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Affekte, Triebe und Leidenschaften - und deren Beherrschung - in Johann Gottfried Schnabel's 'Insel Felsenburg'

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 20 Pages
Author: Anika Peschel
Subject: German Studies - Literature of History, Eras

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V47244
ISBN (E-book): 978-3-638-44236-7

File size: 156 KB
Notes :
Seminarinhalte waren Neville's 'Insul Pines', Joachim Heinrich Campe's 'Robinson der Jüngere', Daniel Defoe's 'Robinson Crusoe' und Johann Gottfried Schnabel's 'Insel Felsenburg'. Letzteres Werk ist zwar ein sehr komplexes, doch äußerst faszinierendes Werk. Die Arbeit bezieht sich jedoch ausschließlich auf Affekte, Triebe, Leidenschafte, Redlichkeit und Unredlichkeit in den ersten von drei Bänden. Doch schon dieser bietet enorm viel Stoff. Ebenfalls wird auf Aspekte der Aufklärung eingegangen.


Abstract

Johann Gottfried Schnabels „Wunderliche Fata einiger Seefahrer“, heute meist nur „Insel Felsenburg“ genannt, enthält zwei konträre Auffassungen von Liebe und Sexualität: einerseits die der ‚keuschen, tugendhaften Liebe’ und andererseits die der ‚geilen Brunst’. Demnach gibt es die vernünftige und die unvernünftige Liebe. Letztere kennzeichnet sich z.B. durch Ehrgeiz, Wolllust und Habgier, die zwar negativ assoziiert, aber dennoch stark repräsentiert und daher zu bekämpfen sind. Stark repräsentiert sind sie deshalb, weil sie dem Menschen „anthropologisch eingeschrieben“ sind. Nur durch ihren Gegenpart, die Vernunft, ist diese zu unterdrücken. Im Folgenden sollen beide Formen erläutert und konkrete Beispiele aus der „Insel Felsenburg“ aufgeführt werden. „So stehen“ im Werk „einander gegenüber die moralisch erbauende, letztlich aber wenig interessante empfindsame Utopie und die interessante Unmoral.“ Letztere entsteht durch unredliches Verhalten. Doch die Affekte – Leidenschaften – „sind es, die das Tun des Menschen bestimmen.“ Durch sie entstehen unter anderem auch Eifersucht und Wolllust. Zuvor jedoch soll kurz auf den Wertewandel im 18. Jahrhundert eingegangen werden. Typisch für Robinsonaden ist die überall vorzufindende Abneigung gegen die Unredlichkeit in Europa. Auch die redlichen Protagonisten der „Insel Felsenburg“ sind in Ereignisse involviert, die von den unredlichen entstammen – sie selbst sind also meist unschuldig. Da die Unredlichkeit, die negativen Affekte, in Europa aber omnipotent sind, entfaltet sich der gesellschaftliche Zusammenhang als rechtloser, wird von den Subjekten auch so erfahren. So bietet die Insel Felsenburg den Redlichen Asyl – auch diese Tatsache soll, neben den Lebensgeschichten einiger Bewohner, im Folgenden genauer erläutert werden. Außerdem werden die Maßnahmen genannt, derer sich die Felsenburger bedienen, um ihr Asyl vor Fremden zu schützen. Schließlich soll der Besonderheit der „Insel Felsenburg“ im Wandel von Robinsonade zu Utopie nachgegangen werden.


Excerpt (computer-generated)

Universität zu Köln
Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Seminar für Deutsche Sprache und ihre Didaktik
Proseminar: Literaturgeschichte, Robinsonaden
Sommersemester 2005
3. Semester

Affekte, Triebe und Leidenschaften - und deren
Beherrschung - in Johann Gottfried Schnabel′s
′Insel Felsenburg′

von: Anika Peschel

 


Gliederung

1. Einleitung  3

2. Die Wandlung der Werte im 18. Jahrhundert  4

3. Die keusche, tugendhafte Liebe 5

4. Die geile Brunst 8

5. Lebensgeschichten der Neuankömmlinge, (meist) gezeichnet von Affekten, Trieben und Leidenschaften  9

6. Die redlichen, tugendhaften, ritterlichen Neuankömmlinge  12

7. Maßnahmen auf der Insel, um Affekte nicht aufkommen zu lassen  15

8. Das Veto-Recht der Eltern bezüglich einer Ehe  17

9. Robinsonade oder Utopie?  18

Literaturverzeichnis  20



 

