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Examensarbeit, 2005, 41 Seiten
Autor: Marcel Haldenwang
Fach: Geschichte - Didaktik
Details
Tags: Museumsbesuch, Geschichtsunterricht, Alltag, Steinzeit, Unterrichtsgang, Klasse, Hauptschule, Museum, Quadrat, Bottrop
Jahr: 2005
Seiten: 41
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 44 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-44977-9
ISBN (Buch): 978-3-638-65971-0
Dateigröße: 806 KB
Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt für die Sekundarstufe I dem Staatlichen Prüfungsamt für Zweite Staatsprüfungen für Lehrämter an Schulen Düsseldorf
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Zusammenfassung / Abstract
Diese Arbeit, die im Rahmen des zweiten Staatsexamens angefertigt wurde, befasst sich eingehend mit dem außerschulischen Lernort „Museum“. Sie richtet den Fokus auf zweierlei Potentiale des außerschulischen Lernortes „Museum“. Zum einen sollen die Chancen in den Blick genommen werden, die der Museumsbesuch für das soziale Lernen der Schüler bietet. In dieser Arbeit soll versucht werden behutsam abzustecken, inwieweit auch ein – naturgemäß zeitlich stark begrenzter – Unterrichtsgang für den Fachlehrer positive Auswirkungen auf das soziale Klima haben kann. Darüber hinaus geht es um die Chancen, die das Museum, für das Sachzeugnisse geradezu konstitutiv sind, hinsichtlich des historischen Lernens bereithält. Es wird also die Rede davon sein, inwiefern das Museum die Lehrerfunktion „Erziehen“ unterstützen kann und inwiefern es genuine Belange des Faches Geschichte unterstützt, also die Lehrerfunktion „Unterrichten“. Die im Studium erworbene Theoriefähigkeit und „pädagogische Urteilskraft“ ist hierbei ausgesprochen wichtig, die Theorie muss sich allerdings nunmehr in der Praxis bewähren. Daher wird zunächst die Lernausgangssituation der Klasse darzustellen sein, die zusammen mit dem Lehramtsanwärter das Museum „Quadrat“ besucht hat. Dabei ist nicht jedem Schüler jede Aktionsform zumutbar, weil jeder Schüler unterschiedliche Voraussetzungen mitbringt. Mit welchen methodischen und organisatorischen Kunstgriffen bei Planung, Durchführung und Auswertung der Museumsbesuchs gleichwohl erfolgreich sein kann, soll diese Arbeit erwägen. Dabei wird als dritte Lehrerfunktion das Organisieren zur Sprache kommen. Weil diese Arbeit nicht mit einer Laudatio auf das eigene pädagogische Schaffen wird enden können, erfolgt abschließend eine kritische Reflexion des realisierten Museumsbesuchs, der sich Überlegungen zur Optimierung eines solchen Museumsbesuchs anschließen.
Textauszug (computergeneriert)
Studienseminar für Lehrämter an Schulen
Kleve I, Seminar GHRGe/SI
Der Museumsbesuch im Geschichtsunterricht.
Den Alltag meistern in der Steinzeit – Unterrichtsgang der fünften Klasse einer Hauptschule zum Museum „Quadrat“ in Bottrop
Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt für die
Sekundarstufe I dem Staatlichen Prüfungsamt für Zweite Staatsprüfungen für Lehrämter
an Schulen Düsseldorf
vorgelegt von
Marcel Haldenwang
16. Mai 2005
Inhaltsübersicht
0. Einleitung ... 2
1. Überlegungen zur Lerngruppe ... 3
2. Überlegungen zum außerschulischen Lernort „Museum“ ... 6
2.1. Perspektiven angesichts des Erziehungsnotstands ... 6
2.2. Perspektiven für das historische Lernen – die Begegnung mit Sachzeugnissen ... 8
2.2.1. Typen von Sachzeugnissen ... 9
2.2.2. Chancen der Arbeit mit historischen Sachzeugnissen ... 10
3. Der Museumsbesuch in Bottrop ... 16
3.1. Die Planungs- und Vorbereitungsphase ... 16
3.1.1. Die Auswahl des Museums ... 16
3.1.2. (Schul)organisatorische Voraussetzungen ... 19
3.1.3. Die inhaltliche Vorbereitung ... 21
3.2. Die Arbeits- und Durchführungsphase im Museum ... 23
3.2.1. Die Schülerarbeitsform ... 23
3.2.2. Die Schülerarbeitsmaterialien ... 24
3.3. Die Auswertungsphase ... 26
3.3.1. Die Reflexion der Teamarbeit ... 26
3.3.2. Die Auswertung des inhaltlichen Ertrags ... 27
4. Reflexion realisierter Planung ... 29
Literaturverzeichnis ... 31
Anhang ... 34
0. Einleitung
Einen eher epischen Einstieg in das Thema dieser Arbeit soll ein „pädagogisches Märchen“ bieten, in dem Museumspädagogen aus ihrer Praxis und von der Fortentwicklung ihrer persönlichen Museumsarbeit berichten. In diesem Bericht ist von einer Waffenfabrik die Rede, die abgerissen werden und modernen Gebäuden weichen sollte. Der Protest von solchen, die die Fabrik für denkmalgeschützt und geschichtsträchtig hielten, verhinderte das. Stattdessen entstand in dem Gebäude zunächst eine Ausstellung, in dem die vergangene industrielle Arbeitswelt dokumentiert wurde, dann ein Museum:1
„Die industrielle Arbeitswelt interessiert doch niemanden. Geschichte ist doch nur das, was die Könige, Fürsten, Heerführer und vielleicht noch die großen Künstler gemacht haben. Das wird in Museen und Ausstellungen gezeigt“, meinten die Zweifler. Sie täuschten sich aber. Es kamen 400 000 Menschen, um zu sehen, wie die kleinen Leute gelebt und gearbeitet hatten. „Arbeit-Mensch-Maschine“ hieß die Ausstellung, die so erfolgreich war, dass man beschloss, das Museum weiter bestehen zu lassen.
