kriminelle Karriere’ im Erwachsenenalter darstellt. Über die eigentlichen Hintergründe, wie Familiensituation, Schulsituation und Freunde der auffälligen Kinder ist nur wenig bekannt. Meist werden besonders dramatische Fälle verallgemeinert. Doch dies stellt für die betroffenen Familien keinerlei Hilfe dar.

Von Kinderdelinquenz spricht man, wenn Kinder, die als noch nicht strafmündig gelten, Straftaten oder Delikte begehen, für die sie aufgrund ihres Alters nicht verantwortlich gemacht werden können. Der Begriff Delinquenz umfasst des Weiteren auch die Verletzung von Normen und Regeln, die als nicht strafbar gelten. Im Vergleich zu dem Begriff Kriminalität ist der der Delinquenz umfangreicher anzusehen (vgl. Hoops u.a. 2000, S.7ff). Darauf werde ich im Weiteren nochmals näher eingehen. Die Ausprägungen delinquenten Verhaltens können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Bei Aussagen dahingehend müssen demzufolge vielerlei Faktoren beachtet werden, zu denen nicht nur ganz individuelle, sondern auch gesellschaftliche und ökonomische zählen. Ebenso hinterlassen auf das Verhalten folgende Reaktionen und Konsequenzen der Umgebung des Kindes ihre Wirkungen. Bei delinquenten Verhalten von Kindern unter 14 Jahren wurde durch verschiedene Forschungsergebnisse deutlich, dass hier der Einfluss der Familie eine sehr bedeutende Rolle spielt. Entscheidend wirken sich hierbei die Beziehungen untereinander und die Richtlinien, die von den Eltern vorgegeben werden auf das Verhalten der Kinder aus. Haben diese bereits abweichendes Verhalten gezeigt, kann der weitere Verlauf davon abhängig sein, wie die Familie mit dieser Situation umgeht. Strafen und ähnliche Maßnahmen können auch durch andere Institutionen, wie beispielsweise die Schule oder die Jugendhilfe, die Einstellung von delinquenten Verhaltensweisen bewirken, wenn diese mit denen der Familie konform gehen. Diese Institutionen, dazu zählen auch Polizei und Gerichte sind jedoch sehr eingeschränkt beziehungsweise nicht zuständig für Bestrafungen abweichenden Verhaltens dieser Altersgruppe (vgl. Hoops u.a. 2000, S.25f). Ich habe gezielt diesen Themenbereich und vordergründig die Altersgruppe der unter 14 Jährigen für meine Arbeit gewählt. Dieses Gebiet ist im Vergleich zu anderen noch relativ gering analysiert und viele Fragen stehen selbst Forschern und Wissenschaftlern noch offen. In diesem Alter werden die Kinder durch das Gesetz unter Schutz gestellt, was von Teilen der Gesellschaft immer wieder kritisch betrachtet wird. Viele Diskussionen, darunter auch über die Herabsetzung der Altersgrenze von Strafunmündigkeit sind entfacht und zeigen das hohe Interesse der Bevölkerung für diese scheinbar zunehmende Erscheinung des abweichenden Verhaltens von Kindern. Dabei stellt man sich die Frage, ob Kinder wirklich immer häufiger delinquent handeln oder ob diverse Medien durch ihre Art der Präsentation und gezielten Publikation nur den Eindruck entstehen lassen.

Beginnen möchte ich in dieser Arbeit mit einer kurzen Begriffsbestimmung, die verständlich machen soll, dass der Begriff Delinquenz nicht mit dem der Kriminalität gleichzusetzen ist. Daraufhin werde ich mit der ‚Polizeilichen Kriminalstatistik’ fortsetzen. Diese Statistik ist die bishe r bedeutendste zur Erfassung von Delinquenz. Dabei möchte ich darauf hinweisen, was man bei der Auswertung dieser Angaben beachten muss und warum. Geben diese Zahlen wirklich ein realistisches Abbild der auffälligen Kinder wieder? Da die wirklichen Ursachen für die Entstehung von Delinquenz selbst bei erfahrenen Forschern noch relativ unklar sind, möchte ich anschließend verschiedene theoretische Erklärungsansätze vorstellen, die die differenzierten Meinungen herausstellen. Einige von ihnen können sich nur recht wage halten, im Gegensatz zu anderen, die immer wieder durch präzise Ergebnisse überzeugen. Fakt ist, dass für die Entstehung von delinquentem Verhalten viele Faktoren zusammenwirken und sich gegenseitig im positiven oder negativen Sinne beeinflussen. Welche nun tatsächlich die entscheidenden Resultate herbeiführen, wird auch im Rahmen dieser Arbeit unmöglich geklärt werden können. Ich werde mich ebenso nicht auf bestimmte theoretische Ansätze festlegen, sondern lediglich auf gewisse Entstehungsmöglichkeiten delinquenten Veraltens verweisen. Im Folgenden werde ich eine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern in Bezug auf delinquentes Verhalten anbringen. Ob sich hier besondere Entwicklungen und Tendenzen festmachen lassen, wird sich herausstellen. Die Maßnahmen zu einer möglichst effektiven Prävention werden einen weiteren bedeutsamen Punkt in meiner Arbeit einnehmen. Mit einer abschließenden Betrachtung werde ich erworbene Erkenntnisse zusammenfassend darstellen und mit einer Reflexion meinerseits abschließen.

2. Kinderdelinquenz und der Umgang der Gesellschaft mit dieser Erscheinung

2.1 Begriffsbestimmungen: Delinquenz vs. Kriminalität

Es ist nicht einfach, sich auf eine bestimmte Definition von Delinquenz und Kriminalität festzulegen. Selbst in den Wissenschaften findet man keine allgemeingültigen Definitionen. Aus diesem Grund habe ich beliebige Begriffsbestimmungen gewählt, die ein Basisverständnis für Nachfolgendes geben sollen. Schlägt man den Begriff ‚Delinquenz’ nach, wird dieser meist wie folgt beschrieben: „Delinquenz (lat.: delinquere – sich vergehen) ist die Tendenz, vor allem rechtliche, aber auch soziale Grenzen zu überschreiten. Sie stellt besonders im Jugendalter ein Zeichen für eine noch nicht vollständig gelungene sekundäre Sozialisation dar (Wales 2005, S.1). „Unter ‚Kinderkriminalität’ [Delinquenz] ist die Gesamtheit der von Kindern begangenen Verhaltensweisen zu verstehen, die bei Jugendlichen und Erwachsenen mit Strafe bedroht sind. […] Die Definition, was eine Handlung zur kriminellen beziehungsweise delinquenten Handlung macht, ist durch die Beschreibung von Straftatbeständen im Strafgesetzbuch festgelegt (Schmitt 1977, S.59, nach Pongratz 2000, S.19). Für den Begriff ‚Kriminalität’ sind folgende Definitionen möglich:

[...]


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