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Autor: Franziska Irsigler
Fach: Geschichte - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Details
Institution/Hochschule: Universität Trier
Tags: Faule, Verbrecher, Roma, Sinti, Weimarer, Republik, Diskriminierung, Umsetzung, Hygiene, Sozialhygiene, Eugenik, Jahrhundert
Jahr: 2005
Seiten: 28
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 311 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45202-1
ISBN (Buch): 978-3-638-70831-9
Solide Arbeit, die sich noch stärker mit der Rolle der Polizei hätte beschäftigen sollen. Da es zu dem spezifischen Thema kaum Literatur und Quellen gibt, ist diese Arbeit ein guter Einstieg, wenn man sich dafür interessiert.
Zusammenfassung / Abstract
Die Sinti und Roma, abwertend als ‚Zigeuner’ bezeichnet, wurden über alle Jahrhunderte diskriminiert und verfolgt. Fremdartig aussehend, eine eigene Sprache sprechend und mit eigenen Sitten und Riten, riefen sie bei der einheimischen Bevölkerung des deutschen Reiches, wann immer sie auftauchten, Abneigung, Angst oder Widerwillen hervor. Vor allem die Polizeibehörden machten die Roma zu ihrem Problem: Einbrüche, Diebstähle und Betteleien zählten vornehmlich zu den Hauptdelikten der Sinti und Roma. Doch wie kam es von diesen Vorstellungen, Erfahrungswerten und Klischees zu der massenhaften Vernichtung von Zigeunern im Nationalsozialismus? Wie wurde die Verbindung geschaffen, die störende und fremde, aber nichtsdestotrotz deutsche (bzw. preußische, bayerische...) Mitbürger zu Menschen ‚zweiter Klasse’ machte? Um diese Fragen zu lösen, werden zuerst die Grundbedingungen, der ‚Nährboden’ der rassistischen Diskriminierung, dargestellt, die dann in den ersten Ansätzen, welche vornehmlich durch Moritz Grellmann und Cesare Lombroso entstanden, junge Triebe zeigen. Außerdem muss auf die Dialektik der Zigeunerdiskriminierung eingegangen werden, welche sich vor allem in der fehlgeschlagenen Ansiedlung und damit einhergehenden Nutzbarkeit ihrer Arbeitskraft äußert. Anschließend wird die Zigeunerverfolgung während der Weimarer Republik in drei Teilen behandelt: zuerst werden rassistische Schriften vorgestellt, die vor allem die Ein- und Vorstellungen der damaligen deutschen Bevölkerung eindringlich dokumentieren. Das bayerische Zigeuner – Gesetz im zweiten Teil zeigt, wohin solche Vorstellungen führen: Die Beschränkungen und Verbote, die den Sinti und Roma auferlegt wurden, stellen für die Autorin einen rassistischen Höhepunkt während der Weimarer Republik dar. Der dritte Teil zeigt anhand einer einzelnen Äußerung von Hans F. K. Günther, wohin die gesetzlichen und polizeilichen Beschränkungen der ziganistischen Lebensweise führen können und werden. In der Zeit zwischen 1919 und 1932 gibt es kaum rassenhygienische Schriften, die sich mit den Roma beschäftigten. Dies stellte den Anreiz dar, genau diese Lücke zu schließen und die rassenanthropologische Entwicklung der Zigeunerverfolgung in diesem Zeitraum zu untersuchen.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Trier Franziska Irsigler
Fachbereich III: Neuere und Neueste Geschichte
HS: ‚Hygiene, Sozialhygiene und Eugenik im 19. und frühen 20. Jahrhundert’
Sommersemester 2005
Faule Verbrecher - Roma und Sinti in der Weimarer
Republik. Zur rassistischen Diskriminierung und
ihrer praktischen Umsetzung
von: Franziska Irsigler
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 03
2. Sinti und Roma – Wer sind die ‚Zigeuner’? 04
3. Die Grundbedingungen 05
a) Die historische Situation 06
b) Das ‚Andere’ 09
c) Sesshaftigkeit gegen Nomadentum 10
4. Grundlagen der rassischen Stigmatisierung – Arbeit als Konstruktionsmodell 11
5. Zigeunerverfolgung während der Weimarer Republik 14
a) Rassistisches Schrifttum 17
b) Das bayerische Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetz und seine Folgen 17
c) Hans Friedrich Karl Günther 22
6. Schlussbetrachtung 23
7. Literaturverzeichnis 25
8. Anhang 27
1. Einleitung
Die Sinti und Roma, abwertend als ‚Zigeuner’ bezeichnet, wurden über alle Jahrhunderte diskriminiert und verfolgt. Fremdartig aussehend, eine eigene Sprache sprechend und mit eigenen Sitten und Riten, riefen sie bei der einheimischen Bevölkerung des deutschen Reiches, wann immer sie auftauchten, Abneigung, Angst oder Widerwillen hervor. Vor allem die Polizeibehörden machten die Roma zu ihrem Problem: Einbrüche, Diebstähle und Betteleien zählten vornehmlich zu den Hauptdelikten der Sinti und Roma. Doch wie kam es von diesen Vorstellungen, Erfahrungswerten und Klischees zu der massenhaften Vernichtung von Zigeunern im Nationalsozialismus? Wie wurde die Verbindung geschaffen, die störende und fremde, aber nichtsdestotrotz deutsche (bzw. preußische, bayerische...) Mitbürger zu Menschen ‚zweiter Klasse’ machte?
