Wilhelm Meisters Lehrjahre - Wilhelms Hamlet-Interpretation: Denkweise, Gehalt, ... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Wilhelm Meisters Lehrjahre - Wilhelms Hamlet-Interpretation: Denkweise, Gehalt, Funktion im Roman

Autor: M.A. Erwin Maier
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1998
Seiten: 15
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 80 KB
Archivnummer: V48896
ISBN (E-Book): 978-3-638-45475-9

Textauszug (computergeneriert)

Universität Regensburg WS 1997/98
Institut für Germanistik
Teilgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft
Proseminar I: Einführung in die NDL-vertieft

Wilhelm Meisters Lehrjahre - Wilhelms Hamlet-
Interpretation: Denkweise, Gehalt, Funktion im Roman

von: Erwin Maier

 


Inhaltsverzeichnis

1. Wirkungsgeschichte von Shakespeares Hamlet in Deutschland 3

2. Wilhelms Hamlet-Interpretation: Denkweise, Gehalt, Funktion im Roman 4

2.1. Goethes Verhältnis zur Shakespearschen Dichtung 4

2.1.1. Goethes Begeisterung für Shakespeare 4
2.1.2. Hamlet-Aufführungen unter Goethes Leitung 5

2.2. Denkweise und Gehalt von Wilhelms Hamlet-Interpretation 6

2.2.1. Geistige Haltung von Wilhelms Hamlet-Interpretation 6
2.2.2. Hamlet als Teil von Wilhelms Entwicklung 8

2.3. Funktion von Wilhelms Hamlet-Interpretation im Roman 9

2.3.1. Die Inszenierung des Hamlet als Wendepunkt in Wilhelms Entwicklung 9
2.3.2. Wilhelms Hamlet-Inszenierung als Zentrum in Wilhelm Meisters Lehrjahre 11

3. Die Hamlet-Inszenierung ist Höhepunkt für den Theater- wie den Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre 13

Literaturverzeichnis 14




 

1. Wirkungsgeschichte von Shakespeares Hamlet in Deutschland

Hamlet ist mit rund 4000 Zeilen das längste Drama Shakespeares, es ist das erste der sogenannten großen Tragödien Shakespeares und bezeichnete eine Wende in Shakespeares Schaffen. Englische Komödianten führten im Jahre 1626 Der Bestrafte Brudermord oder: Prinz Hamlet aus Daennmark, eine veränderte Fassung des Hamlet-Dramas in Deutschland auf, worin groteske Hanswurstiaden eingearbeitet waren, die das Drama lustspielmäßig verzerrten1. Die Wirkungsgeschichte Hamlets im deutschsprachigen Raum begann mit der Wiener Erstaufführung am 16.01.1773. Die Übersetzung stammte von Wieland sie lag auch der Bearbeitung Ludwig Schröder zugrunde, in der Hamlet am Leben bleibt und König wird. Am 20 Februar 1776 in Hamburg erstaufgeführt, löste sie eine lang anhaltende Phase der Begeisterung für den empfindsamen Hamlet aus. Der schwermütige Held, der schließlich alle Schwierigkeiten meistert, bot in dieser Form Identifikationspotential, die Vielschichtigkeit von Hamlets Charakter fordert den Zuschauer auf, sich mit seiner Person zu befassen. Die leidende, melancholisch gestimmte Bevölkerung wollte genau diesen Schluß sehen, um für Ihre eigene Situation Hoffnung schöpfen zu können. Deutschland war zu dieser Zeit keine Nation mit gemeinsamem Kulturgut, sondern eine Anhäufung von Einzelstaaten, die autokratisch regiert wurden. Die Starrheit der Regierungssysteme ohne Beteiligungsmöglichkeit der Bürger ließ einfache Leute wie Intellektuelle politikmüde werden, so daß sie ihre Aufmerksamkeit auf andere Inhalte lenkten, vor allem auf die Literatur. So entwickelte sich geradezu ein „Hamletfieber“: „Gerade in Hamlets schwermütigen Monologen erkannten viele ihren eigenen Gemütszustand wieder“2

