Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Diploma Thesis, 2004, 152 Pages
Author: Simone Kirst
Subject: Pedagogy - Family Education
Details
Tags: Bindungssicherheit, Erziehungsstil, Scheidungskindern, Kindern, Vollfamilien
Year: 2004
Pages: 152
Grade: 1
Bibliography: ~ 97 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-45000-3
ISBN (Book): 978-3-638-73035-8
File size: 2304 KB
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Die Scheidungshäufigkeit hat in Deutschland besonders seit Mitte der 60er Jahre erheblich zugenommen. Bleibt die Scheidungsziffer konstant werden ca. 37% der heute geschlossenen Ehen in Scheidung enden. Ca. 50% der geschiedenen Ehepaare haben noch minderjährige Kinder. Aus deren Perspektive ist damit zu rechnen, dass ca. 20% der in den 90er Jahren geborenen Kinder von Ehepaaren vor Erreichen der Volljährigkeit mit der Scheidung ihrer Eltern konfrontiert werden. Damit steigt zugleich die Zahl der Alleinerziehenden in Deutschland an. "Was bedeutet dies für die Kinder?" Das ist die Frage, die im Rahmen dieser Arbeit an erster Stelle steht. Die Scheidung ist der formalrechtliche, an bestimmte öffentliche Vorschriften gebundene Akt der Eheauflösung. Im Gegensatz zu dieser juristischen Sicht stellt sie sich für die betroffenen Kinder und Familien jedoch nicht als singuläres Ereignis dar, sondern als langwährender komplexer Veränderungs- und Entwicklungsprozess, der eine Vielfalt von Anpassungsleistungen auf verschiedenen Ebenen erfordert. Da die empirische Scheidungsforschung sich in erster Linie auf den angloamerikanischen Raum konzentriert, hat sich eine Forschungsgruppe um an der Universität Koblenz das Ziel gesetzt in einer Längsschnittstudie das Erleben, Bewerten und Verarbeiten des Trennungs- und Scheidungsgeschehens der Eltern durch die Kinder zu erheben. Dazu werden 6-8 jährige Kinder und ihre Mütter nach der Trennung, sowie weitere zweimal im Abstand von jeweils einem Jahr, zu unterschiedlichen Erlebens- und Verhaltensbereichen befragt. Ein Vergleich der Ergebnisse wird durch die parallele Befragung einer Kontrollgruppe gleichaltriger Kinder aus Familien ohne Scheidungserlebnis ermöglicht. Die hier vorliegende Arbeit entstand im Rahmen der ersten Erhebungswelle dieser Studie. Sie konzentriert sich dabei auf zwei Teilgebiete der umfangreichen Untersuchung. Betrachtet werden die Bindungssicherheit als auch der Erziehungsstil in beiden Familienformen. Die Frage nach möglichen Zusammenhängen zwischen den Aspekten Scheidung, Bindung und Erziehungsstil steht dabei im Vordergrund. Um die Fragestellung in ihren theoretischen Zusammenhang einzubetten, wird sich der erste Teil der Arbeit mit den bisherigen theoretischen Erkenntnissen und empirischen Ergebnissen der drei Themenkomplexe befassen. Nach einer Betrachtung der möglichen Zusammenhänge zwischen diesen Aspekten, schließt sich im empirischen Teil die Auswertung der erhobenen Daten an.
