Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Diplomarbeit, 2005, 106 Seiten
Autor: Magnus Kerkloh
Fach: Theologie - Systematische Theologie
Details
Tags: Weise, Erlöste, Frage, Grundprinzip, Karl, Rahner
Jahr: 2005
Seiten: 106
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 82 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-44047-9
ISBN (Buch): 978-3-638-70753-4
Dateigröße: 980 KB
Die Arbeit beleuchtet zunächst die theologiegeschichtliche Entwicklung der Frage nach einem "mariologischen Grundprinzip" von den Anfängen bis ca. zur Mitte des 20. Jahrhunderts, um dann den Lösungsansatz Karl Rahners näher in den Blick zu nehmen, welchen er v.a. zu Beginn der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. Dabei kommt die Verknüpfung mit seiner transzendental-anthropologischen Methode wie auch mit ökumenischen Aspekten zur Sprache.
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Zusammenfassung / Abstract
Die Beschäftigung mit Karl Rahners Theologie ist nach wie vor Gegenstand einer breiten theologischen Forschungstätigkeit. Seine mariologischen Schriften hingegen finden heute relativ wenig Beachtung. Dies liegt nicht nur daran, dass Rahner andere theologische Themen ausführlicher behandelt hat und dass sein umfangreichstes mariologisches Werk, eine umfangreiche Studie zum Assumptio-Dogma, erst kürzlich veröffentlicht wurde, sondern ist als allgemeines Phänomen anzusehen. Besteht diese Vernachlässigung zurecht? Oder kann nicht gerade Rahners Mariologie, quasi kondensiert in seinem mariologischen Grundprinzip, einen leichteren Zugang zu seiner Theologie liefern, wenn Mariologie der erste Teil einer christlichen Anthropologie ist und wenn Rahners Theologie gerade als „anthropologisch gewendete“ eben jenen oben angedeuteten Einfluß gewinnen konnte? Und kann nicht umgekehrt diese anthropologisch gewendete Theologie Rahners, wie sie sich auch in seinem mariologischen Grundprinzip niederschlägt, zu einer neuen Wertschätzung der Mariologie beitragen? Auch diesen Fragen soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden - und zwar in folgenden Schritten: Zunächst wird der Begriff „mariologisches Grundprinzip“ näher in den Blick genommen, und zwar hinsichtlich seiner historischen Entwicklung, hinsichtlich seiner genaueren inhaltlichen Bestimmung (Bedeutung, Berechtigung und Leistungsanspruch) und hinsichtlich eines systematischen Überblicks über verschiedene Lösungsvorschläge, wobei sich zwangsläufig Überschneidungen ergeben werden. Im Anschluß an diese Grundlegung wird Rahners eigener Ansatz untersucht: Nach einigen Worten zu seinen für die Frage nach dem mariologischen Grundprinzip einschlägigen Schriften werden diese genauer im Hinblick auf die in ihnen enthaltene Entwicklung des Grundprinzips der vollkommen Erlösten analysiert, wobei auch grundsätzliche Aspekte von Rahners theologischen Denken mit einbezogen werden. Sodann wird die „Durchführung“ dieses Grundprinzips an den einzelnen theologischen Aussagen über Maria vorgenommen. Nach einer kritischen Rückfrage hinsichtlich der Vorteile wie auch der Problematik von Rahners Grundprinzip wird schließlich der Ertrag von Rahners mariologischem Grundprinzip für eine heutige Mariologie - gerade angesichts der heutigen grundsätzlichen Anfragen an dieses Teilgebiet systematischer Theologie- wie auch für Rahners Gesamtwerk aufgezeigt.
