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Aggressionen im Grundschulalter - Ein Training zum Abbau aggressiven und zur Förderung prosozialen Verhaltens

Autor: Diplom-Sozialpädagogin Alexandra Weisberg
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit

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Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 166
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 130  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 797 KB
Archivnummer: V48675
ISBN (E-Book): 978-3-638-45311-0
ISBN (Buch): 978-3-638-85200-5

Zusammenfassung / Abstract

Aggression ist ein allgegenwärtiges Phänomen im Alltag. Berichte über Aggressionen in der Schule häufen sich und Forschungsergebnisse der letzten Jahre bestätigen eine Zunahme der Gewalt unter Schülern. Es gibt umfangreiche Veröffentlichungen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Wenn man aggressive Verhaltensweisen vermindern will, muss man zunächst die Ursachen von Aggressivität aufzeigen und die Faktoren herausstellen, die aggressive Verhaltensweisen begünstigen können. Der erste Teil der Arbeit gibt einen Überblick über unterschiedliche Formen, Auftretenshäufigkeiten sowie Geschlechterunterschiede von Aggression als Form kindlicher Verhaltensauffälligkeit. Es sind unterschiedliche Erklärungsmodelle für aggressive Verhaltensweisen dargestellt. Da das Kind in seiner Entwicklung vielschichtigen Einflüssen unterliegt, sind die Faktoren, die die Entstehung und Aufrechterhaltung aggressiven Verhaltens begünstigen, erläutert. In einem weiteren Kapitel wird prosoziales Verhalten klassifiziert. Die Bedingungen und die Entwicklung prosozialer Verhaltensweisen finden Erläuterung. Anschließend sind unterschiedliche Präventions- und Interventionsansätze, die versuchen die verschiedenen Faktoren in der Umgebung des Kindes positiv zu beeinflussen, vorgestellt. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit dem Training zum Abbau aggressiven und zur Förderung prosozialen Verhaltens. Das Training ist vorgestellt und beschrieben. Die Inhalte der einzelnen Stunden und Übungen sind dargestellt. Zur Effektüberprüfung wurde ein Beobachtungsbogen für aggressive und prosoziale Verhaltensweisen und ein Beobachtungsbogen zur Trainingsmitarbeit der Kinder herangezogen. Die Beobachtungen erfolgten durch zwei unabhängige Beobachter. Des weiteren wurden die sozialen Kompetenzen der Kinder zu Beginn und am Ende des Trainings anhand eines Rollenspiels überprüft. Mit Hilfe dieser drei Methoden wurde der Erfolg des Programms untersucht.

Textauszug (computergeneriert)

 Fachhochschule Düsseldorf
 Fachbereich Sozialpädagogik
Diplomarbeit

Aggressionen im Grundschulalter
Ein Training zum Abbau aggressiven undzur Förderung prosozialen Verhaltens

eingereicht von:
Alexandra Weisberg

 Mai 2002

 

Inhaltsverzeichnis
 

Einleitung ... 5

Teil I ... 6

1. Aggression als Form kindlicher Verhaltensauffälligkeit... 6

1.1 Aggression...6

1.2 Funktionen und Formen von Aggression ... 7
1.2.1 Die expressive Aggression ... 7
1.2.2 Die instrumentelle Aggression ... 7
1.2.3 Die angstmotivierte Aggression ... 7
1.2.4 Die relationale Aggression ... 9

1.3 Klassifikation und Epidemiologie der aggressiven Störung... 11
1.3.1 Klassifikation...11
1.3.2 Epidemiologie der aggressiven Störung ... 15
1.3.3 Geschlechterunterschiede in der Auftretenshäufigkeit und Symptomatik aggressiver Verhaltensauffälligkeiten... 17

1.4 Entwicklungsverlauf aggressiver Verhaltensweisen ... 19

2. Theorien zur Entstehung des Phänomens Aggression... 24

2.1 Die Triebtheorie nach Sigmund Freud ... 24

2.2 Das Instinktmodell nach Konrad Lorenz... 24

2.3 Die Frustrations-Aggressions-Theorie ... 26

2.4 Lerntheoretische Ansätze ... 28
2.4.1 Lernen am Modell nach Albert Bandura ... 28
2.4.2 Klassisches Konditionieren ...30
2.4.3 Operantes Konditionieren...30

2.5 Multifaktorielle Modelle ... 32

3. Risikofaktoren aggressiven Verhaltens ... 34
3.1 Genetische, prä- und perinatale Faktoren ... 34
3.2 Familiäre Faktoren... 35
3.3 Peer Beziehungen ... 40
3.4 Intelligenz und schulische Leistungen... 42
3.5 Kognitive und soziale Fertigkeiten... 43
3.6 Psychische Begleiterkrankungen... 45
3.7 Schutzfaktoren... 47

