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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 27 Pages
Author: Sirinya Pakditawan
Subject: English Language and Literature Studies - Literature
Details
Institution/College: University of Hamburg (Institut für Anglistik und Amerikanistik)
Tags: Here, Streben, Präsenz, Philip, Larkins, Here, Whitsun, Weddings, Contemporary, British, Poetry, From, Anti-Modernism, Postmodernism
Year: 2003
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-44339-5
ISBN (Book): 978-3-638-65882-9
File size: 491 KB
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Abstract
Philip Larkin, dem meist der zentrale Platz in der britischen Lyrik der Nachkriegszeit zugestanden wird, kann zu den so genannten Movement - Dichtern gezählt werden, die in den fünfziger Jahren des 2O.Jahrhunderts bekannt wurden. Ihre Lyrik gründete im Allgemeinen auf der nüchternen Einsicht, dass der persönliche Lebensalltag in einer modernen Welt den am ehesten überschaubaren und somit analysierbaren Wirklichkeitsbereich darstellt. Es erscheint generell berechtigt zu sagen, dass auch Larkin die Dichtung primär dazu dient, die Bedingungen des Lebens in der heutigen Zivilisation zu analysieren, und dem Leser die zentralen Erfahrungen des modernen Menschen zu vermitteln und nachfühlbar zu machen. Auf diese Weise konzentriert sich auch das Gedicht "Here" aus der Sammlung "The Whitsun Weddings" (1964) ausschließlich auf die lebensweltliche Existenz des zeitgenössischen Menschen, auf seine Erfahrung des vergeblichen Strebens nach einer unmittelbaren Präsenz in Natur und Stadt. An diesem Gedicht wird deshalb untersucht, wie diese moderne Erfahrung dem Leser konkret vermittelt und somit „erfahrbar" gemacht wird. Die Analyse soll sich dabei primär auf das lyrische Ich und die zentrale Relevanz der subjektiven Einzelperspektive für die Sprechsituation des Gedichts konzentrieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, auf welche Weise das Individuum die für es relevante Problemlage, die zentrale Erfahrung, wahrnimmt und verarbeitet. Hierbei wird zunächst zu zeigen sein, wie die auffällige Sprecherdistanz in "Here" dem Leser das erfolglose Streben nach Präsenz direkt nachempfindbar machen kann. Dabei soll jedoch nicht nur die Haltung des Sprechers, sondern auch die charakteristischen Merkmale des Gedichts und vor allem sein "Erzählvorgang"betrachtet werden. Ein wichtiges Merkmal des Gedichts ist hierbei, dass es eine Bewegung beschreibt, so dass der Leser Wirklichkeit im wahrsten Sinne des Wortes erfährt. Anschließend wird untersucht werden, welche Bedeutung der zivilisierten Natur sowie der Stadt als Orte entfremdeter menschlicher Existenz für die Suche nach dem idealen Dasein zukommen. Abschließend wird zu analysieren sein, welchen Stellenwert die Freiheit versprechende, zivilisationsferne Natur als unnahbarer Ort unentfremdeter Existenz für diese Suche einnimmt.
Excerpt (computer-generated)
Here is unfenced existence: Das Streben nach Präsenz in
Philip Larkins Here aus The Whitsun Weddings (1964)
von: Sirinya Pakditawan
8. Semester
Inhalt
0. Einleitung 3
l. Die Funktion der Sprecherdistanz und der Beschreibung einer Bewegung im Gedicht für die Erfahrung des Strebens nach Präsenz in Philip Larkins "Here" 6
2. Die Bedeutung der zivilisierten Natur und der Stadt als Orte entfremdeter Existenz für die Suche nach dem idealen Dasein in Philip Larkins “Here“ 11
3. Die Bedeutung der zivilisationsfernen Natur als Ort unentfremdeter Existenz für das Streben nach unmittelbarer Präsenz in Philip Larkins "Here" 15
Zusammenfassung 19
Anmerkungen 21
Literaturverzeichnis 24
0. Einleitung
Philip Larkin, dem meist der zentrale Platz in der britischen Lyrik der Nachkriegszeit zugestanden wird, kann zu den so genannten Movement - Dichtern gezählt werden, die in den fünfziger Jahren des 2O.Jahrhunderts bekannt wurden. Ihre Lyrik gründete im Allgemeinen auf der nüchternen Einsicht, dass der persönliche Lebensalltag in einer modernen Welt den am ehesten überschaubaren und somit analysierbaren Wirklichkeitsbereich darstellt 1. Aus diesem Grund forderten die Dichter des Movement eine Orientierung an der Authentizität persönlicher Alltagserfahrungen, die durch eine weitgehende Übereinstimmung von empirischem und lyrischem Ich, Dichtung und Leben sowie von prosaisch - kommunikativer und poetisch verdichteter Sprache erreicht werden sollte 2. In diesem Sinne hat auch Larkin häufig betont, dass alltägliche Situationen sowie die heutige Beziehung des Menschen zu seiner sozialen Umwelt die Basis seiner Gedichte bilden sollten. Beispielsweise äußerte er diese Einstellung bereits 1957: "Good writing is most likely to deal with present-day situations in present- day language“ 3. Es kann deshalb als charakteristisch für Larkin gelten, dass er seine Dichtung in der Lebenswelt des zeitgenössischen England ansiedelt und daraus repräsentative Erfahrungen gewinnt. Hierbei kommt seinen Gedichten jedoch nicht bloß eine Funktion in einem persönlichen Selbstfindungsprozess zu, da Larkin sein Ich generell als repräsentatives Ich versteht 4. Obwohl diese lebensweltliche Bezüglichkeit inszeniert ist, beziehen sich Larkins Gedichte stets auf den konkreten Lebensraum des Dichters. Aus diesem Grund kann man von einer Referentialität der Gedichte auf soziale und individuelle Lebensumstände des Dichters sprechen 5.
