Autor: Marlen Schieler
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Institution/Hochschule: Universität Bayreuth
Jahr: 2004
Seiten: 28
Note: 2.0
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 719 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45101-7
Textauszug (computergeneriert)
Kindheit und Jugend auf Samoa –
M. Mead und ihre Forschung
von: Marlen Schieler
Wintersemester 2003/2004
Gliederung
1. Einleitung S. 2
2. Kurzer Überblick über die von Mead erforschte Region S. 3
3. Alltag und Erziehung in Samoa nach M.Mead S. 4
3.1 Geburt und Erziehung S. 5
4. Meads Fragestellung, Voraussetzungen und Ergebnisse S.10
5. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt in und Kritik an Meads Ergebnissen unter besonderer Berücksichtigung D.Freemans S.14
5.1 Meads Forschung S. 14
5.2 Vorlauf, Vorbereitung und Vorgehensweise der Forschung S.15
5.3 Mead auf Samoa: Forschung und Thesen S.17
5.4 Meads Reaktionen auf Kritik S.24
6. Zusammenfassung S.24
Literaturverzeichnis S.27
1. Einleitung
Erziehung – ein vieldiskutiertes Thema in der heutigen Zeit. Wie entwickelt sich der Mensch, was kann Erziehung dabei bewirken und was steht schon unabänderlich fest? Diese und andere Fragen beschäftigen die Wissenschaft seit langem. Auch Margaret Mead hat sich hierfür interessiert und zu diesem Zeck eine von der amerikanischen Gesellschaft vollkommen verschiedene Kultur, nämlich die der Samoaner, untersucht. Ihr Anliegen war vor allem herauszufinden, ob die in Amerika für junge Menschen so problematische Phase der Adoleszenz notgedrungen eine so schwere Zeit sein muss. Die Ergebnisse dieser Forschung veröffentlichte Mead 1928 in ihrem Buch „Coming of Age in Samoa“, dass ein Bestseller wurde und „Meads Weltruf als Anthropologin einleitete“1. Allerdings gab es auch immer wieder kritische Stimmen, vor allem ab 1983, als die so genannte „Samoa-Kontroverse“, die sich „mittlerweile zu einem Dauerstreit in der Ethnologie entwickelt hat“2, ihren Anfang nahm. Ausgelöst wurde sie durch den neuseeländischen Ethnologen Derek Freeman, der vor allem Meads grundlegende Annahme, der Mensch sei bei seiner Geburt ein unbeschriebenes Blatt und somit ließe sich durch kulturelle Einflüsse und Erziehung eine bessere Gesellschaft konstruieren, attackiert, jedoch auch ihre gesamte Samoa- Darstellung kritisch hinterfragt.
Das gewählte Thema ist äußerst komplex, besonders wenn man die Samoa- Kontroverse näher betrachtet. Insofern werden in der vorliegenden Arbeit einige Aspekte ausgewählt und näher betrachtet, da eine vollständige Untersuchung den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde. Hier soll es um die Frage gehen, wie das Ergebnis von Meads Forschung in Bezug auf Kindheit und Jugend in Samoa sowie ihre Hauptthesen aussehen und inwieweit dieses Ergebnis der Wahrheit über die tatsächliche Lebensweise junger Samoanerinnen entspricht. Zu diesem Zweck wird zunächst ein Eindruck von dem Alltag und der Erziehung in Samoa, ausgehend von Meads Schilderungen, gegeben. Im Anschluss daran werden die Voraussetzungen und Ausgangsthesen Meads, mit denen sie ihre Forschungsreise antrat, sowie ihre aus der Forschung resultierenden Endthesen genauer betrachtet. Dann wird ihr gesamtes Forschungsprojekt mitsamt seinen Ergebnissen unter Einbeziehung Derek Freemans kritisch betrachtet (ohne jedoch näher auf die Kontroverse einzugehen) und auf seinen Wahrheitsgehalt hin geprüft, bevor abschliessend die wichtigsten Punkte dieser Arbeit noch einmal zusammengefasst werden.
2. Kurzer Überblick über die von Mead erforschte Region aus: Freeman 1983, S.136
Mead forschte im Jahr 1925 neun Monate lang in der Südsee im Osten Samoas. Drei Monate verbrachte sie auf Tutuila und die restliche Zeit in drei Dörfern an der Küste der kleinen Insel Tau im Manu’a–Archipel, die „von einer braunen polynesischen Bevölkerung“3 bewohnt wird. Ihr besonderes Interesse galt der weiblichen Jugend, da sie als Frau mehr Vertrauen bei Mädchen zu finden glaubte und außerdem der Situation nur weniger Informationen über „primitive Mädchen“ durch überwiegend männliche Feldforscher Abhilfe schaffen wollte. Zunächst erforschte sie laut eigener Aussage alle Lebensgewo hnheiten dieser Mädchen mit dem Ziel, sie kennen und verstehen zu lernen um dann auf den Kern ihres Problems, die Frage nach dem Verlauf der Adoleszenz, zu kommen. Um letzteres tun zu können, war es nach ihrer Aussage nötig, erst die Zeit vor der Adoleszenz, also die Kindheit, genauer anzuschauen. 4
3. Alltag und Erziehung auf Samoa nach Margaret Mead
Die folgende Darstellung beruht auf Margaret Meads „Kindheit und Jugend in Samoa“. Die Schilderung Meads über einen „Tag in Samoa“ liest sich mehr wie ein Roman als eine wissenschaftliche Arbeit.5 Nach einer unbehaglichen, „von Geistern bevölkerten“6 Nacht beginnt mit dem Morgengrauen der Tag in Samoa und jeder beginnt mit seiner Tagesbeschäftigung, begleitet von „fröhlichen Zurufen“7. Mittags kehrt Ruhe ein in dem kleinen Dorf, da die Hitze das Arbeiten zu beschwerlich machen würde. Erst bei Sonnenuntergang wird es wieder lebendig. Die Fischer kehren heim, „Kinder, vom Nachmittagsschlaf erfrischt und ohne besondere Pflichten spielen im Kreis unter dem Halbschatten des Spätnachmittags“8. Nachdem die „Sonne wie eine große Flamme“ untergegangen ist versammeln sich die Menschen in ihren Häusern zum Abendbrot. „Zuerst verzehrt das Familienoberhaupt seine Abendmahlzeit, dann folgen die Frauen und Kinder und zuallerletzt die geduldigen Knaben.“9
[...]
1 Zanolli 1990, S.301
2 Bargatzky 2001, S.633
3 Mead 1971, S.36
4 Mead 1979, S.61
5 Für diese Nähe besonders ihrer Monographien zur Belletristik durch deren Hang zur „typisierenden Überzeichung“ (Müller/Treml 2002, S.128) ist Mead kritisiert worden.
6 Mead 1971, S.41
7 ebd. S.41
8 ebd. S.43
9 ebd. S.44
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