Die drei MusketierInnen
Mit der Zeit kamen viele, viele Schüler ins Museum. Sie stellten sich brav bei der Kasse an, und dann kam eine kluge Frau oder ein kluger Mann, führte sie zwei Stunden durch die Räume und erzählte ihnen alles, was sie oder er selber wusste. Die artigen Kinder hörten zu, bis ihnen nach einer Viertelstunde der Kopf brummte vom vielen Zuhören. Weil sie aber, wie gesagt, artige Kinder waren, gingen sie weiter mit der klugen Frau oder dem klugen Mann mit und taten ihr oder ihm zuliebe so, als würden sie weiter zuhören. Die schlimmen Kinder aber, die im Grunde die klügeren waren, versteckten sich an günstigen Stellen, blieben absichtlich zurück und stahlen sich unbemerkt davon. Es gab eine Frau im Museum, die saß in einer Kammer, die mit vielen Bildern und Büchern angefüllt war, und bemühte sich, sie zu ordnen. Eines Tages aber bekam sie einen ganz klaren Auftrag: „Mach’ irgendwas mit den Schülern.“ Die Frau wusste natürlich sofort, was sie zu tun hatte, und ging mutig ans Werk. Nach einiger Zeit kam ein Lehrer ins Haus, der nie gewusst hatte, welche Deutschnoten er seinen Schülern geben sollte, um auch irgend etwas für die Schüler zu tun. Beide beschlossen, die Schüler vor allem nicht mehr wie ein Leithammel seine Schafherde durch das Museum zu führen. Sie sollten frei herumlaufen dürfen, aber trotzdem vieles gemeinsam tun und sogar noch etwas dabei lernen können. Das glaubten die Lehrer zwar lange Zeit nicht, aber schließlich sahen sie doch ein, dass es so besser wäre. Diese neue Art, im Museum etwas zu lernen, hieß „Museumspädagogik“, war in Amerika schon seit hundert und in Deutschland bereits seit zwanzig Jahren bekannt und machte, auch wenn das noch ein bisschen nach Schule klingt, den Schülern viel mehr Spaß als früher. Und was das Wunderbare war: Sie merkten sich sogar mehr und wussten später viel besser, was sie gesehen, gehört und auch getan hatten. Dann kam noch ein Mann ins Haus, der gelernt hatte, mit Menschen zu arbeiten, sogar mit schwierigen oder solchen, denen es schlecht ging. So waren sie denn zu dritt, und auch noch ein paar andere Leute halfen ihnen. Nun sind sie schon viele Jahre im Museum und versuchen bei jeder neuen Ausstellung unverdrossen, den Schülern, aber auch den Lehrern zu zeigen, dass Lernen etwas Schönes, Interessantes und sogar Lustiges sein kann. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Ob sie nun „MuseumspädagogInnen“ oder „KulturvermittlerInnen“ sind, ist nicht so wichtig. Hauptsache ist, dass im Museum Menschen mit Menschen arbeiten. Dafür werden sie sich weiter einsetzen. [...]
