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Das Zustands- oder sein-Passiv im Deutschen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Alexey Pimanyonok
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: Hauptseminar
Institution/College: University of Hannover
Tags: Zustands-, Deutschen, Hauptseminar
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 1
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V47305
ISBN (E-book): 978-3-638-44281-7
ISBN (Book): 978-3-638-77295-2
File size: 177 KB

Abstract

Die deutsche Sprache verfügt neben dem Vorgangspassiv über eine Konstruktion, die sich aus dem Verb sein und dem Partizip II eines transitiven oder intransitiven Verbs setzt (z.B. "Die Tür ist geöffnet" oder "Den Menschen ist damit nicht geholfen") und von den Grammatikern als Zustandspassiv oder als sein-Passiv bezeichnet wird. Das Zustandspassiv gehört im Deutschen zu den grammatischen Erscheinungen, die relativ spät in das Gesichtsfeld der linguistischen Forschung getreten sind und deren Interpretation erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche, aber recht unterschiedliche und heterogene Ansatzpunkte zur Erklärung des Zustandspassivs. Diese Ansatzpunkte ergeben sich aus den unterschiedlichen theoretischen Rahmen, von denen aus eine Beschreibung versucht wird. Die Meinungsverschiedenheit fängt schon bei der Terminologie an. Während z.B. Helbig/Kempter (1973) und verschiedene Grammatiken den Terminus Zustandspassiv verwenden und das Zustandspassiv dem mit werden gebildeten Vorgangspassiv gegenüberstellen, lehnen Brinker (1971) und Schoenthal (1976) die inhaltlich gefassten Termini ab und sprechen von sein- und werden-Passiv. Die Terminologie hängt offensichtlich damit zusammen, dass das werden-Passiv, nicht nur zu ausgeprägten Vorgangsverben, sondern auch zu Verben, die eher Zustände bezeichnen, gebildet werden kann. Die grammatische Einordnung dieser Konstruktion wird heutzutage auch noch kontrovers diskutiert. In einigen Grammatiken wird das Zustandspassiv als Ellipse aus einem vorzeitigen Vorgangspassiv analysiert. Die anderen Grammatiken betrachten das Zustandspassiv als eigenständige Verbalkonstruktion, also als drittes Genus verbi neben dem Aktiv und Vorgangspassiv. Die dritten behandeln diese grammatische Erscheinung als Kopulakonstruktion, bei der sich sein mit einem adjektivierten Partizip II verbindet. In dieser Arbeit möchte ich die grammatische Einordnung des Zustands- oder des sein-Passivs untersuchen. Ob es eine Ellipse aus einem vorzeitigen Vorgangspassiv, ein eigenes Genus verbi oder eine Kopulakonstruktion ist? Dieses wird im ersten Kapitel behandelt. Im zweiten Kapitel versuche ich die Antwort auf die Frage "Welche Bedeutung hat das Zustands- oder sein-Passiv?" zu finden und festzustellen, wie sich seine Bedeutung von der Bedeutung der anderen Zustandsformen unterscheidet. Im dritten Kapitel werde ich mich mit der Abgrenzung des Zustands- oder sein-Passivs von anderen Konstruktionen befassen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Hannover
Seminar für deutsche Literatur und Sprache
HS: Diathesen
Wintersemester 2003/2004

Das Zustands- oder sein-Passiv im Deutschen

von: Alexey Pimanyonok

 


Gliederung

Einleitung 3

1. Definition und grammatische Einordnung  5

2. Bedeutung  9

3. Abgrenzung des Zustandspassivs von anderen Formen  12

Zusammenfassung  17

Literaturverzeichnis  18



 

