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Examination Thesis, 2005, 94 Pages
Author: Jean-Claude Eichenseher
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Motiv, Liebestrennung, Tristanromanen, Eilharts, Gottfrieds
Year: 2005
Pages: 94
Grade: 2,3 (gut)
Bibliography: ~ 72 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-45484-1
File size: 637 KB
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Motiv der Liebestrennung in den Tristan-Romanen Gottfrieds von Straßburg und Eilhart von Oberg.
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Excerpt (computer-generated)
Schriftliche Prüfungsarbeit zur Wissenschaftlichen Prüfung für das Lehramt an Gymnasien im Fach Germanistik an derUniversität Trier
„Das Motiv der Liebestrennung in den Tristanromanen Eilharts und Gottfrieds“
vorgelegt von: Jean-Claude Eichenseher
2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
1.1 Der Tristanstoff ... 4
1.2 ‚Version courtoise’ und ‚Version commune’ ... 5
1.3 Zur Minnekonzeption ... 7
1.4 Thema der Arbeit und Vorgehensweise ... 11
1.5 Textauswahl ... 12
1.6 Forschungsstand ... 13
2. Die Trennung der Liebenden ... 14
2.1 Literarische Bedeutung der Trennung der Liebenden ... 14
2.2 Die Abschiedsszene bei Eilhart und Gottfried ... 17
2.2.1 Tristans Abschiedsrede ... 17
2.2.2 Isoldes Abschiedsmonolog ... 19
2.3 Das Leben der Liebenden während der Trennung ... 23
2.3.1 Tristan auf der Flucht vor sich selbst ... 23
2.3.2 Isolde I – Tristans Geliebte ... 27
2.3.3 Isolde II – Tristans Ehefrau in Eilharts ’Tristan’ im Kontrast zu Isolde I ... 31
2.3.3.1 Die erste Begegnung von Tristan und Isolde II ... 31
2.3.3.2 Die Heirat von Tristan und Isolde II ... 32
2.3.3.3 Isolde I im Vergleich zu Isolde II ... 33
2.3.3.4 Tristan und Isolde I im Streit ... 35
2.3.3.5 Die Versöhnung ... 38
2.3.3.6 Tristans Abenteuer im ‚Minnedienst’ ... 40
2.3.3.7 Tristans Kampf gegen Graf Riol und die Folgen ... 42
2.3.3.8 Tristans Beihilfe zum Ehebruch ... 47
2.3.3.9 Isolde II trifft auf Isolde I ... 48
2.3.4 Isolde Weißhand – Tristans Versuchung in Gottfrieds ‚Tristan’ ... 51
2.3.4.1 Tristans erste Begegnung mit Isolde Weißhand ... 51
2.3.4.2 Isolde Weißhand als Liebesersatz ... 53
2.3.4.3 Tristans Zerrissenheit ... 55
2.3.4.4 Tristans Rechtfertigungsversuche ... 57
3. Das Ende der Erzählung ... 60
3.1 Bei Eilhart ... 60
3.2 Bei Gottfried ... 62
3.2.1 Gottfrieds ‚Tristan’ als Fragment? ... 62
3.2.2 Mögliche Fortsetzungen ... 65
4. Die Schuldfrage ... 68
4.1 Die Schuldfrage bei Eilhart ... 68
4.2 Die Schuldfrage bei Gottfried ... 69
5. Eilhart und Gottfried – ein Vergleich ... 74
5.1. Die Minnekonzeption ... 74
5.2 ‚Version courtoise’ oder ‚Version commune’ ... 75
5.3 Gottfrieds tiefgreifendere Analyse ... 80
5.4 König Marke und die Gesellschaft als Anti-Tristrant ... 81
5.5 Zur gegenseitigen Beeinflussung der Autoren ... 82
6. Zusammenfassung ... 84
Literaturliste ... 87
Anhang ... 94
1. Einleitung
Gegenstand der vorliegenden Examensarbeit ist die Liebestrennung in den Tristanromanen Eilharts von Oberg und Gottfrieds von Straßburg. Dieses Motiv ist ein im 12. Jahrhundert weit verbreitetes Thema der Minne- und Abenteuerromane, „die auf eine höchst variable Art und Weise von Liebesglück und Liebesleid erzählen, von Trennung und Wiedervereinigung der Liebenden“ 1. Die Liebenden werden aus unterschiedlichen Gründen voneinander getrennt und müssen nun beweisen, dass ihre Liebe auch über die Distanz von Bedeutung ist.
