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Autor: René Jungbluth
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Institut für deutsche Sprache un Literatur)
Tags: Lenz, Hofmeister, Drama, Einführungsseminar, Sturm, Drang
Jahr: 2001
Seiten: 13
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 236 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45443-8
Textauszug (computergeneriert)
J.M.R. Lenz′ Hofmeister ein gesellschaftskritisches Drama?
von: René Jungbluth
Sommersemester 2001
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Stände- und Erziehungswesen im 18. Jahrhundert 4
3. Gesellschaftskritik im Hofmeister 5
3.1 Begründung eines neuen Genres 5
3.2 Form 6
3.3 Namenwahl 6
3.4 Der Hofmeister Hermann Läuffer 7
4. Der Erziehungsdiskurs im Hofmeister 9
5. Schlußbemerkung 12
6. Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung
In seinen „Anmerkungen übers Theater“ schreibt Jakob Michael Reinhold Lenz, daß „der wahre Dichter“ nicht nachahmen, sondern seinen Standpunkt vertreten solle.1 Er fordert den Dichter auf, in Beziehung zu seiner Zeit zu stehen, in sie einzuwirken und Kritik an ihr zu üben. 2 Jedes seiner „sozialen Dramen“- zu denen auch „Die Soldaten“ und „Der neue Menoza“ gezählt werden- legt auch eine andere Seite des „Gesellschaftskörpers“ bloß: Der Dichter als Arzt an der Menschheit. Eine „Widerspiegelung der Gesellschaft“ ist das Ziel des jungen Dichters.3
Im „Hofmeister“, seinem ersten Drama, während seiner Studienzeit in Königsberg 1772 geschrieben und später noch einmal überarbeitet, setzt Lenz diese Forderungen um. Das Stück spielt in seiner Heimat und die Figuren sind Leute, die er selber gesehen und beschreibt Dinge, die er selber erlebt hat.4 Er beruft sich beim „Grundkonflikt“ und der „Figurenkonstellation“ auf einen Vorfall aus dem Bekanntenkreis der Familie Lenz. 5 Darüber hinaus hat Lenz selber Erfahrungen mit dem Hofmeisterstand gemacht. Während der Königsberger Zeit und später bei zwei Brüdern Heinrich von Kleists nimmt er eine hofmeisterähnliche Stellung ein, die mit „tiefen Demütigungen“ verbunden ist.6 Desillusioniert resümiert Lenz am 16. Juni 1775 in den „Frankfurter Gelehrten Anzeigen“:
„Weil [...] mein Vorurteil wider diesen Stand immer lebhafter wurde, zog ich mich wieder in meine arme Freiheit zurück und bin nachher nie wieder Hofmeister gewesen.“7 Für Andreas Huyssen enthält diese Bemerkung das „ganze Dilemma des bürgerlichen Intellektuellen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.“8 Bei den Brüdern Heinrich von Kleists findet er als „Student und Literat“ seine geistige Heimat und wird zum „Kritiker aller kulturellen und sozialen Werte und Einrichtungen.“ Er beginnt, „sich aus festen Bindungen der ständisch- feudalen Gesellschaft zu befreien“ und „in seinen Vorstellungen und Texten dagegen zu rebellieren.“9 Diese biographischen Merkmale sind die Grundlage für ein gesellschaftskritisches Werk, wie den „Hofmeister“ An einigen ausgewählten Beispielen möchte ich diese Kritik herausarbeiten und veranschaulichen, wie Lenz ein Bild der Gesellschaft gibt. Bevor ich mit der Analyse einzelner Beispiele beginne, werde ich kurz auf den geschichtlichen Hintergrund, in dem der „Hofmeister“ entstand, eingehen, um die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit aufzuzeigen. Der Ausarbeitung liegen die Regeln der „alten“ Rechtschreibung zugrunde.
2. Stände- und Erziehungswesen im 18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert waren die gesellschaftlichen Verhältnisse noch immer sehr statisch. Es bestand eine Grenze zwischen Adel und Bürgertum, die nur sehr schwer zu überwinden war. Prinzipiell entschied die Geburt über den gesellschaftlichen Platz eines Menschen und bestimmte das ganze Leben. Diese „geburtständige Gesellschaftsordnung“ war von einer „strengen Regelhaftigkeit“ bestimmt.10 Die einzelnen Stände waren je nach gesellschaftlicher Funktion in einer klaren Hierarchie angeordnet; der Herrschaftsanspruch des Adels wurde nicht in Frage gestellt. Dabei wurden in Deutschland vier Standesklassen unterschieden:11
1. „Hoher“ Adel, dem Fürsten, Grafen und –in einer Sonderstellung- der Klerus angehörten.
2. „Niederer“ Adel.
3. Bürger und Reichsstädtische mit vollem Bürgerecht
4. Bauern, die oftmals noch Leibeigene waren.
Doch trotz dieser Statik veränderte sich die gesellschaftliche Ordnung im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Im Zuge der Aufklärung wurde sie zunehmend kritischer gesehen. Liberale Vordenker wie Kant (oder Rosseau) forderten eine individuelle Einstufung in die Gesellschaft: jeder Mensch soll im Stande sein, je nach seinen Talenten, jede Stufe dieser Standesleiter zu erklimmen. 12
[...]
1 Vgl. Lenz, Werke und Schriften, S. 336-337.
2 Vgl. Rudolf, JMR Lenz, Moralist und Aufklärer, S. 159.
3 Ebd. S. 160-161.
4 Ebd. S. 159.
5 Vgl. Stephan/Winter, JMR Lenz und seine Rezeption in Deutschland, S. 144.
6 Ebd.
7 Vgl. Huyssen, Gesellschaftsgeschichte und literarische Form, S. 133.
8 Ebd.
9 Vgl. Becker-Cantario, JMR Lenz: Der Hofmeister, S. 34-36.
10 Vgl. Möller, Fürstenstaat oder Bürgernation: Deutschland 1763-1815, S. 94.
11 Ebd. S. 99.
12 Ebd. S. 94-96.
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