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Der Entwurf des Emigrantenlebens in Andrej Belyjs "Im Reich der Schatten" close

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Der Entwurf des Emigrantenlebens in Andrej Belyjs "Im Reich der Schatten"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 25 Pages
Author: Natalie Webbeler
Subject: Russian / Slavic Languages

Details

Event: Russische Emigration im Berlin der 20er Jahre
Institution/College: University of Mannheim (Slavisches Seminar)
Tags: Entwurf, Emigrantenlebens, Andrej, Belyjs, Reich, Schatten, Russische, Emigration, Berlin, Jahre
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 25
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V47404
ISBN (E-book): 978-3-638-44361-6
ISBN (Book): 978-3-638-65911-6
File size: 316 KB

Abstract

„Berlin - Stiefmutter der russischen Städte“ schrieb einst der Dichter Vladislav Chodasevič. Doch was war das Besondere an Berlin? Was war es, was tausende von russischen Emigranten und vor allem Schriftsteller in den 1920-ern anzog, die nächsten Jahre in dieser europäischen Metropole zu verbringen und wer waren diese Emigranten? Viele Schriftsteller, u.a. Maksim Gorkij, Aleksej Remisov, Il’ja Erenburg, Aleksej Tolstoj, Marina Cvetaeva sowie Andrej Belyj verbrachten hier einige Jahre ihres Lebens und trafen sich zum gemeinsamen philosophieren vorzugsweise in den Cafes um den Nollendorfplatz und den Prager Platz. Für viele war der Aufenthalt in Berlin eine glückliche Zwischenstation und Gelegenheit, den Wirren in der Heimat zu entkommen. Für Andrej Belyj dagegen war Berlin „nur ein Rastplatz auf einer ruhelosen Flucht vor sich selbst“. Belyj blieb während seiner Berliner Zeit ohne Verständigungsbasis – sein Aufenthalt sollte nicht der Start zu einem Neubeginn werden, sondern gerät zu einem großen Missverständnis. Er beginnt, seine inneren Widersprüche auf seine Umwelt zu projizieren und sich von der Realität zu entfernen. Versunken im eigenen Ich entwickelt sich seine Emigration zu einer Flucht vor, und einer Suche nach sich selbst. Das Buch thematisiert Andrej Belyjs polemisch gehaltenen Essay „Im Reich der Schatten“, in welchem Belyj seine in Berlin verlebte Zeit und die daraus gewonnen Eindrücke wahrlich meisterhaft schildert. Ein Muss für jeden Slavistik-Studenten, aber auch alle Russland-Liebhaber.


Excerpt (computer-generated)

Universität Mannheim, Philosophische Fakultät, Slavisches Seminar
HS: Die russische Emigration in Berlin (1920-er)
10. Fachsemester, SS 2005

Der Entwurf des Emigrantenlebens in
Andrej Belyjs Im Reich der Schatten

von: Natalie Webbeler

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung 1

1.1 Einleitung 1
1.2 Gang der Untersuchung 2

2 Hauptteil 3

2.1 Andrej Belyj – Die Jahre vor Berlin 3
2.2 Motive zur Emigration 4
2.3 „Im Reich der Schatten“ 6

2.3.1 Der Weg nach Berlin 7

2.3.1.1 Der Neue Nationalismus 8
2.3.1.2 Das „Deutschenparadoxon“ 8
2.3.1.3 Das „Dorf“ Kaunas 8
2.3.1.4 Die Schifffahrt nach Berlin 9

2.3.2 Belyjs Darstellung Berlins 9

2.3.2.1 Das russische Berlin 10
2.3.2.2 Die Tauenzienstraße 11
2.3.2.3 Das Geheimnis der Kneipe 12

2.3.3 Der allgegenwärtige „Neger“ 13
2.3.4 Moskau vs Berlin 14

2.4 Andrej Belyj in Berlin – Eine Außensicht 16

2.4.1 Il’ja Erenburg über Andrej Belyj 17
2.4.2 Marina Cvetaeva: „Ein gefangener Geist“ 19

3 Resümee 20

4 Literaturverzeichnis 22



 

1 Einführung

1.1 Einleitung

„Berlin - Stiefmutter der russischen Städte“ schrieb einst der Dichter Vladislav Chodasevic. 1 Doch was war das Besondere an Berlin? Was war es, was tausende von russischen Emigranten und vor allem Schriftsteller in den 1920-ern anzog, die nächsten Jahre in dieser europäischen Metropole zu verbringen und wer waren diese Emigranten? Berlin spielte schon in den Anfängen des 20. Jahrhunderts vor allem für das russische kulturelle Leben eine herausragende Rolle. Russland war der Berner Konvention nicht beigetreten; zur Wahrung des Copyrights bestand die einzige Möglichkeit darin, seine Bücher in einem Land dieser Konvention verlegen zu lassen. Eine Reihe von Verlagshäusern war hierauf spezialisiert; nach dem Krieg schlossen sich neue, auch emigrierte Verlagshäuser diesem russischen Buchmarkt an. Günstige ökonomische Bedingungen wie die schwache Reichsmark ermöglichten eine günstige Produktion. Bis 1923 sollten in Berlin 40 russischsprachige Verlagshäuser, 3 Tageszeitungen und mehr als 20 Magazine entstehen.2 Weiterhin besaßen viele Russen noch in Devisen konvertierbares Vermögen, was ein weniger sorgenvolles Leben möglich machte.3 Andrej Belyj entrüstete sich des Öfteren darüber, wie die Russen dank ihrer Finanzmanipulationen besser lebten als die Deutschen in ihrer eigenen Heimat und dünkelhaft auftraten. 4

