Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Der freie Wille und die Schuldfähigkeit des Menschen aus Sicht der Hirnforschung close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Der freie Wille und die Schuldfähigkeit des Menschen aus Sicht der Hirnforschung

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 15 Pages
Author: Sandra Anger
Subject: Psychology - Forensic Psychology, Penal System

Details

Event: Hirnforschung und Sozialisation
Institution/College: Free University of Berlin
Tags: Wille, Schuldfähigkeit, Menschen, Sicht, Hirnforschung, Sozialisation
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 15
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V46977
ISBN (E-book): 978-3-638-44049-3

File size: 157 KB


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie
HS 15722 Hirnforschung und Sozialisation

Der freie Wille und die Schuldfähigkeit des
Menschen aus Sicht der Hirnforschung

von: Sandra Anger

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 2

2.1 Die Versuche B. Libets S. 3
2.2 Das Bewertungssystem des Gehirns S.5
2.3 Determinismus und Verbrechen S.7

3. Ausblick S.12

Literaturliste S.14



 

1. Einleitung

Der freie Wille – ein Thema, das Philosophen und Naturwissenschaftler seit Jahrhunderten beschäftigt und vermutlich noch eine Weile beschäftigen wird. Doch was macht die Sache so kompliziert? Eigentlich sieht man es doch als selbstverständlich an, daß man zumindest in einigen Fällen freie Entscheidungen fällt, d.h. man hat die Wahl zwischen verschiedenen Alternativen und entscheidet sich willentlich und ohne äußeren Zwang für eine davon. Da man sich somit als Urheber der darauf folgenden Handlung ansieht, sieht man sich auch für die Handlung, bzw. für deren Folgen als verantwortlich an. Soweit könnte man vermutlich grob das alltägliche Verständnis von freiem Willen beschreiben. Interessant wird die Sache jedoch, wenn man diese Ansicht mit einer weiteren, ebenso als selbstverständlich empfundenen Ansicht verbindet: der Richtigkeit der naturwissenschaftlichen Weltsicht, bzw. dem Glauben an ihre Gesetzmäßigkeiten. Nach dem Kausalitätsprinzip kann man jedem natürlichen Ereignis eine natürliche Ursache zuschreiben, welche wiederum durch ein vorhergehendes Ereignis hervorgerufen wurde; ein Ereignis ist also immer Teil einer Kausalitätskette und somit determiniert. Auch das stellt man nicht in Frage, ebenso wie die Tatsache, daß der Mensch Teil der natürlichen Ordnung ist. Wie kann man aber der Urheber von Handlungen, bzw. Wirkungen sein, wenn jedes Ereignis in einem anderen Ereignis seine Ursache hat? Sieht man sich selbst als Teil einer Kausalitätskette an, kann man sich nicht als Urheber des Ereignisses ansehen, d.h. der Wille zur Handlung wäre somit auch klar bedingt. Die einzige Möglichkeit, eine Handlung als unverursachtes Hervorbringen einer Person ansehen zu können, wäre insofern problematisch, daß man die Person als außerhalb der natürlichen Ordnung stehend ansehen müßte – und dennoch als fähig, in diese einzuwirken1. Ein weites Feld für die Philosophen und ein Ärgernis für so manchen Naturwissenschaftler:

„Die Idee der Willensfreiheit mutet uns nichts weniger als die Ersetzung der gewöhnlichen kausalen Determination durch eine andere, kausal nicht erklärbare Form von Determination zu. Diese geht von einem autonom gedachten Subjekt aus, das selbst frei, d.h. nicht determiniert ist. Deshalb müssen die rührenden Versuche, die Freiheit des Willens mit der Unschärferelation der Quantenphysik oder der Indeterminiertheit chaotischer Systeme in Verbindung zu bringen, zum Scheitern verurteilt sein. Sie beruhen auf dem Mißverständnis, die Freiheit des Willens sei nichts weiter als Abwesenheit von Determination oder Determinierbarkeit. In Wahrheit geht die Zumutung viel weiter: Die Idee der Willensfreiheit verlangt uns ab, jedes Subjekt als eine eigenständige, autonome Quelle der Handlungsdetermination anzusehen“. 2 Mit den Methoden der naturwissenschaftlichen Forschung versucht man nun, die Frage nach der Existenz des freien Willens endgültig zu beantworten. So sind es die stetig wachsenden Erkenntnisse der Hirnforschung, welche die Diskussion um den freien Willen in den letzten Jahren neu und interdisziplinär entfacht haben. Maßgeblich hierfür sind die inzwischen berühmten Versuche eines amerikanischen Neurobiologen, der anhand seiner Versuchsreihen ursprünglich die Existenz des freien Willens nachweisen wollte und von den Ergebnissen ziemlich überrascht wurde.