1.1 Der Tristanstoff
In den Tristanerzählungen, deren Ursprünge offenbar allesamt „direkt oder indirekt auf ein und dasselbe, allerdings nicht überlieferte Werk […], die Estoire“ 2 zurückgehen, spielt die Trennung der Liebenden eine zentrale Rolle. Insbesondere im 12. und 13. Jahrhundert erfreute sich der Tristan-Stoff großer Beliebtheit. Es war die Zeit „des einsetzenden geistigen Umbruchs“3 , der Mensch hatte sich als Individuum aus der Gesellschaft hervorgehoben. In der Literatur wurde sich dabei häufig der Minnethematik bedient, um „die Entdeckung des Individuums, des einzelnen Menschen in seiner Einzigartigkeit“4 darzustellen. Eine Betonung des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft führt zwangsläufig zu Konflikten, die in der höfischen Literatur häufig durch „die Suche nach einem Ausgleich“ 5 verhindert werden sollten. Der Tristan-Stoff wurde jedoch dazu verwendet, „die Rebellion gegen die Zwänge des frühen Patriarchats“6 auszudrücken, statt den Konflikt zu verklären. Die Thematik des Ehebruchs eignete sich dabei besonders, die Probleme zwischen Individuum und Gesellschaft darzustellen. Der Ehebruch, aber auch die damit verbundenen Folgen, führen die Figuren immer wieder in Situationen, in denen sie sich zwischen Individuum und Gesellschaft entscheiden müssen. Je nach Überlieferungslinie kommt es jedoch zu einer Akzentverschiebung mit unterschiedlicher Gewichtung von Individuum und Gesellschaft.
1.2 ‚Version courtoise’ und ‚Version commune’
Die Tristan-Forschung unterscheidet zwei Überlieferungslinien: die ‚Version commune’ – auch als ‚Spielmannsversion’7 bezeichnet – und die ‚Version courtoise’ oder ‚höfische Fassung’8 .
Während die ‚Version commune’, deren ältester Vertreter die um 1190 entstandene Tristan-Fassung des Béroul darstellt, die Gesellschaft und die Ehre in den Vordergrund rückt, setzt sich die ‚Version courtoise’ mit der Gesellschaft auseinander und preist die Liebe als „höchstes Gut“9 . Horst Brunner kennzeichnet die ‚Version commune’ als unkritische Fassung, „in der der Stoff mit mancherlei unhöfischen Zügen, mit Unwahrscheinlichkeiten und mit eher distanzierter Beurteilung der Liebe zwischen Tristan und Isolde gestaltet wird“10 . In der ‚Version courtoise’ dagegen „wird der Stoff in höfischer Manier gestaltet, Unwahrscheinlichkeiten und Archaismen sind beseitigt, die Liebe wird psychologisiert und positiv beurteilt“11 . In diesem Zusammenhang steht auch die zeitliche Begrenzung des Liebestrankes. Die ‚unhöfischen’ Tristanerzählungen schränken die Dauer des Liebestrankes ein, um im zweiten Teil die recht minne (E 5193)12 , die „Minne als Tugend“13 , der durch den Trank verschuldeten zwanghaften Minne entgegen zu setzen. Die Funktion des Zaubertrankes ist es dabei, die Schuld der Liebenden zu mindern: Es ist die enorme Kraft des Trunks, die die Protagonisten zu unehrenhaftem Verhalten verführt und so „die Spannung zwischen Hof und Herz“14 zum Ausdruck bringt. Des Weiteren soll durch die befristete Dauer des Liebestrankes das Wesen der Liebe beschrieben werden: „Auch sie unterliegt der Zeitlichkeit, ihr ist ein Termin gesetzt, wo sie entweder aufhört oder sich verwandelt“15 . Bei den höfischen Fassungen wirkt der Trunk dagegen unbegrenzt, die symbolische Funktion wird aufgehoben.