4. Prosoziales Verhalten... 48
4.1 Klassifikation prosozialer Verhaltensweisen... 48
4.2 Entwicklung prosozialen Verhaltens... 49
4.3 Bedingungen prosozialen Verhaltens ... 50

5. Prävention und Intervention im Grundschulalter – Verschiedene Lösungsansätze ...51

5.1 Elterntrainingsprogramme... 51

5.2 Kindzentrierte Programme ... 53
5.2.1 Trainings zur Förderung sozialer und kognitiver Fertigkeiten... 53
5.2.2 Trainings zur Förderung sozialer Kontakte zu Gleichaltrigen ... 56

5.3 Trainingsprogramme mit Lehrern ... 57

5.4 Multimodale Verhaltenstrainings ... 58

5.5 Multimodales Verhaltenstraining nach Petermann und Petermann ... 58
5.5.1 Gesamtaufbau ...58
5.5.2 Ziele des Trainings mit dem Kind ... 59
5.5.3 Ziele des Trainings mit den Eltern ... 61
5.5.4 Evaluation der Ergebnisse ... 62
5.5.5 Ausblick...63


Teil II ... 64

6. Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines Trainings im Rahmen einer Hausaufgabenbetreuung von Grundschülern... 64

7. Planung eines Trainings zum Abbau von aggressiven und zur Förderung prosozialen Verhaltens...70

7.1 Rahmenbedingung der Einrichtung... 70

7.2 Rahmenbedingung der Gruppe... 71
7.2.1 Kurzbeschreibung der einzelnen Kinder ... 71
7.2.2 Gruppensituation ...76
7.2.3 Stabilität der Gruppe... 77
7.2.4 Heterogenität der Gruppe ... 77

7.3 Gliederung und Ablauf des Trainings ... 78

7.4 Techniken und Inhalte des Trainings ... 78

8. Dokumentation des Verlaufs des Konzepts... 81

8.1 Stundenübergreifende Ziele... 81

8.2 Erste Stunde: Einfühlungsvermögen fördern ... 82
8.2.1 Spezifische Ziele und Ablauf ... 82
8.2.2.1 Erarbeitung gemeinsamer Regeln... 82
8.2.2.2 Spieleinheit„Roboter“... 83
8.2.2.3 Entspannungsphase „Ein kleiner Delphin“... 84
8.2.2.4 Rollenspiel: Das Igelspiel... 84
8.2.2.5 Reflexion ... 85
8.2.2.6 Übertragung auf den Alltag ... 85

8.3 Zweite Stunde: Differenzierte Wahrnehmung... 87
8.3.1 Spezifische Ziele und Ablauf ... 87
8.3.1.1 Spieleinheit „Kippbilder“ ... 87
8.3.1.2 Entspannungsphase „Zauberteppich“ ... 88
8.3.1.3 Spieleinheit: „Gefühle richtig zuordnen“ ... 88
8.3.1.4 Der Detektivtest... 89
8.3.1.5 Reflexion und Übertragung auf den Alltag ... 89

8.4 Dritte Stunde: Kooperation (und Kommunikation) fördern... 90
8.4.1 Spezifische Ziele und Ablauf ... 90
8.4.1.1 Spieleinheit: Partnerübung: „Rettungsboot“ ... 90
8.4.1.2 Entspannungsphase „Insel“ ... 91
8.4.1.3 Spieleinheit „Das Eselsbild“ ein Konfliktpuzzle... 91
8.4.1.4 Reflexion: Übertragung auf den Alltag ... 91
8.4.1.5 Rollenspiel... 92
8.4.1.6 Reflexion: alternative Lösungen finden ... 92

8.5 Vierte Stunde: Gefühle erkennen... 94
8.5.1 Spezifische Ziele und Ablauf ... 94
8.5.1.1 Maskenball ... 94
8.5.1.2 Entspannungsgeschichte „Dunkle Wolke“... 95
8.5.1.3 Spieleinheit: verschiedene Gesichts- und Gefühlsausdrücke ... 95
8.5.1.4 Reflexion: Übertragung auf den Alltag ... 95
8.5.1.5 Pantomimisches Rollenspiel... 96