Dieser Bericht schneidet implizit oder explizit wichtige Aspekte an, die in dieser Arbeit ausführlich zu erörtern sein werden. So wird ein außerschulischer Lernort angesprochen,2 dessen Potential man nutzen oder auch ins Gegenteil verkehren kann. Diese Arbeit wird den Fokus auf zweierlei Potentiale des außerschulischen Lernortes „Museum“ richten. Zum einen sollen die Chancen in den Blick genommen werden, die der Museumsbesuch für das soziale Lernen der Schüler3 bietet. Folgende Beobachtung gab nämlich den Ausschlag für die Wahl des Themas „Unterrichtsgang in ein Museum“. Es war die Beobachtung, dass sich zwei ganz ähnliche Lerngruppen – die Rede ist nicht von den beiden Klassen 5 – mit einem vergleichbaren Anteil an problematischen Schülern, was die Disziplin betrifft, ausgesprochen unterschiedlich verhielten. Auf einer Klassenfahrt wies dann eine Lehrerin, die große Mühe in solche außerschulische Aktivitäten mit ihrer Klasse investiert und mit dieser jährlich eine ganze Woche verreist, darauf hin, welch positiven Effekt solche Veranstaltungen auf ihren Unterricht hätten und wie stark es sich in einer Klasse widerspiegele, wenn die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer auf solche Aktivitäten verzichte. In dieser Arbeit soll daher versucht werden4 behutsam abzustecken, inwieweit auch ein – naturgemäß zeitlich stärker begrenzter – Unterrichtsgang für den Fachlehrer positive Auswirkungen auf das soziale Klima haben kann. Darüber hinaus geht es um die Chancen, die das Museum, für das Sachzeugnisse geradezu konstitutiv sind, hinsichtlich des historischen Lernens bereithält. Es wird also die Rede davon sein, inwiefern das Museum die Lehrerfunktion „Erziehen“ unterstützen kann und inwiefern es genuine Belange des Faches Geschichte unterstützt, also die Lehrerfunktion „Unterrichten“.5 Die im Studium erworbene Theoriefähigkeit und „pädagogische Urteilskraft“6 ist hierbei ausgesprochen wichtig, die Theorie muss sich allerdings nunmehr in der Praxis bewähren. Daher wird zunächst die Lernausgangssituation der Klasse darzustellen sein, die zusammen mit dem Lehramtsanwärter das Museum „Quadrat“ besucht hat; das obige pädagogische Märchen deutet schon an, dass nicht jedem Schüler jede Aktionsform zumutbar ist, weil jeder Schüler unterschiedliche Voraussetzungen mitbringt. Im obigen Märchen wird gesagt, dass es gelungen sei, den Museumsbesuch für die Schüler so zu gestalten, dass er ihnen Spaß mache. Mit welchen methodischen und organisatorischen Kunstgriffen bei Planung, Durchführung und Auswertung des Museumsbesuchs das im Einzelnen erfolgte, wird nicht angesprochen. Die Arbeit wird dieser Frage nachgehen müssen; dabei wird als dritte Lehrerfunktion das Organisieren zur Sprache kommen. Weil diese Arbeit – anders als der zitierte Erfahrungsbericht – nicht mit einer Laudatio auf das eigene pädagogische Schaffen wird enden können, erfolgt abschließend eine kritische Reflexion des realisierten Museumsbesuchs, der sich Überlegungen zur Optimierung eines solchen Museumsbesuchs anschließen.
1. Überlegungen zur Lerngruppe
Einleitend wurde bereits erwähnt, welche Motivation primär hinter dem Klassenausflug stand, nämlich die Hoffnung, dass dieser positive Auswirkungen auf die Disziplin und das soziale Klima in der Klasse haben würde.
[...]
1 „Fast ein pädagogisches Märchen“ <http://www.eb.salzburg.at/museum.htm> (22.03.05).
2 Vorläufig werden „außerschulischer Lernort“, „Exkursion“, „Erkundung“, „Unterrichtsgang“ und „Feldstudie“ (field study/research) als Synonyme gebraucht, eine Problematisierung erfolgt zu Beginn von Kapitel 2.1.
3 An dieser Stelle sei vermerkt, dass das Wort „Schüler“ meist die Schülerinnen impliziert. Auf die gesonderte Nennung wird bewusst verzichtet, um nicht der verbreiteten Verwechslung von grammatischem und biologischem Geschlecht aufzusitzen.
4 An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass, was die Zeichensetzung betrifft, kein Komma gesetzt wird, wenn es sich um erweiterte Infinitivsätze handelt, die mit einem Verb eingeleitet werden, das kein Vollverb ist, und wo das Komma nicht semantisch notwendig ist, etwa um Mehrdeutigkeit aufzulösen. Bei Infinitivsätzen, die sog. Subjektsätze sind, wird ebenfalls absichtlich kein Komma gesetzt. Anführungszeichen machen Zitate, aber auch den metasprachlichen sowie den distanzierten Wortgebrauch kenntlich.
5 Diese Abgrenzung der Lehrerfunktionen setzt Unterricht mit Wissen im weitesten Sinne gleich und Erziehung mit Werten; Bildung ist nach diesem Verständnis Wissen und Werte, m. a. W.: sich aus dem Wissen ein Gewissen machen. Vgl. hingegen die wenig überzeugende Unterscheidung von Erziehung und Bildung in Ministerium für Schule, Jugend und Kinder (Hrsg.), Richtlinien und Lehrpläne für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen. Geschichte/Politik (Düsseldorf/Frechen: 1989), S. 11.
6 Der Ausdruck stammt von Wittenbruch, der sich gegen die Flut von Praxisberichten wendet und stattdessen eine solide „pädagogische Urteilskraft“ und eine „begründete Erziehungsvorstellung“ fordert (vgl. Wilhelm Wittenbruch, Schule, ein tauglicher Lebensort für Kinder und Jugendliche? Zehn Anmerkungen zum Thema „Schulleben“, S. 116 u. 121, in: Gunter Reiß (Hrsg.), Schule und Stadt. Lernorte, Spielräume, Schauplätze für Kinder und Jugendliche (Weinheim u. a.: 1995), S. 113-129). Damit spricht er das Problematische einer Gattung an, der möglicherweise auch diese Arbeit und die zweiten Staatsarbeiten i. A. zuzurechnen sind.
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