Textauszug (computergeneriert)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Katholisch-Theologische Fakultät
Ökumenisches Institut
„...die in vollkommenster Weise Erlöste“
Die Frage nach einem mariologischen Grundprinzip bei Karl Rahner
Diplomarbeit
vorgelegt von
Magnus Kerkloh
2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Zum Begriff „mariologisches Grundprinzip“ ... 7
2.1 Der theologiegeschichtliche Weg zur Idee eines mariologischen Grundprinzips ... 7
2.2 Begriffsbestimmung, Berechtigung und Anforderungen für ein mariologisches Grundprinzip ... 11
2.2.1 Begriffsbestimmung: Was ist unter einem mariologischen Grundprinzip zu verstehen? ... 11
2.2.2 Berechtigung: Warum ist es sinnvoll, nach einem mariologischen Grundprinzip zu suchen? ... 14
2.2.3 Anforderungen: Was muß ein mariologisches Grundprinzip leisten? ... 21
2.3 Versuch einer Systematisierung verschiedener Ansätze ... 23
2.3.1 Die christologisch ausgerichteten Ansätze ... 25
2.3.2 Die ekklesiologisch ausgerichteten Ansätze ... 29
2.3.3 Die gnadentheologisch-anthropologisch ausgerichteten Ansätze ... 32
3. Rahners eigene Konzeption eines mariologischen Grundprinzips ... 35
3.1 Ein Überblick über die für die Entwicklung von Rahners Grundprinzip einschlägigen mariologischen Schriften ... 35
3.1.1 Die Assumptio-Arbeit ... 38
3.1.2 Maria, Mutter des Herrn ... 41
3.2 Die Entwicklung des Grundprinzips der „vollkommen Erlösten“ ... 42
3.2.1 Biblische Grundlegung ... 43
3.2.2 Systematisch-theologische Entfaltung ... 47
Exkurs I: Rahners transzendentaltheologische Methode im Verhältnis zu seiner Mariologie ... 57
Exkurs II: Der „entscheidende Unterschied“ zur protestantischen Theologie ... 60
3.2.3 Die Durchführung des Grundprinzips an den einzelnen mariologischen Wahrheiten ... 63
3.2.3.1 Die Unbefleckte Empfängnis ... 66
3.2.3.2 Die stete Jungfräulichkeit ... 69
3.2.3.3 Die Sündenlosigkeit ... 76
3.2.3.4 Die Aufnahme in den Himmel ... 77
3.2.3.5 Die Gnadenmittlerschaft ... 82
3.3 Untersuchung des Rahnerschen Ansatzes hinsichtlich seiner Vorteile und Probleme gegenüber anderen Entwürfen ... 84
4. Schluß ... 94
Literaturverzeichnis ... 98
1. Einleitung
„Weil wir von ihm, Christus, reden müssen, dürfen wir von ihr, Maria, nicht schweigen.“1 - Diese Aussage aus dem Vorwort zur Dissertationsschrift des Brixener Dogmatikers Ivo Muser, die das „Reden von Maria“ - und somit auch die „Mariologie“ - thematisiert und in engste, ja unaufgebbare Nähe zum Reden von Christus (auch, aber sicher nicht nur im Sinne von „Christologie“) rückt, soll auch am Beginn dieser Arbeit stehen. Denn sie eignet sich m. E. als Ausgangspunkt für eine nähere Beschäftigung mit Karl Rahners mariologischer Konzeption mindestens eben so gut wie für die von Muser in o. g. Arbeit behandelte, ähnliche Thematik bei Matthias Josef Scheeben, vgl. Muser: „Für M. J. Scheeben und seine Theologie ist Maria [...] in ihrer einzigartigen Christusbeziehung der begnadete Mensch schlechthin und damit das Urbild des in der Gnade stehenden Menschen, das Urbild der Kirche.“2 Rahner selbst „bezeichnet die Mariologie als den 1. Teil jener christlichen Anthropologie, die mit der Christologie in einer ‚ungetrennten’ Einheit steht.“3 So geht es auch und gerade ihm, wenn er Mariologie betreibt, nicht darum, „den hintersten Winkel eines an sich schon recht abgelegenen Hauses“4 zu durchstöbern, sondern vielmehr „um die Behaustheit des Menschen schlechthin.“5