1. Einleitung

Johann Gottfried Schnabels „Wunderliche Fata einiger Seefahrer“, heute meist nur „Insel Felsenburg“ genannt, enthält zwei konträre Auffassungen von Liebe und Sexualität: einerseits die der ‚keuschen, tugendhaften Liebe’ und andererseits die der ‚geilen Brunst’. Demnach gibt es die vernünftige und die unvernünftige Liebe. Letztere kennzeichnet sich z.B. durch Ehrgeiz, Wolllust und Habgier, die zwar negativ assoziiert, aber dennoch stark repräsentiert und daher zu bekämpfen sind. Stark repräsentiert sind sie deshalb, weil sie dem Menschen „anthropologisch eingeschrieben“1 sind. Nur durch ihren Gegenpart, die Vernunft, ist diese zu unterdrücken. Im Folgenden sollen beide Formen erläutert und konkrete Beispiele aus der „Insel Felsenburg“ aufgeführt werden. „So stehen“ im Werk „einander gegenüber die moralisch erbauende, letztlich aber wenig interessante empfindsame Utopie und die interessante Unmoral.“2 Letztere entsteht durch unredliches Verhalten. Doch die Affekte – Leidenschaften – „sind es, die das Tun des Menschen bestimmen.“3 Durch sie entstehen unter anderem auch Eifersucht und Wolllust. Zuvor jedoch soll kurz auf den Wertewandel im 18. Jahrhundert eingegangen werden.

Typisch für Robinsonaden ist die überall vorzufindende Abneigung gegen die Unredlichkeit in Europa. Auch die redlichen Protagonisten der „Insel Felsenburg“ sind in Ereignisse involviert, die von den unredlichen entstammen – sie selbst sind also meist unschuldig. Da die Unredlichkeit, die negativen Affekte, in Europa aber omnipotent sind, entfaltet sich der gesellschaftliche Zusammenhang als rechtloser, wird von den Subjekten auch so erfahren. So bietet die Insel Felsenburg den Redlichen Asyl – auch diese Tatsache soll, neben den Lebensgeschichten einiger Bewohner, im Folgenden genauer erläutert werden. Außerdem werden die Maßnahmen genannt, derer sich die Felsenburger bedienen, um ihr Asyl vor Fremden zu schützen. Schließlich soll der Besonderheit der „Insel Felsenburg“ im Wandel von Robinsonade zu Utopie nachgegangen werden.

2. Die Wandlung der Werte im 18. Jahrhundert

Noch im 17. Jahrhundert nehmen die Menschen in Europa keine Rücksicht aufeinander. Sie sind einerseits nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, andererseits wissen sie, dass es den Mitmenschen genauso geht und sie somit selbst ständig der Gefahr ausgesetzt sind, durch andere zu deren Vorteil Schaden zugefügt zu bekommen. „Die ganze damalige Welt scheint uns nach unseren Begriffen eine Welt voller Intriganten zu sein.“4 Im 18. Jahrhundert dann wandeln sich die Vorstellungen den Mitmenschen gegenüber: ein ‚soziales’ Gefühlsleben entsteht. Treuebruch, Betrug und Verrat werden als negativ angesehen. Schon in der „Insel Felsenburg“ kündigt sich an, dass ‚Kabale’ und ‚Humanität’ den großen Gegensatz in diesem neuen Zeitalter bilden, wenngleich die ‚Humanität’ sich noch nicht vollends durchgesetzt hat.5 Dies erklärt, warum alle Neuankömmlinge und Bewohner der Insel nicht mehr nach Europa zurück möchten, das soziale Gefühl auf der Insel schätzen und sich der in Europa noch herrschenden Kabale entziehen möchten. Albert Julius, Mons. van Leuven, Concordia Plürs und Lemelie, die vier Personen, die zu Beginn auf der Insel landen, stehen aber nicht ausschließlich hinter diesem neuen Gefühlsleben: Lemelie bildet hier die Ausnahme und erschwert so das gemeinschaftliche Zusammenleben auf der Insel (siehe unten).

3. Die keusche, tugendhafte Liebe

[...]


1 Vgl. Fohrmann, S. 190.

2 Fischer, S. 73.

3 Fohrmann, S. 78.

4 Brüggemann, S. 14.

5 Vgl. Brüggemann, S. 15f.


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