Autor: Julia Bitzer
Fach: Pädagogik - Der Lehrer
Details
Institution/Hochschule: Pädagogische Hochschule Weingarten
Jahr: 2004
Seiten: 34
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 6 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 349 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45455-1
ISBN (Buch): 978-3-638-70844-9
Zusammenfassung / Abstract
Lehrer und vor allem auch Beratungslehrer sind im Alltag erheblichen Belastungen ausgesetzt. Probleme mit bestimmten Schülern oder Klassen, Vorwürfe von Elternseite, der nachvollzogene Leidensdruck von Klienten, Konflikte im Kollegium und ähnliche Dinge können die Bewältigung des Alltags erschweren und sogar zum burn-out führen. Supervision als Spezialform der Beratung soll dazu beitragen, im Austausch mit Kollegen durch die Reflexion der Praxis auftretende Probleme zu verstehen, alternative Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten und damit die Bewältigung des Berufsalltags zu erleichtern und einem burn-out vorzubeugen. Meine Ausführungen beginnen aus Gründen der besseren Verständlichkeit mit einem Definitionsversuch des Begriffs "Supervision", woran sich deren Entstehungsgeschichte anschließt. Die Beschreibung der Notwendigkeit von Supervision sowie damit angestrebte Ziele sollen den Nutzen von Supervision weiter verdeutlichen. Im Anschluss daran möchte ich die Tätigkeit eines professionellen Supervisors sowie Vorteile und Nachteile, die aus der Arbeit mit einem solchen entstehen können, beschreiben. Da Supervisoren jedoch kaum verfügbar sind und es daher realistischer ist, von einer Arbeit ohne Supervisor auszugehen, beziehen sich meine folgenden Darstellungen vorwiegend auf Supervisionsgruppen, die ohne Supervisoren arbeiten. Danach möchte ich die Rahmenbedingungen erläutern, die eingehalten werden sollten, wenn man einen erfolgreichen Supervisionsprozess anstrebt. Auch verschiedene Phasenmodelle in Bezug auf den Ablauf von Supervisionen möchte ich beschreiben. Daran schließt sich die Darstellung verschiedener konkreter Methoden an, die während der Supervision angewendet werden können. Natürlich muss auch berücksichtigt werden, dass Supervisionen nicht immer unproblematisch ablaufen. Daher finden auch mögliche Probleme sowie Widerstände der Teilnehmer in meiner Arbeit Berücksichtigung. Den Abschluss bildet die Übertragung der themenzentrierten Interaktion auf Supervisionsgruppen.
Textauszug (computergeneriert)
Lehrersupervision
von: Julia Bitzer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionsversuch des Begriffs Supervision
3. Die Entstehung von Supervision
4. Die Notwendigkeit von Supervision
5. Ziele der Supervision
6. Der Supervisor
7. Rahmenbedingungen einer Supervision
8. Der Ablauf eines Supervisionsprozesses
8.1 Vorbereitung
8.2 Falldarstellung / Problembeschreibung
8.3 Interview
8.4 Gruppenfeedback
8.5 Problemanalyse und Hypothesenbildung
8.6 Strategieplanung
8.7 Rückmeldung
8.8 Umsetzung und Kontrolle
8.9 Variation: Ein Phasenmodell der Gestaltberatung
8.9.1 Orientierungsphase
8.9.2 Bestandsaufnahme
8.9.3 Bedeutung
8.9.4 Perspektiven
8.10 Variation: Das reflektierende Team
9. Methoden der Supervision
9.1 Methoden auf der akustische-verbalen Ebene
9.1.1 Das Blitzlicht
9.1.2 Der kontrollierte Dialog
9.1.3 Die Kunst des hilfreichen Fragens
9.1.4 Die Arbeit am Selbstkonzept und an überdauernden Einstellungen
9.1.5 Fragen zum Selbstschutz
9.1.6 Phantasiereisen
9.1.7 Rollenspiele
9.1.7.1 Variation: Rollenspiel mit leerem Stuhl
