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Das Anselmianische Argument für die Existenz Gottes

Scholary Paper (Seminar), 1997, 16 Pages
Author: Elmar Korte
Subject: Philosophy - Philosophy of the Middle Ages (approx. 500 - 1300)

Details

Event: GOTTESBEWEISE. DIE DISKUSSION VON ANSELM VON CANTERBURY UND THOMAS VON AQUIN ÜBER DESCARTES ZUR GEGENWART
Institution/College: RWTH Aachen University (Philosophisches Institut)
Tags: Anselmianische, Argument, Existenz, Gottes, GOTTESBEWEISE, DISKUSSION, ANSELM, CANTERBURY, THOMAS, AQUIN, DESCARTES, GEGENWART
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 1997
Pages: 16
Grade: gut +
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V46883
ISBN (E-book): 978-3-638-43969-5
ISBN (Book): 978-3-640-35101-5
File size: 196 KB

Abstract

Mit großer Selbstverständlichkeit wird der Gottesbeweis von Anselm von Canterbury als ontologischer Gottesbeweis bezeichnet. Dabei hat erst Immanuel Kant dem Argument diesen Namen verliehen. Nun stellt sich die Frage, ob Kant diese begriffliche Bestimmung mit Berechtigung vollzogen hat. In dem Begriff ontologisch ist das griechische Wort on (seiend) enthalten. Da Anselm das Seien von Gott als unwiderlegbar zu beweisen versucht und dies nach seiner Überzeugung auch geschafft hat, ist die Bezeichnung ontologischer Gottesbeweis meiner Meinung nach durchaus verständlich. Das Seien von Gott ist wohl der zentrale Gedanke des Beweises, wobei z.B. der Ursprung des Universums, der für andere Gottesbeweise von Bedeutung ist, für Anselm überhaupt keine Rolle spielt. Auch wenn man bei der aristotelischen Vorstellung vom “unbewegten Beweger” vielleicht von einem Gottesbeweis sprechen kann, so gilt das anselmianische Argument als erster historischer Beweis. Er wurde seit seiner Erscheinung im 11. Jahrhundert sehr oft diskutiert, erörtert, aber auch widerlegt. Angefangen hat die Diskussion mit der sogenannten Anselm-Gaunilo Kontroverse: Der Mönch Gaunilo von Marmoutiers versuchte kurz nach der Veröffentlichung des Beweises, diesen zu widerlegen, woraufhin Anselm prompt Stellung nahm und seinerseits versuchte, den Einwand Gaunilos zu widerlegen. Die historische Debatte ging dann weiter über Thomas von Aquin, Rene Descartes, Immanuel Kant, G.W.F. Hegel bis ins 20. Jahrhundert, wo der Beweis von Alvin Platinga, J. L. Mackie oder Wolfgang Stegmüller wiederaufgenommen wurde. Ich möchte mich bei der Besprechung des Beweises allerdings vorwiegend auf die Stellungnahmen Mackies und Stegmüllers konzentrieren, denn eine ausführliche Beachtung der Kommentare Hegels oder Kants würde den Rahmen einer Proseminar-Arbeit sprengen. Zunächst einmal möchte ich den Beweishergang festhalten und sodann die Argumente für und gegen ihn darstellen. Am Ende werde ich mich dann mithilfe einer eigenen Stellungnahme für oder gegen den Beweis entscheiden. Rein rationale bzw. logische Gründe sollen für meine Annahme oder Ablehnung des Beweises entscheidend sein.


Excerpt (computer-generated)

PHILOSOPHISCHES INSTITUT DER RWTH AACHEN
PROSEMINAR WS 1996/97

GOTTESBEWEISE. DIE DISKUSSION VON ANSELM VON CANTERBURY
UND THOMAS VON AQUIN ÜBER DESCARTES ZUR GEGENWART

Das anselmianische Argument für die Existenz Gottes

vorgelegt von 

Elmar Korte

1. Fachsemester
Magister
Germanistik, Philosophie und Politische Wissenschaft
Aachen, den 26. Februar 1997

 

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 2

1. Zur Scholastik und der anselmianischen Methode 3
1.1. Zum Proslogion 3

2. Rekonstruktion des Gottesbeweises 4
2.1. Gaunilos Antwort 6
2.2. Anselms Antwort auf Gaunilos Einwände 8

3. Die Kommentare Mackies und Stegmüllers und eigene Stellungnahme 9

Schlußbemerkung 13

Literaturverzeichnis 15

 

 

Einleitung

Mit grosser Selbstverständlichkeit wird der Gottesbeweis von Anselm von Canterbury als ontologischer Gottesbeweis bezeichnet. Dabei hat erst Immanuel Kant dem Argument diesen Namen verliehen. 1 Nun stellt sich die Frage, ob Kant diese begriffliche Bestimmung mit Berechtigung vollzogen hat. In dem Begriff ontologisch ist das griechische Wort on (seiend) enthalten. Da Anselm das Seien von Gott als unwiderlegbar zu beweisen versucht und nach seiner Überzeugung auch geschafft hat, ist die Bezeichnung ontologischer Gottesbeweis meiner Meinung nach durchaus verständlich. Das Seien von Gott ist wohl der zentrale Gedanke des Beweises, wobei z.B. der Ursprung des Universums, der für andere Gottesbeweise von Bedeutung ist, für Anselm überhaupt keine Rolle spielt.