Obwohl es Larkin primär darum geht, ein wieder erkennbares England darzustellen, möchte er den Leser mit seiner Lyrik gleichzeitig die Realität neu wahrnehmen lassen, indem er ungewohnte Sehweisen der Wirklichkeit herauspräpariert 6. Aus diesem Grund erscheint Alan Gardiners Ansicht hier zutreffend, dass Larkins Gedichte nicht nur Alltäglichkeit darstellen, sondern vielmehr der Realität Aspekte abgewinnen, die sie dem Betrachter auf den ersten Blick verweigern. Somit kann Larkins Lyrik durchaus als ein Versuch der (Bewusstseins-) Erweiterung verstanden werden: "(...) his [Larkin′s] poems may be rooted in a familiar social reality but they also transcend this reality and have the universality and the timelessness that we associate with great poetry" 7. Dennoch verweist Larkin mit dem Titel des 1961 entstandenen Gedichts "Here", mit dem er seine Gedichtsammlung The Whitsun Weddings (1964) eröffnet, unmittelbar darauf, dass das Gedicht in der Alltagsrealität angesiedelt ist und eine aktuelle Erfahrung beschreibt. "Here" thematisiert nämlich im Ganzen den Weg des zeitgenössischen Menschen zu einem beruhigenden Ankerplatz, indem er sich den regionalen Lebenswelten der Provinz zuwendet, um sich dem entfremdeten Dasein in der heutigen Gesellschaft zu entziehen. Hierbei wird die moderne Welt, die kultivierte Natur sowie vor allem das Leben in der Großstadt, als entfremdete Existenzweise erfahren. Somit liegt dem Gedicht "Here" eine typisch moderne Erfahrung zu Grunde, die sich durch die Grundstimmung der Trauer, des Verlustes sowie durch das Gefühl der placelessness 8 auszeichnet. Verweist Peter Robinson generell auf die Stimmung der Wehmut in Larkins Gedichten, so trifft dies also in besonderem Maße auf "Here" zu: "Larkin′s sense of loss when confronted with modern England is frequently expressed in his elegiac tone" 9. Es erscheint generell berechtigt zu sagen, dass Larkin die Dichtung primär dazu dient, die Bedingungen des Lebens in der heutigen Zivilisation zu analysieren, und dem Leser die zentralen Erfahrungen des modernen Menschen zu vermitteln und nachfühlbar zu machen. Auf diese Weise konzentriert sich auch das Gedicht "Here" ausschließlich auf die lebensweltliche Existenz des zeitgenössischen Menschen, auf seine Erfahrung des vergeblichen Strebens nach einer unmittelbaren Präsenz in Natur und Stadt.
Im Folgenden soll an diesem Gedicht deshalb untersucht werden, wie diese moderne Erfahrung dem Leser konkret vermittelt und somit „erfahrbar" gemacht wird. Die Analyse soll sich dabei primär auf das lyrische Ich und die zentrale Relevanz der subjektiven Einzelperspektive für die Sprechsituation des Gedichts konzentrieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, auf welche Weise das Individuum die für es relevante Problemlage, die zentrale Erfahrung, wahrnimmt und verarbeitet. Hierbei wird zunächst zu zeigen sein, wie die auffällige Sprecherdistanz in "Here" dem Leser das erfolglose Streben nach Präsenz direkt nachempfindbar machen kann. Dabei soll jedoch nicht nur die Haltung des Sprechers, sondern auch die charakteristischen Merkmale des Gedichts und vor allem sein "Erzählvorgang" 10 betrachtet werden. Ein wichtiges Merkmal des Gedichts ist hierbei, dass es eine Bewegung beschreibt, so dass der Leser Wirklichkeit im wahrsten Sinne des Wortes erfährt. Anschließend wird untersucht werden, welche Bedeutung der zivilisierten Natur sowie der Stadt als Orte entfremdeter menschlicher Existenz für die Suche nach dem idealen Dasein zukommen. Abschließend wird zu analysieren sein, welchen Stellenwert die Freiheit versprechende, zivilisationsferne Natur als unnahbarer Ort unentfremdeter Existenz für diese Suche einnimmt.