Excerpt (computer-generated)
Universität Koblenz Landau,
Fachbereich 1: Bildungswissenschaften
Diplomarbeit
BINDUNGSSICHERHEIT UND
ELTERLICHER ERZIEHUNGSSTIL BEI
SCHEIDUNGSKINDERN UND KINDERN AUS VOLLFAMILIEN
eingereicht von:
Simone Kirst
September 2004
INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG ... 4
II. THEORETISCHE GRUNDLAGEN ... 6
1. Trennung und Scheidung und ihre Folgen für die Kinder ... 6
1.1 Ansätze der Scheidungsforschung ... 6
1.2 Scheidungsgründe ... 10
1.3 Der Scheidungsprozess ... 12
1.4 Die Folgen der Trennung und Scheidung für die betroffenen Kinder ... 14
1.4.1 Charakteristika des Kindes ... 16
1.4.1.1 Alter und Entwicklungsstand ... 16
1.4.1.2 Geschlecht ... 17
1.4.1.3 Temperament ... 18
1.4.2 Faktoren im familiären System ... 18
1.4.2.1 Familiales Konfliktniveau ... 18
1.4.2.2 Kompetenz des/r sorgeberechtigten Elternteils/e ... 19
1.4.2.3 Die Beziehung zum abwesenden Elternteil ... 21
1.4.2.4 Sorgerechtsregelung ... 22
1.4.2.5 Wiederheirat ... 23
1.4.2.6 Geschwister ... 23
1.4.3 Ökonomische Situation ... 23
1.4.4 Weitere externe Faktoren ... 24
1.4.5 Langzeitfolgen ... 25
1.5 Scheidung als Chance ... 26
2. Bindungstheorie und –forschung ... 28
2.1 John Bowlby und die Wurzeln der Bindungstheorie ... 29
2.2 Die Bindungstheorie ... 31
2.2.1 Bindungsverhalten ... 31
2.2.2 Elterliche Feinfühligkeit ... 33
2.2.3 Explorationsverhalten ... 35
2.2.4 Innere Arbeitsmodelle (internal working models) ... 35
2.3 Mary Ainsworth und die Klassifikation der Bindungsqualität ... 37
2.3.1 Die Fremde Situation (Strange-Situation-Test) ... 39
2.3.2 Desorganisation im Bindungsverhalten ... 46
2.4 Die Untersuchung der mentalen Bindungsrepräsentation ... 48
2.5 Phasen der Bindungsentwicklung ... 50
2.6 Stabilität der Bindungsmodelle ... 51
2.7 Langfristige Konsequenzen der Bindungsunterschiede ... 56
2.8 Bindung und Trennung ... 58
2.9 Kritische Betrachtung der Bindungstheorie ... 60
3. Erziehungsstile ... 63
3.1 Begriffsklärung ... 63
3.2 Der Einfluss elterlicher Erziehung ... 64
3.3 Erziehungsstilforschung ... 67
3.3.1 Fragestellungen ... 67
3.3.2 Vom Typen- zum Dimensionen-Konzept ... 67
3.3.3 Apriori-Modelle ... 69
3.3.4 Methoden der Erziehungsstilforschung ... 70
3.4 Zentrale Erziehungsstildimensionen und das Erziehungsstilmodell nach Diana Baumrind ... 72
3.5 Wirkung der Erziehungsstile ... 75
3.6 Determinanten elterlicher Erziehung ... 79
3.7 Kritische Betrachtung der Erziehungsstilforschung ... 83
4. Zusammenhänge zwischen den Theoriebereichen Scheidung, Bindung und Erziehungsstil ... 85
4.1 Die Auswirkungen einer Scheidung auf die Bindung des Kindes ... 86
4.2 Die Bedeutung des Erziehungsstils ... 90
4.2.1 Der Einfluss einer Scheidung auf den Erziehungsstil ... 90
4.2.2 Der Einfluss des Erziehungsstils auf die Bindungsentwicklung ... 94
4.3 Das Risiko-Schutz-Modell ... 98
III. EMPIRISCHER TEIL ... 100
5. Fragestellung ... 100
6. Methode ... 102
6.1 Auswahl und Merkmale der Stichprobe ... 102
6.2 Erhebungsmethoden und ihre Durchführung ... 104
6.3 Auswertung der Daten ... 107
7. Ergebnisse ... 109
7.1 Scheidung der Eltern und Bindung der Kinder ... 109
7.2 Scheidung der Eltern und kindperzipierter Erziehungsstil ... 113
7.3 Erziehungsstil und Bindungssicherheit ... 116
8. Interpretation der Ergebnisse ... 120
9. Zusammenfassung und Ausblick ... 124
IV. TABELLEN- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS ... 127
1. Tabellen ... 127
2. Abbildungen ... 128
V. LITERATURVERZEICHNIS ... 129
VI. ANHANG ... 142
1. Das Bochumer semiprojektive Verfahren zur Erfassung der Bindungsmotivation und Bindungsqualität ... 142
2. Züricher Kurzfragebogen zum Erziehungsverhalten (ZKE) ... 154
I. EINLEITUNG
Die Scheidungshäufigkeit hat in Deutschland besonders seit Mitte der 60er Jahre erheblich zugenommen. Bleibt die Scheidungsziffer konstant werden ca. 37 % der heute geschlossenen Ehen in Scheidung enden. 2002 betrug die absolute Zahl der Ehescheidungen in Deutschland 204 214. Ca. 50 % der geschiedenen Ehepaare haben noch minderjährige Kinder. Aus deren Perspektive ist damit zu rechnen, dass ca. 20 % der in den 90er Jahren geborenen Kinder von Ehepaaren vor Erreichen der Volljährigkeit mit der Scheidung ihrer Eltern konfrontiert werden. Damit steigt zugleich die Zahl der Alleinerziehenden in Deutschland an.
