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Die 'Big Five' - Fünf-Faktoren-Modell zur Beschreibung der Persönlichkeit

Scholary Paper (Seminar), 2004, 29 Pages
Authors: Anne Lehwald, Anna-Maria Schielicke
Subject: Psychology - Personality Psychology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 29
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 24  Entries
Language: German
Archive No.: V47457
ISBN (E-book): 978-3-638-44403-3

File size: 236 KB
Notes :
Die Arbeit zeigt die Entwicklung des Fünf-Faktoren-Modells der Persönlichkeit auf und beschreibt die fünf Dimensionen der Persönlichkeitsbeschreibung. Einige der Messinstrumente, mit deren Hilfe, individuelle Merkmalsausprägungen jener fünf Faktoren erhoben werden können, werden vorgestellt; v.a der NEO-FFI von Costa/McCrae. Nach der Kritik werden aktuellere Modelle der Persönlichkeitsbeschreibung präsentiert.



Excerpt (computer-generated)

Die ′Big Five′ –
Fünf-Faktoren-Modell zur Beschreibung der Persönlichkeit

von: Anne Lehwald und Anna-Maria Schielicke

 


1. Einleitung S. 3

2. Genese der „Big Five“

2.1. Der lexikalische Ansatz S. 4
2.2. Unübersichtlichkeit im Untersuchungsfeld S. 8
2.3. Die „Big Five“ in Fragebogenstudien S. 8
2.4. Exkurs: Faktorenanalyse S. 9

3. Die (?) „Big Five“

3.1. Uneinigkeit trotz Replizierbarkeit S. 12
3.2. Korrelationen zwischen den „Big Five“ S. 14
3.3. Exkurs: Der Faktor V S. 15

4. Messinstrumente

4.1. Adjektivlisten und Fragebögen S. 16
4.2. Exkurs: Vom NEO über den NEO-PI-(R) zum NEO-FFI S. 17

5. Anwendungsbereiche des „NEO-Fünf-Faktoren Inventars“ (NEO-FFI) von Paul Costa und Robert McCrae S. 19

6. Kritik an den „Big Five“ S. 20

6.1. Kritik am lexikalischen Ansatz S. 21
6.2. Einige Kritik- und Diskussionspunkte am Fünf-Faktoren-Modell S. 22

7. Aktuelle Forschungsergebnisse: „Beyond the Big Five“

7.1. „Big Two“, „Big Six“ und „FPX”-Modell S. 24
7.2. Exkurs: Das HEXACO-Modell S. 25

8. Fazit S. 26

Literaturverzeichnis




 

1. Einleitung (Von Anne Lehwald)

„Die Persönlichkeit ist unerforschlich“, behauptete der Dichter Johann Wolfgang von Goethe im ausgehenden 18. Jahrhundert. Dennoch versuchen sich bis heute zahlreiche Psychologen an der Lösung just dieser Aufgabe: Die Persönlichkeit des Menschen zu erforschen und sie zu beschreiben. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dominierte allerdings der Eindruck, dass fünfzig Jahre faktorenanalytischer Persönlichkeitsforschung nur ein Bild der Verwirrung erbracht hätten (Amelang & Bartussek 1997, S. 360). Uneinigkeit unter den Persönlichkeitsforschern herrschte vor allem in den Punkten, wie viele und welche Faktoren eine umfassende Beschreibung der Persönlichkeit ermöglichen. Zu Beginn der neunziger Jahre bildete sich schließlich ein gewisser Konsens darüber, dass fünf Faktoren eine umfassende Beschreibung der Persönlichkeit liefern (Zimbardo 1999, S. 524). Dieses Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeitsbeschreibung, das auch als „Big Five“ bezeichnet wird, ist ein deskriptives Modell, das faktorenanalytisch entwickelt wurde. Befürworter dieses Modells behaupten, dass es die wichtigsten Dimensionen individueller Unterschiede beschreibt und einen organisatorischen Rahmen für die Persönlichkeitsforschung bildet (Cloninger 1996, S. 88). Im Rahmen dieser Arbeit möchten wir die Entwicklung des Fünf-Faktoren- Modells der Persönlichkeit referieren sowie die fünf Dimensionen der Persönlichkeitsbeschreibung erläutern. Einige der Messinstrumente, mit deren Hilfe, individuelle Merkmalsausprägungen jener fünf Faktoren erhoben werden können, werden vorgestellt. Gesondert wollen wir auf die Anwendungsbereiche des häufig verwandten NEO-Fünf-Faktoren Inventars von Paul Costa und Robert McCrae eingehen und dabei auch auf mögliche Probleme hinweisen. Einen Großteil unserer Literaturarbeit nimmt die Kritik an den „Big Five“ ein, die schlussendlich dazu führte, dass aktuell vermeintlich umfassendere Modelle zur Beschreibung der Persönlichkeit diskutiert werden. Darunter das Zwei-Faktoren- Modell „Big Two“, das Vier-Plus-X-Faktoren Modell „FPX“ sowie diverse andere Sechs- und Sieben-Faktoren-Lösungen.