9.1.7.2 Variation: Rollentausch
9.2 Methoden auf der visuellen Ebene
9.2.1 Die System-Struktur-Zeichnung
9.2.2 Das Soziogramm
9.2.3 Das Rollenhutmodell
9.3 Methoden auf der kinästhetischen Ebene
9.3.1 Die Motorinspektion
9.3.2 Die Skulpturarbeit
9.3.3 Die Symbolisierung von Lehrer-Eltern-Grenzen mit Seilen
10. Probleme und Widerstände in der Supervisionsarbeit
10.1 Der Umgang mit dominantem Sprechverhalten
10.2 Mangelndes Vertrauen in die Gruppe
11. Themenzentrierte Interaktion in der kollegialen Lehrersupervision
12. Zusammenfassung
13. Literaturangaben
1. Einleitung
Lehrer und vor allem auch Beratungslehrer sind im Alltag erheblichen Belastungen ausgesetzt. Probleme mit bestimmten Schülern oder Klassen, Vorwürfe von Elternseite, der nachvollzogene Leidensdruck von Klienten, Konflikte im Kollegium und ähnliche Dinge können die Bewältigung des Alltags erschweren und sogar zum burn-out führen. Supervision als Spezialform der Beratung soll dazu beitragen, im Austausch mit Kollegen durch die Reflexion der Praxis auftretende Probleme zu verstehen, alternative Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten und damit die Bewältigung des Berufsalltags zu erleichtern und einem burn-out vorzubeugen. Meine folgenden Ausführungen beginnen aus Gründen der besseren Verständlichkeit mit einem Definitionsversuch des Begriffs Supervision, woran sich deren Entstehungsgeschichte anschließt. Die Beschreibung der Notwendigkeit von Supervision sowie damit angestrebte Ziele sollen den Nutzen von Supervision weiter verdeutlichen. Im Anschluss daran möchte ich die Tätigkeit eines professionellen Supervisors sowie Vorteile und Nachteile, die aus der Arbeit mit einem solchen entstehen können, beschreiben. Da Supervisoren jedoch kaum verfügbar sind und es daher realistischer ist, von einer Arbeit ohne Supervisor auszugehen, beziehen sich meine folgenden Darstellungen vorwiegend auf Supervisionsgruppen, die ohne Supervisoren arbeiten. Danach möchte ich die Rahmenbedingungen erläutern, die eingehalten werden sollten, wenn man einen erfolgreichen Supervisionsprozess anstrebt. Auch verschiedene Phasenmodelle in Bezug auf den Ablauf von Supervisionen möchte ich beschreiben. Daran schließt sich die Darstellung verschiedener konkreter Methoden an, die während der Supervision angewendet werden können. Natürlich muss auch berücksichtigt werden, dass Supervisionen nicht immer unproblematisch ablaufen. Daher finden auch mögliche Probleme sowie Widerstände der Teilnehmer in meiner Arbeit Berücksichtigung. Den Abschluss bildet die Übertragung der themenzentrierten Interaktion auf Supervisionsgruppen.
2. Definitionsversuch des Begriffs Supervision
Zunächst soll ein Definitionsversuch des Begriffs Supervision dazu beitragen, zu einem grundlegenden Verständnis zu gelangen. Der Begriff stammt aus dem englischen Sprachraum und kann nur schwer übersetzt werden. In der Fachliteratur werden meist die Begriffe „Praxisanleitung“ oder „Praxisberatung“ verwendet. In diesem Sinne werden in der beruflichen Praxis entstandene Probleme aufgearbeitet. Dies kann mit Hilfe eines Supervisors geschehen, der entweder Einzelpersonen oder üblicherweise Gruppen bei der Aufarbeitung von Problemen zur Seite steht.1 Supervision ist daher eine Beratung für ein spezielles Berufsfeld, aus dem alle Gruppenmitglieder stammen. Eine solche Supervisionsgruppe besteht meist über einen längeren Zeitraum und basiert auf Freiwilligkeit und Vertrauen.
Nach Neuschäfer ist Supervision „ein auf Dauer angelegter Lernprozess,...der den Supervisanden mit den Ergebnissen seines gegenwärtigen Handelns und seinen alternativen Handlungsentwürfen konfrontiert.“2 Die Reflexion des Handelns sowie Verbesserungsmöglichkeiten stehen daher im Mittelpunkt des Prozesses. In sozialen Berufsfeldern sowie in Industrie und Wirtschaft ist Supervision bereits ein wichtiger Bestandteil, wohingegen die Verbreitung im schulischen Bereich noch relativ gering ist. Dass es aber auch in der Schule sinnvoll ist, Supervision einzusetzen und welcher Nutzen daraus gezogen werden kann, soll an späterer Stelle erläutert werden. Es lassen sich verschiedene Formen der Supervision unterscheiden. Zum einen kann die Einzelsupervision von der Gruppensupervision unterschieden werden. In der Einzelsupervision stehen die Anliegen einer Einzelperson im Mittelpunkt, die mit einem Supervisor besprochen werden. Meine folgenden Ausführungen beziehen sich allerdings auf die Gruppensupervision, bei der mehrere Personen, die „aus dem gleichen Berufsfeld“3 stammen und einer ähnlichen Hierarchieebene angehören, Probleme des beruflichen Alltags bearbeiten. Falls diese Personen auch im Alltag zusammenarbeiten, spricht man von Teamsupervision.
Eine erst vor kurzem entstandene Form der Supervision ist die Organisationssupervision. Hierbei wird „die Eigendynamik von Organisationen“4 und der Einfluss, den diese auf die berufliche Arbeit haben, mitreflektiert. Eine weitere Form ist die kollegiale Supervision, auch „kollegiale Fallbesprechung“, „kollegiale Beratung“, „Intervision“, „Peer-Supervision“ oder „kooperative Beratung“5 genannt, die sich dadurch auszeichnet, dass kein Supervisor zur Leitung zur Verfügung steht. Die einzelnen Gruppenmitglieder sind vielmehr gleichberechtigt. In der Sozialarbeit und vor allem unter Lehrern ist diese Beratungsform am weitesten verbreitet.
3. Die Entstehung von Supervision
In der Geschichte der Supervision lassen sich Bedeutungsverschiebungen feststellen, Supervision hatte demnach „verschiedene Aufgaben und Funktionen zu erfüllen.“6 Die historischen Wurzeln der Supervision können im kirchlichen Bereich gesehen werden, wobei so genannte Superioren Visitationen von Klosterniederlassungen durchführten. Dies erfüllte den Zweck der Aufsicht und Kontrolle. Eine weitere Wurzel der Supervision kann in der Sozialarbeit im Amerika des 19. Jahrhunderts gesehen werden, wobei ein Supervisor Laienhelfer auf ihre Tätigkeit vorbereite. Im Mittelpunkt stand hierbei die Qualitätssicherung der Arbeit. Im Zusammenhang mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds lässt sich eine Bedeutungsverschiebung von Supervision feststellen. In diesem Bereich eingesetzte Supervisoren fokussierten nicht mehr in erster Linie das beurteilende, sondern das beratende Element. Wichtig war es hier, dass sich die Supervisanden durch den Supervisionsprozess weiterqualifizierten. In den sechziger Jahren erfuhr die vor allem im Bereich der Sozialarbeit eingesetzte Supervision weitere Veränderungen. So traten in Bezug auf die Supervisanden „Kommunikation und Emanzipation als Ziele“7 stärker in den Vordergrund. Supervision sollte „von professionellen und institutionellen Abhängigkeiten befreien“8 und für den Alltag stark machen.
[...]
1 Vgl. Bachmair, Sabine u.a., 1982: Beraten will gelernt sein. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
2 Kliebisch, Udo W., 1995: Beraten kann man lernen. Essen: Wingen Verlag, 144.
3 Thiel, Heinz-Ulrich, 2003: Supervision und Coaching als berufsbezogene Unterstützungsformen. In: Krause, Christina u.a., 2003: Pädagogische Beratung. Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag, 317.
4 Ebd.
5 Ebd., 319.
6 Denner, Liselotte, 2000: Gruppenberatung für Lehrer und Lehrerinnen. Eine empirische Untersuchung zur Wirkung schulinterner Supervision und Fallbesprechung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 92.
7 Ebd., 93.
8 Ebd.
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