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Autor: Diplom-Pädagoge Kai Strepp
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Details
Textauszug (computergeneriert)
Die fachdidaktische Kritik an
Diktat und Aufsatz im Fach Deutsch
von: Kai Strepp
Gliederung
1. Fachdidaktische Kritik an Diktat und Aufsatz
1.1. Diktatkritik
1.2. Aufsatzkritik
2. Alternativen
2.1. Alternativen zur gängigen Rechtschreibdidaktik
§ Rätsel
§ Laufdiktat / Dosendiktat
§ Kassettendiktat
§ Partnerdiktat
§ Zwei – Stufen – Diktat
§ Erweitertes Zwei – Stufen – Diktat
2.2 Zur gängigen Aufsatzdidaktik
Der mehrstufige Aufsatz
a) Vorstellung des Themas
b) Lesen u. Bearbeiten von Impulstexten
c) Strukturierung des Themas
d) Recherche
e) Auswertung des Materials
f) Wiederholen von Textsortenwissen zur Schreibaufgabe
g) Klassenarbeit
Vorteile dieser Leistungsbeurteilung
Nachteile dieser Leistungsbeurteilung
3. Literaturangaben
1. Fachdidaktische Kritik an Diktat und Aufsatz
1.1. Diktatkritik
Definition Diktat:
„diktieren“: unter diktieren versteht man das Vorlesen oder Vorsprechen eines Textes, welcher dann nach Gehör schriftlich festgehalten wird. „Diktat“: die gesamte Veranstaltung des Diktierens und Niederschreibens samt ihrem Ergebnis Das Diktat ist „einer der schwierigsten Fertigkeiten“ in der Schule „da es sich dabei um einen Systemwechsel- und Transkodierungsprozess handelt, bei dem bestimmte sprachliche Einheiten von der auditiv-phonetischen in die optisch-praphemische und schließlich in die schreibmotorische Ebene transportiert werden müssen. Außerdem ist der Schreibende genötigt, vor allem von den individuellen, dialektalen und bis zu einem gewissen Grade auch von den prosodischen und sonstigen verboakustischen Färbungen des Diktats zu abstrahieren.“ 1 Das Diktat ist eine besondere Form des Niedergeschriebenen von Gehörtem. Es ist eine absolute Sonderform, die der Handlung von niedergeschriebenem Gedankengut nicht nachkommt. Es wird beim Diktat weder die Sensibilisierung von Fehlerwahrnehmung geschult, noch Rechtschreibsicherheit aufgebaut. Rechtschreibfähigkeit definiert sich durch folgende Punkte2:
1. Möglichst viele verschiedene im Unterricht bereits gelernte Wörter in Textzusammenhängen richtig schreiben zu können.
2. Möglichst viele verschieden noch nicht gelernte Wörter durch orthographisches Denken ableiten zu können.
3. Möglichst viele nicht durch Rechtschreibstrategien in ihrer Schreibung ermittelbare Wörter in einem Wörterbuch rasch aufzufinden und dann richtig schreiben zu können.
Das Diktat liefert nach o.g. Kriterien für Rechtschreibfähigkeit keine objektive Beurteilung der Rechtschreibsicherheit, da:
1. Das Wortmaterial so begrenzt ist, dass die Ermittlung der verschiedenen Wörter, die ein Mensch richtig schreiben kann, niemals erbracht werden kann.
2. Diktate Auskunft darüber geben, was vorher im Unterricht erlernt wurde und somit eine Beurteilung der angewandten Strategie unmöglich wird.
3. Der Prozess des Nachschlagens überhaupt nicht angewandt wird.
4. Diktate keine Auskunft darüber geben, über welchen Schreibwortschatz der Schreibende verfügt, über welche eine solch orthographische Messung überhaupt verglichen werden kann.
Das Kind muss während des Diktates nahezu gleichzeitig hören, assoziativ und reflektierende Denken, Analogien bilden... Zudem ist es emotional eingebunden durch evtl. Unruhe bei Unsicherheit, die Schrift muss lesbar sein, es muss das Diktierte wiederholen, möglicherweise auch korrigieren. Beim Diktieren wird zudem auch kein normales Sprechen verwendet. Da die Sprache beim Diktat funktionalen Charakter annimmt, ist die Sprache in diesem Sinne nichtnatürlich, aufgrund:
- Der Anpassung der Sprechgeschwindigkeit an die Schreibgeschwindigkeit des Schreibers
- Von betonendem, dehnendem und silbischem Unterglieden von Wörtern
- Dem Einfügen von Pausen
- Dem Buchstabieren von Eigennamen oder Fremdwörtern
Diese Diktiersprache kann den Schreibprozess dermaßen beeinflußen, dass durch diese erst charakteristische Fehler entstehen. Sie spiegelt das außerschulische Niederschreiben von Gehörtem nicht wieder.
[...]
1 Adolf.: Lesenlernen: Theorie und Unterricht. Düsseldorf 1967, S. 93f
2 Menzel, Basisartikel Praxis Deutsch Heft 142
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