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Arthur Schnitzler Traumnovelle vs Stanley Kubrick Eyes Wide Shut - Ein Vergleich

Termpaper, 2002, 22 Pages
Authors: Alexia Berkowicz, Irja Martens
Subject: Communications: Movies and Television

Details

Event: Mediendramaturgie
Institution/College: University of Bayreuth
Tags: Arthur, Schnitzler, Traumnovelle, Stanley, Kubrick, Eyes, Wide, Shut, Vergleich, Mediendramaturgie
Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 22
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V47707
ISBN (E-book): 978-3-638-44591-7
ISBN (Book): 978-3-638-65627-6
File size: 695 KB

Abstract

Die Synthese von Film und Literatur, die sich oftmals im Phänomen der Literaturverfilmung äußert, wirft von Natur aus die Frage nach ihren jeweiligen Grenzen und Möglichkeiten auf. Was kann der Film darstellen, wo das Buch an seine erzählerischen Grenzen stößt? Was kann der Roman eindringlicher beschreiben, wo der Film kürzen muss? Welche neuen Interpretationsebenen entstehen durch die Bearbeitung des Regisseurs? Inwieweit spielen andere Künste, nicht nur die literarische Vorlage, für den Film eine Rolle? Von diesem Umstand ausgehend, werden am Beispiel von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ und Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“ die verschiedenen Titel und Entrees näher beleuchtet und die jeweilige Medienspezifik, also die verschiedenen „Werkzeuge“ von Regisseur und Buchautor heraus gestellt. Die Untersuchung intermedialer Zwischenspiele soll hierbei im Fokus der Betrachtung stehen, wobei nicht explizit auf die Berührungspunkte der beiden „Medien“ , sondern auf die theatralen, musikalischen und malerischen Elemente vor allem des Films eingegangen werden soll.


Excerpt (computer-generated)

Arthur Schnitzler Traumnovelle vs Stanley Kubrick
Eyes Wide Shut - Ein Vergleich

von: Alexia Berkowicz

 


Inhaltsverzeichnis 2

1. Einleitung  3

2 Medienspezifische Aspekte  4

2.1 Literatur und Film  4
2.2 Das Entree in der Novelle und im Film 6

3 Intermediale Zwischenspiele und Besonderheiten 8

3.1 Theatrale Elemente 9

3.1.1 Das Motiv der Vorhänge  9
3.1.2 Das geheime Treffen 10

3.2 Musik im Film 11

3.2.1 Eingangsmusik  11
3.2.2 Das Passwort  13

3.3 Malerische Elemente 15

3.3.1 Verarbeiten von berühmten Gemälden im Film 15
3.3.2 Kubricks Farbenspiel 17

3.4 Literarische Vorlage und filmische Umsetzung 19

4 Abschließende Worte  20

5 Literatur und Abbildungsverzeichnis  21

5.1 Bibliographie  21
5.2 Webliographie  21
5.3 Abbildungsverzeichnis  22



 

1. Einleitung

Die Synthese von Film und Literatur, die sich oftmals im Phänomen der Literaturverfilmung äußert, wirft von Natur aus die Frage nach ihren jeweiligen Grenzen und Möglichkeiten auf. Was kann der Film darstellen, wo das Buch an seine erzählerischen Grenzen stößt? Was kann der Roman eindringlicher beschreiben, wo der Film kürzen muss? Welche neuen Interpretationsebenen entstehen durch die Bearbeitung des Regisseurs? Inwieweit spielen andere Künste, nicht nur die literarische Vorlage, für den Film eine Rolle? Von diesem Umstand ausgehend, werden wir am Beispiel von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ und Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“ die verschiedenen Titel und Entrees näher beleuchten und die jeweilige Medienspezifik, also die verschiedenen „Werkzeuge“ von Regisseur und Buchautor herausstellen. Die Untersuchung intermedialer Zwischenspiele soll hierbei im Fokus unserer Betrachtung stehen, wobei wir uns nicht explizit auf die Berührungspunkte der beiden „Medien“ konzentrieren, sondern auf die theatralen, musikalischen und malerischen Elemente vor allem des Films eingehen werden. Abschließend werden wir ein Resümee aus unseren gewonnen Überlegungen ziehen und die Komplexität von Kub ricks Werk nochmals herausstellen. Kaum ein Werk der Literaturverfilmung hat zu soviel Diskussion und geteilten Meinungen geführt wie Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“. Die einen Kritiker beschreiben Kubricks New York als „auf bizarre Weise leblos“ und behaupten, „es bestehe aus Details, die sich mit dem amerikanischen Leben, wie jedermann es erlebt, nicht verknüpfen, so dass der Übergang des Films von der Realität zum Traum von uns nicht als besondere Abweichung vom Gewöhnlichen empfunden wird.[…] EYES WIDE SHUT hat weder ein sicheres Gefühl für Träume noch für die Realität.“1 Die anderen messen dem Film eine tiefere Bedeutung bei und sprechen davon „dass Kubrick mit EYES WIDE SHUT unter vielen anderen auch vom Scheitern des psychologischen Realismus […] im Kino gesprochen hat.“2 Trotz dieser kontroversen Debatte möchten wir in unserer Hausarbeit offen legen, wie sehr Roman und Film miteinander ve rknüpft sind, ohne dabei außer Acht zu lassen, dass „Eyes Wide Shut“, als autonomes Kunstwerk, d.h. auch ohne Lektüre der Novelle Bestand hat und als distinktes Medium wahrgenommen werden muss.

