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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 16 Pages
Author: Florian Link
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society
Details
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz (Institut für Soziologie)
Tags: Kommunikationsmodelle, Niklas, Luhmann, Paul, Watzlawick, Vergleich, Konzepte, Interaktion
Year: 2005
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-45521-3
File size: 82 KB
Die systemtheoretische Sichtweise menschlicher Beziehungen basiert auf der These, dass zwischenmenschliche Systeme also Gruppen, Ehepaare, Familien, oder selbst internationale Beziehungen usw. als Rückkoppelungskreise angesehen werden können, da in ihnen das Verhalten jedes einzelnen Individuums das jeder anderen Person bedingt und seinerseits von dem Verhalten aller anderen bedingt wird.
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Abstract
Die systemtheoretische Sichtweise menschlicher Beziehungen basiert auf der These, dass zwischenmenschliche Systeme – also Gruppen, Ehepaare, Familien, oder selbst internationale Beziehungen usw. – als Rückkoppelungskreise angesehen werden können, da in ihnen das Verhalten jedes einzelnen Individuums das jeder anderen Person bedingt und seinerseits von dem Verhalten aller anderen bedingt wird. Im Regelfall geht es dabei um ein alltagssprachliches Verständnis von Kommunikation, das die – wie auch immer bewerkstelligte – Übertragung von Informationen meint. Kommunikation kann in sozialer Hinsicht nicht einfach als Transportvorgang zwischen Alter und Ego beschrieben werden. Wer sich für Kommunikation interessiert, beobachtet vielmehr die „Hervorbringung“ von Sinn zwischen den an Kommunikation Beteiligten. Das ist so, weil Alter und Ego füreinander undurchsichtig sind, so dass Ego nicht wissen kann, was Alter aus einer Mitteilung macht, was für ihn dabei einen Unterschied machen, also zur Information werden wird und wie er diese dann versteht, d.h. sie in seine eigenen Sinnhorizonte einbaut und sie mit den eigenen Erwartungen abgleicht. Erst wenn Alter geantwortet hat, wird der soziale Sinn einer Äußerung – sprachlich, körperlich, schriftlich oder per Email – für die Beteiligten greifbar. Was in Kommunikation also geschieht, ist für beide Seiten in einem hohen Maße kontingent und durch Absichten, Motive usw. nur sehr bedingt zu steuern. Trotzdem gibt es soziale Ordnung. Es gibt Strukturen, Handlungszusammenhänge, Institutionen, in denen Ego mit relativer Sicherheit wissen kann, wie Alter eine Information verstehen und wie er auf sie antworten wird – wie Alter dann auch weiß, was Ego von ihm erwartet. Gesellschaft kann an dieser Stelle allerdings nicht auf gute Absichten, d.h. auf das Bewusstsein der Beteiligten gebaut werden. Es wäre heillos überfordert mit dieser Aufgabe. Diese Strukturierungs- und Ordnungsleistung muss vielmehr in Kommunikation selbst erbracht werden. Das geschieht durch sprachliche Codierungen, durch Symbole, in denen Situationsdeutungen mit Erwartungen eindeutig verknüpft werden, durch Rituale und performative Gestaltung von Kommunikation. Soziale Ordnung entsteht durch die Formung von Kommunikation.
Excerpt (computer-generated)
Kommunikationsmodelle von Niklas Luhmann
und Paul Watzlawick im Vergleich
von: Florian Link
Sommersemester 2005
Gliederung
1. Einleitung Seite 1
2. Kommunikationstheorien Seite 2
2.1 Systemtheoretischer Ansatz nach Niklas Luhmann Seite 2
2.2 Konstruktivistischer Ansatz nach Paul Watzlawick Seite 6
2.2.1 Das 1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren Seite 7
2.2.2 Das 2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt Seite 8
2.2.3 Das 3. Axiom: Die Natur einer Beziehung ist durch Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt Seite 8
2.2.4 Das 4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten Seite 9
2.2.5 Das 5. Axiom: Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär Seite 10
3. Diskussion Seite 11
4. Fazit Seite 14
1. Einleitung
Die systemtheoretische Sichtweise menschlicher Beziehungen basiert auf der These, dass zwischenmenschliche Systeme – also Gruppen, Ehepaare, Familien, oder selbst internationale Beziehungen usw. – als Rückkoppelungskreise angesehen werden können, da in ihnen das Verhalten jedes einzelnen Individuums das jeder anderen Person bedingt und seinerseits von dem Verhalten aller anderen bedingt wird.
