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Hausarbeit, 2005, 25 Seiten
Autor: Marcel Bohnert
Fach: Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Details
Institution/Hochschule: Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg (Professur für Allgemeine Pädagogik unter Berücksichtigung ihrer systematischen und philosophischen Grundlagen)
Tags: Konstruktion, Wirklichkeit, Massenmedien, Wissen, Nichtwissen
Jahr: 2005
Seiten: 25
Note: 1,0 (sehr gut)
Literaturverzeichnis: ~ 26 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-45150-5
ISBN (Buch): 978-3-638-91176-4
Dateigröße: 584 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Seit jeher steht im Zentrum der Massenkommunikationsforschung die Frage: Wie verhalten sich Medien und Realität zueinander? Diese Arbeit soll, ausgehend von der These, dass Massenmedien nur einen Interpretations- und Orientierungsrahmen für Ereignisse liefern2, die Sicherheit der medial vermittelten Fakten in Frage stellen. Ihr Einfluss soll als komplexer Prozess vorgestellt werden, in dessen Verlauf sich Wirklichkeitsentwürfe herausbilden, die letztendlich zu einer ganz eigenen Realität führen. Die Aussage, dass alles, was wir über die Welt zu wissen glauben, nur eine medial geprägte Konstruktion darstellen soll, erscheint zunächst befremdlich. In der Wissenschaft wird die naive Abbildposition in Bezug auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit jedoch schon seit einiger Zeit nicht mehr vertreten. Der naive Empirismus, dessen Maxime die Anhäufung von Tatsachen ist, die am Ende zu einer Wahrheit addiert werden, ist in Bezug auf Massenmedien nicht mehr aktuell. Die radikalen Konstruktivisten kämpfen hier gegen die intuitive Auffassung breiter Bevölkerungsschichten. Den Verdacht, dass das medial vermittelte Wissen manipuliert wird, hat der Grossteil der Rezipienten von Massenmedien sowieso. Doch wirkt sich dieses Gegenwissen aus? Kann man sich im Bewusstsein dieser Manipulationsversuche gegen eine verfälschte Wahrnehmung der Wirklichkeit wehren? Ist die Welt an sich durch Medien überhaupt erfahrbar? Sind Medien nicht vielmehr selektiv und verzerren die eigenen Informationsmöglichkeiten schon von vornherein? Wird nicht vielmehr verschleiert als die Sicherheit der Fakten gewährleistet? Es scheint, als bilde sich unsere Auffassung von Realität durch medieneigene Gesetzmäßigkeiten. In den folgenden Ausführungen wird sich der Thematik durch eine Standortbestimmung von Systemtheorie und Konstruktivismus im Theorienspektrum der Medienwissenschaft genähert. Anschließend werden verschiedene kommunikationstheoretische Modelle vorgestellt, wodurch ersichtlich werden soll, dass sich Medienkommunikation nicht mehr als linearer Prozess verstehen lässt. Schließlich werden verschiedene Theorien vorgestellt, die die Selektivität und Subjektivität der Massenmedien verdeutlichen.
Textauszug (computergeneriert)
Die Konstruktion der Wirklichkeit durch die Massenmedien
von: Marcel Bohnert
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 4
2 Verortung der Medienwissenschaft 5
2.1 Theorienspektrum 5
2.2 Definitionen 6
2.2.2 Medien 6
2.2.3 Massenmedien 7
3 Kommunikation 8
3.1 Kommunikationstheoretische Modelle 8
3.1.1 Das klassische Paradigma 8
3.1.2 Die Lasswellformel 9
3.1.3 Das System der Massenkommunikation 9
3.2 Kommunikation der Massenmedien 11
4 Realität der Massenmedien 12
4.1 Die »ptolemäische« und die »kopernikanische« Auffassung 12
4.2 Nachrichtenfaktoren 13
4.3 Skandaltheorie 14
4.4 Realität zweiter Ordnung 15
4.5 Risikowahrnehmung 16
4.6 Systemgeheimnisse 17
4.7 Medienethik und Journalismus 17
5 Fazit 20
Literaturverzeichnis 23
„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die
Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch
die Massenmedien.“1
Niklas Luhmann
1. Einleitung