Um diese Fragen zu lösen, werden zuerst die Grundbedingungen, der ‚Nährboden’ der rassistischen Diskriminierung, dargestellt, die dann in den ersten Ansätzen, welche vornehmlich durch Moritz Grellmann und Cesare Lombroso entstanden, junge Triebe zeigen. Außerdem muss auf die Dialektik der Zigeunerdiskriminierung eingegangen werden, welche sich vor allem in der fehlgeschlagenen Ansiedlung und damit einhergehenden Nutzbarkeit ihrer Arbeitskraft äußert. Anschließend wird die Zigeunerverfolgung während der Weimarer Republik in drei Teilen behandelt: zuerst werden rassistische Schriften vorgestellt, die vor allem die Ein- und Vorstellungen der damaligen deutschen Bevölkerung eindringlich dokumentieren. Das bayerische Zigeuner – Gesetz im zweiten Teil zeigt, wohin solche Vorstellungen führen: die Beschränkungen und Verbote, die den Sinti und Roma auferlegt wurden, stellen für die Autorin einen rassistischen Höhepunkt während der Weimarer Republik dar. Der dritte Teil zeigt anhand einer einzelnen Äußerung von Hans F. K. Günther, wohin die gesetzlichen und polizeilichen Beschränkungen der ziganistischen Lebensweise führen können und werden.
Diese Hausarbeit, welche sich dem Seminar ‚Hygiene, Sozialhygiene und Eugenik im 19. und frühen 20. Jahrhundert’ anschließt, weist eine recht komplizierte Entstehungsgeschichte auf. Das eigentliche Thema sollte die ‚Entwicklung des anthropologischen Rassediskurses während der Weimarer Republik’ unter Berücksichtigung einer bestimmten Zielgruppe, wie z. B. der Sinti und Roma, sein. Während der Recherche stellte die Autorin fest, dass es in der Zeit zwischen 1919 und 1932 kaum rassenhygienische Schriften gab, die sich mit den Roma beschäftigten. Auch in den Überblicksdarstellungen, sei es zur Weimarer Republik, sei es zu den Sinti und Roma, wurde diese Zeit oder dieses Thema einfach übersprungen. Dies stellte den Anreiz dar, genau diese Lücke zu schließen und die rassenanthropologische Entwicklung der Zigeunerverfolgung in diesem Zeitraum zu untersuchen. Das Fehlen explizit rassenhygienischer Schriften führte dazu, dass Gesetze und kriminalistische Ausführungen hinzugenommen und somit die anthropologisch-theoretische Diskriminierung durch die praktische Verfolgung ergänzt wurde. Obgleich somit das endgültige Format stark vom Beabsichtigten abweicht, werden doch Resultate präsentiert, die für die Verfolgung und Diskriminierung der Sinti und Roma unter einem rassenhygienischem Standpunkt aufschlussreich sind.
2. Sinti und Roma – Wer sind die ‚Zigeuner’?
Der mit Vorurteilen und Ideologien behaftete Begriff ‚Zigeuner’, der zeitweise sogar als Beschimpfung benutzt wurde, ist natürlich nicht die richtige Bezeichnung für ein ursprünglich aus Indien stammendes Volk der Sinti und Roma. Außerhalb des deutschsprachigen Raumes ist ‚Roma’ der Sammelbegriff für alle Zigeuner, auch für Sinti. ‚Roma’ bedeutet in der ‚Romanes’ genannten Sprache soviel wie ‚Mann oder Mensch’. Die Sinti sind die älteste in Deutschland nachweisbare Romagruppe. Sie flohen vor etwa 600 - 700 Jahren nach Westeuropa und waren traditionell Musiker, Geigenbauer, Handwerker und Händler. Der Name leitet sich vermutlich von der indischen Provinz Sind und dem Fluss Sindhu ab. Auch die Sinti bezeichnen sich oberbegrifflich als Roma. Ihre Sprache ist wie die der Roma das Romanes, welche ihren Ursprung wahrscheinlich im Sanskrit hat.
Im deutschen Sprachraum wird der Begriff ‚Roma’ für alle Zigeuner verwendet, die in der zweiten Hälfte des 19. und 20. Jahrhunderts aus Südosteuropa nach Mitteleuropa kamen. ‚Sinti’ sind demnach die Zigeuner, die bereits vorher nach Mitteleuropa zogen. Ihnen allen ist die indische Herkunft gemeinsam, die sich neben historischen Überlieferungen auch durch die Ableitung ihrer Sprache belegen lässt. Zum heutigen Zeitpunkt leben in der Bundesrepublik Deutschland nach Schätzungen 70.000 bis 110.000 deutsche Roma, die Gesamtpopulation beträgt ungefähr zwölf Millionen. Die Sinti und Roma leiden auch heute noch unter Verfolgung und starker Diskriminierung. Die Roma weisen fast überall die höchsten Analphabetenquoten auf und leben oft in eigenen Siedlungen oder Ghettos, welche meistens im Zuge erzwungener Sesshaftmachung in geringer Qualität und schlechter Infrastruktur errichtet wurden. Manche Roma sind noch heute Staatenlose. In Europa haben sich zwei unterschiedliche Fremdbezeichnungen eingebürgert: Dies ist zum einen die Bezeichnung als ‚Zigeuner’, zum anderen als ‚Gitanen’, welcher vor allem in Spanien, England und Teilen Frankreichs verwendet wird. Der Begriff ‚Zigeuner’ leitet sich wahrscheinlich vom persischen Wort ‚Ciganch’ (Musiker oder Tänzer) ab, auch möglich als Ursprungswort ist das persische ‚asinkan’ (Schmiede). Die Bezeichnung als ‚Gitane’ beruht auf der ursprünglichen Vermutung, die Urheimat der Roma hätte sich in Ägypten befunden.
3. Die Grundbedingungen
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