Damit ist bereits die Höhe der Fragestellung erreicht, die den erkenntnisleitenden Hintergrund dieser Arbeit bilden soll, nämlich die Frage nach der Berechtigung, Bedeutung und Verortung einer eigenständigen Mariologie angesichts der heutigen theologischen Situation. Denn diese nimmt sich ihrer Grundtendenz nach im wesentlichen noch so aus, wie sie Klaus Riesenhuber bereits 1973 beschrieben hat: „Während in den fünfziger Jahren eine Blüte mariologischer Studien, mit bedeutenden Ansätzen auch im protestantischen Raum, zu verzeichnen ist, verschwanden die mariologischen Themen seit dem Zweitem Vatikanischen Konzil fast völlig aus der theologischen Diskussion.“6 Zwar sind inzwischen durchaus neuere Konzeptionen v. a. in der feministischen Theologie und der Befreiungstheologie entstanden.7 Diese nehmen jedoch (im Gegensatz gerade zu den von der Suche nach einem mariologischen Grundprinzip geprägten Entwürfen) nur einen aus ihrem spezifischen Interesse her begründeten Teilaspekt Marias bzw. der Mariologie in den Blick, „insofern diese im Kampf gegen patrialistische [sic!] Repression die Autonomie der Frau anschaulich macht“ oder „zum meditativ-kämpferischen Prototyp des Christlichen wird“8. Daher läßt sich zur aktuellen theologischen Situation sagen: „Die traditionelle Mariologie befindet sich derzeit in einem Umbruch, so daß man einzelne Strömungen, aber noch keinen einheitlichen Gang der Forschung feststellen kann.“9
Diese Grundsituation hängt sicherlich zum einen damit zusammen, daß die das geistige Klima des „Marianischen Jahrhunderts“ zwischen ca. 1850 und 1950 prägenden Ereignisse10 im allgemeinen wie auch im theologischen11 Bewußtsein in den Hintergrund traten. Zum anderen bündelte die durch das II. Vatikanische Konzil angestoßene bzw. offiziell für legitim und notwendig erklärte Auseinandersetzung mit den aufgrund des modernen Welt- und Menschenbildes fundamental in Frage gestellten christlichen Grundwahrheiten die theologisch produktiven Kräfte.12 Doch auch die Entscheidung des Konzils selbst, zwar Aussagen über Maria zu verabschieden, diese aber in die Dogmatische Konstitution über die Kirche einzuordnen, dürfte dazu beigetragen haben, daß sich die mariologische Produktivität abschwächte.13
Letztendlich führte dieses Bündel von Faktoren dazu, daß „Mariologie“ als solche im Bewußtsein Vieler in der postkonziliaren Ära als unmodern, sogar überholt angesehen wurde und wird14 und es daher „heute geradezu um die Frage ihrer Existenz“15 geht. Vor diesem Hintergrund nun soll im folgenden die gerade während der „mariologischen Sattelzeit“16 vor dem II. Vatikanum „vielerörterte Frage nach dem Prinzip der Mariologie“17 im Werk Karl Rahners dargelegt werden. Dabei spiegelt sich die skizzierte Entwicklung der Mariologie exakt wider: Die Beschäftigung mit Rahners Theologie ist nach wie vor Gegenstand einer breiten theologischen Forschungstätigkeit, wie sich gerade im zurückliegenden Jubiläumsjahr (100. Geburtstag, 20. Todestag) an einer Fülle neuer Literatur zu seiner Person und seinem Werk erkennen läßt. Dies verwundert angesichts seines überragenden Einflusses auf viele Bereiche der systematischen, aber auch der praktischen Theologie des 20. Jahrhunderts18 nicht. Seine mariologischen Schriften hingegen finden - ebenso wie auch die Versuche anderer Theologen zur Formulierung eines mariologischen Grundprinzips19 - heute relativ wenig Beachtung. Dies liegt also nicht nur daran, daß Rahner andere theologische Themen ausführlicher behandelt hat und daß sein umfangreichstes mariologisches Werk, eine umfangreiche Studie zum Assumptio-Dogma, erst kürzlich veröffentlicht wurde20, sondern ist als allgemeines Phänomen anzusehen.21
[...]
