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Autor: Toralf Brakutt
Fach: Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse
Details
Institution/Hochschule: Universität Leipzig
Tags: Qual, Wahl, Wird, Objektivität, Beiträgen, Wahlkampfzeiten, Eine, Analyse, Berücksichtigung, Beiträge, Spiegel, Gerhard, Schröder, Vorfeld, Bundestagswahlen, Wahrnehmen, Selektieren, Präsentieren
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 27 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 300 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45567-1
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig
Abteilung Allgemeine und Spezielle Journalistik
Seminar „Wahrnehmen, Präsentieren, Selektieren“
Wintersemester 2005/2006
Die Qual vor der Wahl: Wird Objektivität in journalistischen
Beiträgen zu Wahlkampfzeiten vernachlässigt? Eine Analyse
unter Berücksichtigung der Beiträge des Spiegel über
Gerhard Schröder im Vorfeld der Bundestagswahlen 2005
von: Toralf Brakutt
Gliederung
1 Einleitung Seite 1
2 Die Frage nach der Objektivität Seite 2 – 7
2.1 Objektivität im Journalismus Seite 2
2.2 Verhältnis zwischen Politik und Medien Seite 4
2.3 Objektivität in journalistischen Beiträgen im Vorfeld der Bundestagswahl 2005 Seiten 4 – 6
3 Die Berichterstattung des Spiegel Vorfeld der Bundestagswahlen 2005 Seiten 7 – 16
3.1 Charakterisierung der Untersuchungsobjekte Seite 7
3.2 Vorgehen bei der Untersuchung Seite 7
3.3 Ergebnisse Seiten 8 – 16
4 Schlussbemerkung Seite 16
5 Anhang
„Ich bin stolz, [...] dass Medienmacht und Medienmanipulation das demokratische
Selbstbewusstsein nicht erschüttert[...]. Diejenigen (Journalisten), die einen (polit ischen)
Wechsel [...] erstreben wollten, sind grandios gescheitert.1“
- Gerhard Schröder über journalistische Berichterstattung
im Vorfeld der Bundestagswahlen 2005
1 Einleitung
Noch kaum ein Wähler hatte seine Stimmen für die Bundestagswahl 2005 abgegeben, da schien für den Spiegel ihr Ergebnis schon festzustehen. Bereits Wochen vor dem 18. September schrieb das Magazin, die Wahl werde „Schröders Endspiel“ 2, „seine letzte Schlacht“ 3, durch sie nehme er „Abschied von der Macht“ 4. Auch zahlreiche andere Medien fühlten sich einer untrüglichen Endzeitstimmung gegenüber dem „Medienkanzler a.D.“ (Welt am 17. 09. 2005) verpflichtet. Als wäre es eine Epidemie, breitete sich unter Journalisten angesehener Medienunternehmen der Hang zum Orakeln aus. Obwohl sie sich allenfalls auf Umfragenwerte stützen konnten, sahen sie Schröder „auf seiner Abschiedstour“; für sie war „alles klar“5. Dabei sollen „Berichterstatter [...] dem Leser [...] nicht das Denken abnehmen, [...] (sondern) nur die Fakten liefern“ 6, sagt ein journalistisches Grundprinzip. Weshalb also wagten sich Journalisten auf das Glatteis, eher über ‚vermutete’ oder ‚gefühlte’ Zustände zu berichten als über die tatsächliche Faktenlage?
Die vorliegende Arbeit will anhand ausgewählter Beispiele politischer Berichterstattung im Vorfeld der Bundestagswahlen 2005 untersuchen, wie der normative Wert der Objektivität in journalistischen Beiträgen in der Politikberichterstattung zu Wahlkampfzeiten vernachlässigt werden kann. Besondere Berücksichtigung soll dabei dem Spiegel zukommen. Zunächst werden theoretische Grundlagen des Problems erläutert (Seiten 2 bis 4). Auch auf die Selbstreflexion der Medien, die im Wahlkampf „flächendeckend“ versucht haben sollen, Gerhard Schröder „wegzuschreiben“ (Seite 6) soll eingegangen werden. Anschließend wird der Forschungsgegenstand charakterisiert und untersucht.
„Nachrichten [...] sind mit [...] Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. [...] Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.“ - Deutscher Presserat, Pressekodex, Ziffer 27.
2 Die Frage nach Objektivität
2.1 Objektivität im Journalismus
Die Debatte um Objektivität in den Medien – also die Frage, ob und wie darin absolute Neutralität der Berichterstattung hergestellt und die Wirklichkeit abgebildet werden kann – gilt unter Journalisten und Wissenschaftlern als kontrovers8. Ursache hierfür ist einerseits der Streitpunkt, ob überhaupt unbeeinflusst berichtet werden kann und andererseits die Diskussion darum, wie der Begriff Objektivität für den Journalismus zu verstehen ist. Überwiegend wird mit Objektivität im Journalismus die Fähigkeit verbunden, „möglichst realitätsadäquate Aussagen zu machen“9. Dazu gezählt werden unter anderem die Mittel, Tatsachen und Aussagen Dritter zu hinterfragen und sowohl ausgewogen, und unparteiisch als auch unabhängig zu berichten. Doch diese normativ kritische Grundhaltung wird von Rezipienten häufig als unangemessen negativ empfunden. Journalisten verwechseln möglicherweise Skepsis mit Objektivität, wenn sie den Ereignissen grundsätzlich zurückhaltend gegenüberstehen10. Siegfried Weischenberg schreibt dazu:
„Pauschal wird [...] Journalismus [...] vorgeworfen, dass er die Realität verzerre. (Er) konzentriere sich einseitig [...] auf dramatische [...] Ereignisse, bevorzuge bestimmte [...] Regionen; [...] überrepräsentiere die [...] Elite, produziere Mythen über gesellschaftliche Situationen und menschliches Verhalten.[...] Die ‚Medienrealität’ sei nicht dasselbe wie die gesellschaftliche Wirklichkeit, und deshalb sei die Berichterstattung nicht objektiv.“11 Weischenberg differenziert zwischen der von der ‚Gesellschaft empfundenen Wirklichkeit’ und der ‚Medienrealität’, die sich nicht an der Wirklichkeit orientiere, sondern am „Nachrichtenwert eines Ereignisses“. Damit richtet sich der Journalismus in der Art und Weise seiner Darstellung des gesellschaftlichen Lebens einzig am Interesse, das er seinem Publikum unterstellt; heißt: Wirklichkeit in den Medien ist, was in der Gesellschaft als wichtig empfunden wird.
[...]
1 Aus: Informationsdienst für Politik: „Reaktionen am Wahlabend“. http://www.politikerscreen.de/direct.asp?page=/static/blickpunkt/2005/NachderWahl/2.18.09.htm
2 Der Spiegel (22/2005): Seite 22.
3 Der Spiegel (32/2005): Seite 36.
4 Der Spiegel (25/2005): Seite 42.
5 Zapp: „Vorwürfe gegen Journalisten. Die mediale Selbstüberschätzung im Wahlkampf“. http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID1812944,00.html
6 La Roche, Walther von: Seite 115.
7 Deutscher Presserat: Seite 214 f.
8 Vgl. Noelle-Neumann, Elisabeth (u.a.): Seite 118f.
9 Nach Noelle -Neumann, Elisabeth (u.a.): Seite 122.
10 Vgl. Weischenberg (2001): Seite 19.
11 Vgl. Weischenberg (2001): Seite 20.
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