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Die Mafia und die Ehre - Wie hat sich die Ehrvorstellung Siziliens im Laufe der Geschichte gewandelt?

Autor: Catrin Knußmann
Fach: Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 17
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 187 KB
Archivnummer: V49032
ISBN (E-Book): 978-3-638-45580-0
ISBN (Buch): 978-3-638-76441-4

Zusammenfassung / Abstract

„Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit, sie kann jemandem als Mitglied eines Kollektivs zuerkannt werden, sie kann aber auch vom dazu Berechtigten zugesprochen werden. Durch Missachtung des Kollektivs wird der Einzelne, durch Missachtung des Einzelnen wird sein Kollektiv getroffen - anders als z. B. beim Ruhm. Verletzte Ehre wurde früher und wird in vielen meist islamischen Ländern auch heute noch auf verschiedene Weise wiederhergestellt. Das Streben einer Person nach Ruhm oder Ehren führt und führte nicht selten zu persönlichen und äußeren Konflikten. In manchen Kulturen spricht man beim Verlust der Ehre auch von Gesichtsverlust“ (de.wikipedia.org/wiki/Ehre). Laut dem österreichischem Soziologen Roland Gritler existiert die Ehre seit Menschengedenken, die Muster der Ehre und die inhaltliche Bedeutung können sich im Laufe der Zeit allerdings verändern. Die Ehre ist somit etwas Unveränderbares, Universales, deren Bedeutung aber unterschiedlich sein kann. Die Ehre von der inhaltlich veränderbaren Seite könnte vielleicht mit den Begriffen wie Prestige oder Ansehen gleichgestellt werden. Die inhaltliche Bedeutung der Ehre könnte man auch mit einem an der Gesellschaft genormten Muster, das sich auf Respekt stützt, vergleichen. Im Bezug auf die Ehre der Sizilianer bin ich der Meinung, dass sie universell bei allen Sizilianern vorhanden ist. Die inhaltliche Ebene hat sich allerdings von der Entstehungszeit der Mafia bis in die heutige Zeit verändert. Im ersten Teil meiner Hausarbeit gehe ich auf die fachliterarische Definition von Mafia und den Entstehungskontext ein. Für mich erscheint es notwendig zu klären, dass gerade das machtpolitische Feudalsystem und die nicht zu einer Zentralisierung fähigen Herrscher dazu beigetragen haben, die Entstehung eines Phänomens mit einer solch ausgeprägten Gewaltbereitschaft wie die der Mafia zu begünstigen. Daran schließt sich eine Darstellung des mediterranen Ehrenkodex und die Unterscheidung zwischen der männlichen und der weiblichen Ehre an. Die traditionelle Mafia lebte von der Ehre, für sie war es das Lebenselexier. Deshalb ist es wichtig, sich mit deren Bedeutung und auch deren inhaltlichen Einfluss auf die beiden Geschlechter auseinander zu setzen. Im letzten Teil dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Frage, wie sich die Ehrvorstellung in Sizilien und insbesondere innerhalb der Mafia im Laufe der Zeit verändert hat.

Textauszug (computergeneriert)

Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Soziologie
Grundseminar: Mafia – Organisation und Netzwerk
Sommersemester 2005
5. Fachsemester

Die Mafia und die Ehre - Wie hat sich die Ehrvorstellung
Siziliens im Laufe der Geschichte gewandelt?

von: Catrin Knußmann

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Die traditionelle sizilianische Mafia 3

2.1. Definition der Mafia 3
2.2. Entstehungskontext der Mafia 5

3. Der mediterrane Ehrenkodex 7

4. Männliche und weibliche Ehre 9

5. Veränderung der Ehrvorstellung 13

6. Fazit 15

7. Literaturverzeichnis 17




 

1. Einleitung

„Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit (einer Person), sie kann jemandem als Mitglied eines Kollektivs zuerkannt werden (Ehre des Weibes, des Edelmannes, des Handwerkers u. a. m.), sie kann aber auch (etwa durch die Nobilitierung oder eine Ordensverleihung) vom dazu Berechtigten zugesprochen werden (The Queen is the fountain of honour). Durch Missachtung des Kollektivs wird der Einzelne, durch Missachtung des Einzelnen wird sein Kollektiv getroffen (vgl. die Ehrverletzung) - anders als z. B. beim Ruhm. Verletzte Ehre wurde früher und wird in vielen meist islamischen Ländern auch heute noch auf verschiedene Weise (vgl. Rache, Duell, Ehrenmord) wiederhergestellt. Das Streben einer Person nach Ruhm oder Ehren führt und führte nicht selten zu persönlichen und äußeren Konflikten. In manchen (östlichen) Kulturen spricht man beim Verlust der Ehre auch von Gesichtsverlust“ (de.wikipedia.org/wiki/Ehre).