1 Vgl. MUSER, Ivo, Das mariologische Prinzip ‚gottesbräutliche Mutterschaft’ und das Verständnis der Kirche bei M. J. Scheeben, Rom 1995 (= Analecta Gregoriana; 267). Zugl.: Rom, Pontif. Univ. Greg., Diss., 1995, VII [Künftig zitiert: MUSER, Prinzip]. - Nach Auskunft Musers (E-mail an den Verf. vom 22. 01. 2004) handelt es sich bei dem angeführten Zitat um eine Aussage H. U. v. Balthasars aus einem nicht veröffentlichten Vortrag in Rimini aus dem Jahre 1983. Die Beschäftigung mit Musers Dissertation - und zwar angeregt durch seine Mariologie-Vorlesung in Brixen im WS 2001/02 - gab dem Verf. übrigens den ersten Anstoß zur Wahl des Themas der vorliegenden Diplomarbeit.
2 MUSER, Prinzip, VII. - Neben diesen Aussagen, die durchaus als Vorboten einer „modernen“ Mariologie angesehen werden können, finden sich bei Scheeben nämlich auch mystifizierende Elemente, so daß Maria „selbst als eine Gestalt höherer Ordnung erscheint. Es wird dadurch schwierig, Maria als Mutter der konkreten, und damit auch sündigen Menschen und als Vorbild der Christusnachfolge zu verstehen.“ (MUSER, Prinzip, 200f.) - Damit ist ein Anliegen angesprochen, dem gerade Rahner mit seiner Konzeption Raum schaffen will!
3 RADKIEWICZ, Jan, Auf der Suche nach einem mariologischen Grundprinzip. Eine historischsystematische Untersuchung über die letzten hundert Jahre, Konstanz 1990. Zugl.: Freiburg i. Br., Univ., Diss. 1989, 190f. [Künftig zitiert: RADKIEWICZ, Suche].
4 BEINERT, Wolfgang, Maria im Geheimnis der Erlösung, in: MUND, Hans-Joachim (Hrsg.), Maria in der Lehre von der Kirche, Paderborn 1979, 9-28, hier: 11 [Künftig zitiert: BEINERT, Geheimnis]
5 Ebd., 11.
6 RIESENHUBER, Klaus, Maria im theologischen Verständnis von Karl Barth und Karl Rahner, Freiburg i. Br. 1973 (= Quaestiones Disputatae; 60), 7 [Künftig zitiert: RIESENHUBER, Maria]. - Dies muß nicht bedeuten, daß in der Zukunft ein neues „mariologisches Zeitalter“ nicht mehr denkbar wäre, denn auch im 17. und 18. Jahrhundert war man „weniger interessiert an mariologischen Fragen.“ (MÜLLER, Alois/SATTLER, Dorothea, Mariologie, in: SCHNEIDER, Theodor [Hrsg.], Handbuch der Dogmatik, Bd. 2, Düsseldorf 22002, 155-187, hier: 173 [Künftig zitiert: MÜLLER/SATTLER, Mariologie]).
7 Vgl. z. B. WAGNER, Harald, Dogmatik, Stuttgart 2003 (= Kohlhammer Studienbücher Theologie; 18), 530 [Künftig zitiert: WAGNER, Dogmatik].
