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Autor: Eduard Drahomeretski
Fach: Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Details
Tags: AMERIKANISCHE, COSA, NOSTRA, Eine, Untersuchung, Aspekte, Berücksichtigung, Memoiren, Mafiosi
Jahr: 2005
Seiten: 38
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 25 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 353 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45418-6
Textauszug (computergeneriert)
Johannes Gutenberg – Universität Mainz, Institut für Soziologie
Seminar: Die Mafia – Netzwerk und Organisation
Sommersemester 2005, 7. Semester
DIE AMERIKANISCHE COSA NOSTRA. Eine Untersuchung
struktureller und kultureller Aspekte unter Berücksichtigung
ausgewählter Memoiren ehemaliger Mafiosi
von: Eduard Drahomeretski
Inhalt
Einleitung 2
1 Begriffe: Organisierte Kriminalität, Mafia und La Cosa Nostra 4
1.1 Organisierte Kriminalität 4
1.2 Mafia 5
1.3 La Cosa Nostra 6
1.4 Begriffsverwendungen 8
2 Die Organisationsstruktur 9
2.1 Das hierarchische Organisationsmodell 9
2.1.1 Die Nationalkommission 9
2.1.2 Die Führungsebene 11
2.1.3 Die Managementebene 12
2.1.4 Die Exekutivebene 12
2.1.5 Die Assoziierten 13
2.1.6 Zwischenfazit 14
2.2 Das Patron-Klient – Strukturmodell 15
2.3 Bewertung der beiden Strukturmodelle 16
3 Kultur der Cosa Nostra 18
3.1 Mitgliedschaft 18
3.1.1 Mitgliedschaftsvoraussetzungen 18
3.1.2 Das Ritual 19
3.2 Werte 22
3.2.1 Ehre 22
3.2.2 Omertà 24
3.3 Normen und Regeln 25
3.3.1 Gehorsam und Respekt 25
3.3.2 Auskunftspflicht 26
3.3.3 Offenlegung der Geschäfte 26
3.3.4 Respekt vor Eigentum 27
3.3.5 Finanzielle Abgaben 27
3.3.6 Vorstellung 28
3.3.7 Diskretion und Neugier 29
3.3.8 Vermeidung von Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit 30
3.4 Gewalt und Mord 32
4 Fazit und Ausblick 34
Literatur 36
Einleitung
Diese Arbeit beschreibt schwerpunktmäßig strukturelle und kulturelle Aspekte der italoamerikanischen Mafia, mit starker Einbeziehung von „Tatsachenberichten“ ehemaliger Mafiosi. In den USA gibt es mittlerweile eine ganze Reihe (Auto-)Biografien einstiger Mafiamitglieder.1 In der vorliegenden Arbeit finden insbesondere drei Memoiren Eingang: Erstens, die von PETER MAAS verfaßte Lebensgeschichte des Mafioso SALVATORE „SAMMY THE BULL“ GRAVANO, der in der GAMBINO Familie bis zum Underboss aufstieg, bis er 1990 verhaftet wurde und als Kronzeuge vor Gericht gegen die Mafia aussagte [Maas: 342 ff.]. Zweitens, der „Tatsachenbericht“ von JOSEPH DONALD PISTONE, einem ehemaligen FBI- Geheimagenten, der unter dem Decknamen DONNIE BRASCO2 die BONANNO Familie infiltrierte und so Beweise sammelte, die zu über hundert Verurteilungen führten [Pistone: 10]. Und drittens, die im Jahr 2004 publizierte Lebensgeschichte von FRANK SAGGIO, einem Ex-Mafiaassoziierten, der für alle fünf New Yorker Familien arbeitete. Jedoch kann man zu Recht den Erkenntnisgewinn aus diesen Memoiren anzweifeln. „Es gilt als sicher, dass jeder der Aussteiger übertreibt bzw. diejenigen Dinge verschweigt, die gegen die Gewährleistung von Immunität sprechen könnten“ [Neumahr: 33] oder, wie in PISTONES Fall, dem Ansehen seiner Person und des FBI generell schaden könnten.
Selbst was die wissenschaftliche Literatur bezüglich der Cosa Nostra angeht, bleiben Zweifel über die Verlässlichkeit der Informationen. „Vieles was eigentlich nur vermutet wird, ist so formuliert, als habe es sich erwiesen. Während ein Autor den anderen zitiert, (...) entsteht der Eindruck, bestimmte Annahmen hätten sich im Laufe der Zeit bestätigt“ [Neumahr: 35]. Auch ALMOG, der sich mit der Geschichte jüdischer Krimineller in den USA auseinandersetzte, merkt dazu an: “Die Schwierigkeit bei der Rekonstruktion der Geschichte der jüdischen Gangster in den USA liegt vor allem in dem Mangel an nachweisbaren, exakt dokumentierten Ereignissen. Was in der Unterwelt tatsächlich geschah, ist von zahllosen Mythen und Legenden umwoben. Speziell die amerikanischen Chronisten neigen zu Übertreibungen [Almog: 25]. Und nochmals der gleiche Autor: “Trotz unseres Bemühens um Authentizität können wir keine Garantie für den Wahrheitsgehalt in allen Details der Darstellungen übernehmen. Zu diffus, zu widersprüchlich und spekulativ sind in vielen Fällen die Quellen und Überlieferungen [Almog: 35f.]. Diesen Ausführungen, möchte sich der Verfasser dieser Arbeit ausdrücklich anschließen, denn bei sämtlichen Quellen besteht die Gefahr, eventuell vorhandene Fehldeutungen zu übernehmen. Eine wesentliche Aufgabe dieser Arbeit besteht folglich darin, diejenigen Informationen herauszuselektieren, die weitgehend frei von oben genannten Mängeln erscheinen. Mögliche Vermutungen und Spekulationen werden, soweit erkannt, ausdrücklich gekennzeichnet oder entsprechend formuliert.