Gottfrieds von Straßburg ‚Tristan’ wird in der Forschung einheitlich den höfischen Bearbeitungen zugeordnet16 , genauso wie das Werk des Thomas von Britannien, die Hauptquelle, auf die sich Gottfried von Straßburg beruft (G 150). Dagmar Mikasch-Köthner erklärt sich die enge Orientierung Gottfrieds an Thomas damit, dass dieser nach seiner „Auffassung als einziger die in dem Stoff angelegten Wahrheiten erkannt und umzusetzen verstanden“17 hat.
Die Position von Eilharts ‚Tristan’ ist dagegen unklar. Einerseits weist er zwar Merkmale der ‚Version commune’ auf, so besitzt sein Liebestrank eine begrenzte Dauer von nur vier Jahren, nach deren Ablauf die Wirkung nachlässt. Bereits eine Woche des Getrenntseins der Liebenden würde zum Tode führen (E 2401-2405). Zudem wird die Liebesgemeinschaft beim Waldleben der „erlittenen Mühsal“18 untergeordnet; Eilhart beschreibt das unbequeme Waldleben realistischer als Gottfried, der vor allem das harmonische Zusammenleben des Liebespaares veranschaulichen möchte 19. Andererseits setzt Eilhart sich intensiv mit der Minnethematik auseinander, so dass er eine Art Mittelstellung zwischen ‚Version commune’ und ‚Version courtoise’ einzunehmen scheint. Mikasch-Köthner 20, ähnlich wie Horst Brunner21 , begründet diesen Umstand zudem mit der zeitlichen Einordnung von Eilharts Tristanroman. Sie sieht seine Dichtung zwischen vorhöfischen Texten, zu denen sie unter anderem die Tristanbearbeitung des Thomas von Britannien zuordnet, und den höfischen Entwicklungen, zunächst geprägt durch Chrétien de Troyes. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass die zeitliche Einordnung dieser Romane in der Forschung kontrovers diskutiert wird 22.
[...]
1 Röcke 1984, S.395.
2 Buschinger/Spiewok 1993, S.VII.
3 Mikasch-Köthner 1991, S.11.
4 Ebd.
5 Ebd.
6 Göttner-Abendroth 1993, S.222.
7 Weber 1968, S.57.
8 Vgl. Huber 2000, S.20.
9 Ruh 1980, S.249.
10 Brunner 2003, S.158.
11 Ebd.
12 Die Zahlen in Klammern stehen für Versangaben innerhalb der Primärliteratur, die davorstehenden Buchstaben für den Namen des Dichters: E für Eilhart von Oberg, G für Gottfried von Straßburg, H für Heinrich von Freiberg; O für Ovid, T für Thomas von Britannien; U für Ulrich von Türheim.
13 Ruh 1967, S.51.
14 Bertau 1973, S.959.
15 Mohr 1976, S.70.
16 Vgl. Brunner 2003, S.224.
17 Mikasch-Köthner 1991, S.30.
18 Mergell 1949, S.73.
19 Vgl. David 1989, S.264.
20 Vgl. Mikasch-Köthner 1991, S.20f.
21 Vgl. Brunner 2003, S.158f.
22 Vgl. Buschinger 2004, S.IX; Bußmann 1969, S.XII-XVI; Dam 1930, S.88-95.
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