8 Ebd., 530. Diese Formulierungen („anschaulich machen“, „Prototyp des Christlichen“ [nicht: „des Christen“!]) können schon als Hinweise auf die dabei latent vorhandene Gefahr gewertet werden, „daß die heilsgeschichtliche Gestalt Marias entpersonalisiert und ins bloße Zeichen hinein aufgelöst wird“ (COURTH, Franz, Mariologie, Graz - Wien - Köln 1991 (= Texte zur Theologie: Abteilung Dogmatik; 6), 20 [Künftig zitiert: COURTH, Mariologie1]). - Diese Gefahr gilt es auch bei der abschließenden Bewertung von Rahners mariologischem Grundprinzip im Blick zu behalten! Eine detailliertere Analyse der postkonziliaren Entwicklung findet sich bei DE FIORES, Stefano, La mariologia nel secolo XX: Continuità e novità, in: VALENTINI, Donato (Hrsg.), La teologia. Aspetti innovatori e loro incidenza sulla ecclesiologia e sulla mariologia, Roma 1989 (= Biblioteca di Scienze Religiose; 85), 283-297, besonders 288-291 [Künftig zitiert: DE FIORES, Mariologia].
9 RADKIEWICZ, Suche, 11.
10 Zu nennen wären die Marienerscheinungen vor der Hl. Katharina Labouré im Jahre 1830 mit der sich daran anschließenden Verbreitung der „Wunderbaren Medaille“, die Erscheinungen von Lourdes 1858 mit den dort bis heute stattfindenden aufsehenerregenden Heilungen, die Erscheinungen von Fatima 1917, welche zur Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens durch Pius XII. 1942 führten, die Gründung zahlreicher marianischer Vereinigungen (Schönstattwerk 1914, Legio Mariae 1921, Blaue Armee und Rosenkranz-Sühnekreuzzug 1947), päpstliche Verlautbarungen wie das marianische Jahr 1954 (welche Wirkung dieses bei den Gläubigen hatte, zeigt sich z. B. an einem Haus in Münster [Krummer Timpen, Nr. 62], über dessen Türstock die Inschrift „Anno Mariano MCMLIV“ eingemeißelt ist und an dem sich eine Marienstatue befindet - wäre etwas Analoges anläßlich des derzeitigen „Eucharistischen Jahres“ 2004/2005 vorstellbar? Oder welche „öffentliche“ Wirkung hatte das letzte marianische 1987?) und natürlich die beiden Dogmen der Unbefleckten Empfängnis von 1854 und der Aufnahme Mariens in den Himmel von 1950. Vgl. auch WAGNER, Dogmatik, 519f. und KÖSTER, Heinrich-M., Die Mariologie im 20. Jahrhundert, in: VORGRIMLER Herbert/VANDERGUCHT, Robert (Hrsg.), Bilanz der Theologie im 20. Jahrhundert, Bd. III, Freiburg - Basel - Wien 1970, 124-147, hier: 124-126 [Künftig zitiert: KÖSTER, Mariologie].
11 In bezug auf Maria wirkten vor dem II. Vatikanum theologische Produktion und Interesse der gläubigen Öffentlichkeit auch wechselseitig stimulierend aufeinander ein, so daß sogar von einer theologischen „publicity“ gesprochen wurde (vgl. MÜLLER, Alois, Fragen und Aussichten der heutigen Mariologie, in: FEINER, Johannes/TRÜTSCH, Josef/BÖCKLE, Franz (Hrsg.), Fragen der Theologie heute, Einsiedeln 1957, 301-317, hier: 301 [Künftig zitiert: MÜLLER, Fragen und Aussichten]).