8.6 Fünfte Stunde: Aktives Zuhören ... 97
8.6.1 Spezifische Ziele und Ablauf ... 97
8.6.1.1 Spieleinheit. „wortlose Gespräche“... 97
8.6.1.2 Entspannungsphase „Wiese“ ... 98
8.6.1.3 Erzählen, Zuhören, Wiedergeben ... 98
8.6.1.4 Rollenspiel: aktives/passives Zuhören ... 99
8.6.1.5 Reflexion und Übertragung auf den Alltag ... 99

8.7 Sechste Stunde: Konflikte angemessen lösen... 101
8.7.1 Spezifische Ziele und Ablauf ... 101
8.7.1.1 Laufspiel ... 101
8.7.1.2 Entspannungsphase „Regentropfen“ ... 102
8.7.1.3 Rollenspiel: Konflikte schlichten ... 102
8.7.1.4 Rollenspiel: Alltagskonflikte... 103
8.7.1.5 Reflexion ... 104

9. Auswertung der Ergebnisse... 106
9.1 Überprüfung der Konfliktlösekompetenzen im Rollenspiel... 106
9.2 Beobachtungsbogen für aggressive und prosoziale Verhaltensweisen ... 110
9.3 Einschätzung der Trainingsmitarbeit der Kinder... 114
9.4 Reflexion der Ergebnisse... 117

10. Diskussion und Ausblick... 120

Literatur ... 123

Anhang ...135


 

Einleitung

Aggression ist ein allgegenwärtiges Phänomen im Alltag. Berichte über Aggressionen in der Schule häufen sich und Forschungsergebnisse der letzten Jahre bestätigen eine Zunahme der Gewalt unter Schülern (Schäfer & Frey, 1999). Es gibt umfangreiche Veröffentlichungen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Wenn man aggressive Verhaltensweisen vermindern will, muss man zunächst die Ursachen von Aggressivität aufzeigen und die Faktoren herausstellen, die aggressive Verhaltensweisen begünstigen können. In meinen Ausführungen werde ich mich hauptsächlich auf Kinder im Grundschulalter beschränken.

Im ersten Teil meiner Arbeit, versuche ich zunächst einen Überblick über unterschiedliche Formen, Auftretenshäufigkeiten sowie Geschlechterunterschiede von Aggression als Form kindlicher Verhaltensauffälligkeit zu geben. Die unterschiedlichen Erklärungsmodelle für aggressive Verhaltensweisen sollen dargestellt werden. Da das Kind in seiner Entwicklung unterschiedlichen Einflüssen unterliegt, sollen die Faktoren, die die Entstehung und Aufrechterhaltung aggressiven Verhaltens begünstigen, erläutert werden. In einem weiteren Kapitel soll prosoziales Verhalten klassifiziert werden. Es werden Bedingungen und die Entwicklung prosozialer Verhaltensweisen erläutert. Anschließend sollen unterschiedliche Präventions- und Interventionsansätze, die versuchen die verschiedenen Faktoren in der Umgebung des Kindes positiv zu beeinflussen, vorgestellt werden.

Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit dem Training zum Abbau aggressiven und zur Förderung prosozialen Verhaltens in einer Hausaufgabengruppe in Wuppertal. Das Training wird vorgestellt und beschrieben. Zur Effektüberprüfung sollen ein Beobachtungsbogen für aggressive und prosoziale Verhaltensweisen und ein Beobachtungsbogen zur Trainingsmitarbeit der Kinder herangezogen werden. Die Beobachtungen sollen durch zwei unabhängige Beobachter erfolgen. Des weiteren soll eine Überprüfung der sozialen Kompetenzen der Kinder zu Beginn und am Ende des Trainings anhand eines Rollenspiels erfolgen. Mit Hilfe dieser drei Methoden untersuche ich den Erfolg des Programms.
 

Teil I

1. Aggression als Form kindlicher Verhaltensauffälligkeit

1.1 Aggression

Ein Verhalten kann dann als aggressiv bezeichnet werden, wenn es darauf abzielt eine andere Person oder einen Gegenstand zu schädigen oder die grundlegenden Rechte eines anderen zu verletzen. Die Absicht der Schädigung muss hier im Vordergrund stehen, wobei in diesem Zusammenhang schwer nachvollzogen werden kann, wann ein problematisches Verhalten absichtlich oder ohne Vorsatz gezeigt wurde (Petermann, Jugert, Tänzer & Verbeek, 1997, S.12).