Abgesehen von den ökonomischen Grundlagen sei an dieser Stelle auch die geographische Nähe Berlins zur russischen Heimat genannt, welche die Stadt so attraktiv erschienen ließ und es leichter machte, an Rückkehr zu denken, zumal die meisten ohnehin nur mit einem kurzen Aufenthalt rechneten. Berlin war ein günstiger Standort, von dem man die Geschehnisse der roten Revolution in der russischen Heimat gut beobachten konnte, um in einem günstigen Moment zurückkehren zu können. Neben den genannten Faktoren spielte auch die allgemeine Atmosphäre eine entscheidende Rolle. Viele Schriftsteller betitelten sie im Gegensatz zum übrigen Westen noch als erträglich: Gor’kij und A. Tolstoj betonten des Öfteren, „dass in Deutschland im Gegensatz zum sonstigen verfaulten Westen noch nicht alles verloren sei.“5

Folgendermaßen entstand in Berlin im Laufe der Zeit relativ schnell eine lebhafte russische Kulturszene. Viele Schriftsteller, u.a. Maksim Gorkij, Aleksej Remisov, Il’ja Erenburg, Aleksej Tolstoj, Marina Cvetaeva sowie Andrej Belyj verbrachten hier einige Jahre ihres Lebens und trafen sich zum gemeinsamen philosophieren vorzugsweise in den Cafes um den Nollendorfplatz und den Prager Platz. Besonderns beliebt hier war die „Prager Diele“. Belyj erfand sogar diesbezüglich das Wort „pragerdilieren“ (pragerdil’stvovat’), worunter er das philosophieren, umringt von blauem Dunst mit einem Glas Cognac verstand.6 Die einzelnen Schriftsteller hatten verschiedene Gründe für ihren Aufenthalt in Berlin. Tolstoj und Gor’kij z.B. sahen Berlin mehr als eine Art Zwischenstation auf ihren Wegen, welche sie nutzen und zugleich alsbald wieder verlassen wollten. Für Andrej Belyj dagegen war Berlin „nur ein Rastplatz auf einer ruhelosen Flucht vor sich selbst“.7 Belyj blieb während seiner Berliner Zeit ohne Verständigungsbasis – sein Aufenthalt sollte nicht der Start zu einem Neubeginn werden, sondern gerät zu einem großen Missverständnis. Er beginnt, seine inneren Widersprüche auf seine Umwelt zu projizieren und sich von der Realität zu entfernen. Versunken im eigenen Ich entwickelt sich seine Emigration zur Flucht vor und Suche nach sich selbst.8

1.2 Gang der Untersuchung

In der folgenden Arbeit möchte ich nach einem kurzen hinführenden Überblick der Jahre Belyjs vor seiner Emigration zunächst seine Motive aufzeigen, die ihn dazu bewegt haben, nach Berlin zu emigrieren. Hauptuntersuchungsgegenstand dieser Arbeit soll daraufhin sein polemisch gehaltener Essay „Im Reich der Schatten“ sein, in welchem Belyj seine in Berlin verlebte Zeit und die daraus gewonnen Eindrücke schildert. Hier gilt es, vor allem den sarkastisch geschilderten Gegensatz des selbst „guten“ Belyjs auf der einen Seite sowie der „bösen“ ihm in Berlin begegneten Umwelt auf der anderen Seite hervorzuheben. Besondere Aspekte hierbei sind seine Reise nach Berlin, Berlin selbst sowie der ihm in Berlin begegnete „Neger“, denen besonderes Augenmerk zu schenken ist. Die Wahrnehmungen Belyjs von Außen, besonders seitens Il’ja Erenburg und Marina Cvetaeva, sollen als Kontrast den Hauptteil abrunden, woraufhin im Resümee die Ergebnisse meiner Arbeit zusammenfassend dargestellt werden.

2 Hauptteil

2.1 Andrej Belyj – Die Jahre vor Berlin

[...]


1 Urban 2003, S. 9.

2 S. Beyer 1990, S. 98.

3 Vgl. Drews 1981, S. 120.

4 Vgl. Urban 2003, S. 10.

5 S. Drews 1981, S. 121.

6 Vgl. Urban 2003, S. 19.

7 S. Drews 1981, S. 127.

8 Vgl. Drews 1981, S. 129.


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