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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 29 Pages
Author: Dipl.-Sozialpäd. Stefan Dannheiser
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Institution/College: University of Lüneburg (Institut für Sozialpädagogik)
Tags: Konfrontative, Pädagogik, Standortbestimmung, Methodik, Modelle, Ziele, Praxis, Kritik, Theorien, Sozialen, Arbeit
Year: 2005
Pages: 29
Grade: 1,6
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-43979-4
File size: 298 KB
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Excerpt (computer-generated)
Konfrontative Pädagogik - Standortbestimmung,
Methodik, Modelle, Ziele, Praxis und Kritik
von: Stefan Dannheiser
6. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Begrifflichkeiten, Grundlagen und Orientierung 3
2.1 Der Begriff „Konfrontation“ 3
2.2 Bestimmung von Zielgruppen und Anwendungsgebieten 3
2.3 Grundorientierung 4
3. Methodik der Konfrontativen Pädagogik 8
3.1 Theoretische / Methodische Grundlagen 8
3.2 Glen Mills Schools 10
3.3 Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) / Coolness Training (CT) ® 13
3.4. Weitere Konzepte und Programme 16
4. Vergleich von „Akzeptierender“ und „Konfrontativer“ Pädagogik 16
5. Kritische Betrachtung 19
6. Diskussion 21
6.1 Konsequenzen der Konfliktvermeidung 21
6.2 „Glaubenskriege“ oder Theorienstreit 23
7. Perspektiven und Schlussbetrachtung 24
8. Literatur- und Quellenverzeichnis 27
1. Einleitung
„Konfrontative Pädagogik“ ist ein Reizthema, welches immer wieder zu Kontroversen führt – sei es in Fachliteratur oder auch in anderen Medien. In den Fokus fallen dabei vor allem das Konzept der Glen Mills School des US-Amerikaners Sam Ferrainola sowie die Methode des Anti- Aggressivitäts-Trainings® und Coolness-Trainings® von Jens Weidner. Die Gründe für eine breite Abwehrhaltung seitens deutscher (Sozial-)Pädagogen gegenüber konfrontativer Ansätze sind vielschichtig. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, auf Basis einer umfassenden und unvoreingenommenen Darstellung von konfrontativen Ansätzen und Konzepten sowie über eine sachliche wie fachliche Diskussion unterschiedlichster themenbezogener Aspekte, einen Kommunikations- bzw. Verständigungsprozess hinsichtlich eines ganzheitlichen Umdenkens auf dem Gebiet der Jugendhilfe in Gang zu setzen, der Jenseits bzw. frei von Polemik und Trotz stattfinden kann.
Den Einstieg in das Thema bildet zunächst die Begriffsbestimmung von „Konfrontation“. Es folgt eine Deskription der Zielgruppen sowie der Anwendungsbereiche von konfrontativen Ansätzen. Anschließend wird dem Leser die anhand der vorliegenden Literatur analysierte Grundorientierung der Konfrontativen „Pädagogik“ vorgestellt. Im dann folgenden Abschnitt werden zunächst theoretisch relevante Vorläufer und methodische Grundlagen der Konfrontativen Pädagogik bzw. konfrontativer Konzepte prägnant vorgestellt, bevor anschließend auf das Modell der Glen Mills School sowie auf die Methoden Anti-Aggressivitäts-Training (AAT)® und Coolness Training (CT)® näher Bezug genommen wird. Nachdem nun eine fundierte Grundlage zum Verständnis konfrontativer Ansätze gescha ffen wurde, soll in die fachliche Debatte bezüglich der Klassifikation in „Akzeptierende“ und „Konfrontative Pädagogik“ eingestiegen werden. Die Diskussion setzt sich in den Punkten „5. Kritische Betrachtung“, „6.1 Konsequenzen der Konfliktvermeidung“ und „6.2 ‚Glaubenskriege’ oder Theorienstreit“ fort. Den Abschluss der vorliegenden Arbeit bildet eine Schlussbetrachtung mit resümierendem Charakter, an die sich jedoch ein Ausblick mit denkbaren Veränderungsvorschlägen für die Soziale Arbeit auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendarbeit anschließt.
2. Begrifflichkeiten, Grundlagen und Orientierung
2.1 Der Begriff „Konfrontation“
Lexikalisch lassen sich die Begriffe „Konfrontation“ bzw. „konfrontieren“ wie folgt umschreiben: „Gegenüberstellung von einander widersprechenden Meinungen, Sachverhalten od. Personengruppen“, „jmdn. jmdm. anderen gegenüberstellen, besonders um etwas aufzuklären […] jmdn. in eine Situation bringen, die ihn zur Auseinandersetzung mit etwas Unangenehmem zwingt“ (zit. n. Duden, Fremdwörterbuch (1997:435)). Walkenhorst (2004:54) definiert den Begriff der „Konfrontation“ auf Basis des „Wörterbuch der Psychologie“ von Clauss e.a. (1981:332) als: „Gegenüberstellung“ bzw. „Auseinandersetzungsverhalten“, die bzw. das sich durch „Widerspruch“, „In-Frage-Stellen“ u.ä. vollzieht und im Patienten eine „Affekt- und Denkdynamik“ anregt, „die es ermöglicht, einstellungsartig fixierte Fehlüberzeugungen gegen den Widerstand zu korrigieren und neue Einsichten zu entwickeln“ (vgl. ebd.). Ferner kann Konfrontation dann eingesetzt werden, „wenn unbewusste oder abgestrittene bzw. durch ‚Rationalisierung’ maskierte Fehlhaltungen aufgedeckt und erschüttert werden sollen“ (vgl. ebd.). Bezogen auf das Feld der Sozialen Arbeit, insbesondere auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit externalisierendem, nach außen gerichtetem dissozialem, massiv aggressiv- gewalttätigem Verhalten bzw. Straftaten, wurde der Begriff der „Konfrontation“ in gezielter Auseinandersetzung mit „akzeptierenden“, „klientenzentrierten“ und „verstehenden“ Konzepten entwickelt (vgl. Walkenhorst (2004:55)).
2.2 Bestimmung von Zielgruppen und Anwendungsgebieten
Walkenhorst (2004:55) macht deutlich, dass nicht alle jungen Menschen zur Zielgruppe der Konfrontativen Pädagogik erklärt werden sollen. Vielmehr ist dies eine Frage nach den Grenzen „herkömmlicher sozialpädagogischer Grundüberzeugungen und methodischer Vorgehensweisen“ (vgl. ebd.). Nach Weidner (2004:11) versteht sich Konfrontative Pädagogik als Ergänzung (nicht als Alternative) zu einem lebensweltorientierten Verständnis. Zudem sieht er Konfrontative Pädagogik bzw. konfrontativen Methoden als „ultima ratio“1 im Umgang mit Mehrfachauffälligen, wenn akzeptierendes Begleiten, nicht-direktive Konzepte, empathische Einzelfallhilfe oder ein lebensweltorientierter Zugang nicht mehr aus- reichen (vgl. ebd.; Walkenhorst (2004:62)). Walkenhorst (2004:55f.) zielt hierbei insbesondere in Richtung extrem gewaltbereiter, delinquenter Jugendlicher bzw. Mehrfachtäter, die nicht die breite Masse repräsentieren, die jedoch „massenhaft Ärger“ machen. Gemeint sind damit sog. „Topschläger“, „Profischläger“, „‚rechte’, gewaltbereite und gewalttätige Cliquen und Gruppen“ mit eher niedrigen Bildungsabschlüssen und -ambitionen. Herkömmliche (Sozial-)pädagogische Interventionen scheinen bei diesem Klientel nicht anzusprechen, sie erscheinen geradezu „erziehungsresistent“ (vgl. ebd.). Erschwerend kommt hinzu, dass insbesondere Mehrfachauffällige pädagogische Freundlichkeit bzw. Milde als Schwäche interpretieren (vgl. ebd.; Weidner (2004:12)). So charakterisiert sich das Klientel bzw. die Zielgruppe der Konfrontativen Pädagogik vor allem durch zumeist männliche Jugendliche bzw. Heranwachsende2, die größtenteils aus sog. „broken homes“ stammen und häufig selbst Opfer kontinuierlicher Erziehungsgewalt wurden (vgl. Walkenhorst (2004:55f.)). Weiterhin ist auffällig, dass diese Jugendlichen in der Regel keine primäre Veränderungsmotivation aufweisen, d.h. ihnen geht es in ihrer „Rolle“ als Bedroher, Erpresser, etc. recht gut, denn ihr Verhalten sichert ihnen Respekt und ihren Status. Also warum sollten sie sich ändern (vgl. ebd.)? Zudem scheint bei ihnen Empathie bezogen auf das Opfer bzw. das Verständnis für die Folgen ihres Handelns für andere nur lakonisch, wenn überhaupt vorhanden zu sein (Weidner (2004:12)). So besitzen diese Jugendlichen zwar häufig ein exorbitantes Beleidigungsrepertoire, jedoch weisen sie kaum Konflikt- Bewältigungs-Strategien oder Frustrationstoleranz auf (vgl. ebd.). Resümierend konstatiert Walkenhorst (2004:55), dass es sich bei der Zielgruppe um „eine Gruppe junger Menschen [handelt], für die in Deutschland keine angemessenen Konzepte zur Verfügung stehen“.
2.3 Grundorientierung
[...]
1 Synonym: „letztes Mittel“, „letzte Maßnahme“, etc.
2 Jedoch finden Methoden bzw. Programme wie das KIP (Konfrontatives Interventionsprogramm) sowie das Coolness-Training® u.a. bereits in Schulen Anwendung. Diese Programme richten sich an gewaltbereite Kinder und Jugendliche vor allem hinsichtlich ihrer Rolle als Schüler (vgl. u.a. Walkenhorst (2004:56, 67ff.)).
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