Im Regelfall geht es dabei um ein alltagssprachliches Verständnis von Kommunikation, das die – wie auch immer bewerkstelligte – Übertragung von Informationen meint. Kommunikation kann in sozialer Hinsicht nicht einfach als Transportvorgang zwischen Alter und Ego beschrieben werden. Wer sich für Kommunikation interessiert, beobachtet vielmehr die „Hervorbringung“ von Sinn zwischen den an Kommunikation Beteiligten. Das ist so, weil Alter und Ego füreinander undurchsichtig sind, so dass Ego nicht wissen kann, was Alter aus einer Mitteilung macht, was für ihn dabei einen Unterschied machen, also zur Information werden wird und wie er diese dann versteht, d.h. sie in seine eigenen Sinnhorizonte einbaut und sie mit den eigenen Erwartungen abgleicht. Erst wenn Alter geantwortet hat, wird der soziale Sinn einer Äußerung – sprachlich, körperlich, schriftlich oder per Email – für die Beteiligten greifbar. Was in Kommunikation also geschieht, ist für beide Seiten in einem hohen Maße kontingent und durch Absichten, Motive usw. nur sehr bedingt zu steuern.
Trotzdem gibt es soziale Ordnung. Es gibt Strukturen, Handlungszusammenhänge, Institutionen, in denen Ego mit relativer Sicherheit wissen kann, wie Alter eine Information verstehen und wie er auf sie antworten wird – wie Alter dann auch weiß, was Ego von ihm erwartet. Gesellschaft kann an dieser Stelle allerdings nicht auf gute Absichten, d.h. auf das Bewusstsein der Beteiligten gebaut werden. Es wäre heillos überfordert mit dieser Aufgabe. Diese Strukturierungs- und Ordnungsleistung muss vielmehr in Kommunikation selbst erbracht werden. Das geschieht durch sprachliche Codierungen, durch Symbole, in denen Situationsdeutungen mit Erwartungen eindeutig verknüpft werden, durch Rituale und performative Gestaltung von Kommunikation. Soziale Ordnung entsteht durch die Formung von Kommunikation. Erst wenn solche Techniken der Formung von Kommunikation verfügbar sind, ist Wiederholbarkeit gesichert, werden Erwartungen erwartbar und man ist dann nicht mehr mit der Stabilisierung von Kommunikation beschäftigt, sondern kann sich anderen Dingen widmen. Gesellschaft kann komplexer werden. Im Folgenden möchte ich die Kommunikationskonzepte des Systemtheoretikers Niklas Luhmann und des Kommunikationsforschers Paul Watzlawick vorstellen, um dann überprüfen zu können, in wie weit sie sich ausschließen oder ergänzen können. Beide, Luhmann und Watzlawick, entwickeln ihre Theorien aus der Warte des radikalen Konstruktivismus heraus, welcher eine interdisziplinäre Forschungsrichtung darstellt, die sich aus der Biologie, Psychologie, Philosophie, Mathematik, Kybernetik und Soziologie speist, aber auch empirische Anwendung in der Managementwissenschaft, Psychiatrie oder Literaturwissenschaft findet. „Grundlegend geht der radikale Konstruktivismus davon aus, dass all unser Wissen über die Welt durch unser Gehirn aus Sinneswahrnehmungen konstruiert und daß eine objektive Erkenntnis nicht möglich ist, sondern höchstens Intersubjektivität erreicht werden kann. Danach ist der Mensch auf die Daten, die ihm seine Sinnesorgane liefern, beschränkt, und jede Erkenntnis ist eine Konstruktion aus diesen Daten.“1
2. Kommunikationstheorien
2.1 Systemtheoretischer Ansatz nach Niklas Luhmann
Laut Niklas Luhmann besteht Kommunikation aus einer Synthese dreier Selektionen, also als eine Einheit von Information, Mitteilung und Verstehen. Die Kommunikation ist dann realisiert, wenn das Verstehen zustande kommt. Alle drei Selektionen sind für Kommunikation konstituierend, ebenso die Wahrung der Differenz zwischen Information und Mitteilung. „Begreift man Kommunikation als Synthese dreier Selektionen, als Einheit aus Information, Mitteilung und Verstehen, so ist die Kommunikation realisiert, wenn und soweit das Verstehen zustande kommt. Alles weitere geschieht ‚außerhalb’ der Einheit einer elementaren Kommunikation und setzt sie voraus. Das gilt besonders für eine vierte Art von Selektion, für die Annahme bzw. Ablehnung der mitgeteilten Sinnreduktion. Man muß beim Adressaten der Kommunikation das Verstehen ihres Selektionssinnes unterscheiden vom Annehmen bzw. Ablehnen der Selektion als Prämisse eigenen Verhaltens. Diese Unterscheidung ist theoretisch von erheblicher Bedeutung.“2
[...]
1 Berger, Peter L., Luckmann, Thomas: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Seite 123, Frankfurt a.M.: Fischer, 1980
2 Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Seite 203, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1987
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