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Vom Schwarzmarkt für Organe zu einem kontrollierten weltweiten Handel - eine institutionenökonomische Analyse

Scholarly Research Paper, 2004, 25 Pages
Author: Stefan Tzschentke
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Scholarly Research Paper
Year: 2004
Pages: 25
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 39  Entries
Language: German
Archive No.: V47367
ISBN (E-book): 978-3-638-44331-9
ISBN (Book): 978-3-638-65936-9
File size: 311 KB

Abstract

Seit der ersten erfolgreichen Organtransplantation im Jahre 1954 ist im Bereich der Transplantationsmedizin ein kontinuierlicher medizinischer Fortschritt in erstaunlichem Maße zu verzeichnen. Mit diesem Fortschritt geht jedoch ein wachsender Mangel an Spenderorganen einher, der in einer steigenden Zahl von Patienten resultiert, die jahrelang – zum Teil vergeblich – auf ein Transplantat warten. Leidige Konsequenz ist die Bildung eines Schwarzmarktes für Organe. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob diese unbefriedigende Situation mit Hilfe der Ökonomie, der Lehre von der Zuteilung knapper Güter, verbessert werden kann. Zuerst wird dabei auf die Grundlagen im Bereich der Organtransplantation eingegangen, anschließend folgen eine Diagnose des Schwarzmarktes für Organe und Überlegungen zur Überwindung der Knappheitssituation. Aus den Ergebnissen werden abschließend Vorschläge für eine künftige Lösung des Problems der Organgewinnung und –allokation abgeleitet.


Excerpt (computer-generated)

Vom Schwarzmarkt für Organe zu einem kontrollierten
weltweiten Handel – eine institutionenökonomische Analyse

von: Stefan Tzschentke

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  1

2. Grundlagen 1

2.1. Begriffsdefinition Organspende  1
2.2. Juristische Rahmenbedingungen 1
2.3. Merkmale der aktuellen Marktsituation 2

3. Diagnose des Schwarzma rkts für Organe  4

3.1. Distributive Elemente 4

3.1.1. Negative Effekte auf der Nachfrageseite  4
3.1.2. Negative Effekte auf der Angebotsseite  5

3.2. Systemimmanenz der Folgen des Schwarzmarkthandels  6
3.3. Zwischenergebnis  7

4. Lösungsansätze zur Überwindung der Knappheit 8

4.1. Ausgangsüberlegung  8
4.2. Möglichkeiten zur Vergrößerung des Angebots  8

4.2.1. Opting-out-Verfahren bei Leichenspenden 8
4.2.2. Clubmodell  10
4.2.3. Institutionalisierter Handel von Organen 11
4.2.4. Anreizsysteme für den institutionalisierten Handel und Opting- in-Verfahren 13
4.2.5. Freier Markt für Organe  14

5. Schlussbetrachtung und Ausblick  15

Literaturverzeichnis 17

Bibliografie 17

Internetrecherche  21

Anhang 22
 


Abkürzungsverzeichnis

DSO = Deutsche Stiftung Organtransplantation
OPTN = Organ Procurement and Transplantation Network
TPG = Transplantationsgesetz

 

1. Einleitung

Seit der ersten erfolgreichen Organtransplantation im Jahre 19541 ist im Bereich der Transplantationsmedizin ein kontinuierlicher medizinischer Fortschritt in erstaunlichem Maße zu verzeichnen. Mit diesem Fortschritt geht jedoch ein wachsender Mangel an Spenderorganen einher, der in einer steigenden Zahl von Patienten resultiert, die jahr elang – zum Teil vergeblich – auf ein Transplantat warten. Leidige Konsequenz ist die Bildung eines Schwarzmarktes für Organe. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob diese unbefriedigende Situation mit Hilfe der Ökonomie, der Lehre von der Zuteilung knapper Güter, verbessert werden kann. Zuerst wird dabei auf die Grundlagen im Bereich der Organtransplantation eingegangen, anschließend folgen eine Diagnose des Schwarzmarktes für Organe und Überlegungen zur Überwindung der Knappheitssituation. Aus den Ergebnissen werden abschließend Vorschläge für eine künftige Lösung des Problems der Organgewinnung und –allokation abgeleitet.