Laut dem österreichischem Soziologen Roland Gritler existiert die Ehre seit Menschengedenken, die Muster der Ehre und die inhaltliche Bedeutung können sich im Laufe der Zeit allerdings verändern. Die Ehre ist somit etwas Unveränderbares, Universales, deren Bedeutung aber unterschiedlich sein kann. Gritler verzichtet in seinem Buch „Ehre ist unabhängig von Zeit und Kultur“ auf eine genaue Definition von Ehre: „Ich meine sogar, dass es gar nicht möglich ist, derartige Begriffe wie den der Ehre überhaupt erklären zu können – ähnlich ist es mit den Begriffen Sprache, Liebe und so weiter“ (Gritler 1999: 357). Die Ehre von der inhaltlich veränderbaren Seite könnte vielleicht mit den Begriffen wie Prestige oder Ansehen gleichgestellt werden. Die inhaltliche Bedeutung der Ehre könnte man auch mit einem an der Gesellschaft genormten Muster, das sich auf Respekt stützt, vergleichen. Im Bezug auf die Ehre der Sizilianer bin ich der Meinung, dass sie universell bei allen Sizilianern vorhanden ist. Die inhaltliche Ebene hat sich allerdings von der Entstehungszeit der Mafia bis in die heutige Zeit verändert. Im ersten Teil meiner Hausarbeit gehe ich auf die fachliterarische Definition von Mafia und den Entstehungskontext ein. Für mich erscheint es notwendig zu klären, dass gerade das machtpolitische Feudalsystem und die nicht zu einer Zentralisierung fähigen Herrscher dazu beigetragen haben, die Entstehung eines Phänomens mit einer solch ausgeprägten Gewaltbereitschaft wie die der Mafia zu begünstigen. Daran schließt sich eine Darstellung des mediterranen Ehrenkodex und die Unterscheidung zwischen der männlichen und der weiblichen Ehre an. Die traditionelle Mafia lebte von der Ehre, für sie war es das Lebenselexier. Deshalb ist es wichtig, sich mit deren Bedeutung und auch deren inhaltlichen Einfluss auf die beiden Geschlechter auseinander zu setzen. Im letzten Teil dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Frage, wie sich die Ehrvorstellung in Sizilien und insbesondere innerhalb der Mafia im Laufe der Zeit verändert hat.

2. Die traditionelle sizilianische Mafia

2.1. Definition der Mafia

Wenn man sich einfach einmal im Bekanntenkreis umhört, was die Leute unter Mafia verstehen, wird man immer wieder das Gleiche zu hören bekommen: „eine kriminelle Vereinigung“, „organisiertes Verbrechen“, „familiäre Bindungen, die in dunkle Machenschaften verwickelt sind“, „Mafia hat doch was mit Dons und Ehre zu tun“. Im Endeffekt stellen sich die meisten eine geheim operierende, kriminelle Organisation vor, die durch die Hochhaltung der individuellen Ehre geprägt ist. Dieses Bild wird auch in so bekannten Filmen wie „Der Pate“, „Die Ehre der Prizzis“ oder „ Donnie Brasco“ vermittelt und gezeichnet. Für das allgemeine Verständnis mögen diese Definitionen vielleicht ausreichen, nicht aber, um aber die spezielle Situation der Mafia in Sizilien zu erläutern. Ich möchte mich hierzu auf die Definitionen von Arlacchi, Hess, Pitré und Blok stützen.

Pino Arlacchi verweist in seinem Buch „Mafiose Ethik und der Geist des Kapitalismus“ darauf, dass er die Mafia nicht als eine Organisation, sondern als eine Verhaltensform sieht: „Sich auf mafiose Weise zu verhalten bedeutet, sich ehrenhaft [onorevole] zu verhalten, und zwar in einer Weise, die den Regeln von Mut, Schlauheit, Grausamkeit und der Anwendung von Raub und Betrug entspricht“ (Arlacchi 1989: 29). Ehrenhaft ist in diesem Zusammenhang ein Synonym für außergewöhnlich, achtbar und rechthaberisch. Ganz wichtig ist es dabei, dass ein ehrenhafter Mann immer wieder seine Überlegenheit zur Schau stellt. Ein Mafioso ist nach der Definition von Arlacchi jemand, der sich mafios verhält und sich mit seinem Handeln Respekt und Ehre zu verschaffen weiß, daher auch die italienischen Bedeutungen als uomo di rispetto und uomo d’onore (vgl. Arlacchi 1989: 29f.). Arlacchi betont mit seiner Mafia-Definition also, dass das mafiose Verhalten nicht nur auf eine bestimmte Gruppe von Menschen zutrifft, sondern es sich jeder aneignen und ausführen kann.

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