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Intermediate Examination Paper, 2001, 25 Pages
Author: Kai Lehmann
Subject: History - Theory
Details
Tags: Historische, Objektivität, Relevanz, Geschichtwissenschaft
Year: 2001
Pages: 25
Grade: 2.0
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-44254-1
ISBN (Book): 978-3-638-69275-5
File size: 176 KB
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Abstract
Die vorliegende Untersuchung hat das Thema „historische Objektivität“ zum Gegenstand. Mit diesem Begriff soll zunächst dargelegt werden, welche weitgehend problematische Relevanz dieser Begriff innerhalb der Geschichtswissenschaft besitzt und welche Ursachen dafür zu analysieren sind. Dabei wird auch zu bestimmen sein, inwiefern dieses Thema allgemeinen wissenschaftstheoretischen Problemcharakter aufweist und die Frage nach der Wissenschaftlichkeit von historischer Forschungsarbeit überhaupt berührt. Konkret bedeutet dies einerseits, eine Möglichkeit der Legitimation von allgemeinen historischen Bezugsrahmen aufzuzeigen. Andererseits sind die angewendeten Methoden, d. h. empirische Forschung, Quellenauswertung und Konstruktion von Sinn- und Wirkungszusammenhängen innerhalb der Erkenntnisarbeit hinsichtlich ihrer Geltungsansprüche zu hinterfragen sowie allgemeine historische Erkenntniszwecke und Konzeptionen zur Diskussion zu stellen mit dem Ziel, akzeptable Gültigkeitskriterien herauszuarbeiten. Anhand einer „historischen Objektivität“ soll demnach ein solches Kriterium möglich sein in dem Sinne, (geschichts-)wissenschaftliche Forschungsarbeit reflexiv-theoretisch zu begründen und gleichzeitig wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt zu gewährleisten. Doch wie ist dies genau zu verstehen? Der Fokus dieser Arbeit liegt dabei auf der besonderen Struktur der Probleme bezüglich der scheinbar notwendigen Gewährleistung, wobei diese Probleme zugleich hinsichtlich ihrer Adäquatheit sowie ihrer Konsequenzen analysiert werden. Am Abschluss soll ein Verständnis des herausgearbeiteten Begriffs „historische Objektivität“ stehen, welches hinsichtlich der Bedeutung sowohl für die Geschichtswissenschaft selbst als auch innerhalb des wissenschaftlichen Forschungsalltags unter allgemeinen Gesichtspunkten als tragfähig angesehen werden kann.
Excerpt (computer-generated)
Historische Objektivität
von: Kai Lehmann
Einleitung
Diese Untersuchung hat das Thema „historische Objektivität“ zum Gegenstand. In dem abgesteckten Rahmen soll dargelegt werden, welche Relevanz dieses, wie sich erweisen wird, Problemfeld innerhalb der Geschichtswissenschaft besitzt und welche Ursachen dafür zu analysieren sind. Dabei wird auch zu bestimmen sein, inwieweit dieses Thema allgemeinen wissenschaftstheoretischen Problemcharakter aufweist und die Frage nach der Wissenschaftlichkeit von historischer Forschungsarbeit berührt. Konkret bedeutet dies, eine Möglichkeit der Legitimation von allgemeinen Bezugsrahmen, in welchen geschichtliche Interpretation stattfindet, aufzuzeigen, angewendete Methoden, das heißt empirische Forschung, Quellenauswertung und Konstruktion von Sinn- und Wirkungszusammenhängen innerhalb der Erkenntnisarbeit, mit Geltungsansprüchen zu hinterfragen und allgemeine historische Erkenntniszwecke und Konzeptionen zur Diskussion zu stellen mit dem Ziel, Gültigkeitskriterien herauszuarbeiten. Anhand einer „historischen Objektivität“ soll demnach ein solches Kriterium möglich sein in dem Sinne, (geschichts- )wissenschaftliche Forschungsarbeit reflexiv-theoretisch zu begründen und gleichzeitig wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt zu gewährleisten. Doch wie ist dies zu verstehen? Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Struktur der Probleme, welche diese Gewährleistung notwendig machen, gerichtet und diese hinsichtlich ihrer Adäquatheit sowie ihrer Konsequenzen betrachtet. Am Abschluss soll eine Analyse des herausgearbeiteten Begriffs „historische Objektivität“ stehen, die, im Bewusstsein möglicher Unvollständigkeit und gebotener Kürze, eine Bedeutungsklärung, sowohl hinsichtlich der Geschichtswissenschaft selbst als auch wissenschaftlichen Praxis- und Forschungsalltags unter allgemeinen Gesichtspunkten, versucht.