2. Grundlagen

2.1. Begriffsdefinition Organspende

Unter Organspende versteht man „die Übertragung von Zellen, Geweben oder Organen auf ein anderes Individuum, oder an eine andere Stelle des selben Individuums"2. Weiterhin unterscheidet man zwischen Lebendspende, bei der Teile von Geweben oder Organen lebender Organismen transplantiert werden, und Leichenspende. Auf weitere (mögliche) Unterteilungen soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden.

2.2. Juristische Rahmenbedingungen

Im Gegensatz zur herrschenden Meinung ist die internationale Rechtslage bezüglich der kommerziellen Nutzung von Organen nicht eindeutig. So ist zwar der An- und Verkauf von Organen in den meisten Ländern gesetzlich verboten, anderenorts wie z.B. in einigen Ländern der ehemaligen UDSSR, aber auch in Albanien und Kroatien ist die Rechtssituation nicht eindeutig geklärt3 und im Iran existiert letztendlich sogar das Modell eines staatlich organisierten Organhandels 4.

Rein juristisch gesehen stellt allein schon die Entnahme von (gesundem) Gewebe oder Organen eine n Akt der Körperverletzung dar, da eine Heilung oder Verbesserung des Gesundheitszustandes des Spenders nicht Ziel der Operation ist. Nur durch die Zustimmung des Spenders kann der Straftatbestand der Körperverletzung geheilt werden.5 Neben den nationalen Regulierungen und Maßnahmen zur Eindämmung von Organhandel existiert eine Vielzahl von Beschlüssen und Resolutionen verschiedener internationaler Organisationen und Regierungsverbände; eine herausragende Rolle spielt hierbei wohl die Resolution Nr. 42.5 der Weltgesundheitsorganisation WHO, in der alle Mitgliedsstaaten aufgefordert werden, gegen Organhandel vorzugehen und diesen unter Strafe zu stellen6. Mit dem Erlass des Transplantationsgesetzes (TPG) im Jahre 1997 wurde auch in Deutschland die Rechtslage eindeutig geklärt. Das TPG regelt die Entnahme von Organen sowohl bei Lebenden, als auch bei Verstorbenen und enthält mit § 17 TPG ein explizites Verbot für den Handel mit Organen.7

2.3. Merkmale der aktuellen Marktsituation

Die im vorangegangenen Abschnitt erwähnten Resolutionen und Gesetze wurden notwendig, da seit der Einführung von Transplantationen als medizinisches Standardheilverfahren ein sehr großer Nachfrageüberhang nach Organen besteht. Durch den medizinischen Fortschritt und einer damit im Zusammenhang stehenden kontinuierlich steigenden Lebenserwartung sind Jahr für Jahr mehr Menschen auf ein Spenderorgan angewiesen. Dieser steigenden Zahl von Spendebedürftigen steht vielerorts ein stagnierender Spenderpool gegenüber, so dass die Schere zwischen Nachfrage und Angebot an Vom Schwarzmarkt für Organe zu einem kontrollierten weltweiten Handel Organen immer weiter aufklafft.8 Die Ursachen für das mangelnde Angebot an Transplantaten liegen nach herrschender Meinung. hauptsächlich in religiösen Überzeugungen, dem Trittbrettfahrer- Problem, den mit einer Organspende verbunden Transaktionskosten, einer suboptimalen Nutzung des Spendepotentials in den Kliniken sowie „(...) die Angst, als eingetragener Spender im Falle einer intensivmedizinischen Behandlung nur im Dienste der Organspende behandelt zu werden“9.

[...]


1 Vgl. Nagel/ Schmidt (1996), S. 6.

2 Pschyrembel (2002), S. 1680 f.

3 Vgl. Nickel/ Schmidt-Preisigke/ Sengler (2001), S. 6.

4 Vgl. Feyerabend, Junge Welt vom 16.12.02.

5 Vgl. Schreiber (1991), S. 13f.

6 Vgl. Fluss (1991), S. 160.

7 Vgl. Nickel/ Schmidt-Preisigke/ Sengler (2001), S. 206.

8 Vgl. Breyer/ Kliemt (1995), S. 135.

9 Gold/ Schulz/ Koch (2001), S. 9.
 


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