2.1 Die Versuche Benjamin Libets:

1983 veröffentlichte der amerikanische Neurobiologe Benjamin Libet seine Ergebnisse einer Versuchsreihe zur Beziehung zwischen Bereitschaftspotential und Willensakt. Damals wie heute gaben diese Ergebnisse Anlaß zu kontroversen Diskussionen und fehlen als Zitat in fast keinem Artikel zum Thema „Willensfreiheit“.

Libets Experimente basieren auf der Messung des Bereitschaftspotentials im Gehirn, das als ein Zeichen der Vorbereitung und Initiierung einer willentlichen Bewegung gedeutet wird. Das Bereitschaftspotential ist eine negative neuronale Aktivität, die aus dem Elektroenzephalogramm (EEG) herausgefiltert wird. Das symmetrische Bereitschaftspotential wird beidseitig über der linken und rechten Hemisphäre gemessen, das folgende lateralisierte Bereitschaftspotential tritt asymmetrisch auf der Gehirnseite auf, die dem bewegten Körperteil gegenüberliegt3. Libet bat seine Versuchspersonen, spontan den Entschluß zu fassen, eine Fingerbewegung der rechten Hand durchzuführen, wobei sie auf einen Lichtpunkt blickten, der mit einer Periode von 2,56 Sekunden rotierte. Zu dem Zeitpunkt, an dem sie den Entschluß zur Bewegung faßten, sollten sie sich die Position des Lichtpunktes merken. Wie erwartet, ging der Willensakt zur Bewegung der Motorreaktion stets um durchschnittlich 200 ms voraus. Überraschend war jedoch, daß der Beginn des Bereitschaftspotentials dem Zeitpunkt des Entschlusses stets um durchschnittlich 550 – 350 ms vorausging, d.h. das Gehirn bereitete die Bewegung bereits vor, während die jeweilige Versuchsperson sich des Entschlusses zu dieser Bewegung noch gar nicht bewußt war! Libet folgert „the brain evidently “decides” to initiate or, at least, prepares to initiate the act at a time before there is any reportable subjective awareness that such a decision has taken place. [...] These considerations would appear to introduce certain constraints on the potential of the individual for exerting conscious initiation and control over his voluntary acts.”4 Libet sieht jedoch auch ein „Schlupfloch” für den freien Willen: “There could be a conscious “veto“ that aborts the performance even of the type of “spontaneous“ self-initiated act under study here.”5

[...]


1 So spannend und bedeutend die philosophische Debatte zu diesem Thema war und ist, so würde selbst die kürzeste Zusammenfassung derselben den Rahmen dieser Arbeit weit überschreiten – ich bitte um Nachsicht, daß die Philosophie hier zugunsten der Neurobiologie vernachlässigt wird.

2 Prinz, Wolfgang: „Freiheit oder Wissenschaft?“ In: von Cranach, M. und Foppa, K. (Hrsg.): Freiheit des Entscheidens und des Handelns. Heidelberg 1996, S. 92

3 Die Messungen des lateralisierten Bereitschaftspotentials erfolgten später durch Haggard und Eimer (1999).

4 Libet et al., 1983, S. 640ff.

5 ebd.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Intelligenz und Problemlösen

Author: Sven Hosang
Psychology - Learning Psychology, Intelligence Research, 2005 Download as PDF-file for 7,99 EUR

Neurose - eine Begriffsdefinition

Author: Michael Felbert
Psychology - Clinic and Health Psychology, Abnormal Psychology, 2001 Download as PDF-file for 4,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/46977/der-freie-wille-und-die-schuldfaehigkeit-des-menschen-aus-sicht-der-hirnforschung
please wait Please wait