2. Die Genese der „Big Five“ (Von Anna-Maria Schielicke)

Der folgende kurze Abriss konzentriert sich, dem Thema folgend, hauptsächlich auf die Entwicklungsgeschichte der „Big Five“, wissenschaftliche „Seitenarme“ und Parallelstudien können hier nicht berücksichtigt werden. In der chronologischen Abfolge der Studien und Arbeiten stütze ich mich vor allem auf die Texte von Amelang und Bartussek (1997) und die Handanweisung des „NEO-FFI“ nach Costa und McCrae von Borkenau und Ostendorf (1993).

2.1. Der lexikalische Ansatz

Die Ausgangsbasis für den hier im Zentrum stehenden Forschungszweig zur Persönlichkeitsstruktur bildete der sogenannte „lexikalische Ansatz“. Dieser wird legitimiert durch die „Sedimentationshypothese“ von Klages aus dem Jahre 1926, welche von Cattell 1943 für die Anwendung in der Persönlichkeitsforschung präzisiert wurde. Wie der Name „Sedimentation“ (lat. Ablagerund, Bildung von Bodensatz) bereits beschreibt, gehen Forscher, die sich auf den „lexikalischen Ansatz“ stützen, davon aus, dass sich alle Möglichkeiten zur Beschreibung von Persönlichkeit und zur Beschreibung individueller Unterschiede in der Persönlichkeit aufgrund ihrer Wichtigkeit für soziale Beziehungen zwischen den Menschen in der Sprache „niederschlagen“. Je wichtiger ein bestimmtes Merkmal ist, desto mehr Wörter werden sich in der Sprache zur Beschreibung des Merkmals finden lassen. Sammelt man alle persönlichkeitsbeschreibenden Wörter einer Sprache, müsste man so ein vollständiges Inventar der Persönlichkeitsbeschreibung erhalten. Wenn dies so ist, sollte man auf der Suche nach Beschreibungsvarianten und somit bei der Suche nach Indikatoren für Persönlichkeitsdimensionen auf Wörterbücher zurückgreifen können. Diesem Ansatz folgend, suchten Allport und Odbert im Jahre 1936 aus „Webster`s New International Dictionary“ (Ausgabe aus dem Jahre 1925) alle persönlichkeitsbeschreibenden Begriffe heraus. Hierbei handelte es sich hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, um Adjektive. Auf diese Weise erhielten sie zunächst eine Liste von 17.953 Wörtern. Diese wurden anschließend in vier Gruppen aufgeteilt. Die für die nachfolgenden Forschungen wesentlichste Kategorie war die der „personal traits“: eine 4.500 Wörter umfassende Kategorie von vermeintlich neutralen Begriffen. Wörtern also, die keinerlei positive oder negative Konnotation aufweisen sollten.

Cattell verwendete 1943 diese Kategorie der „personal traits“ für seine Untersuchungen zur Persönlichkeitsstruktur. Er teilte die 4.500 Wörter der Kategorie in 35 Gruppen ein. Wobei jede Gruppe zwischen sechs und zwölf Elemente enthielt. Dabei bediente er sich der Methoden der Inhalts- und der Clusteranalyse. Die Kriterien, die er zur Gruppierung heranzog, waren zum großen Teil nicht nachvollziehbar, bzw. äußerst subjektiv. Zum Beispiel reduzierte er die ursprüngliche Wortliste zunächst auf der Basis von „semantischen Ähnlichkeiten“ und teilte sie in Gegensatzpaare auf. Mit dem Verfahren der Faktorenanalyse, die er zu seiner Zeit noch mit der Hand ausführte, erhielt Cattell in dieser ersten Untersuchung zwölf Persönlichkeitsfaktoren. Diese konnten in folgenden Untersuchungen nicht repliziert werden, wahrscheinlich auch aufgrund der nicht durchgehend offen gelegten Vorgehensweise. Cattell`s damaliger Verdienst besteht weniger im Auffinden der 12 Persönlichkeitsfaktoren, sondern vielmehr in der Schaffung einer Datenbasis (den 35 Clustern), die sich trotz breiter Kritik an Subjektivität der Gruppierung und der fehlenden Replizierbarkeit über 20 Jahre lang hielt. So griff im Jahre 1949 Fiske auf die 35 Cattell’schen Gruppen zurück. Er wählte 22 davon aus, modifizierte diese und führte damit drei Faktorenanalysen durch. Das Ergebnis hier waren erstmals fünf Persönlichkeitsdimensionen.

[...]


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