12 Vgl. RIESENHUBER, Maria, 7f.
13 Diese Entscheidung des Konzils ist aber - zumindest auf der Ebene der theologischen Arbeit, in Bezug auf die Glaubenspraxis der Kirche mag es anders aussehen - wohl eher als Schlußpunkt einer vorangehenden theologischen Debatte - an der auch Karl Rahners Äußerungen zu einem mariologischen Grundprinzip ihren Anteil hatten - denn als Impulsgeber für neue Überlegungen anzusehen. Insofern müßte die Aussage von Radkiewicz, die „Umorientierung in der Mariologie“ habe „durch das II. Vaticanum“ begonnen, doch seien „den durch das Konzil initiierten mariologischen Impulsen vorbereitende Diskussionen vorausgegangen“ (RADKIEWICZ, Suche, 11) eher umgekehrt formuliert werden. Noch deutlicher gilt dies für seine Behauptung, das II. Vatikanum habe in ‚Lumen gentium’ im Vergleich zur vorkonziliaren Mariologie „eine neue theologische Denkweise entwickelt (nicht nur die Zusammenführung der christologischen und ekklesiologischen Perspektive, sondern auch die anthropologische - soteriologische - pneumatologische Richtung). Es betrachtet Maria nicht mehr ‚in sich’, sondern im Rahmen der Heilsgeschichte.“ (Ebd., 20) Auch hier dürfte die inhaltlich durchaus zutreffende Feststellung im zweiten Satz eher Frucht der präkonziliaren theologischen Arbeit sein. 14 Vgl. RIESENHUBER, Maria, 7. - Diese Aussage kann zwar insofern noch weiter relativiert werden, als inzwischen gerade das Thema der rechten Bedeutung von Mariens „Jungfräulichkeit“ das theologische Interesse an sich gezogen hat und es auch im ökumenischen Gespräch über Maria zu weiteren Annäherungen gekommen ist (vgl. MÜLLER/SATTLER, Mariologie, 155f.). Aber auch hierbei ist zu betonen, was oben bereits angedeutet wurde, nämlich, daß „das theologische Nachdenken über die Mutter Jesu“ nur in „einzelnen Kontexten [...] neu aktuell“ (Ebd., 155 [Hervorhebung von mir; M.K.]) geworden ist. W. Beinert spricht denn auch konsequenterweise für die Zeit ab 1970 vom Entwurf von „Mariologien“ (im Plural), und zwar unter „zeitgenössischer Perspektive“ (BEINERT, Wolfgang, Mariologie, in: Lexikon für Theologie und Kirche. Begründet von Michael BUCHBERGER. Herausgegeben von Walter KASPER mit Konrad BAUMGARTNER, Horst BÜRKLE, Klaus GANSER u. a., Bd. 6, Freiburg i. Br., Basel, Rom, Wien ³1997, Sp. 1383-1385, hier: Sp. 1384 [Künftig zitiert: BEINERT, Mariologie]). 15 SCHEFFCZYK, Leo, Der systematische Ort der Mariologie heute, in: Theologie und Glaube 68 (1978) 408-425, hier: 408 [Künftig zitiert: SCHEFFCZYK, Der systematische Ort]. Scheffczyk zeigt im weiteren auf, daß die Mariologie ein Kristallisationspunkt - eine Formulierung, die sich zur Kennzeichnung des Verhältnisses der Mariologie zum Gesamt der (systematischen) Theologie auch bei anderen Autoren findet - für eine wissenschaftstheoretische Grundsatzdiskussion über die Theologie als System überhaupt ist (vgl. ebd., 409f.). Insofern spielen bei der Kritik an der Mariologie auch noch grundsätzlichere Faktoren als die oben genannten eine Rolle.
16 Der ursprünglich von R. Koselleck als Metapher zur Charakterisierung der Epochenschwelle zur Moderne um 1800 (die genaue Abgrenzung wird unterschiedlich angegeben) verwendete Begriff „Sattelzeit“ wird, wie seine Eingabe in eine Internet-Suchmaschine leicht zeigt, neuerdings auch auf andere geistesgeschichtliche Felder übertragen. Im Hintergrund des Begriffs steht wohl die Vorstellung eines Bergsattels, der eine Gebirgslandschaft teilt, ohne dabei - wie ein Grat - eine scharfe Trennlinie zu ziehen; gleichzeitig dürfte auch der Aspekt der „Höhe“ bei dieser Metapher eine Rolle spielen - es handelt sich also um eine geistig besonders produktive Zeit. Von daher könnte man den Begriff auch auf den sich anbahnenden Paradigmenwechsel (vgl. zu diesem Begriff unten 2.2.2) in der Mariologie - weg von einer übersteigerten Privilegienmariologie hin zu einer heilsgeschichtlichen Einbindung der Mariologie in einen größeren theologischen Zusammenhang (vgl. z. B. MUSER, Prinzip, 177) - anwenden.