Insgesamt betrug sie im Jahr 2000 1,77 Mio., wobei der überwiegende Anteil (63,1 %) geschieden ist oder getrennt lebt. Die übrigen Alleinerziehenden setzen sich aus Ledigen und Verwitweten zusammen. 85,5 % der Alleinerziehenden sind Mütter, nur 14,5 % Väter. Im Jahr 2000 lebte jedes zehnte Kind bei seiner geschiedenen oder getrennt lebenden Mutter, in durch Trennung oder Scheidung verursachten Vaterfamilien lebten dagegen nur weniger als 2% (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2003). „Was bedeutet dies für die Kinder?“ Das ist die Frage, die im Rahmen dieser Arbeit an erster Stelle interessiert. Die Scheidung ist der formalrechtliche, an bestimmte öffentliche Vorschriften gebundene Akt der Eheauflösung. Im Gegensatz zu dieser juristischen Sicht stellt sie sich für die betroffenen Kinder und ihre Familien jedoch nicht als singuläres Ereignis dar, sondern als langwährender, komplexer Veränderungsund Entwicklungsprozess, der eine Vielfalt von Anpassungsleistungen auf verschiedenen Ebenen erfordert. Er beginnt bereits vor der juristischen Scheidung und geht weit über sie hinaus. Obwohl Scheidungsstudien in Deutschland allmählich zunehmen, konzentriert sich die empirische Forschung auf den angloamerikanischen Raum. Die Ergebnisse dort sind zwar Grundlage für deutsche Forschungsarbeiten, jedoch aufgrund unterschiedlicher kultureller, ethnischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge nur bedingt übertragbar. Aus diesem Grund hat sich eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Elisabeth Sander an der Universität Koblenz das Ziel gesetzt in einer Längsschnittstudie das Erleben, Bewerten und Verarbeiten des Trennungs- und Scheidungsgeschehens der Eltern durch die Kinder zu erheben. Dazu werden 6-8 jährige Kinder und ihre Mütter nach der Trennung, sowie weitere zweimal im Abstand von jeweils einem Jahr, zu unterschiedlichen Erlebens- und Verhaltensbereichen befragt.
Ein Vergleich der Ergebnisse wird durch die parallele Befragung einer Kontrollgruppe gleichaltriger Kinder aus Familien ohne Scheidungserlebnis ermöglicht. Die hier vorliegende Arbeit entstand im Rahmen der ersten Erhebungswelle dieser Studie. Sie konzentriert sich dabei auf zwei Teilgebiete der umfangreichen Untersuchung. Betrachtet werden die Bindungssicherheit der Scheidungskinder im Vergleich zu den Kindern aus Zweielternfamilien als auch der Erziehungsstil in den beiden Familienformen. Die Frage nach möglichen Zusammenhängen zwischen den Aspekten Scheidung, Bindung und Erziehungsstil steht dabei im Vordergrund.
Um die Fragestellung in ihren theoretischen Zusammenhang einzubetten wird sich der erste Teil der Arbeit mit den bisherigen theoretischen Erkenntnissen und empirischen Ergebnissen der drei Themenkomplexe befassen. Nach einer Betrachtung der möglichen Zusammenhänge zwischen diesen Aspekten schließt sich der empirische Teil der Arbeit an, in dem die Auswertung der erhobenen Daten erfolgt.
II. Theoretische Grundlagen
1. Trennung und Scheidung und ihre Folgen für die Kinder
1.1 Ansätze der Scheidungsforschung
In den USA wird bereits seit den 20er Jahren rege Scheidungsforschung betrieben, in Deutschland dagegen erst seit den 80ern. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Scheidung bis in die 90er hinein aufgrund gegensätzlicher moralischer, politischer und religiöser Wertvorstellungen ein spannungsgeladenes Thema war (Maier-Aichen, 2001). Noch bis ins 20. Jahrhundert galt sie als zu sanktionierende moralische Verfehlung und später als pathologisches Problem, das therapeutischer Behandlung bedarf (Rottleuthner-Lutter, 1989). Erst heute sieht man die Scheidung als einen möglichen Weg Konflikte zu beenden.