Das Problemfeld „historische Objektivität“
Wirft man einen Blick auf die Historik als ein etablierter und selbst schon mit geschichtlicher Bedeutung erfüllter Wissenschaftszweig innerhalb deutscher Forschungs- und Universitätslandschaft, so ist sowohl eine ausgeprägte, in vielen einzelnen Bereichen anzutreffende praktische wissenschaftliche Erkenntnisarbeit zu bemerken als auch eine immer wachsende Bedeutung von historischer Interpretation und fachlich-individueller Einschätzung aktueller Problemlagen und allgemeiner Zusammenhänge durch Historiker, bis hin zu medienpolitischen Auftritten eines Herrn Bahring, welcher seine Kompetenz zur Einschätzung durchaus auch in seinem Beruf, des Historikers, begründet sieht und dies in Talkshows zu beweisen meint. Es herrscht also rege Betriebsamkeit in der Geschichtswissenschaft als einer wissenschaftlichen Teildisziplin, wie die Praxis zeigt. So mag es auf den ersten Blick unverständlich sein, ein Problemfeld „historische Objektivität“ zu konturieren und damit Anspruch auf eine Beschreibung der gegenwärtigen Lage dieses Wissenschaftszweiges zu erheben. Um jedoch den Vorwurf einer zu starken „Theoretisierung“ oder „einseitigen Betrachtungsweise“ mit der Begründung einer doch funktionierenden Praxis zu entkräften, sei einerseits auf die Notwendigkeit von theoretischen Legitimationen gerade einer gut etablierten Forschungspraxis und überwissenschaftlicher Bedeutung verwiesen und andererseits durch einen kurzen Befund der Zusammenhänge, welche bedeutend hinsichtlich der Charakterisierung von historischer Objektivität als ein problematisches Thema sind, diese Sichtweise herausgearbeitet und begründet.
In der langen Tradition der Geschichtswissenschaft herrschte über viele Jahre hinweg Konsens über das Selbstverständnis als einer verstehenden Geisteswissenschaft (1). Damit gab es auch keine Unstimmigkeiten bezüglich der zu verwendenden Forschungsmethoden, grundlegender Annahmen und Erkenntniszwecke. Um das Problem der historischen Objektivität in aller Deutlichkeit zu verstehen, muss man die innere Entwicklung der Geschichtswissenschaft berücksichtigen und bemerkt, das nur in Zeiten der fundamentalen Umstrukturierung im Selbstverständnis der Historiker und ihrer Leitlinien praktischer Forschungsarbeit der Gegenstand „historische Objektivität“ ins Zentrum des Interesses rückt. Also immer dann, wenn in der Geschichtswissenschaft Grundlagen und Kriterien der eigenen Auffassung und Bestimmung fragwürdig werden, bspw. in der Auseinandersetzung zwischen den bedeutenden Historikern Ranke und Droysen um das Verhältnis von subjektiven und objektiven Einflüssen in der historischen Interpretation (2)oder in dem Streit über den Historismus zu Beginn unseres Jahrhunderts (Troeltsch, Heuss)(3) steigt das Bedürfnis nach gültigen theoretischen Begründungen und Rechtfertigungen praktizierter Forschung. Damit ist auch die Ebene der Betrachtung von historischer Objektivität im Zusammenhang angedeutet; es handelt sich um eine theoretisch-reflexive Selbstvergewisserung der Wissenschaftlichkeit und der Eigenständigkeit der Geschichtswissenschaften, um einen Versuch der Begründung ihrer Ansprüche und ihrer Fortschrittlichkeit, aber auch um einen Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis innerhalb der historischen Erkenntnisleistungen. An dem Erfolg dieses Rekurses auf die eigenen Grundsätze und Erkenntniszwecke misst sich auch die Bedeutung und die Gültigkeit einer möglichen „historischen Objektivität“.
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