17 DETTLOFF, Werner, Rezension zu „Maria, Mutter des Herrn“, in: Wissenschaft und Weisheit 19 (1956), 228f., hier: 228.
18 Vgl. LEHMANN, Karl, Karl Rahner, in: VORGRIMLER, Herbert/VANDERGUCHT, Robert (Hrsg.), Bilanz der Theologie im 20. Jahrhundert. Bd. IV: Bahnbrechende Theologen, Freiburg - Basel - Wien 1970, 143- 180, hier besonders 164-174 [Künftig zitiert: LEHMANN, Rahner]. Eine genauere Analyse des - dialektischen! - Verhältnisses von Rahners systematischer und praktischer Theologie bietet NEUMANN, Karl, Der Praxisbezug der Theologie bei Karl Rahner, Freiburg i. Br. 1980 (= Freiburger theologische Studien; 118). Zugl.: München, Univ., Diss., 1978 [Künftig zitiert: NEUMANN, Praxisbezug]. Vgl. besonders 19-23.
19 Vgl. LEHMANN, Karl, Das christliche Menschenbild in besonderem Hinblick auf Maria, die Mutter Jesu, in: STÖHR, Johannes/ROVIRA, German (Hrsg.), Marianisches Jahrbuch 2/1 (1998), Kisslegg 1998, 11-26, hier: 12.
20 Vgl. zur Geschichte dieses Werkes den „Editionsbericht“ in: RAHNER, Karl, Maria, Mutter des Herrn. Mariologische Studien, bearbeitet von Regina Pacis MEYER, Freiburg i. Br. 2004 (= Sämtliche Werke; 9), XI-LVI [Künftig zitiert: MEYER, Editionsbericht].
21 Anders SCHEFFCZYK, Leo, Mariologie und Anthropologie. Zur Marienlehre Karl Rahners, in: Theologisches 4/5 (2004), 191-202, hier: 191 [Künftig zitiert: SCHEFFCZYK, Mariologie]: „Die Marienlehre ist in den Schriften K. Rahners nicht mit der gleichen Ausführlichkeit behandelt wie die Themen der Trinitätslehre, der Christologie oder der Gnadenlehre [...]. Daran ist es wohl auch gelegen, dass der theologische Diskurs um die Mariologie Rahners geringer ausfällt als die Auseinandersetzung mit den anderen theologischen Themen“. - Schon in diesen einleitenden Sätzen Scheffczyks deutet sich seine Kritik an Rahner an, die in dem Dreischritt „(quantitativer und theologischer) mariologischer Minimalismus - qualitative Sinnverschiebung im Mariendogma im Sinne einer Reduktion - allgemeine Schrumpfung des Christlichen“ zu bestehen scheint (vgl. ebd., 202). Angesichts der Bedeutung der Mariologie als theologischem Kristallisationspunkt (vgl. oben Anm. 15) wird sich im weiteren Verlauf dieser Arbeit herausstellen müssen, inwieweit dieses Urteil Bestand haben kann.
Kommentare
Bisher keine Kommentare
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Autor: GRIN VerlagVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Autor: GRIN VerlagVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Autor: Marco FeindlerVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Autor: GRIN VerlagVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2008 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Autor: Zoran ZivkovicVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Autor: Claudia NickelVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2006 Als PDF-Datei downloaden für 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Autor: Maik PhilippVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Autor: Mark RichterVorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren, 2008
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: