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Die Bedeutung von Basel II für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen und deren Finanzierungsalternativen

Diploma Thesis, 2002, 75 Pages
Author: Stefan Kusch
Subject: Economics / Business: Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2002
Pages: 75
Grade: 1.3
Language: German
Archive No.: V4884
ISBN (E-book): 978-3-638-12981-7

File size: 844 KB


Excerpt (computer-generated)

 

DIE BEDEUTUNG VON BASEL II
FÜR DIE FINANZIERUNG MITTELSTÄNDISCHER UNTERNEHMEN
UND DEREN FINANZIERUNGSALTERNATIVEN





10-Wochen Diplom-Hausarbeit zur Erlangung des Wirtschafts-Diploms
an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Industriebezirk - Sitz Bochum

Fachgebiet : BWL - Bankbetriebslehre

Dozent : Dipl.-Volkswirt Peter Busse

Vorgelegt von : Stefan Kusch

Studiengang : XXXVIII. wirtschaftswissenschaftlicher Studiengang


Inhaltsübersicht

Abkürzungsverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis 6

1. Einführung 7

2. Abgrenzung und Begriffsbestimmung Mittelstand 8

3. Aktuelle Finanzierungssituation des Mittelstandes 9

4. Historische Entwicklung von Basel I zu Basel II 12

5. Die drei Säulen der Neuen Eigenkapitalvereinbarung 15
5.1. Mindesteigenkapitalanforderungen (Säule I) 15
5.1.1. Kreditrisiko und Kreditrisikomessung 16
5.1.1.1. Standardansatz. (Basic Approach) 16
5.1.1.2. Interner Ratingansatz (IRB-Approach) 18
5.1.2. Marktrisiko 22
5.1.3. Operationelles Risiko 23
5.2. Bankaufsichtliches Überprüfungsverfahren (Säule II)  24
5.3. Marktdisziplin (Säule III )25

6. Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung 25
6.1. Grenzen des gesamtwirtschaftlichen Kreditvolumens 25
6.2. Auswirkungen unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Konjunkturzyklen 28
6.3. Auswirkungen auf das Kreditvergabeverhalten 32
6.4. Auswirkungen auf die Konditionsgestaltung 34
6.5. Differenzierte Behandlung von lang- und kurzfristigen Finanzierungen 39
6.6. Anforderungen an das mittelständische Finanzmarketing 40
6.7. Bedeutung des Dialoges zwischen Bank und Unternehmen 42
6.8. Rating als Marketinginstrument 44

7. Alternative Finanzierungsformen 46
7.1. Eigenkapitalerhöhung 47
7.2. Leasing 48
7.3. Factoring und Forfaitierung 51
7.4. Asset Backed Securities 53
7.5. Venture Capital 56
7.5.1. Private Beteiligungsgesellschaften 56
7.5.2. Öffentliche Finanzierungsförderungen 57
7.5.3. Mittelstandsfonds ("Börner Modell") 59
7.6. Mezzanine-Finanzierung 61
7.6.1. Privatplazierte Mezzanine-Instrumente 61
7.6.2. Kapitalmarktorientierte Mezzanine-Instrumente 62
7.7. Börsengang 64

8. Schlußbetrachtung 67

Literaturverzeichnis 70
Versicherung 74

Abkürzungsverzeichnis

ABS Asset Backed Securities
AG Aktiengesellschaft
AK Allgemeine Kreditversicherung
b Sensitivitätsfaktor
BDI Bundesverband der deutschen Industrie
BGA Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
BörsG Börsengesetz
bp Basispunkt
BRW Benchmarkrisikogewicht
BTU Beteiligungskapital für kleine Technologieunternehmen
bzw. beziehungsweise
CDU Christlich Demokratische Union
d.h. das heißt
DSGV Deutscher Sparkassen- und Giroverband
DtA Deutsche Ausgleichsbank
EAD Exposure at Default
EDV Elektronische Datenverarbeitung
EK Eigenkapital
EU Europäische Union
EUR Euro
EZB Europäische Zentralbank
FUTOUR Förderung und Unterstützung technologieorientierter Unternehmensgründungen
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
i.d.R. in der Regel
IPO Initial Public Offering
IRB Internal Rating Based
KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau
KG Kommanditgesellschaft
KGaA Kommanditgesellschaft auf Aktien
KMU Kleine und mittlere Unternehmen
KWG Kreditwesengesetz
LGD Loss Given Default
M Maturity
max. maximal
Mio. Million
Mrd. Milliarde
o.V. ohne Verfasserangabe
OECD Organization for Economic Cooperation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
OHG Offene Handelsgesellschaft
OR Operationelles Risiko
PD Probability of Default
QIS Quantitative Impact Study
RW Risikogewicht
S&P Standard and Poor′s
SPV Special Purpose Vehicle
SRP Supervisory Review Process
tbg Technologie-Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Ausgleichsbank
USD Amerikanische Dollar
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl der Unternehmen mit Gewinnen und Verlusten 10
Abbildung 2: Eigenkapitalquoten nach Größenklassen 11
Abbildung 3: Fremdfinanzierung des Mittelstandes durch Banken 11
Abbildung 4: Bonitätsbeurteilungen und Risikogewichte im Standardansatz 17
Abbildung 5: Risikogewichte für Kredite an Unternehmen bei einer LGD
von 50% 20
Abbildung 6: Tatsächliche Ausfallraten der von S&P bewerteten Anleihe-Emittenten nach Ratingklassen 30
Abbildung 7: Eigenkapitalunterlegung für die Beispielportfolios im Zeitverlauf 31
Abbildung 8: Kreditzinsänderung in Abhängigkeit vom Rating 36
Abbildung 9: Verteilung der Ratingklassen nach Jahren 37
Abbildung 10: Risikogewichte im IRB-Ansatz (nach Laufzeit differenziert) 39
Abbildung 11: Entscheidungsbaum Rating 45
Abbildung 12: ABS-Transaktionsstruktur 54
Abbildung 13: Übersicht über öffentliche Förderprogramme 58

1. Einführung

"Jede Wirtschaft beruht auf einem Kreditsystem, das heißt, auf der irrtümlichen Annahme, der andere werde gepumptes Geld zurückzahlen"
(Kurt Tucholsky, 1931)

Die folgenreichen weltweiten Finanzkrisen der jüngeren Vergangenheit belegen die Anfälligkeit des herrschenden Finanzsystems. Die rasche Entwicklung der Informationstechnologie sowie die zunehmende Deregulierung und Liberalisierung des Kapitalverkehrs begünstigen die Konkurrenz international operierender Unternehmen, Finanzinstitute und Investoren. Dieser Wettbewerb bietet den Marktteilnehmern eine Vielzahl lukrativer Chancen, die jedoch in engem Zusammenhang mit folgenreichen Risiken stehen. Die Konsequenzen für jede einzelne Volkswirtschaft sind oftmals nicht absehbar, wie die jüngsten Geschehnisse in Asien, Rußland oder Lateinamerika besonders deutlich belegen. Insbesondere der Kreditwirtschaft kommt hierbei eine bedeutende Verantwortung zu. Mittels der Geld- und Kreditschöpfung beeinflussen Banken den Geldumlauf und die Güternachfrage. Treten bei Banken Insolvenzen auf, werden Beschäftigung und Wirtschaftswachstum durch Kettenreaktionen in hohem Maße gefährdet. Besonders deutlich zeigten sich die Konsequenzen einer expansiven Kreditschöpfung im Rahmen der Asienkrise im Jahre 1997, bei der "faule" Kredite in Höhe mehrerer Billionen USD zu Tage traten, die letztlich viele Insolvenzen sowohl bei Banken als auch Unternehmen hervorriefen. Der Solvenz eines Kreditinstitutes kommt somit eine nicht unerhebliche Bedeutung zu. Eine ausreichende, d.h. risikoadäquate Eigenkapitalausstattung der Kreditwirtschaft ist essentieller Bestandteil eines stabilen Finanzsystems, das letztlich eine sinnvolle Geldpolitik der einzelnen Zentralbanken erlaubt. Aufgrund der zunehmenden Internationalisierung der Finanzaktivitäten und der globalisierten Wirtschaftsverflechtungen sind entstehende Krisen gegenwärtig nicht mehr regional begrenzt. Es genügt also nicht mehr, sich lediglich auf nationale Richtlinien zu konzentrieren. Vielmehr erfordern die modernen Märkte zur Stabilisierung des Finanzsystems internationale Standards für sämtliche Markteilnehmer.
Der derzeit äußerst kontrovers diskutierte neue Baseler Akkord, kurz Basel II, soll den jüngsten Entwicklungen Rechnung tragen und einen wesentlichen Beitrag zu einer stabilen Zukunftsfähigkeit des internationalen Finanzsystems leisten. Im Mittelpunkt des Baseler Akkords steht die Modifizierung der bisher für international tätige Banken geltenden Eigenkapitalregeln. Die Modifizierung soll in erster Linie eine umfassendere, differenziertere und individuellere Beurteilung von Bankrisiken ermöglichen, die letztlich die Basis für das ökonomisch notwendige, d.h. den tatsächlichen Risiken entsprechende Eigenkapital bilden soll. Ziel ist es, hierdurch einen entscheidenden Beitrag zur Solidität des Finanzsystems zu leisten, ohne das derzeitige Eigenkapitalniveau in der Kreditwirtschaft zu belasten.
Die umfassende Resonanz verschiedenster politischer und wirtschaftlicher Interessengruppen auf das aktuelle Konsultationspapier des Baseler Ausschusses belegt die Bedeutung, die diesem Thema beigemessen wird. Aber gerade dieser breite und öffentlich angelegte Dialog soll zu einem umfassenden und effizienten Regelwerk beitragen. Bereits jetzt zeichnen sich einschneidende Konsequenzen des Baseler Akkords für nahezu sämtliche Marktteilnehmer ab. Welche Regelungen der Akkord im einzelnen vorsieht, inwieweit gerade der deutsche Mittelstand betroffen sein wird und ob sich hierdurch eher Nachteile oder gar Chancen ergeben, soll im folgenden erarbeitet werden. Insbesondere sollen wesentliche Konsequenzen für die zukünftige Finanzierung herausgestellt und mögliche Finanzierungsalternativen diskutiert werden.

