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Die satirische Leseart des Romans "Der Meister und Margarita"

Scholary Paper (Seminar), 2005, 22 Pages
Author: Igor Blumberg
Subject: Russian / Slavic Languages

Details

Event: Proseminar
Institution/College: University of Mannheim
Tags: Leseart, Romans, Meister, Margarita, Proseminar
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V47940
ISBN (E-book): 978-3-638-44771-3
ISBN (Book): 978-3-638-65964-2
File size: 232 KB

Abstract

Für Johannes Leonhard und Birte Petrea


Excerpt (computer-generated)

Universität Mannheim, Slavisches Seminar
PS Bulgakovs Master i Margarita
SS 2005, 4.Semester

Die satirische Leseart des Romans
"Der Meister und Margarita"

von: Igor Blumberg

 


Gliederung

1. Einleitung S. 3

2. Definition „Satire“ S. 3

3. Geschichtlicher Hintergrund des Romans

3.1 Sowjetunion in den späten 20er und den 30er Jahren S. 5
3.2 Geschichtliche Entwicklungen der sowjetischen Satire in 20er und 30er Jahren S. 9
3.3 Die Forderung nach der „Positiven Satire“ S. 10

4. Konkrete Kritik in „Master i Margarita“

5. Das Karnevaleske in “Master i Margarita” S. 19

6. Schlusswort S. 21

7. Literaturverzeichnis S. 22



 

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit beleuchte ich den Roman „Master i Margarita“ unter dem Aspekt seiner satirischen Leseart, wobei ich mich auf die von Jochen-Ulrich Peters aufgestellte Definition des Begriffs der Satire stütze. Um die satirischen Elemente herausarbeiten und verstehen zu können, ist es notwendig, sich mit den historischen Rahmenbedingungen, in die der Autor und der Roman eingebettet sind, auseinanderzusetzen. Deshalb nehmen die geschichtlichen Beschreibungen der SU in den späten 20er und 30er Jahren einen wichtigen Platz in meinen Ausführungen ein. Darauf basierend werde ich mich der konkreten Kritik in „Master i Margarita“ widmen und dabei die angesprochenen kritikwürdigen Missstände im Land, die Bulgakov in seinem Werk anprangert, betrachten. Anschließend folgen ein kurzer Umriss der karnevalesken Eigenarten des Romans und im Anschluss eine abschließende Bemerkung.

2. Definition „Satire“

Der russische satirische Roman weist in der Regel keine konkrete Struktur und keine konkreten thematischen Vorgaben auf, was eine Definition dieses Genres erschwert.1 Um dennoch bestimmte charakteristische Tendenzen dieser Literaturgattung herauszuarbeiten, sollen zunächst die überhistorisch gültigen Merkmale der satirischen Schreibweise näher untersucht werden. Dabei dient als Grundlage die folgende Definition von Schwind: „Ein satirischer Text ist (…) ein modellbildendes Darstellungssystem, das im Zusammenhang der benutzten Zeichen auf Gemeintes in der ‚Wirklichkeit’ auf eine Weise anspielt, dass das Wahrnehmungsmodell als adäquat zur ‚Wirklichkeit’ bzw. als ‚Gegenmodell’ empfunden wird – oder werden soll – im Aufweis anderer, neuartiger Sichtweisen und Beziehungsmöglichkeiten“. 2 Darauf aufbauend lassen sich für umfangreichere satirische Texte folgende Gesichtspunkte hervorheben. Im satirischen Roman werden in der Regel fiktionale Welten erschaffen, die sehr direkt auf bestimmte gesellschaftliche Problembereiche der realen Welt anspielen. Gleichzeitig wird beim Leser durch verschiedene stilistische Elemente wie Übertreibung, Ironie oder Sarkasmus eine negative Einstellung und Distanz zu dieser im Text dargestellten Wirklichkeit ausgelöst.3 Der Leser, der in die Rolle eines kritischen Beobachters versetzt wird, soll diese Welt als eine Scheinwelt entlarven, in der die gültigen, etablierten Strukturen und Systeme ironisierend in Frage gestellt werden. Dies geschieht dadurch, dass die im Text agierenden Figuren, die dargestellten Lebensverhältnisse und Situationen ins Lächerliche gezogen werden und damit als amoralisch erscheinen. 4 Der Satire liegt eine appellative Intention des Autors zugrunde, der aus seiner sehr subjektiven Sicht gesellschaftliche Missstände in einer abwertenden Weise anprangert und den Leser zu animieren versucht, diese Missstände nicht nur zu erkennen, sondern gegen sie aktiv vorzugehen. Die Kritik erfolgt aus der Perspektive der in die Handlung integrierten Figuren, die selbst ein Teil der angegriffenen Welt sind. Sie können diese explizit attackieren oder als negative Beispiele mit bestimmten Lastern und Torheiten fungieren. Dabei wird dem Leser ein Spielraum bei seiner Interpretation eingeräumt, denn die satirische Kritik an der gezeichneten Welt erfolgt universell. Das gesamte ideologische und politische System erscheint im Ganzen als falsch und verkehrt. Die Satire zielt darauf ab, dem Leser durch zielgerichtete Gegenüberstellung von Ideal und Wirklichkeit die Fehlfunktion seiner realen Welt zu verdeutlichen. Sie schreckt nicht davor zurück, die Menschen als ungebildet und bequem darzustellen. Sie richtet die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen und die fehlende Moral. Sie offenbart dem Leser die gesellschaftlichen Zwänge und Konventionen, in denen er gebunden ist und attackiert durch bissige Ironie, Sarkasmus und Komik die Widersprüchlichkeit des Normensystems, in dem die Figuren gefangen sind und das der Betrachter auf seine eigene Wirklichkeit projiziert und sich mit ihr auseinanderzusetzen beginnt.5 Der Autor versucht, durch die Darstellung der Gegensätze zwischen den gewünschten und den tatsächlich vorherrschenden Verhältnissen beim Betrachter eine starke Distanzierung zu seiner Außenwelt, zu seinen Mitmenschen und zu sich selbst zu erreichen. Der Leser soll, dadurch dass er mit amoralischem Handeln der fiktiven Figuren konfrontiert wird, sich mit seiner eigenen Welt kritisch auseinandersetzen und sie neu durchleuchten. Der Satiriker versteht sich als Aufklärer, der nicht seine persönliche, subjektive Meinung dem Leser aufzuzwingen vermag, sondern bei diesem generell versucht, ein kritisch-distanziertes Denken über die Fragwürdigkeit der geschilderten Welt auszulösen.

3. Geschichtlicher Hintergrund des Romans

3.1 Sowjetunion in den späten 20er und den 30er Jahren

[...]


1 Vgl. Peters: Tendenz und Verfremdung, S. 16

2 ebd. S.16

3 Vgl. Peters: Tendenz und Verfremdung, S.17

4 ebd. S. 17

5 ebd. S. 19


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