Die Schrödersche Bearbeitung feierte große Erfolge, wohl weil der veränderte Schluß die „poetische Gerechtigkeit“3 berücksichtigte, die das Publikum forderte, aus Hamlet wurde so ein nachahmenswertes Vorbild. Man kann Schröder keinen Vorwurf machen, daß er sich bei der Bühnenbearbeitung des Hamlet dem Volksgeschmack unterwarf; die Zeit verlangte „brave Familienstücke“ und sogar Goethe „schrieb im Aufsatz Shakespeare und kein Ende, es sei ein „Vorurteil, das sich in Deutschland eingeschlichen habe, daß man Shakespeare auf der deutschen Bühne Wort für Wort aufführen müsse“4.

2. Wilhelms Hamlet- Interpretation: Denkweise, Gehalt, Funktion im Roman

2.1. Goethes Verhältnis zur Shakespearschen Dichtung

2.1.1. Goethes Begeisterung für Shakespeare

Goethe lernte Shakespeares Werke schon in jungen Jahren kennen. Seine ersten Kontakte mit Shakespearscher Dichtung hatte er in seiner Leipziger Zeit, als er, vermutlich 1766, den Band "The Beauties of Shakespeare, regularly selected from each play" von William Dodd kennenlernte5. Dieses 1752 erschienene Werk gab ausgewählte Auszüge nach Werken geordnet aus Shakespeares Schaffen wieder. Schon damals entwickelte der junge Goethe großes Interesse für den englischen Dichter. Später gab Wieland Übersetzungen heraus, die durchweg in Prosa gehalten waren. Goethe schreibt dazu im elften Buch von Dichtung und Wahrheit:

"Nun erschien Wielands Übersetzung. Sie ward verschlungen, Freunden und Bekannten mitgeteilt und empfohlen [...] Shakespeare, prosaisch übersetzt, erst durch Wieland, dann durch Eschenburg, konnte als eine allgemeinverständliche und jedem Leser gemäße Lektüre sich schnell verbreiten und große Wirkung hervorbringen. Ich ehre den Rhythmus wie den Reim, wodurch Poesie erst zur Poesie wird aber das eigentlich tief und gründlich Wirksame, das wahrhaftig Ausbildende und Fördernde ist dasjenige, was vom Dichter übrigbleibt, wenn er in Prosa übersetzt wird [...]"6. Aus anfänglichem Interesse wurde schnell Bewunderung für den englischen Dramaturgen, den Goethe ein Leben lang verehrte. Zu einer „vertieften Auffassung der Kunst des Shakespearschen Dramas in all seinen Seiten“7 kam Goethe durch Herder. So war es auch nicht weiter verwunderlich, daß Goethe shakespearsche Elemente auch in seine Literatur einfließen ließ. Die scharfe Kritik Herders, daß Shakespeare Goethe ganz und gar verdorben habe veranlaßte diesen allerdings, den „Urgötz“ umzuarbeiten und in eine weniger dramatische Form zu gießen. In den „Lehrjahren“ bringt Goethe durch die Figur des Wilhelm seine Shakespeare-Begeisterung zum Ausdruck. „Haben Sie denn niemals, sagte Jarno, indem er ihn beiseite nahm, ein Stück von Shakespearen gesehen?“ [192]. Jarno nimmt ihn beiseite, als wäre es peinlich, als solle es keiner hören, daß Wilhelm noch nie mit den Werken des englischen Dichters in Kontakt gekommen ist.

[...]


1 Vgl. Ermann, Kurt: Goethes Shakespeare-Bild. Tübingen. 1983. 140.

2 Ermann. 143.

3 Ermann. 146.

4 Ermann. 148.

5 Schöffler, Herbert: Shakespeare und der junge Goethe, . ShJb 76. Zum Shäkespears Tag 1771. Hrsg. mit Geleitwort von E. Beutler. 1938. 11.

6 Schöffler. 11.

7 Schöffler. 12.

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/48896/