In der Literatur wird zwischen verschiedenen Formen der Aggression unterschieden. Die Aggression kann offen (Schlagen, Treten etc.) gezeigt oder verdeckt (Diebstahl, Lügen etc.) ausgeführt werden. Sie kann körperlich (andere stoßen, treten oder schlagen) oder verbal statt finden (jemanden beschimpfen, bedrohen, kränken) (Cierpka, 1999, S.15). Aggression kann sich nach außen (gegen andere Personen, Gegenstände) oder nach innen richten (gegen die eigene Person). Sie kann sich direkt oder indirekt (boshafte Gerüchte verbreiten) äußern (Petermann & Warschburger, 1998). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich aggressive Verhaltensweisen als sehr heterogen erweisen können.

Die Intensität und Stabilität des negativen Verhaltens erweisen sich als bedeutsam für die Beurteilung, ob es sich um aggressives Verhalten im Sinne einer Verhaltensauffälligkeit handelt. Einzubeziehen ist auch der Entwicklungsstand des Kindes: die negativen Verhaltensweisen müssen signifikant häufiger auftreten als bei Personen in einem vergleichbaren Alter (Petermann & Warschburger, 1998, S.127). Für die klinisch-diagnostische Einschätzung aggressiven Verhaltens im Kindesalter bieten Klassifikationssysteme, wie beispielsweise das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen (DSM) oder die Internationale Klassifikation Psychischer Störungen (ICD) Beurteilungskriterien (vgl. Kapitel 4.).
 

1.2 Funktionen und Formen von Aggression

1.2.1 Die expressive Aggression

Die expressive Aggression wird durch negative Emotionen oder Erregungszustände hervorgerufen. Es handelt sich um ein unkontrolliertes, impulsives Verhalten. Sie dient der Reduktion von Spannungen und Ängsten und das Individuum erfährt zumindest kurzfristig Erleichterung. Die Folgen einer solchen Handlung werden meist nicht überblickt, da sie sich explosionsartig und rasant vollziehen. Aggression ist hier Ausdruck eines Kontrollverlustes (Dutschmann, 1995 zit. in Cierpka, 1999, S.17).
 

1.2.2 Die instrumentelle Aggression

Die instrumentelle Aggression dient dazu ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder ein Problem zu lösen (Nolting 1998, 148ff.). Dem Handelnden kommt es nicht in erster Linie auf die Schädigung an, er nimmt sie aber bewusst in Kauf, um eigene Interessen durchzusetzen. Die instrumentelle Aggression wird nicht unbedingt durch negative Emotionen (Gefühle wie Ärger oder Hass) begleitet (Hartung, 2000, S.133). Sie kann zur Durchsetzung der unterschiedlichsten Zwecke eingesetzt werden:

• zum Zwecke der Abwehr von empfundener Bedrohung
• Durchsetzung und Gewinn
• Beachtung und Anerkennung
• positive Selbstbewertung
(vgl. Nolting, 1981)
 

1.2.3 Die angstmotivierte Aggression

Eine Form von Aggression, die man im besonderen bei Kindern vorfindet, ist die angstmotivierte Aggression. Sie dient in erster Linie der Abwehr von empfundener Bedrohung (Hartung, 2000, S.133). Diese Form ist eher emotional bedingt und äußert sich beispielsweise in Wutausbrüchen und Zorn. Sie ist meist begleitet von Unsicherheit aus einer Abwehrhaltung heraus. Die eigene manchmal auch objektiv unbegründete Angst wird präventiv durch Aggression zu reduzieren versucht (Petermann & Petermann, 1993a, S.8). Die angstmotivierte Aggression ist meist ein Zeichen von mangelnder sozialer Kompetenz. Es liegen keine oder zu wenig erfolgreich erprobte Bewältigungsstrategien vor, um mit einer angstauslösenden Situation fertig zu werden, und so wird der Versuch unternommen, mittels einer aggressiven Handlung das Gefühl der Angst zu bekämpfen, was kurzfristig sicherlich den gewünschten Erfolg erzielt. Lernpsychologisch ist dieses Erleben als ein Prozess der negativen Verstärkung zu bewerten. Durch das Verschwinden der negativen Emotionen wird die Person darin bestärkt das entsprechende Verhalten bei Angst zu zeigen (Hartung, 2000, S.133). Das soziale Umfeld akzeptiert Aggression jedoch meist nicht, was dazu führt, dass die nun auftretenden verstärkten Sanktionen der sozialen Umwelt dem Individuum in immer höherem Maße ein Gefühl der Angst vermitteln. Die Folge darauf ist ein Kreislauf, der bewirkt, dass eine Person auf verstärkte Angst diejenige Bewältigungsstrategie anwendet, die das Gefühl der Angst am effektivsten zu beseitigen vermag. In diesem Fall wäre das die Aggression, was den Kreis schließt und ein Ausbrechen sehr erschwert (Varbelow, 2000, S.58ff.).

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