2. Abgrenzung und Begriffsbestimmung Mittelstand

Heute liefert der sogenannte Mittelstand in der Bundesrepublik Deutschland die stärksten Wirtschaftsimpulse. Dieser läßt sich generell durch quantitative und qualitative Merkmale von Großunternehmen abgrenzen. Zu den quantitativen Kriterien zählen z.B. Anzahl der Mitarbeiter, Umsatzgröße oder die Bilanzsumme. Der qualitative Aspekt hingegen bezieht sich im wesentlichen auf die Beziehung zwischen Unternehmen und Eigentümer. Charakteristisch für den Mittelstand ist demnach die Unabhängigkeit eines Unternehmens, d.h. es befindet sich i.d.R. im Eigentum einzelner Personen, Familien oder eines eng begrenzten Personenkreises. Zum Mittelstand zählen so nach herrschender Meinung derart unabhängige Unternehmen mit maximal 500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mindestens EUR 125.000,--. Unter diesen Prämissen umfaßt der deutsche Mittelstand circa 1,1 Millionen Unternehmen mit insgesamt 20 Millionen Beschäftigten. Die hierbei vorherrschenden Rechtsformen bilden mit ca. 56% die Einzelunternehmung und mit etwa 28% die GmbH. Weitere 16% sind in Form einer KG bzw. OHG organisiert, während die AG mit lediglich 1% eine eher unbedeutende Rolle einnimmt.
Selbst in zuletzt wirtschaftlich schwierigen Zeiten trägt der Mittelstand positiv zum Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum bei. Unter anderem stellt diese Gruppe sowohl als Abnehmer, Investor sowie Werbe- und Marketinggruppe eine wesentliche Nachfragegröße dar. Dies ist nicht zuletzt der Grund für einen umfassenden Finanzierungsbedarf des Mittelstandes. Aufgrund der jüngsten Diskussionen um den neuen Baseler Akkord zeigt sich der Mittelstand zusehends verunsichert hinsichtlich der zu erwartenden Konsequenzen. Vielfach herrschen Befürchtungen, daß sich die zukünftige Mittelstandsfinanzierung nachteilig darstellt und sogar gegebenenfalls eingeschränkt wird. Die Tatsache, daß in der Bundesrepublik Deutschland von dieser Finanzierung fast 50% der deutschen Bruttoinvestitionen, etwa 60% der Bruttowertschöpfung, circa 70% aller Arbeitsplätze sowie 80% der Ausbildungsplätze abhängen, verdeutlicht besonders die Bedeutung des Mittelstandes sowie die Tragweite dieser Problematik.

3. Aktuelle Finanzierungssituation des Mittelstandes

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