Seit jeher steht im Zentrum der Massenkommunikationsforschung die Frage: Wie verhalten sich Medien und Realität zueinander? Diese Arbeit soll, ausgehend von der These, dass Massenmedien nur einen Interpretations- und Orientierungsrahmen für Ereignisse liefern2, die Sicherheit der medial vermittelten Fakten in Frage stellen. Ihr Einfluss soll als komplexer Prozess vorgestellt werden, in dessen Verlauf sich Wirklichkeitsentwürfe herausbilden, die letztendlich zu einer ganz eigenen Realität führen. Die Aussage, dass alles, was wir über die Welt zu wissen glauben, nur eine medial geprägte Konstruktion darstellen soll, erscheint zunächst befremdlich. In der Wissenschaft wird die naive Abbildposition in Bezug auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit jedoch schon seit einiger Zeit nicht mehr vertreten. Der naive Empirismus, dessen Maxime die Anhäufung von Tatsachen ist, die am Ende zu einer Wahrheit addiert werden, ist in Bezug auf Massenmedien nicht mehr aktuell. Die radikalen Konstruktivisten kämpfen hier gegen die intuitive Auffassung breiter Bevölkerungsschichten. Den Verdacht, dass das medial vermittelte Wissen manipuliert wird, hat der Grossteil der Rezipienten von Massenmedien sowieso. Doch wirkt sich dieses Gegenwissen aus? Kann man sich im Bewusstsein dieser Manipulationsversuche gegen eine verfälschte Wahrnehmung der Wirklichkeit wehren? Ist die Welt an sich durch Medien überhaupt erfahrbar? Sind Medien nicht vielmehr selektiv und verzerren die eigenen Informationsmöglichkeiten schon von vornherein? Wird nicht vielmehr verschleiert als die Sicherheit der Fakten gewährleistet? Es scheint, als bilde sich unsere Auffassung von Realität durch medieneigene Gesetzmäßigkeiten. In den folgenden Ausführungen wird sich der Thematik durch eine Standortbestimmung von Systemtheorie und Konstruktivismus im Theorienspektrum der Medienwissenschaft genähert. Anschließend werden verschiedene kommunikationstheoretische Modelle vorgestellt, wodurch ersichtlich werden soll, dass sich Medienkommunikation nicht mehr als linearer Prozess verstehen lässt. Schließlich werden verschiedene Theorien vorgestellt, die die Selektivität und Subjektivität der Massenmedien verdeutlichen.
2 Verortung der Medienwissenschaft
Im folgenden Kapitel soll durch Aufzeigen der vielfältigen relevanten Theorien und wichtiger Definitionen eine Standortbestimmung der Massenmedien erreicht und ein Verständnis für die in dieser Arbeit vorgenommene Betrachtungsweise ermöglicht werden.
2.1 Theorienspektrum
Um die Vielfalt der Theorien, die in den Medienwissenschaften Anwendung finden, abzubilden, stellt Stefan Weber im Jahre 2003 sein Modell vom »Theorien-Raum der Medienwissenschaft« (Abbildung 1) zur Diskussion. Dabei werden alle gegenwärtig verfügbaren Theorien für die Medienwissenschaft in einem dreidimensionalem Raum positioniert. Auf der x-Achse wird die Dimension »(techno-)pessimistisch/ (techno-)optimistisch«, auf der y-Achse die Dimension »Komplexität und Abstraktionsgrad niedrig/ Komplexität und Abstraktionsgrad hoch« und auf der z- Achse die Dimension »Einzelmedientheorie/ Theorie für viele Medien« dargestellt. Abbildung 1: Theorien-Raum der Medienwissenschaft3 Die Systemtheorie und der radikale Konstruktivismus sind als hochkomplexe Theorien mit hohem Abstraktionsgrad erkennbar. Auch wenn Weber einen Theorien- Pluralismus vertritt4, kommt man um eine Erwähnung der Sonderstellung beider Theorien nicht umhin: Sie erheben Anspruch auf die Abdeckung des gesamten Bereiches der Wirklichkeit.5 Durch diesen Totalisierungsanspruch spricht man auch von Supertheorien oder Universaltheorien. 6 Ziel dieser Arbeit ist es, die Konstruktion der Wirklichkeit durch die Medien vorrangig auf Grundlage dieser Theorien zu untersuchen.
2.2 Definitionen
[...]
1 Luhmann 1996, S. 9
2 Vgl. Schmidt 1994, S. 17
3 Weber 2003, S. 334
4 Vgl. Weber 2003, S. 335
5 Vgl. Luhmann 1987, S. 33
6 Vgl. Krause 2001, S. 225
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