2 Medienspezifische Aspekte

Wo der Spielfilm an seine pragmatischen Grenzen stößt, weil er sich aus zeitlichen bzw. finanziellen Gründen auf das Wesentliche der Geschichte beschränken muss und nicht jeder Beschreibung des Romans oder der Novelle Ausdruck verleihen kann, eröffnet gerade dieses Medium andererseits die Möglichkeit, die Geschichte visuell zu unterstützen. Das Fehlen einer Beschreibung wird somit durch eine Übertragung ins Bild ersetzt. Die medienspezifischen Unterschiede von „Eyes Wide Shut“ und „Traumnovelle“ werden vor allem in den verschiedenen Titeln und den Entrees deutlich.

2.1 Literatur und Film

Schon die Titel für sich genommen weisen auf ihre jeweilige Medienspezifik hin; sowohl der Film als auch das Buch beinhalten im Titel einen deutlichen Verweis auf eine dem Medium zugehörige Eigenschaft. Darüber hinaus geben die Titel auch einen Vorgeschmack auf die jeweilige Interpretationsebene des Themas.

Schnitzlers „Traumnovelle“ weist unmissverständlich auf die Tatsache hin, dass es sich um Literatur handelt, nämlich um die Gattung einer Novelle, die sich dem Titel zufolge mit dem Thema „Traum“ beschäftigt. Er spielt direkt auf die Ebene des „Irrealen“ an, auf den Traum, und lässt keinen Zweifel, dass hier mit verschieden Realitätsebenen gespielt wird. Ob es sich an der einen oder anderen Stelle wirklich „nur“ um eine Traumerfahrung handelt ist unklar, dennoch lenkt der Titel die Aufmerksamkeit des Lesers von vornherein dorthin. Wann wird geträumt, wann sind die Protagonisten wach? Ist Albertines Phantasie mit dem Offizier in Dänemark ein Wunschtraum? Sind Wunschträume real oder gehören sie schon einer transzendierenden Ebene an? „Bei genauerem Nachdenken ergibt sic h jedoch der Gedanke, ob es sich um eine Novelle oder um einen Traum handelt oder ob die Novelle selbst der Traum ist.“3 Diese Frage bleibt für den Leser der Novelle offen. Kubricks „Eyes Wide Shut“ hingegen spricht sogleich das wichtigste Sinnesorgan an, mit dem man den Film wahrnimmt: das Auge. „Augen weit geschlossen“ – „Eyes Wide Shut“. Dieser Titel fordert den Rezipienten heraus. Wie können Augen weit geschlossen sein? Wofür steht dieses Oxymoron, dieser Widerspruch in sich? Obwohl der Film darauf keine klare Antwort zulässt, sondern allenfalls Spekulation, ist dem Titel eines sicher: Aufmerksamkeit durch Befremdung sowie durch den Widerspruch in sich. Dieses ‚Fremd-Fühlen’ - obwohl etliche bekannte, alltägliche Dinge im Film gezeigt werden - verlässt den Zuschauer bis zur letzten Minute des Films nicht, und auch keine selbsterklärerische Schlusssequenz „rettet“ sie/ihn aus diesem Gefühl.

Ein Deutungsversuch soll an dieser Stelle dennoch angebracht werden: Weist der fragwürdige Ausdruck nicht vielleicht auf den Umstand hin, dass obwohl die Augen einer/ eines jeden manchmal geschlossen sind, wie z.B. im Schlaf oder auch wenn man sprichwörtlich „etwas nicht sehen will“, sich gerade in diesen Momenten die Augen in einer anderen Dimension unseres Bewusstseins öffnen und diese Dimension daher keineswegs als weniger real angesehen werden darf? Umgekehrt kann man auch den Rückschluss ziehen, dass gerade in dem Moment, in dem man denkt, die Augen weit offen zu haben, sie doch geschlossen sind. Die Dinge liegen jedoch ganz anders und der Blick für das Wesentliche oder auch die Filmwirklichkeit geht verloren. Betrachtet man im Buch und im Film eben jenes Verschwimmen von Traum und Realität, so lässt sich also in beiden Titeln ein Verweis darauf finden, auch wenn sie oberflächlich betrachtet keine Ähnlichkeiten aufweisen.

[...]


1 David Denby: “Last Waltz.” in: New York Times, 16.7.1999 zit. in: Andreas Kilb/Rainer Rother u.a.: Stanley Kubrick, S.246

2 Georg Seeßlen: „Nun sind wir wohl erwacht“. in: die tageszeitung, 19.7.1999 zit. in: Andreas Kilb/Rainer Rother u.a.: Stanley Kubrick, S.247

3 Leoni Hof: Die unsägliche Lust des Schauens, 3.1)


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