Die Lösung einer Ehe wird zunehmend akzeptiert, wenn sie sich als unglücklich herausstellt. Natürlich ist die Scheidung weiterhin als kritisches Lebensereignis im Sinne von Filipp (1990) zu betrachten, doch die veränderte Sichtweise hat in der empirischen Scheidungsforschung zu einem Wandel geführt. Der ursprüngliche Defizitansatz betrachtete Scheidungsfamilien aus einem klinisch-therapeutischen Blickwinkel, im Vergleich zur intakten und oft idealisierten Normalfamilie, als grundsätzlich defizitär. Die Auflösung der Ehe galt als persönliches Scheitern der Eltern, von dem man zwangsläufig katastrophale Folgen für die betroffenen Kinder erwartete1. Geschiedene wurden diskriminiert und die Kinder aus den so genannten „broken homes“ bedauert, so dass es in einer Art selffulfilling- prophecy tatsächlich zu ungünstigen Entwicklungen der Kinder kam. In früheren Studien wurden zunächst vollständige und unvollständige Familien gegenübergestellt, ohne z.B. zwischen Scheidungs- und Witwenfamilien zu differenzieren. Ziel war dabei von vorneherein die negativen Auswirkungen eines Vaterverlustes zu untersuchen.
Allmählich fand man heraus, dass die Art des Vaterverlustes aber durchaus eine Rolle spielt und Scheidung wurde in der Folgezeit als besonders negative Form gewertet. Diese monokausalen Ansätze kamen dann auch übereinstimmend zu den erwarteten Ergebnissen. Neben den bereits benannten Mängeln wurde etwa ab den 70er Jahren allmählich deutlich, dass das Vorgehen einer kritischen Prüfung nicht standhält. So wurden positive Veränderungen über die Zeit nicht beachtet, ebenso wenig wie weitere Einflussgrößen etwa aus dem sozioökonomischen Bereich, es fand eine einseitige Orientierung an quantitativen Aspekten der Beziehung zum Vater statt und die Perspektive der Kinder wurde nicht einbezogen. Hinzu kommt die Dominanz klinischer Stichproben, d.h. es wurden v.a. Kinder aus Scheidungsfamilien betrachtet, die bereits psychologischtherapeutische Hilfe in Anspruch genommen hatten. Nicht selten wurden die Daten zur Vaterabwesenheit sogar nur als Randprodukt in Studien mit anderer Fragestellung erhoben2. So ließ sich die Liste methodischer Mängel weiter fortsetzen.
[...]
1 z.B. Verhaltensauffälligkeiten, Schulversagen, psychische Störungen, geschlechtsrollenatypische Verhaltensweisen, Bindungsunfähigkeit
2 In solchen Studien besteht jedoch der Vorteil, dass man auch über Daten aus der Zeit vor der Scheidung verfügt, wogegen explizite Scheidungsstudien i.d.R. erst nach der Trennung der Eltern einsetzen.
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Untersuchung zum Thema Unterschiede zwischen Scheidungskindern und Non Scheidungskindern im Umgang mit Liebesbeziehungen
Authors: Hermann Sinz, Monika Höck, Elisabeth PostlPsychology - Social Psychology, 2002 Download as PDF-file for 13,99 EUR
Der Zusammenhang zwischen dem Erfolg einer Partnerschaft und der Geschwisterposition beider Partner in der Ursprungsfamilie
Author: Anja LangePsychology - Social Psychology, 2001 Download as PDF-file for 19,99 EUR
Braucht die Partnerschaft noch die Ehe?
Author: Stephanie KochSociology - Gender Studies, 2005 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Vergleich christlicher und nichtreligiöser Partnerschaften - Eine Fragebogenstudie
Author: Klaus Westhäuser-RüttingerPsychology - Psychology of Religion, 2004 Download as PDF-file for 34,90 EUR
Die Bindungstheorie nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Author: Andreas KrumwiedePsychology - Developmental Psychology, 2001 Download as PDF-file for 5,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: