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Grundlagen der Theorie des kommunikativen Handelns

Termpaper, 2003, 20 Pages
Author: Kai Lehmann
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 20
Grade: 1.0
Bibliography: ~ 1  Entries
Language: German
Archive No.: V47266
ISBN (E-book): 978-3-638-44253-4
ISBN (Book): 978-3-638-75081-3
File size: 202 KB

Abstract

„Die Theorie des kommunikativen Handelns ist keine Metatheorie, sondern Anfang einer Gesellschaftstheorie, die sich bemüht, ihre kritischen Maßstäbe auszuweisen.“ Mit diesem Anspruch formuliert der Sozialphilosoph Jürgen Habermas das Programm seines Hauptwerkes „Theorie des kommunikativen Handelns“. Um die Tragweite und Bedeutung dieses Ansatzes nachvollziehen zu können, wird mit diesem Text der Versuch unternommen, zunächst auf einige zeitgeschichtliche Bezüge verweisen und den Aufbau seiner Theorie darzustellen, um anschließend den Blick auf den zentralen Begriff der kommunikativen Rationalität zu richten, welcher hinsichtlich seines grundsätzlichen Verständnisses sowie seiner verschiedenen Aspekte und Implikationen analysiert wird. Ziel hierbei soll eine kritische Prüfung verschiedener Grundannahmen von Habermas sein, die sowohl in klärender als auch in problematischer Perspektive aufgezeigt werden. Denn es erscheint unverzichtbar für eine realistische Bewertung des eingangs formulierten Anspruches, ein genaues Verständnis der von Habermas verwendeten Grundbegriffe in systematischer Absicht zu rekonstruieren. Auf diesem Wege ließe sich dann möglicherweise auch die Frage beantworten, ob die Theorie ihren Anspruch wirklich erfüllt. In der vorliegenden Arbeit geht es jedoch vorrangig um die Ausgangspunkte, also um die Frage: Hat Habermas seine begrifflichen Grundlagen im Bezug auf eine kommunikative Rationalität ausreichend und überzeugend dargestellt? Dieser Frage soll dann abschließend mit unter verschiedenen Gesichtspunkten nachgegangen werden.


Excerpt (computer-generated)

Grundlagen der Theorie des Kommunikativen Handelns

von: Kai Lehmann
 


 

„Die Theorie des kommunikativen Handelns ist keine Metatheorie, sondern Anfang einer Gesellschaftstheorie, die sich bemüht, ihre kritischen Maßstäbe auszuweisen.“(1). Mit diesem Anspruch formuliert der Sozialphilosoph Jürgen Habermas das Programm seines Hauptwerkes „Theorie des kommunikativen Handelns“, welches er 1981 in zwei Bänden veröffentlicht hat. Um die Tragweite und Bedeutung dieses Ansatzes nachvollziehen zu können, werde ich im Folgenden den Versuch unternehmen, a)zunächst auf einige zeitgeschichtliche Bezüge verweisen und den Aufbau seiner Theorie darzustellen, um anschließend b)meinen Blick auf den zentralen Begriff der kommunikativen Rationalität zu richten, welchen ich hinsichtlich seines grundsätzlichen Verständnisses sowie c) seiner verschiedenen Aspekte und Implikationen untersuchen möchte. Ziel hierbei soll eine kritische Prüfung verschiedener Grundannahmen von Habermas sein, die ich sowohl in klärender als auch in problematischer Perspektive aufzeigen will. Denn es ist meines Erachtens unabdingbar für eine realistische Bewertung des eingangs formulierten Anspruchs, ein genaues Verständnis der von Habermas verwendeten Grundbegriffe systematisch zu rekonstruieren. Auf diesem Wege ließe sich dann auch die Frage beantworten, ob die Theorie ihren Anspruch wirklich erfüllt. An dieser Stelle soll es jedoch vorrangig um seine Ausgangspunkte gehen, also um die Frage: Hat Habermas seine begrifflichen Grundlagen im Bezug auf eine kommunikative Rationalität ausreichend und überzeugend dargestellt? Diese Frage möchte ich dann d) abschließend zu beantworten versuchen.

