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Seminararbeit, 2004, 21 Seiten
Autor: Anne Lehwald
Fach: Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Tags: Macht, Glotzen, Eskapismusthese, Massenkommunikation, Gespräch
Jahr: 2004
Seiten: 21
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 28 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-44327-2
Dateigröße: 178 KB
In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Frage, warum sich Menschen Medien überhaupt zuwenden und welche Bedürfnisse dadurch befriedigt werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf dem Medium Fernsehen und dem Eskapismuskonzept. Es werden diverse Studien vorgestellt, die zu - zum Teil gegensätzlichen - Ergebnissen über den Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Einsamkeit gekommen sind.
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Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität Dresden
Institut für Kommunikationswissenschaft
Seminar: Massenkommunikation und Gespräch
Wintersemester 2003/04
Macht Glotzen einsam? – Über die Eskapismusthese
von: Anne Lehwald
Gliederung
1. Einleitung Seite 3
2. Der Uses-and-Gratifications -Ansatz Seite 4
3. Die Eskapismusthese Seite 7
4. Eskapistischer Fernsehkonsum und Einsamkeit Seite 10
5. Fazit und Kritik Seite 14
Quellenverzeichnis Seite 18
1. Einleitung
„Die meisten Menschen sind als kleines Maschinenteilchen dem großen wirtschaftlichen Gesamtmechanismus eingegliedert“, stellt Emilie Altenloh in ihrer Dissertation „Zur Soziologie des Kino“ fest. „Für diejenigen, die die Woche über in ihre Arbeit eingespannt sind, ist der Aufenthalt im Kino die einzige Zeit völliger Loslösung aus der Tretmühle des Alltags.“ Bereits vor 90 Jahren brachte die Wissenschaftlerin auf den Punkt, warum das Medium Kino besonders gut zur Unterhaltung geeignet ist: Es ist billig, erfordert keine geistige Anstrengung, bietet Zerstreuung und Ablenkung und lässt die Zuschauer ihren einförmigen Alltag vergessen (Altenloh 1914).
Was aber haben die Kinobesucher, die Emilie Altenloh kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges befragte mit den Bundesbürgern des 21. Jahrhunderts zu tun? Viel, denn auch unsere heutige Gesellschaft ist in erster Linie eine Arbeitsgesellschaft (Meyen 2001, S. 95). Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist in den letzten Jahren zwar kontinuierlich gesunken (Berg / Kiefer 1996, S. 116), nicht aber das Bedürfnis nach Unterhaltung und Entspannung. „Wir spüren schon länger das Bedürfnis des Zuschauers zum Eskapismus“, betont Gerhard Zeiler in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Deshalb kommen noch mehr harmonische Geschichten mit Happy Ends, Action wird weniger gefragt sein“, fasst der RTL-Chef anlässlich des 20. Geburtstages des Privatsenders die Programm- Trends für das Jahr 2004 zusammen („Der Spiegel“, 2/2004). In meiner Hausarbeit „Macht Glotzen einsam? – Über die Eskapismusthese“ möchte ich erläutern, warum sich Menschen den Medien überhaupt zuwenden und welche Bedürfnisse dadurch befriedigt werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf dem Medium Fernsehen und dem Eskapismuskonzept, einem Ansatz, laut dem die Rezipienten mediale Unterhaltungsangebote bewusst nutzen, um der Monotonie ihres Alltags zeitweilig zu entfliehen. Als Abschluss dieser Literaturarbeit möchte ich diverse Studien vorstellen, die zu - zum Teil gegensätzlichen - Ergebnissen über den Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Einsamkeit gekommen sind.
2. Der Uses-and-Gratifications -Ansatz
Es existiert keine Theorie, die die Mediennutzung vollständig erklärt. Denn kein kommunikationswissenschaftlicher Ansatz, kein soziologisches Konzept, kein psychologisches Modell berücksichtigt systematisch alle Faktoren, die die Zuwendung zu Medienangeboten beeinflussen können oder könnten (Meyen 2001, S. 11). “The idea that media use depends on the perceived satisfactions, needs, wishes, or motives of the prospective audience member is almost as old as media research itself”, fasst Denis McQuail zusammen (McQuail 1997, S. 69). Die klassische Gratifikationsforschung beschäftigt sich aber auch mit den sozialen und psychologischen Ursprüngen dieser Bedürfnisse, die gewisse Erwartungen an die Medien oder andere Quellen erzeugen (Gehrau 2003, Internet). Die Medien konkurrieren also nicht nur untereinander um die Zeit und Aufmerksamkeit der Menschen, sondern auch mit anderen Quellen der Bedürfnisbefriedigung. Mediennutzung ist daher nur zu verstehen, wenn diese Alternativen berücksichtigt werden (Meyen 2001, S. 12).
Die Pilotstudie zur empirischen Erforschung des Uses-and-Gratifications-Ansatzes führte Herta Herzog 1940 durch: ”Professor Quiz: a gratification study“. Die Wissenschaftlerin befragte Radiohörer nach ihren Gründen, sich regelmäßig Quizsendungen im Radio zuzuwenden. Weil diese Sendungen, der Selbsteinschätzung und Bildung dienen, erfuhr Herzog. Außerdem gaben die Hörer an, Wettbewerbe im Allgemeinen zu mögen und dass die Quiz-Sendungen ihren Ehrgeiz wecken (Gehrau 2003, Internet). Zwei Jahre später untersuchte Herzog, warum täglich etwa 20 Millionen US-amerikanische Hausfrauen fiktive Serien im Radio hören. ”What do we really know about day-time serial listeners?“, lautete die Forschungsfrage und Herzog stellte überrascht fest, dass die Sendungen die Frauen nicht primär unterhalten sondern ihnen als Lebenshilfe dienen. Basierend auf 100 Intensiv-Interviews formulierte Herzog die drei Hauptgratifikationen der Hörerinnen: Emotionale Entlastung, Kompensation für Versäumnisse in eigenen Leben durch Identifikation mit den Charakteren sowie Lebenshilfe (Herzog 1944). Diese beiden Studien aus der Anfangszeit der Mediennutzungsforschung machen die Grundannahmen des Uses-and-Gratifications-Ansatzes deutlich, die 1962 von Elihu Katz et al. formuliert wurden: Menschen sind sich ihrer Bedürfnisse bewusst und haben zahlreiche Möglichkeiten diese zu befriedigen. Eine dieser Alternativen ist die Mediennutzung. Dabei wählt der Rezipient einen gewissen Medieninhalt bewusst, aktiv und zielorientiert aus. Die Menschen sind in der Lage, über ihre Bedürfnisse und Motive Auskunft zu geben beziehungsweise diese zumindest in einer Befragungssituation wieder zu erkennen (Scheidt 2000, S. 99).
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