Auch wenn man bei der aristotelischen Vorstellung vom “unbewegten Beweger”2 vielleicht von einem Gottesbeweis sprechen kann, so gilt das anselmianische Argument als erster historischer Beweis. Er wurde seit seiner Erscheinung im 11. Jahrhundert sehr oft diskutiert, erörtert aber auch widerlegt. Angefangen hat die Diskussion mit der sogenannten Anselm-Gaunilo Kontroverse: Der Mönch Gaunilo von Marmoutiers versuchte kurz nach der Veröffentlichung des Beweises, diesen zu widerlegen, woraufhin Anselm prompt Stellung nahm und seinerseits versuchte, den Einwand Gaunilos zu widerlegen.3

Die historische Debatte ging dann weiter über Thomas von Aquin, Rene Descartes, Immanuel Kant, G. F. Hegel bis ins 20. Jahrhundert, wo der Beweis von Alvin Platinga, J. L. Mackie oder Wolfgang Stegmüller wiederaufgenommen wurde.4

Ich möchte mich bei der Besprechung des Beweises allerdings vorwiegend auf die Stellungnahmen Mackies und Stegmüllers konzentrieren, denn eine ausführliche Beachtung der Kommentare Hegels oder Kants würde den Rahmen einer Proseminar-Arbeit sprengen. Zunächst einmal möchte ich den Beweishergang festhalten und sodann die Argumente für und gegen ihn darstellen. Am Ende werde ich mich dann mithilfe einer eigenen Stellungnahme für oder gegen den Beweis entscheiden. Rein rationale bzw. logische Gründe sollen für meine Annahme oder Ablehnung des Beweises entscheidend sein.

1. Zur Scholastik und der anselmianischen Methode

Bevor ich näher auf den Gottesbeweis von Anselm eingehen werde, möchte ich noch kurz den philosophischen Hintergrund skizzieren, der für Anselms Vorgehensweise von einiger Bedeutung sein dürfte. Die Philosophie des Mittelalters hatte ihren Ursprung in den Klosterschulen des Klerus,war also nicht unbedingt eine öffentliche Angelegenheit. Daher wird sie auch mit dem Terminus Scholastik bezeichnet, was nichts anderes als Schullehre bedeutet.

Die scholastische Methode will durch den Gebrauch von Vernunft und Logik Einsicht gewinnen in Offenbahrungswahrheiten und Glaubensinhalte.5 Der berühmte, von Augustin eingeführte Satz “credo ut intelligam” ist charakteristisch für Anselms Philosophie: Als Basis dient immer der Glaube, welcher aber mithilfe der Vernunft erklärt werden soll.6 Anselm,der diese Methode perfektionierte, wird heutzutage auch gerne als der Vater der Scholastik bezeichnet.7

Anselm beruft sich bewußt nicht auf die Bibel oder christliche Autoritäten, er möchte vielmehr alleine mit der Vernunft beweisen, daß Gott existiert und daß das Nicht-Sein Gottes nicht gedacht werden kann. Die Tatsache, daß Anselm also nicht nur einen Beweis für die Existenz Gottes erbringen möchte, sondern auch die Denkunmöglichkeit des Atheismus aufzeigen will, ist erstaunlich. Ziel ist demnach nicht nur eine Begründung des eigenen Glaubens, sondern auch eine Widerlegung der Ungläubigen.

[....]


1 Vgl. F.S. Schmitt: Einführung. In: Anselm von Canterbury: Proslogion. Stuttgart-Bad Cannstat 1962, S. 13.

2 Vgl. Aristoteles, Met. XII7, 1072b14- b31.

3 Hierbei ist zu beachten, daß Anselm anordnete, die Gaunilo- Debatte unbedingt seinem Proslogion beizufügen. Er schien also seine Argumente für stärker gehalten zu haben als die des Gaunilo (Vgl. hierzu Kurt Flasch: Einleitung. In: Kann Gottes Nicht-Sein gedacht werden? Hrsg. von Burkhard Mojsisch. Kempten/Allgäu, 1989, S. 10.

4 Vgl. J. L. Mackie: Das Wunder des Theismus (The miracle of theism. Oxford, 1982.) übers. von R. Ginters. Stuttgart, 1985. S. 68

5 Vgl. Ernst von Aster: Die Geschichte der Philosophie. Stuttgart, 1980, S. 136f..

6 Vgl. ders. S. 140.

7 Anselm is “considered the father of scholasticism.” In: The Software Toolworks Multimedia Encyclopedia(CD-Rom) 1992 Edition


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