Ad a) Für einen Wissenschaftler gibt es immer Motive, die ihn zu den Inhalten seiner Arbeit in Beziehung setzen und mit seinem, im Sinne von Habermas, lebensweltlichen Hintergrund unauflöslich verknüpft sind. Dies ist gewissermaßen die subjektive Seite bzw. Voraussetzung, welche trotz Webers Postulat der Wertfreiheit von Wissenschaft immer für den Antrieb sorgt, den Fortschritt in den einzelnen Disziplinen zu ermöglichen. Insbesondere gilt dies für Geistes- und Sozialwissenschaften, weil hier in verschärfter Weise die Beobachter- und Beteiligtenperspektive verschränkt ist. Auch aus diesem Grund betont Habermas den zeitreflektorischen Charakter seiner „Theorie des kommunikativen Handelns“, als einer möglichen Klärung der Fragen, welche mit dem „Erbe des okzidentalen Rationalismus“(2) in unseren Tagen aufgeworfen werden. Als Beispiel mag das Verhältnis der verschiedenen gesellschaftlichen Sektoren, bspw. Wirtschaft und Politik, sowie ihre Spannungen zueinander und innerhalb dienen, welche Habermas treffend mit dem Begriff „Paradoxien der Moderne“(3) beschreibt. Offensichtlich lassen sowohl neukonservative wie antimodernistische Beschreibungen der Gegenwart wichtige Potentiale unterbewertet, weswegen Habermas auch mit seiner Theorie „eine Konzeptualisierung des gesellschaftlichen Lebenszusammenhangs,...,ermöglichen“(4) will. Wichtig hierbei bleibt vor allem ein kritischer Blick auf diese Zusammenhänge, und Habermas legt besonderen Wert auf eine theoretische Fundierung dieser Perspektive. Damit möchte er sich in die Tradition der Kritischen Theorie, wie sie insbesondere von Th. W. Adorno und M. Horkheimer in Frankfurt entwickelt und betrieben wurde, eingeordnet wissen. Seiner Meinung nach führt jedoch diese Fassung des theoretischen Fundaments unausweichlich zu Aporien, beispielsweise die einer totalen Vernunftkritik mit den Mitteln der Vernunft (verstanden im instrumentellen Sinn), und so kann man Habermas’ Programm auch als Aufgabe verstehen, durch eine Erweiterung des Vernunftbegriffes bspw., aus den besagten Aporien herauszuführen und damit die kritische Theorie im neuen Gewand fortzuführen. Anders gesagt lässt sich die vorgelegte Theorie auch unter dem Aspekt betrachten, inwieweit es Habermas gelingt, ein neues theoretisches Fundament zu legen, von welchem aus er die kritischen Implikationen beibehalten kann, ohne sich in Selbstwidersprüche zu begeben oder Totalitätsansprüche zu formulieren, d.h. in Habermas’ Sinn konstruktiv das Programm der traditionellen Kritischen Theorie zu wenden.

An dieser Stelle ist es sinnvoll, etwas genauer hinzuschauen und ein paar Differenzen zwischen den Positionen von Habermas und Adorno zu benennen. Eine zentrale Grundauffassung von Habermas, welche sich in seinen verschiedenen Publikationen immer wieder nachweisen lässt, bildet den Ansatzpunkt, nämlich das Projekt der Moderne sei unvollendet und müsse reformuliert werden. Zwei Einschätzungen lassen sich daraus ableiten. Zum Einen widerspricht Habermas allen Theoretikern, welche sich von der Moderne verabschieden möchten, bspw. F. Lyotard oder W. Welsch, oder sie für gescheitert erklären (Adorno), zum Anderen hält er theoretische Reflexionen über die zentralen Themen der Moderne und ihrer Tradition, bspw. das Verständnis des Marxismus, für noch nicht erschöpft und versucht aus diesem Grund, sich die Klassiker der Moderne in seiner Theorie des kommunikativen Handelns erneut fruchtbar zu machen. Darauf werde ich beim Aufbau seiner Theorie näher eingehen. Im Kern geht es ihm also um eine Rettung des Vernunftbegriffes aus der philosophischen Tradition seit Kant heraus, verbunden mit einer sozialpragmatischen Perspektive im Sinne einer adäquaten Beschreibung eben unserer lebensweltlichen Moderne.

[...]


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