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Scholary Paper (Seminar), 2005, 23 Pages
Author: Dipl.-Inf. Andre Feldmann
Subject: Film Science
Details
Tags: Umsetzung, Charaktereigenschaften, Protagonisten, Steven, Spielbergs, Schindlers, Liste
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 22 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-45394-3
ISBN (Book): 978-3-638-65996-3
File size: 198 KB
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Abstract
1993 begannen in Krakau die Dreharbeiten für Steven Spielbergs Schindlers Liste, einem Spielfilm, der auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Keneally basiert und aufgrund seiner Thematik und Machart zu einem der meist diskutiertesten Filme Spielbergs gilt. Die Uraufführungen 1993 und 1994 glichen Staatsakten mit Politikprominenz und einige Politiker verließen, berührt vom Gezeigten, schweigend den Kinosaal. Trotz zahlreicher Auszeichnungen, darunter 7 Oscars, wurde Spielbergs „wichtigster Film“, wie er ihn bezeichnete, oft kritisiert. Denn wie soll man den Holocaust thematisieren ohne ihn zu banalisieren oder aber ihn aufgrund von Schockeffekten zu einem Horrorfilm werden lassen? Spielberg findet für diese Frage eine passende Antwort, indem er die brutalen Überfälle und Exekutionen zwar auch zeigt, sie jedoch nicht als Hauptthema für seinen Film werden lässt. Das beabsichtigte Verwenden von Schwarz-weiß Material sowie eine sehr oft eingesetzte Handkamera verleiten dazu, den Film als reinen Dokumentarfilm anzusehen, doch der Vergleich von Realität und Fiktion zeigt deutlich, dass es sich bei Schindlers Liste um einen Spielfilm bzw. einen Spielfilm mit Dokumentarfilm-Charakter handelt. Viele der Ereignisse basieren auf Tatsachen, doch vieles ist auch erfunden. Was an den Charakteren real und was fiktiv ist, soll diese Hausarbeit näher untersuchen. Dazu werde ich zunächst kurz den Inhalt des Films wiedergeben, um den eigentlichen Gegenstand der Analyse begreifbar zu machen. Anschließend werde ich die Charaktereigenschaften der zwei Protagonisten Oskar Schindler und Amon Göth herausarbeiten, erläutern, welche hiervon als real und welche als fiktiv angesehen werden können und sie anhand passender Filmsequenzen näher beleuchten. Die Figur Itzhak Stern, welche in dieser Arbeit nicht thematisiert wird, ist im Film ein rein fiktiver Charakter. In dieser Figur werden die drei real-historischen Personen Itzhak Stern, Abraham Bankier sowie Mietek Pemper zusammengefasst. Untersuchungen zu Übereinstimmungen und Unterschieden von Filmcharakter und den entsprechenden Realpersonen wären Thema einer weiteren Hausarbeit. In einem letzten Kapitel werden die zuvor ermittelten Untersuchungsergebnisse in wenigen Sätzen komprimiert dargestellt.
Excerpt (computer-generated)
Die filmische Umsetzung der realen und fiktiven
Charaktereigenschaften der Protagonisten
in Steven Spielbergs Schindlers Liste
von: Andre Feldmann
Sommersemester 2005
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Zusammenfassung des Filminhalts 4
3 Die Charaktereigenschaften der Protagonisten 5
3.1 Oskar Schindler 6
3.1.1 Real-historischer Lebenslauf 6
3.1.2 Oskar Schindler im Film 7
3.2 Amon Göth 14
3.2.1 Real-historischer Lebenslauf 14
3.2.2 Amon Göth im Film 15
4 Zusammenfassung der Ergebnisse 18
5 Literaturverzeichnis 19
6 Anhang 20
1 Einleitung
1993 begannen in Krakau die Dreharbeiten für Steven Spielbergs Schindlers Liste, einem Spielfilm, der auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Keneally basiert und aufgrund seiner Thematik und Machart zu einem der meist diskutiertesten Filme Spielbergs gilt.1 Die Uraufführungen 1993 und 1994 glichen Staatsakten mit Politikprominenz und einige Politiker verließen, berührt vom Gezeigten, schweigend den Kinosaal.2 Trotz zahlreicher Auszeichnungen, darunter 7 Oscars, wurde Spielbergs „wichtigster Film“, wie er ihn bezeichnete, oft kritisiert.3 Denn wie soll man den Holocaust thematisieren ohne ihn zu banalisieren oder aber ihn aufgrund von Schockeffekten zu einem Horrorfilm werden lassen? Spielberg findet für diese Frage eine passende Antwort, indem er die brutalen Überfälle und Exekutionen zwar auch zeigt, sie jedoch nicht als Hauptthema für seinen Film werden lässt.4 Das beabsichtigte Verwenden von Schwarz-weiß Material sowie eine sehr oft eingesetzte Handkamera verleiten dazu, den Film als reinen Dokumentarfilm anzusehen, doch der Vergleich von Realität und Fiktion zeigt deutlich, dass es sich bei Schindlers Liste um einen Spielfilm bzw. einen Spielfilm mit Dokumentarfilm-Charakter handelt.5 Viele der Ereignisse basieren auf Tatsachen, doch vieles ist auch erfunden. Was an den Charakteren real und was fiktiv ist, soll diese Hausarbeit näher untersuchen. Dazu werde ich zunächst kurz den Inhalt des Films wiedergeben, um den eigentlichen Gegenstand der Analyse begreifbar zu machen. Anschließend werde ich die Charaktereigenschaften der zwei Protagonisten Oskar Schindler und Amon Göth herausarbeiten, erläutern, welche hiervon als real und welche als fiktiv angesehen werden können und sie anhand passender Filmsequenzen näher beleuchten. Die Figur Itzhak Stern, welche in dieser Arbeit nicht thematisiert wird, ist im Film ein rein fiktiver Charakter. In dieser Figur werden die drei real-historischen Personen Itzhak Stern, Abraham Bankier sowie Mietek Pemper zusammengefasst. Untersuchungen zu Übereinstimmungen und Unterschieden von Filmcharakter und den entsprechenden Realpersonen wären Thema einer weiteren Hausarbeit. In einem letzten Kapitel werden die zuvor ermittelten Untersuchungsergebnisse in wenigen Sätzen komprimiert dargestellt.