1. Die Funktion der Sprecherdistanz und der Beschreibung einer Bewegung im Gedicht für die Erfahrung des Strebens nach Präsenz in Philip Larkins "Here"
[...]
1. Diese grundlegenden Informationen zu den Dichtern des Movement stammen aus Peter Hühn, Geschichte der englischen Lyrik. Bd. 2 (Tübingen / Basel, 1995), 262ff. und aus Helmut Haberkamm, Die Bewegung weg vom Movement. Studien zur britischen Gegenwartsdichtung nach 1960 (Heidelberg, 1992). 36-22.
2. In diesem Zusammenhang ist darüber hinaus zu bemerken, dass sich die Movement - Dichter und damit vor allem auch Larkin mit ihrer empirischen, erfahrungsbezogenen Schreibweise auf eine spezifisch prämodernistische englische Traditionslinie beriefen. Sie haben sich nämlich beispielsweise an Dichten wie Wordsworth, Hardy. Edward Thomas, Wilfred Owen und Robert Graves orientiert, deren genuin englischer Bezugsrahmen ihnen als vorbildlich galt. Entsprechend haben sich die Dichter des Movement generell gegen kontinental - europäische Stilrichtungen wie die der Moderne gerichtet (vgl. Haberkamm, S. 17f). Siehe hierzu auch Hühn, Geschichte der englischen Lyrik, S. 266.
3. Arno Löffler, " "Untalkative, out of reach" - Die Erfahrung der Natur in Philip Larkins "Here" und "To the Sea". " In Günter Ahrends & Hans Ulrich Seeber, Hrsg. Englische und amerikanische Naturdichtung im 20. Jahrhundert (Tübingen, 1985), 139 zitiert Philip Larkin aus "The Writer in His Age: Philip Larkin", London Magazine, 4 (May 1957), 46; Hervorhebung SP. Zu dieser Einstellung Larkins siehe auch Hühn, Geschichte der englischen Lyrik, S. 266.
4. vgl. Michael Hamburger. Die Dialektik der modernen Lyrik. V′on Baudelaire bis zur Konkreten Poesie, aus dem Englischen übers, von Hermann Fischer (München, 1972), 340 (Die Originalausgabe: The Truth of Poetry (New York, 1969)).
5. Es ist in diesem Zusammenhang jedoch grundsätzlich zu beachten, dass der Sprecher eines Gedichts keineswegs mit dem Autor identisch ist. Die in Gedichten dargestellten Erfahrungen besitzen nämlich eher Modellcharakter, denn obwohl es sich nahezu immer um subjektive Erfahrungen handelt, sind diese dennoch künstlerisch geformte und damit typisierte und verfremdete Erfahrungen (vgl. Hühn., Geschichte der englischen Lyrik, S. IOf.).
6. vgl. Haberkamm, S. 27 und Gerhard Haefner. "4. Philip Larkin (1922 - 1985)." In Englische Lyrik vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart: Konzepte. Themen. Strukturen (Heidelberg, 1997), 16f.
7. Alan Gardiner, „Larkin′s England." In Linda Cookson & Bryan Loughrey, Hrsg. Critical Essays on Philip Larkin: The Poems (London / Glasgow, 1989), 62; Hervorhebung SP.
8. Unter der Bezeichnung placelessness versteht man die Wurzellosigkeit des Individuums, d.h. das Fehlen jeglicher Beziehung des Menschen zu einem Ort als beruhigenden Ankerplatz in der modernen Welt (vgl. Elmar Schenkel, "4.3 Philip Larkin." In Sense of Place. Regionalität und Raumbewußtsein in der neueren britischen Lyrik {Tübingen, 1993), 136). Hühn weist darüber hinaus darauf hin, dass den Gedichten der Movement -Dichter meist eine resignierte Grundstimmung zu eigen ist (vgl. Hühn, Geschichte der englischen Lyrik, S. 267)
9. Schenkel, S. 135 zitiert Peter Robinson aus A Local Habitation.. The Sense of Place in Modern British Poetry. Dissertation (York, Kanada. 1984), 99; Hervorhebung SP.
10. Der Ansatz, narratologische Analyseverfahren auf die Lyrik - Gattung anzuwenden, stammt von Peter Hühn und Jörg Schönert und basiert im Wesentlichen auf der Einsicht, dass Prosatexte und Lyrik zwei Grundkonstituenten teilen, nämlich die zeitlich geordnete Geschehensfolge und deren perspektivische Vermittlung (Peter Hühn & Jörg Schönert. "Zur narralologischen Analyse von Lyrik", erscheint in Poetica, 34 : 4 (2002) und Peter Hühn, "Plotting the Lyric; Forms of Narration of Poetry", erscheint 2003). Dieser Ansatz ist im Hinblick auf die folgende Untersuchung des Gedichts "Here" insofern bedeutsam, als die Anwendung narratologischer Analyseverfahren eine präzisierte Beschreibbarkeit der für die Vermittlung von Erfahrung grundlegenden Sprechinstanz ermöglicht.
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