Inhaltlich setzt sich die vorliegende Arbeit folgendermaßen zusammen: Im ersten Kapitel soll geklärt werden, was man unter Organisierter Kriminalität, Mafia und Cosa Nostra versteht und warum es wichtig ist, diese Begrifflichkeiten zunächst getrennt voneinander zu betrachten. Im zweiten Kapitel wird die Frage der Organisationsstruktur der Cosa Nostra, über die vielfach gestritten wird, genauer unter die Lupe genommen. Zwei der hierbei diskutierten Strukturmodelle werden herangezogen und bewertet. Im dritten Kapitel werden einige kulturelle Aspekte der Cosa Nostra vorgestellt. Welche Rituale, Normen, Werte und Regeln gibt es und welche funktionale Bedeutung haben diese für das System? Außerdem soll die Frage der Gewaltfunktion in der Cosa Nostra beantwortet werden, die vielfach als integraler Bestandteil betrachtet wird. Im vierten Kapitel werden abschließend die Ergebnisse zusammengefaßt und ein Fazit gezogen, sowie weiterführende Betrachtungen angeregt. Geographisch erstrecken sich die Ausführungen schwerpunktmäßig auf den Großraum New York, dem Machtzentrum und der Operationsbasis der fünf großen Familien („The Big Five“) der Cosa Nostra. Diese sind die GENOVESE-, LUCCHESE-, COLOMBO-, GAMBINO- und BONANNO-FAMILIE. Vornehmlich werden, aufgrund der gewählten Memoiren, auf die Merkmale der letzten beiden genannten Familien eingegangen. Zeitlich beschränkt sich die Arbeit, aus gleichem Grund, weitestgehend auf die 70er und 80er Jahre.
1 Begriffe: Organisierte Kriminalität, Mafia und La Cosa Nostra
Die Mafia ist heute weltweit für die breite Öffentlichkeit der Prototyp „Organisierter Kriminalität“ per se [Paoli:9]. Unter dem Begriff „Mafia“ subsumiert man im Allgemeinen Machenschaften am Rande der Legalität, Bedrohung, Gewalt und Verbrechen. So werden Mafia und Organisierte Kriminalität oftmals synonym verwendet, sind aber in Wahrheit nur partiell deckungsgleich. Für das weiterführende Verständnis ist es notwendig die Begriffe über dieses gängige Verständnis hinaus zu konkretisieren.
1.1 Organisierte Kriminalität
Der Terminus ´Organisierte Kriminalität` ist ein relativ neuer Begriff. Erstmals geprägt wurde er in den USA, wo man in Chicago im Jahr 1919 begann, von „organized crime“ zu sprechen [Lampe 1999: 26]. Der Begriff hat seitdem zahlreiche, verschiedene Bedeutungszuschreibungen bzw. -schwerpunkte erhalten.3 Sieht man die Diskussion über Organisierte Kriminalität in ihrer Gesamtheit an, so stößt man auf drei verschiedene Grundverständnisse vom Wesenskern Organisierter Kriminalität [Lampe 2000]. Nach einer frühen Auffassung beschränkte sich das Vorstellungsbild von „Organisierter Kriminalität“ auf bestimmte Delikte, namentlich das routinemäßige Anbieten von illegalen Gütern und Dienstleistungen (insbesondere der Vertrieb von Alkohol während der Prohibition 1920 bis 1933). Eine andere Auffassung betont die Organisiertheit von Straftätergruppierungen. Demnach soll von Organisiertem Verbrechen dann die Rede sein, wenn sich kriminelle Elemente zu Organisationen zusammengeschlossen haben. Eine dritte Sichtweise kümmert sich weder um die kriminellen Aktivitäten, noch den Grad der Organisiertheit von Straftätern, sondern um die Verflechtung legaler und illegaler Strukturen. Von organisierter Kriminalität soll demnach nur die Rede sein, wenn Kriminelle und Inhaber von Positionen innerhalb legaler Institutionen der Gesellschaft miteinander in einem korrupten System verwoben sind [Lampe 2000]. Unabhängig von der Perspektive hat man es mit dem Begriff per definitionem immer mit illegalen Machenschaften zu tun.
1.2 Mafia
[...]
1 Eine kleine Auswahl dieser Memoiren (in Klammern finden sich die Namen der beschriebenen Personen): Hoffman/Headley: „Contract Killer, The Explosive Story of the Mafia´s Most Notorious Hit Man”, New York 1992 (Tony Frankos); Anastasia: „Blood and Honour, Inside the Scarfo Mob – The Story of the Most Violent Mafia Family”, New York 1991 (Nick Caramandi); Cantalupo: “Body Mike, The Deadly Double Life of a Mob Informer” New York 1990 (Joseph Cantalupo); Bonanno: “ A Man of Honour”, New York 1983 (Joe Bonanno); Maas: “The Valachi Papers”, New York 1968 (Joseph Valachi)
2 Sein Buch wurde unter gleichnamigen Titel mit Johnny Depp als Donnie Brasco und Al Pacino als Angelo „Lefty“ Ruggiero 1997 verfilmt.
3 Um den Terminus „organized crime“ herrscht bis heute alles andere als Einigkeit. Einen detaillierten Einblick in verschiedene Perspektiven und Definitionen bietet z.B. Neumahr, S. 37 ff.
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