2 Zusammenfassung des Filminhalts
Die deutschen Streitkräfte haben Polen im September 1939 besetzt und alle dort lebenden Juden dazu aufgefordert, sich registrieren zu lassen. Währenddessen errichten die Besatzer ein Ghetto für die jüdische Bevölkerung. Im selben Jahr kommt auch der Industrielle und Kriegsgewinnler Oskar Schindler (Liam Neeson) nach Krakau, um dort durch Korruption von NSDAP-Funktionären eine Emailwaren-Fabrik aufzubauen. Da er das nötige Geld für den Kauf nicht besitzt und ihm das Wissen fehlt, einen Betrieb zu leiten, entschließt er sich, den jüdischen Buchhalter Itzhak Stern (Ben Kingsley) einzustellen. Dieser erweist sich als Organisationsgenie und sorgt für die jüdischen Geldgeber und Arbeitskräfte. Sämtliche Aufträge erkauft sich Schindler durch Bestechung hochrangiger NS-Offiziere. So produziert die Deutsche Emailwaren Fabrik (DEF) Töpfe, Pfannen und Feldküchengeschirr für die deutsche Wehrmacht und Oskar Schindler gelangt zu Reichtum und Ansehen. Die Arbeiter in Schindlers Fabrik dürfen das Ghetto verlassen und werden mit dem sog. Blauschein als "wichtige Arbeiter" ausgezeichnet. Somit ist garantiert, dass sie nachts nicht von der Gestapo verhaftet, erschossen oder deportiert werden. Stern nutzt diese Regel aus, um möglichst viele Menschen von der Nazi-Bürokratie als "kriegswichtig" einstufen zu lassen, unter ihnen auch Kinder, Senioren und schwache Personen. Schindlers Menschlichkeit ist dabei keine Frage der Moral, sondern der Ökonomie, da jüdische Arbeitskräfte im Gegensatz zu polnischen günstiger sind. Mit der Zeit erfährt er über die Rettungsaktion Sterns, unternimmt jedoch nichts dagegen, obwohl Schindler damit den Erhalt der Fabrik und sein Leben riskiert. Im Winter 1942 wird dem brutalen und sadistischem Untersturmführer Amon Göth (Ralph Fiennes) das Krakauer Ghetto unterstellt, welches er im März 1943 räumen lässt. Die Arbeitsfähigen werden in das Arbeitslager Plaszow geschickt, die Alten und Schwachen in eines der Konzentrationslager gebracht oder direkt erschossen. Schindler beobachtet dieses Geschehen von einem Hügel aus und ist entsetzt über die Gräueltaten der Nazis. Er beschließt, ein eigenes Arbeitslager zu errichten, um einige Juden vor den Willkürakten Göths und seiner Männer zu bewahren. Dazu geht er mit Göth ein Scheinfreundschaft ein und zahlt für jeden Juden, den er einstellt, einen bestimmten Betrag. Hinzu kommen Bestechungsgelder und hochwertige Waren für den Ordnungsdienst, der jüdischen Polizei im Arbeitslager.
Im April des Jahres 1944 erhält Göth den Befehl, das Arbeitslager Plaszow zu räumen, und alle verbleibenden Juden nach Auschwitz zu schicken. Schindler erfährt hiervon und veranlasst, seine Firma, die von nun an Granatenhülsen produziert, um weiterhin als „kriegswichtig“ eingestuft zu werden, nach Brünnlitz zu verlegen. Er benutzt sein gesamtes Vermögen für die Bestechung Göths und anderer Nazis sowie den Umzug der Maschinen und jüdischen Arbeiter, die er mit dieser Aktion vor dem sicheren Tod in Auschwitz retten möchte. Es sind über 1100 Menschen, die er auf eine Liste („Schindlers Liste“) setzen und in zwei Zügen nach Brünnlitz transportieren lässt, wobei die Waggons mit den Frauen irrtümlich Auschwitz erreicht. Schindler begibt sich, nachdem er davon erfahren hat, direkt dorthin und sorgt durch Korruption der entsprechenden NS-Funktionäre für die Ausgliederung der Frauen aus dem Lager.
[...]
1 Vgl. dazu u.a. Noack, S.85ff sowie Korte, S.162ff
2 Vgl. Korte, S.160
3 Vgl. Noack, S.91
4 Genau das kritisieren die Gegner des Films und werfen Spielberg eine „Beschönigung“ des Holocaust vor, während die Befürworter entgegnen, dass der grausame Genozid nicht in Bildern gezeigt werden kann und darf. Außerdem würde ein solcher Film auf Ablehnung und evtl. gar zur Leugnung des Geschehenen beim Publikum stoßen. Vgl. hierzu Noack, S. 90ff und 116f.
5 Korte, S. 169
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