Einleitung

Die deutsche Sprache verfügt neben dem Vorgangspassiv über eine Konstruktion, die sich aus dem Verb sein und dem Partizip II eines transitiven oder intransitiven Verbs setzt (z.B. Die Tür ist geöffnet oder Den Menschen ist damit nicht geholfen) und von den Grammatikern als Zustandspassiv oder als sein-Passiv bezeichnet wird. Das Zustandspassiv gehört im Deutschen zu den grammatischen Erscheinungen, die relativ spät in das Gesichtsfeld der linguistischen Forschung getreten sind und deren Interpretation erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche, aber recht unterschiedliche und heterogene Ansatzpunkte zur Erklärung des Zustandspassivs. Diese Ansatzpunkte ergeben sich aus den unterschiedlichen theoretischen Rahmen, von denen aus eine Beschreibung versucht wird. Die Meinungsverschiedenheit fängt schon bei der Terminologie an. Während z.B. Helbig/Kempter (1973) und verschiedene Grammatiken den Terminus Zustandspassiv verwenden und das Zustandspassiv dem mit werden gebildeten Vorgangspassiv gegenüberstellen, lehnen Brinker (1971) und Schoenthal (1976) die inhaltlich gefassten Termini ab und sprechen von sein- und werden-Passiv. Die Terminologie hängt offensichtlich damit zusammen, dass das werden-Passiv, nicht nur zu ausgeprägten Vorgangsverben, sondern auch zu Verben, die eher Zustände bezeichnen, gebildet werden kann.

Die grammatische Einordnung dieser Konstruktion wird heutzutage auch noch kontrovers diskutiert. In einigen Grammatiken wird das Zustandspassiv als Ellipse aus einem vorzeitigen Vorgangspassiv analysiert. Die anderen Grammatiken betrachten das Zustandspassiv als eigenständige Verbalkonstruktion, also als drittes Genus verbi neben dem Aktiv und Vorgangspassiv. Die dritten behandeln diese grammatische Erscheinung als Kopulakonstruktion, bei der sich sein mit einem adjektivierten Partizip II verbindet. Einen wichtigen Beitrag zur grammatischen Analyse und Einordnung des deutschen Zustands- oder sein-Passivs haben vor allem Glinz (1952), Brinker (1971), Schoenthal (1976), Helbig (1982), Zifonun (Grammatik der deutschen Sprache, 1997), Rapp (1996), Lenz (1993) geleistet.

In dieser Arbeit möchte ich die grammatische Einordnung des Zustands- oder des sein-Passivs untersuchen. Ob es eine Ellipse aus einem vorzeitigen Vorgangspassiv, ein eigenes Genus verbi oder eine Kopulakonstruktion ist? Dieses wird im ersten Kapitel behandelt. Im zweiten Kapitel versuche ich die Antwort auf die Frage Welche Bedeutung hat das Zustands- oder sein-Passiv? zu finden und festzustellen, wie sich seine Bedeutung von der Bedeutung der anderen Zustandsformen unterscheidet. Im dritten Kapitel werde ich mich mit der Abgrenzung des Zustands- oder sein-Passivs von anderen Konstruktionen befassen.

1. Definition und grammatische Einordnung

Wie es schon erwähnt wurde, gehört das Zustandspassiv zu den grammatischen Erscheinungen, die in der Literatur nicht einheitlich behandelt werden. Es wird auf verschiedene Weise definiert und eingeordnet. Rapp (1996:231) meint, dass in diesem Zusammenhang prinzipiell drei Analysen existieren:

1. Das Zustandspassiv wird als Ellipse aus einem vorzeitigen Vorgangspassiv analysiert.
2. Das Zustandspassiv wird als eigenständige Verbalkonstruktion, d.h. als drittes Genus verbi neben Aktiv und Vorgangspassiv behandelt.
3. Das Zustandspassiv wird als Kopulakonstruktion betrachtet, bei der sich sein mit einem adjektivierten 3. Status verbindet.

Die erste und die dritte Ansicht gleichzeitig vertritt Lenz (1993:45): „Wenn es sich bei einem sein-Partizip nicht um ein reduziertes werden-Partizip handelt, wird es als adjektivisch betrachtet.“ Lenz meint also, dass das Zustandspassiv kein eigenes Genus verbi ist, sondern, ja nach sprachlichem Kontext, entweder als Vorgangspassivellipse oder als Kopula + Adjektivkonstruktion betrachtet wird. Gegen die Ansicht, dass das Zustandspassiv ein reduziertes vorzeitiges Vorgangspassiv ist, gibt es viele Einwände. Rapp (1996:236ff) führt einige Einwände auf, die eine Ellipsenanalyse prinzipiell ausschließen. Vor allem können das Zustandspassiv und Vorgangspassiv nicht immer in den gleichen sprachlichen Kontexten erscheinen.

[...]


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